finanzen.net
12.06.2019 16:41
Bewerten
(1)

Fresenius-Aktie tiefer: Fresenius im Clinch mit Verdi

Unterdrückte Gewerkschaften?: Fresenius-Aktie tiefer: Fresenius im Clinch mit Verdi | Nachricht | finanzen.net
Unterdrückte Gewerkschaften?
DRUCKEN
Internationale Gewerkschaftsverbände und Verdi werfen dem Medizinkonzern Fresenius vor, in den USA Gewerkschaften systematisch zu unterdrücken.
In Dialysekliniken der Tochter Fresenius Medical Care (FMC) in Kalifornien seien Mitarbeiter unter Druck gesetzt worden, wenn sie sich gewerkschaftlich organisieren wollten, sagten David Boys und Alke Bössinger von den Dachverbänden PSI und UNI Global Union der dpa. "Es wurde mit Kündigung gedroht und Beschäftigte wurden in Einzelgesprächen in geschlossenen Räumen davor gewarnt, gewerkschaftlich aktiv zu werden."

FMC habe in den USA externe Berater beauftragt, um in Betrieben Arbeitnehmervertretungen zu verhindern, sagte Cass Gualvez von der Gewerkschaft SEIU-UHW. Die Firmen hätten sich in Kliniken eingerichtet. "Sie fragen Mitarbeiter, warum sie eine Gewerkschaft gründen wollen und behaupten, gewerkschaftlich organisierte Kliniken müssten geschlossen werden." Die Organisationen werfen FMC auch vor, in Stellenanzeigen nach Personalmanagern zu suchen, zu deren Aufgabe die "Vermeidung von Gewerkschaften" zähle ("Union Avoidance").

Fresenius wies den Vorwurf des "Union Busting", die systematische Unterdrückung von Gewerkschaften, "entschieden" zurück. "Fresenius, einschließlich Fresenius Medical Care in den USA, respektiert die Vereinigungsfreiheit und erkennt das Recht eines jeden Arbeitnehmers auf Kollektiv-Verhandlungen an", hieß es in einer Stellungnahme.

Die Mitarbeiter könnten in Übereinstimmung mit den geltenden lokalen Gesetzen Gewerkschaften beitreten, sich vertreten lassen und Tarifverhandlungen führen, betonte der DAX-Konzern. Man toleriere keine Benachteiligung von Mitarbeitern, die sich an einer rechtmäßigen Gewerkschaftsorganisation beteiligten. "Meldungen über Verstöße gegen anwendbare Arbeits- und Sozialstandards nehmen wir ernst und gehen entsprechenden Hinweisen nach."

Global Union, PSI und Verdi kämpfen derzeit für eine globale Rahmenvereinbarung mit Fresenius, die in allen Betrieben grundlegende Rechte für Betriebe und Gewerkschaften garantiere. Ende März seien sie auf Fresenius zugegangen. Anfang Mai habe es dazu zwei Schreiben gegeben, aber bisher kein weiteres Entgegenkommen. Fresenius erklärte, mit den Gewerkschaftsorganisationen stehe man im Dialog.

Fresenius mit rund 280 000 Mitarbeitern weltweit betreibt Privatkliniken, verkauft Flüssigmedizin wie Infusionen und versorgt mit der Tochter FMC Nierenpatienten. An FMC hält Fresenius gut 30 Prozent der Anteile. Der erfolgsverwöhnte DAX-Konzern erzielte 2018 33,5 Milliarden Euro Umsatz, einen großen Teil davon in den USA.

Gerade das Agieren in Amerika steht in der Kritik der Gewerkschaften. In einer Ausschreibung von FMC für einen Manager im Personalwesen in Knoxville heiße es etwa, er könne "Aktivitäten zur Vermeidung von Gewerkschaften" wie Trainings unterstützen. In anderen Stellenanzeigen für Personal-Manager in Atlanta und Charlotte ist davon die Rede, er oder sie könne andere Manager anleiten, Gewerkschaften zu vermeiden. Die Jobgesuche von FMC liegen dpa vor.

Fresenius habe über Jahre Berater engagiert, um Gewerkschaften zu verhindern, berichten die Arbeitnehmervertretungen. Darunter sei die US-Firma Cruz & Associates, zu deren Diensten es nach eigenen Angaben gehört, "schnell und effektiv auf Aktivitäten von Gewerkschaften zu antworten". Aus offiziellen Unterlagen gehe hervor, dass Fresenius mindestens 410 000 Dollar an Berater bezahlt habe, um Fortschritte bei der Gewerkschaftsorganisation zu beeinflussen.

Fresenius verwies auf das US-Arbeitsrecht. Dort sei es Arbeitgebern "ausdrücklich gestattet und üblich, die eigenen Mitarbeiter aktiv über gewerkschaftsbezogene Themen zu informieren". FMC nutze "Fachwissen von Experten - in den eigenen Personalabteilungen und teils auch von Beratern, die mit den durchaus komplexen Arbeits- und Gewerkschaftsgesetzen in den USA vertraut sind". Das sei dort gängige und legitime Praxis auch bei vielen anderen Unternehmen.

