19.03.2020 20:40

Bank of England stellt Pläne zu digitalem Zentralbankgeld vor

Abkehr von Bargeld?: Bank of England stellt Pläne zu digitalem Zentralbankgeld vor | Nachricht | finanzen.net
Abkehr von Bargeld?
Folgen
Aufgeschreckt von der geplanten Facebook-Währung Libra prüfen inzwischen zahlreiche Zentralbanken die Möglichkeit einer staatlichen Cyberwährung.
Werbung
• Zentralbanken fürchten Kontrollverlust
• Bank of England entwickelt CBDC-Modell
• Zahlreiche Notenbanken arbeiten an staatlicher digitaler Währung

Bitcoin und Co. sind zwar seit Jahren ein großes Thema, am Massenmarkt sind sie aber noch nicht angekommen. Doch mit der Ankündigung Facebooks, mit Libra eine Kryptowährung einzuführen, wurden die Aussichten hierfür deutlich besser. Seither sehen sich auch die Währungshüter rund um den Globus gezwungen, sich mit Digitalgeld zu befassen, andernfalls drohen sie von der Entwicklung unkontrolliert mitgerissen zu werden. Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat deshalb bereits gefordert, Notenbanken sollten bei der Entwicklung vorneweg gehen.

Geldwesen im Wandel

Beim bestehenden Zahlungssystem der Notenbanken dauern grenzüberschreitenden Zahlungen lang und sind noch dazu teuer. Das liegt daran, dass eine Überweisung eine Kette von Mittlern wie Geschäfts- und Notenbanken durchläuft. Diesen Nachteil haben die in den letzten Jahren aufgekommenen Kryptowährungen nicht, hier erfolgen Transaktionen direkt zwischen zwei Parteien.

Doch selbst wenn man Kryptowährungen außen vorlässt, hat sich das Zahlungsverhalten der Verbraucher in den letzten Jahren geändert: Sie bezahlen immer seltener mit Bargeld, sondern verwenden stattdessen digitale Zahlungsalternativen.

Doch diese Entwicklung bereitet den Zentralbanken große Sorgen. Denn durch die Erstarkung privater Zahlungsnetzwerke drohen die staatlichen Institutionen ihren geldpolitischen Einfluss zu verlieren - mit nicht kalkulierbaren Risiken für das Finanzsystem.

Sie möchten in Kryptowährungen investieren? Unsere Ratgeber erklären, wie es innerhalb von 15 Minuten geht:
» Bitcoin kaufen, Ripple kaufen, IOTA kaufen, Litecoin kaufen, Ethereum kaufen, Monero kaufen.

BoE entwickelt CBDC-Modell

Eine der Notenbanken, die deshalb an einer eigenen digitalen Zentralbankwährung, einer sogenannten CBDC (central bank digital currenciy) arbeiten, ist die Bank of England (BoE). Sie will das Feld der Finanzdienstleistungen nämlich nicht privaten Unternehmen überlassen, sondern sieht sich in der Verantwortung, auf die zunehmenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs mit der Einführung einer digitalen Währung als Ergänzung zum Bargeld zu reagieren.

Wie "BTC Echo" berichtet, haben die britischen Währungshüter nun ein Diskussionspapier veröffentlicht, in dem sie einen Vorschlag für ein CBDC-Modell vorstellen. Demnach könnte die BoE die Infrastruktur für eine CBDC betreiben, die Herausgabe der digitalen Währung an die Verbraucher sollen demnach aber Dienstleister übernehmen, die als Schnittstelle zwischen Bank und Nutzer zwischengeschaltet sind. Ob das Core Ledger auf der Blockchain basiert ist dabei noch offen.

Vor- und Nachteile

In dem Diskussionspapier wird auch auf die Chancen und Risiken einer solchen digitalen Zentralbankwährung eingegangen. Der wesentliche Vorteil wäre demnach, dass die Notenbanken so ihre Schlüsselrolle im globalen Zahlungsverkehr und damit auch ihre regulatorische Wirkmacht behalten könnten.

Risiken sieht die BoE jedoch für Geschäftsbanken. Denn falls Verbraucher einen Großteil ihrer Einlagen in eine CBDC transferieren würden, so hätte dies negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe der Banken. Dies wiederum könnte die Finanzstabilität gefährden und die Kontrolle der Geldpolitik beeinträchtigen. Außerdem werden in dem Bericht der BoE auch Bedenken hinsichtlich der Skalierbarkeit, des Datenschutzes und der Sicherheit geäußert.

Entscheidung steht noch aus

Eine endgültige Entscheidung, ob und falls ja wann die Bank of England eine digitale Zentralbankenwährung herausgibt, ist noch nicht gefallen. Fest steht jedoch, die Pläne sind bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

Das könnte Sie auch interessieren: JETZT NEU - Bitcoin & Co. über die finanzen.net App handeln - oder für Profis über die Börse Stuttgart Digital Exchange

Und der Druck ist groß: So hat beispielsweise die EZB ebenfalls bereits ein Modell für einen digitalen Euro vorgestellt. Weltweit führend sind in dieser Hinsicht aber neben China, unter anderem die Länder Kambodscha, Venezuela und Thailand. Dies hängt damit zusammen, dass insbesondere Schwellen- und Entwicklungsländer in einer staatlichen digitalen Währung die Chance sehen, ihrer Bevölkerung einen besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verschaffen.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: dencg / Shutterstock.com, Gil C / Shutterstock.com
Werbung

Devisenkurse

NameKurs+/-%
Dollarkurs1,1908-0,0086
-0,72
Japanischer Yen131,2900-1,4100
-1,06
Pfundkurs0,8551-0,0023
-0,27
Schweizer Franken1,09320,0035
0,32
Russischer Rubel86,1574-0,8571
-0,99
Bitcoin31689,3594-265,5215
-0,83
Chinesischer Yuan7,67970,0069
0,09

Heute im Fokus

DAX schließt mit kleinem Plus -- US-Handel endet uneinheitlich -- Fed bestätigt Leitzins -- CureVac-Impfstoff: Vorläufige Wirksamkeit von 47% -- TUI, WACKER CHEMIE, GEA, Commerzbank, Tesla im Fokus

Tonies-Hersteller Boxine will mit SPAC an die Börse. Neuer Siemens-Chef Busch will anscheinend Ziele anheben. JPMorgan kauft digitalen britischen Vermögensverwalter Nutmeg. Daimler beschleunigt scheinbar Elektrifizierung der Modellpalette. eBay verkauft wohl Südkorea-Geschäft für rund drei Milliarden Euro. Bayer setzt Support fur CureVac fort. Befesa kauft US-Recycler - Kapitalerhöhung vollzogen.
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Top-Rankings

Die größten Börsen- und Finanzskandale
Die größten Betrüger, Zocker und Bilanzfälscher.
Das sind die kreativsten Unternehmen der Welt
Welcher Global Player ist vorne mit dabei?
Das sind die schlimmsten Steuroasen
Hier zahlen Unternehmen so gut wie keine Steuern

Umfrage

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht sich für ein Ende der Maskenpflicht aus. Sind sie auch dafür?

finanzen.net Brokerage
finanzen.net Zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln