ROUNDUP/Urlaub trotz Krisen: Reiselust bleibt weiter hoch

03.03.26 07:04 Uhr

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BERLIN (dpa-AFX) - Der Konflikt im Nahen Osten verunsichert viele Reisende. Dennoch bleibt die Reiselust aus Sicht der Branche hoch. "Die jüngste Zuspitzung in Nahost zeigt: Wir leben in einer zunehmend volatilen Welt. Doch trotz geopolitischer Krisen, Klimarisiken und wachsender Digitalisierung bleibt der Wunsch nach Urlaub sehr stark", sagte Dertour-Chef Christoph Debus der Deutschen Presse-Agentur. Man sei mit der Buchungsentwicklung aktuell sehr zufrieden.

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Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) berichtet von einer stabilen Urlaubsnachfrage auf hohem Niveau. Mit Blick auf die aktuelle Lage im Nahen Osten zeigte sich DRV-Präsident Albin Loidl besorgt: "Für unsere Branche hat die Sicherheit der Reisenden und unserer Partner vor Ort immer oberste Priorität." Die aktuellen Entwicklungen zeigten, wie eng verbunden und zugleich fragil die Welt sei. Die Aussagen fallen zum Auftakt der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, der weltgrößten Reisefachmesse.

Israel und die USA hatten am Samstagfrüh Luft- und Raketenangriffe auf den Iran begonnen, bei denen auch Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion. In der Folge sitzen dort viele Reisende fest - vor allem an Flughäfen und auf Kreuzfahrtschiffen. Nach Angaben des DRV sind rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter betroffen.

Sicherheit und Beratung rücken stärker in den Fokus

Viele Reisende legen bei der Planung zunehmend Wert auf Absicherung. "Gerade in unsicheren Zeiten setzen die Deutschen bei ihrer Urlaubsplanung auf Verlässlichkeit und Sicherheit", sagte Loidl. "Vertrauen ist unsere stärkste Währung geworden." Besonders Flugpauschalreisen verzeichneten eine starke Nachfrage mit deutlich mehr Gästen als im Vorjahr.

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Dertour beobachte einen steigenden Beratungsbedarf - und das nicht erst seit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten. "Kunden informieren sich stärker zur Situation vor Ort", sagte Debus. Die Nachfrage nach Unterstützung durch Reiseveranstalter nehme deutlich zu. "Der Wert eines Reiseveranstalters wird in solchen Situationen sichtbarer, weil wir Sicherheit und persönliche Ansprechpartner bieten", sagte er.

Passend zum gestiegenen Sicherheitsbedürfnis hält auch der Trend zum frühen Buchen an. Viele Urlauber entschieden sich früher als in den Vorjahren für ihre Reise. Nach Angaben des DRV wurde ein Großteil der Sommerurlaube bereits im vergangenen halben Jahr gebucht.

Folgen des Kriegs für Tourismus noch unklar

Zu den beliebtesten Reisezielen im Sommer gehört nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes auch Ägypten, das im Ranking auf Platz vier liegt - hinter der Türkei, Spanien und Griechenland. Der Dertour-Chef sieht einen Grund dafür im guten Preis-Leistungs-Verhältnis. In Ägypten bekomme man häufig ein Fünf-Sterne-Hotel zu einem Preis, für den Reisende in anderen Regionen oft nur drei oder vier Sterne erhielten, sagte Debus.

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Ob sich der Krieg im Nahen Osten auch auf die Nachfrage nach Reisezielen wie Ägypten auswirkt, das an Israel grenzt, wo es infolge iranischer Angriffe bereits Tote und Verletzte gab, bleibt abzuwarten. Eine Einschätzung dazu sei derzeit nicht möglich, sagte ein Sprecher des Reiseveranstalters TUI.

Welche langfristigen Auswirkungen der Krieg auf den Tourismus haben wird, ist auch nach Einschätzung des DRV offen. Es sei zu früh, um eine Vorhersage zu treffen, sagte Loidl. Derzeit habe es höchste Priorität, mit Reiseveranstaltern vor Ort im Kontakt zu bleiben und Informationen auszutauschen.

USA: Beliebtes Fernziel mit Delle

Auf ein anderes beliebtes Reiseziel wirken sich politische Entwicklungen dagegen bereits aus: die USA. Nach der Corona-Pandemie zog es viele deutsche Urlauber wieder in die Staaten, 2024 fast so viele wie vor der Pandemie, wie die U.S. Travel Association mitteilte. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der deutschen Besucher dann jedoch um 11,3 Prozent zurück.

Der Verband betont die Bedeutung der Wahrnehmung. Maßnahmen wie eine vorgeschlagene Visa-Gebühr von 250 Dollar oder Prüfungen von Social-Media-Konten würden Reisen verlangsamen und Fragen zur Willkommenskultur aufwerfen.

Die USA bleiben nach Angaben des DRV dennoch insgesamt das beliebteste Fernreiseziel der Deutschen. Für den kommenden Sommer zeichnet sich jedoch eine spürbare Zurückhaltung ab: Sowohl die Vorausbuchungsumsätze als auch die Zahl der gebuchten Reisenden liegen zweistellig unter dem Vorjahr. Ein Grund dafür sind laut einer Anfang Februar erhobenen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des DRV politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Rund die Hälfte der Befragten nennt sie als Ursache.

Auch Reiseveranstalter beobachten eine zurückhaltendere Nachfrage. Nachrichten über politische Entwicklungen und die Sicherheitswahrnehmung führten bei manchen Kunden zu Unsicherheit, sagte der Dertour-Chef. Während USA-Reisen derzeit rückläufig seien, verzeichne man beim direkten Nachbarn Kanada positive Zuwächse. Langfristig erwartet er jedoch eine Erholung.

Eine ähnliche Einschätzung gibt es beim Reiseveranstalter Tui. Einige Kunden reagierten abwartend auf politische Entwicklungen oder Einreiseformalitäten, andere wichen vorerst auf alternative Fernziele wie Japan, Kanada oder Südamerika aus, sagte ein Sprecher. Viele dieser Faktoren seien jedoch vorübergehend. Zudem gebe es weiterhin eine gute Nachfrage in einzelnen Regionen der USA./kge/DP/zb

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