Drosselung der Ölförderung

OPEC will Ölpreis steigern, aber der Erfolg ist fraglich

16.12.16 15:15 Uhr

OPEC will Ölpreis steigern, aber der Erfolg ist fraglich | finanzen.net

Die OPEC hat sich in einem geradezu historischen Beschluss auf eine Drosselung ihrer Ölfördermenge verständigt. Ob der Ölpreis jedoch auch wirklich wie beabsichtigt nachhaltig ansteigen wird, ist äußerst ungewiss.

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Seit Mitte 2014 hat sich der Ölpreis in etwa halbiert. Hintergrund ist ein Überangebot bei gleichzeitig schwacher Nachfrage infolge der schwächelnden Weltkonjunktur. Das Erdölkartell will diesem Preisverfall jedoch nicht länger tatenlos zusehen.

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Ob die deshalb getroffenen Absprachen jedoch tatsächlich Erfolg erzielen, wird davon abhängen, ob sich die Partner an die Vereinbarungen halten. Ein Blick in die Vergangenheit lässt hieran Zweifel aufkommen, schließlich sind die Staaten der Organisation erdölexportierender Länder in dieser Hinsicht nicht gerade für ihre Disziplin bekannt. Daneben spielt auch die US-Fracking-Industrie eine nicht unbedeutende Rolle bei der Preisbildung.

OPEC einigt sich auf geringere Fördermengen

Konkret wurde beim 171. Treffen am 30. November beschlossen, dass das Ölkartell seine Produktion in der ersten Jahreshälfte 2017 um 1,2 Millionen auf 32,5 Millionen Barrel (159 Liter) täglich kürzen wird. Hierbei handelt es sich um die erste Produktionskürzung seit acht Jahren.

Zudem ist es der OPEC gelungen, die Mehrzahl der erdölproduzierenden Länder außerhalb des Kartells davon zu überzeugen, den neuen Kurs mitzumachen. Elf dieser Länder haben zugesagt, insgesamt 558.000 Barrel Rohöl pro Tag weniger auf den Markt zu bringen. Zusammen mit der von der OPEC geplanten Senkung um 1,2 Millionen Barrel würde dies insgesamt fast 2 Prozent des globalen Ölangebotes ausmachen.

Schlechte Disziplin der OPEC-Staaten

Grundsätzlich führt ein geringes Angebot zu höheren Benzin- und Heizölpreisen für die Verbraucher. Aufgrund des derzeit großen Überangebots, rechnet ein Experte des Forschungsunternehmens JBC mittelfristig aber trotzdem nicht mit einer wesentlichen Verteuerung - selbst wenn die Kürzungen überhaupt Bestand haben sollten.

Allerdings haben sich in den vergangenen Jahren nicht immer alle OPEC-Mitglieder an getroffene Absprachen gehalten. Vereinbarte Obergrenzen wurden oft nicht eingehalten. Jetzt wurden sogar Kürzungen beschlossen. Da bleibt es abzuwarten, ob die Drosselung überhaupt umgesetzt wird.

Berechtigte Zweifel an der Ernsthaftigkeit der jüngsten Absichten nährt etwa der Umstand, dass die Einigung bis kurz vor der Sitzung auf wackligen Beinen stand. Immerhin waren mehrere vorbereitende Treffen ohne Durchbruch geblieben. Deshalb war im Vorfeld stark angezweifelt worden, dass die zerstrittene Organisation überhaupt auf die Geschehnisse am Ölmarkt reagieren kann.

Zudem haben sich die 14 Mitgliedsstaaten sehr lange Zeit gelassen, ohne einzuschreiten: Die Rohölnotierungen liegen immerhin schon seit Mitte 2014 im Keller. Statt die Preise zu stabilisieren, hat sich die OPEC entschlossen, noch mehr Öl zu fördern, um Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Inzwischen fördert das Kartell so viel Öl, wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Infolge dessen liegt das Überangebot von Öl nach Opec-Berechnungen aktuell auf dem höchsten Niveau seit mindestens acht Jahren.

