21.09.2021 15:12

Rohstoff-Guru Jim Rogers: Weshalb er beim Goldkauf noch abwartet

Im Sog der Inflation: Rohstoff-Guru Jim Rogers: Weshalb er beim Goldkauf noch abwartet | Nachricht | finanzen.net
Im Sog der Inflation
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Jim Rogers über die Gründe für steigende Rohstoffpreise, die Folgen der Energiewende und warum er noch abwartet, bevor er Gold und Silber kauft.
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€uro am Sonntag

von Uli Kühn, Euro am Sonntag

Mit knapp 79 Jahren will der Altmeister der Rohstoff-Investments von Ruhestand immer noch nichts wissen. Mit dem Vernehmen nach mindestens 300 Millionen Dollar Vermögen hat er es zwar nicht nötig, doch aktuell sind Rogers Einschätzungen so gefragt wie schon lange nicht mehr. Kein Wunder, geht es doch mit den Rohstoffpreisen, der Kernkompetenz des Starinvestors, seit geraumer Zeit steil nach oben.

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Regelmäßig tritt er in Börsensendungen im Fernsehen auf, gibt Interviews und spricht bei Investmentveranstaltungen. Mit seiner Meinung hält der US-Amerikaner, der im Bundesstaat Alabama aufwuchs, dabei nicht hinter dem Berg. Zuletzt hat er kräftig gegen die US-Notenbank Fed ausgeteilt, die seiner Meinung nach mit ihrer lockeren Geldpolitik eine schwere Finanzkrise heraufbeschwört. Bei Anleihen und Immobilien sieht er weltweit klare Anzeichen für eine Übertreibung - noch nie in der Geschichte seien Bonds so teuer gewesen. Mit €uro am Sonntag sprach Jim Rogers darüber, bei welchen Rohstoffen er jetzt das meiste Potenzial sieht und welche Entwicklungen für den Sektor er von der Energiewende erwartet.

Euro am Sonntag: Seit gut einem Jahr ziehen die Rohstoffpreise rasant an. Was ist der Grund für die neue Hausse?

Jim Rogers: Die Preise der Rohstoffe steigen, weil die Wirtschaft in vielen Teilen der Welt wieder sehr gut läuft, aber vor allem, weil die Zentralbanken die Welt mit Geld überschwemmen. Das war schon früher so: Wenn reichlich Geld vorhanden ist, dann fließt das Geld immer in Sachwerte, das sieht man am Aktienmarkt und das sieht man auch sehr deutlich bei den Rohstoffen.

Aber warum kaufen die Leute ausgerechnet Rohstoffe ?

Die Erwartung vieler Marktteilnehmer ist jetzt: Wir werden Inflation bekommen - und umsichtige Anleger wollen sich davor schützen, mich eingeschlossen. Wenn die Inflationsraten höher werden, dann steigen nicht nur die Verbraucherpreise, sondern auch die Preise der Rohstoffe.

Welche Rohstoffe kaufen Sie?

Eine gerne verwendete Absicherung gegen Inflation sind Gold und Silber. So was will man unter dem Bett verstecken. Ich werde auch Gold und Silber kaufen, aber jetzt noch nicht. Silber verspricht im Augenblick das größere Potenzial. Gold notiert zur Zeit etwa zehn Prozent unter seinem Allzeithoch, Silber dagegen 50 Prozent.

Warum kaufen Sie jetzt noch nicht?

Ich denke, die Preise von Gold und Silber werden noch eine Zeitlang korrigieren. Wenn sie noch etwas weiter gefallen sind, dann werde ich einsteigen. Aber bitte nageln Sie mich nicht fest: Ich bin nicht besonders gut im Market-Timing.

Welche Rohstoffe versprechen mehr Gewinn als Gold und Silber?

Industriemetalle wie Kupfer und Nickel sind sehr aussichtsreich. Die Nachfrage nach solchen Metallen steigt und sie wird in den nächsten Jahren noch viel stärker anziehen. Gleichzeitig lässt sich aber die Produktion solcher Metalle nicht schnell von heute auf morgen hochfahren. Es dauert viele Jahre, bis eine Kupfermine in Produktion gehen kann. Und man muss vorher das Kupfer ja auch erst mal finden. Es ist nicht so einfach, eine Kupfermine in Betrieb zu nehmen. Wohl auch deshalb wurden seit vielen Jahren keine neuen Minen mehr entwickelt.

Aber können die existierenden Minen nicht einfach ein bisschen tiefer graben und mehr Kupfer aus der Erde holen?

Wahrscheinlich können sie das. Aber das wird nicht reichen, denn der Bedarf wird viel stärker zunehmen. Der entscheidende Nachfragetreiber wird der jetzt weltweit forcierte Umstieg von fossilen Brennstoffen zu anderen Energiequellen sein. In Autos mit Elektromotor wird das Mehrfache an Kupfer und Nickel verbaut als in Autos mit Verbrennungsmotoren. Je schneller sich Elektroautos durchsetzen, desto weiter werden bei diesen und anderen Industriemetallen Angebot und Nachfrage auseinanderklaffen.

