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11.04.2017 22:55
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Befinden wir uns in einer Spekulationsblase, Markus Koch?

Börsenexperte im Interview: Befinden wir uns in einer Spekulationsblase, Markus Koch? | Nachricht | finanzen.net
Börsenexperte im Interview
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Die Bewertungen von Tesla und Snapchat sind überzogen und ein Grund zur Sorge, findet Markus Koch. finanzen.net sprach mit dem Börsenprofi über die Risiken, die sich am Markt zusammenbrauen, die große Chance von Donald Trump und den möglicherweise verfrühten Ausstieg der US-Notenbank aus der lockeren Geldpolitik.
Herr Koch, vor der US-Wahl waren Sie noch der Meinung, dass Hillary Clinton das kleinere Übel sei. Seit dem Wahlsieg von Donald Trump haben die Märkte nun aber kräftig angezogen. Haben Sie Ihre Meinung zu ihm daher inzwischen geändert?

Markus Koch: "Meine Meinung zu Donald Trump als Person habe ich nicht geändert. Aber sein Wahlsieg beweist, dass auch wir Experten die Zukunft nicht kennen. Die Wall Street hatte nicht nur Unrecht, was seine Siegeschancen betrifft, sondern auch mit dem, was passieren würde, wenn er gewinnt. Das hat uns alle überrascht.
Trump vertritt aber natürlich eine Pro-Wachstum-Rhetorik. Diese Rhetorik - die allerdings erst noch in Politik umgewandelt werden muss - hat einen ohnehin starken Markt noch stärker gemacht. Außerdem hatte Trump Glück mit dem Timing. Der Aktienmarkt ist nicht nur wegen ihm gestiegen, sondern auch, weil seit dem dritten Quartal die Konjunktur besser läuft. Die Unternehmen im S&P 500 verzeichnen zum ersten Mal seit vielen Quartalen wieder ein Gewinnwachstum. Obendrauf kam dann Trumps Rhetorik als Turbo. Aber die Wall Street interessiert unter dem Strich nur eins: Was wird er umsetzen, und was bedeutet das für die Konjunktur? Falls er tatsächlich die angekündigten Maßnahmen umsetzen kann, ist das für die Wirtschaft positiv und für die Wall Street natürlich auch."

Zuletzt ist Trump allerdings mit der Reform von Obamacare gescheitert. Ist das auch ein schlechtes Zeichen für seine geplante Steuerreform?

Markus Koch: "Mit dem Scheitern seines ersten Gesetzesentwurfs wird klar, dass die Steuerreform länger dauern wird. Aber die Tatsache, dass der Markt darunter nicht gelitten hat, zeigt, dass die Wall Street weiß, wie schwierig das ist, was Trump versucht, und dass Amerika kein Königreich ist, sondern eine Demokratie. America First hört sich gut an, aber die USA bestehen aus vielen Bundesstaaten und deren Gouverneure und Senatoren vertreten die Meinung ihrer Wähler. Was für den einzelnen Bundesstaat gut ist, muss nicht unbedingt für Amerika gut sein. Das zu vereinen ist schwierig.

Was in diesem Zusammenhang aber oft übersehen wird: Das Scheitern der Reform von Obamacare hat über Nacht das Sentiment zu Donald Trump um 180 Grad gedreht. Donald Trump wurde vorher als gefährlicher Mann gesehen, der die Welt verändern könnte. Seit dem Scheitern des Gesetzentwurfes wird er aber als schwacher Präsident wahrgenommen, der noch nicht einmal seine eigene Partei überzeugen kann. Man müsse ihn doch nicht so ernst nehmen, heißt es jetzt. Er hat nun die niedrigste Zustimmungsquote eines neuen Präsidenten seit Beginn der Datensammlung im Jahr 1945. Aber das ist für Trump auch eine unglaubliche Chance, die er für sich nutzen kann. Denn wenn man von einem Präsidenten gar nichts mehr erwartet, kann er natürlich auch positiv überraschen. Er kann die richtigen Schritte einleiten oder er kann eine volle Bauchlandung erleiden. Aber das ist jetzt noch nicht entschieden."