Fresenius agiere in den USA legal oder bewege sich im Graubereich, meint Michael Dehmlow, Gewerkschaftssekretär bei Verdi. "Es ist aber unwürdig für einen deutschen DAX-Konzern". Die Gewerkschaftsverbände prangern ebenfalls Tarifumgehungen bei der Kliniktochter Helios an. In Peru und Spanien seien geltende Verträge nicht eingehalten worden, heißt es. Fresenius habe die tariflich vereinbarte Bezahlung von Überstunden und Nachtzuschlägen verweigert, monieren sie.

Fresenius wies auch das zurück. Die Arbeitsverträge entsprächen den jeweils geltenden arbeitsrechtlichen Vorschriften. In Peru habe es 2014, 2015 und 2018 Betriebsprüfungen gegeben durch das zuständige Ministerium, die allesamt ohne Beanstandungen abgeschlossen wurden. "Dass Überstunden und Zuschläge nicht bezahlt worden seien, können wir so pauschal ebenfalls nicht bestätigen". Die Vorwürfe mit Blick auf Spanien seien "gänzlich neu und für uns nicht nachvollziehbar".

Die Gewerkschaftsverbände in den USA fechten schon länger mit großem Einsatz für bessere Bedingungen im Gesundheitssystem. In Kalifornien hatten sie 2018 ein Volksbegehren initiiert, um Dialyse-Anbieter wie FMC zu zwingen, bestimmte kostenüberschreitende Einnahmen direkt an Nierenpatienten oder deren Versicherer zurückzuzahlen. Unternehmen wie Fresenius Medical Care hatten sich massiv dagegen gewehrt. Die Wähler lehnten das Volksbegehren im vergangenen November ab.

Die Fresenius-Aktie gibt im XETRA-Handel am Mittwoch in einem schwachen Marktumfeld 2,69 Prozent auf 45,52 Euro nach. Auch die Fresenius Medical Care-Aktie verliert 2,78 Prozent auf 65,76 Euro.

/als/tav/DP/stk

FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: Fresenius
Anzeige

Nachrichten zu Fresenius SE & Co. KGaA (St.)

  • Relevant
    1
  • Alle
    2
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Fresenius SE & Co. KGaA (St.)

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
18.07.2019Fresenius SECo Equal weightBarclays Capital
18.07.2019Fresenius SECo NeutralCredit Suisse Group
17.07.2019Fresenius SECo overweightJP Morgan Chase & Co.
17.07.2019Fresenius SECo buyGoldman Sachs Group Inc.
11.07.2019Fresenius SECo buyWarburg Research
17.07.2019Fresenius SECo overweightJP Morgan Chase & Co.
17.07.2019Fresenius SECo buyGoldman Sachs Group Inc.
11.07.2019Fresenius SECo buyWarburg Research
03.07.2019Fresenius SECo overweightJP Morgan Chase & Co.
24.06.2019Fresenius SECo overweightJP Morgan Chase & Co.
18.07.2019Fresenius SECo Equal weightBarclays Capital
18.07.2019Fresenius SECo NeutralCredit Suisse Group
20.06.2019Fresenius SECo Equal weightBarclays Capital
22.05.2019Fresenius SECo Equal-WeightMorgan Stanley
16.05.2019Fresenius SECo neutralMorgan Stanley
07.12.2018Fresenius SECo SellUBS AG
08.11.2018Fresenius SECo SellUBS AG
30.10.2018Fresenius SECo SellUBS AG
17.09.2018Fresenius SECo SellUBS AG
06.08.2018Fresenius SECo SellUBS AG

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Fresenius SE & Co. KGaA (St.) nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX stabil -- Wall Street startet im Plus -- Kursrally bei Gold -- Wirecard: Zusammenarbeit mit Aldi -- Zipse wird neuer BMW-Vorstandschef -- Software AG, Bayer, Sartorius, Microsoft, Boeing im Fokus

American Express meldet Gewinnsprung. Ex-Automanager Ghosn reicht Klage gegen Nissan und Mitsubishi ein. NORMA passt Jahresprognose an. Heidelberger Druck-Aktien setzen Kurseinbruch fort. Fortum steigert Gewinn überproportional. AB InBev verkauft Australien-Geschäft. Munich Re erzielt Milliarden-Gewinn.

Top-Rankings

KW 29: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 29: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Die Performance der MDAX-Werte in KW 28 2019.
Welche Aktie macht das Rennen?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die 12 toten Topverdiener 2019
Diese Legenden sind die bestbezahlten Toten der Welt
Das hat sich geändert
Diese Aktien hat George Soros im Depot
Big-Mac-Index
In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?
Die Länder mit den größten Goldreserven 2019
Wer lagert das meiste Gold?
In diesen Berufen bekommt man das niedrigste Gehalt
Welche Branchen man besser meiden sollte.
mehr Top Rankings

Umfrage

Wo sehen Sie den DAX Ende 2019?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
Deutsche Bank AG514000
Microsoft Corp.870747
Daimler AG710000
NEL ASAA0B733
SAP SE716460
Amazon906866
Infineon AG623100
BayerBAY001
Netflix Inc.552484
Apple Inc.865985
BASFBASF11
Airbus SE (ex EADS)938914
TeslaA1CX3T
Heidelberger Druckmaschinen AG731400