Dann dürften sich wohl auch Investments in Minenaktien lohnen, oder?

Minenaktien können ein sehr gutes Investment sein. Viel spricht dafür, dass ihre Gewinne anziehen. Aber Anleger sollten genau hinschauen, bei welchem Unternehmen sie sich beteiligen. Ich glaube, Mark Twain hat nach seinen Erfahrungen im Goldrausch gesagt: "Eine Goldmine ist ein Loch im Boden und einem Lügner daneben." Aber wenn Sie eine Minengesellschaft entdecken, die tatsächlich ein neues Vorkommen erschließen kann, dann kaufen Sie so viele Aktien wie möglich.

Werden die Benzin- und Ölpreise fallen, weil immer mehr Elektroautos über unsere Straßen rollen?

Es wird schon noch einige Jahre dauern, bis die erhoffte Energiewende im Verkehr geschafft ist. Und mindestens genauso lange wird es dauern, bis die Welt ganz auf Erdöl verzichten kann. Bis auf Weiteres bleibt die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen aber hoch, während das Angebot begrenzt ist. Es geht auch bei Rohstoffen nicht nur um die Nachfrage, sondern auch um das Angebot. Deshalb steigt der Ölpreis und deshalb gehen die Preise für Kohle durch die Decke. Auch Kohle wird bis auf Weiteres immer noch gebraucht.

Lässt sich denn das Angebot nicht ausweiten?

Wer startet heute schon noch mit einer neuen Kohlemine? Beim Öl ist es noch schwerer: Es sind auf der ganzen Welt keine neuen Ölreserven bekannt, die man noch erschließen könnte und die Fracking-Technologie hat sich als trügerische Hoffnung erwiesen. Ich würde beim Fracking sogar von einer Blase sprechen.

Sie haben vor mehr als 20 Jahren den Rogers International Commodity Index entwickelt. Wie kamen Sie darauf, es gab ja schließlich auch damals schon andere Rohstoff-Indizes?

Mitte der Neunzigerjahre war ich mit meinem Auto zwei Jahre auf Weltreise. Damals habe ich erkannt, welches Potenzial Investments in Rohstoffe haben. Ich stellte aber auch fest, dass die damals existierenden Rohstoff-Indizes die Welt der Rohstoffe nicht richtig repräsentieren. Deswegen habe ich 1998 mit dem Rogers International Commodity Index einen umfassenderen Maßstab konstruiert - und wie man jetzt sieht, zeigt er offensichtlich besser, wie sich die Rohstoff-Preise entwickeln.

Was fehlt denn den anderen Rohstoff-Indizes?

Die meisten Indizes reflektieren vor allem den Bedarf der Industrienationen, weniger den der aufstrebenden Volkswirtschaften. Die Indizes basieren auf Rohstoffen, die an den Warenterminbörsen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien gehandelt werden. Schon dadurch fehlen wichtige Rohstoffe. Mein RICI-Index enthält dagegen auch Rohstoffe, die nicht nur in den Industrieländern, sondern vor allem in den Entwicklungsländern verwendet werden.

Welche Rohstoffe enthält der Rogers-Index, die in den anderen Indizes fehlen?

Der RICI-Index enthält zum Beispiel Kautschuk und Reis. Milliarden Menschen essen täglich Reis anstatt Kartoffeln. Der RICI-Index soll das globale Rohstoff-Universum repräsentativ und möglichst vollständig abbilden. Deshalb basiert der Index auf einem Korb von 38 Rohstoffen.

Rohstoff-Investments:

Einzeln oder gemischt

Für Rohstoff-Investments gilt die Faustregel, dass sie einen Anteil von zehn bis 15 Prozent am Depot nicht überschreiten sollten. Die Preise einzelner Rohstoffe schwanken stark. Anleger können mit dem ETF von L & G auf einen umfassenden Korb mit Futures aus den Bereichen Energie und Landwirtschaft (je 32 Prozent), Edel- und Industriemetalle (je 15 Prozent) sowie Lebendvieh (sechs Prozent) setzen. Das Produkt von Market Access bildet den Rogers Commodity Index ab. Dieser enthält zu 28 Prozent Öl-Futures, dazu kommen in unterschiedlichen Anteilen 36 weitere Rohstoff-Futures von Edel- und Industriemetallen bis hin zu Milch und Haferflocken. Wer nur auf Industriemetalle setzen will, kauft das Produkt von WisdomTree. Gold- und Silber-ETCs eignen sich für reine Edelmetall-Anlagen.









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Bildquellen: Axel Griesch/Finanzen Verlag, provided by Jim Rogers, Finanzen Verlag

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