Warum ist die OPEC so disziplinlos?

Die mangelhafte Treue der OPEC-Länder fußt unter anderem auf geostrategischen Streitigkeiten verfeindeter Regionalmächte. So sind beispielsweise der Iran und Saudi-Arabien auf unterschiedlichen Seiten im Syrien-Krieg engagiert.

Zudem ist die iranische Wirtschaft nach jahrelangen Sanktionen stark angeschlagen. Deshalb wollte das Land nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen eigentlich mehr Öl fördern und hatte eine Drosselung lange abgelehnt.

Damit steht der Iran bei weitem nicht allein: Nahezu alle OPEC-Länder sind auf die Einnahmen aus dem Rohstoffhandel angewiesen, sonst drohen weitere schmerzhafte Haushaltseinschnitte. Sollten nun einige Mitglieder ausscheren, so dürften auch die übrigen OPEC-Staaten schnell von ihren Förderkürzungen abrücken.

Was macht Russland?

Russland leidet derzeit unter einer Wirtschaftskrise, was auch auf die westlichen Sanktionen als Reaktion auf den Ukraine-Konflikt zurückzuführen ist. Moskau braucht daher dringend Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Ein steigender Ölpreis wäre da sehr willkommen. Deshalb will sich Russland mit rund 300 000 Barrel an der Kürzung beteiligen.

Ob diese Drosselung tatsächlich vorgenommen wird, muss die Zukunft zeigen. In den vergangenen Jahren hatte Russland jedenfalls einen anderen Kurs gefahren und hatte einen Förderrekord nach dem anderen aufgestellt.

OPEC wendet Trick an

Kaum Beachtung fand bisher der Umstand, dass das Ölkartell zu einem Trick gegriffen hat, um die angestrebte Drosselung zu erreichen: So wurde die Mitgliedschaft von Indonesien, das rund 700.000 Barrel Öl am Tag fördert, ausgesetzt. Vor der jüngsten OPEC-Sitzung in Wien hatte der indonesische Minister für Energie und Bodenschätze, Sudirman Said, erklärt, dass sein Land bisher keine klare Stellung zur Beschränkung der Öl-Fördermengen eingenommen habe.

Begründet wurde die Suspendierung damit, dass Indonesien im Grunde ein Nettoimporteur von Rohöl ist, also mehr Erdöl verbraucht, als es exportiert. Für den Ölmarkt bedeutet dieser Ausschluss, dass die indonesische Förderung von 700.000 Fass pro Tag zusätzlich zu den offiziellen 32,5 Millionen Barrel der OPEC-Staaten angeboten werden.

Fracking-Industrie frohlockt

Über den OPEC-Beschluss dürfte sich besonders einer freuen: Die US-Fracking-Industrie! Denn wenn der Ölpreis eine Erholung erfährt, wird die Schieferöl- und Schiefergas-Gewinnung wieder lohnender.

Die Fracking-Fördertechnik, bei der chemische Flüssigkeiten in tiefliegende Gesteinsschichten gepresst werden, ist sehr teuer. Laut Marktexperten können viele Fracking-Firmen ihre Kosten bei einem Ölpreis unter 80 Dollar nicht mehr decken. Schlägt sich nun der jüngste OPEC-Beschluss in höheren Ölpreisen nieder, so dürfte die Fracking-Aktivität wieder zunehmen.

Dass die Fracking-Industrie zusätzliches Öl auf den Markt wirft, dürfte wiederum der OPEC überhaupt nicht schmecken, würde sie hierdurch doch Marktanteile verlieren. Eine solche Entwicklung dürfte die Disziplin der OPEC-Länder auf eine harte Probe stellen.

Alles in allem, ist es doch sehr fraglich, ob die OPEC ihr Ziel - einen deutlichen und dauerhaften Anstieg der Ölpreise - erreichen wird. Da heißt es: Abwarten!



Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Mindscape studio / Shutterstock.com, ALEXANDER KLEIN/AFP/Getty Images

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