Der Markt macht sich also noch keine Sorgen wegen Trump, sondern läuft weiter nach oben. Sind US-Aktien damit aktuell überbewertet?

Markus Koch: "Ganz eindeutig: Ja. Der US-Markt ist im historischen Vergleich in vielerlei Hinsicht überteuert. Betrachtet man das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder das Kurs-Umsatz-Verhältnis, dann haben wir schon wieder die Niveaus der späten 90er Jahre erreicht. Aber ein überbewerteter Markt kann auch immer noch überbewerteter werden. Es gibt diesen berühmten Spruch: Der Markt kann länger irrational sein, als ich es mir leisten kann, rational zu sein.
Die Geschichte lehrt uns aber, dass eine Phase der hohen Überbewertung immer wieder zum Equilibrium zurückkehrt. Das kann in einem Monat sein, das kann in einem Jahr sein, das kann in zwei Jahren sein. Zunächst kann der Markt allerdings noch teurer werden, aber natürlich ist auch das Risiko in einem überbewerteten Markt überproportional groß."

Diese Überbewertung gibt es aber offenbar nicht nur beim Gesamtmarkt, sondern auch bei Einzelwerten. Der Elektroautohersteller Tesla beispielsweise ist an der Börse jetzt mehr wert als der traditionelle US-Autobauer Ford. Ist das auch ein Zeichen dafür, dass am Markt etwas nicht stimmt?

Markus Koch: "Tesla ist eines dieser Unternehmen, die ich seit Jahren nicht verstehe. Ich bewundere Elon Musk zwar in vielerlei Hinsicht, aber er ist einer der Vorstände, die ständig viel versprechen, aber die Versprechen oft nicht einhalten. Es ist unglaublich, wie oft Tesla die Erwartungen verfehlt - und trotzdem ist die Aktie hoch bewertet. Und nicht nur Tesla ist für mich ein Zeichen dafür, dass wir uns in einer Spekulationsblase befinden. Ein anderes Beispiel ist auch Snapchat. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Snapchat liegt jenseits von Gut und Böse. Wir haben hier ein Unternehmen mit 400 Millionen Dollar Umsatz und 500 Millionen Dollar Verlust. Die hohe Marktbewertung macht also einfach keinen Sinn. Das sind alles Zeichen dafür, dass wir uns in einer Spekulationsblase befinden."

Sie sprachen vorhin davon, dass es in den USA wirtschaftlich bergauf geht. Nun hat die US-Notenbank auch zum ersten Mal seit Jahren den Leitzins wieder etwas angehoben. Geht es der US-Wirtschaft denn wirklich bereits wieder so gut, dass ein Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik angebracht ist?

Markus Koch: "Nein, so stark ist die US-Wirtschaft noch nicht. Die gute Nachricht ist aber, dass die amerikanische Wirtschaft genauso wächst wie in den letzten Jahren: langsam und stetig. Auch am Arbeitsmarkt geht es deutlich bergauf. Aber insgesamt hat sich die Wirtschaft noch nicht so stark erholt, wie es die Hoffnungen reflektieren. Es gibt mit dem Citi Soft Data Index einen guten Indikator, der das Verbrauchervertrauen und die Zuversicht der Unternehmen reflektiert. Dieser Index ist seit den Wahlen senkrecht durch die Decke gegangen. Aber die Erwartungen sind wesentlich stärker gestiegen als die tatsächlichen Wirtschaftsdaten. Die eigentliche Gefahr ist also, dass zwischen Hoffnung und Wirklichkeit eine ziemlich große Spanne liegt.

Die Aktien der Einzelhandelsunternehmen, Konsumgüterhersteller und Haushaltselektronikkonzerne sind extrem schwach. All diese Aktien reflektieren aber die Konsumenten. Wie kann es sein, dass der S&P 500 senkrecht steigt und das Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft gleichzeitig sinkt? Ich glaube nicht, dass das nur an Amazon liegt. Sicherlich ist Amazon ein Killer für die traditionellen Einzelhändler, aber der Trend geht wesentlich tiefer. Das Kernproblem Amerikas hat sich seit den Wahlen nicht verändert, schließlich wurden auch noch keine neuen Gesetze verabschiedet. Wir haben noch keine Gesundheitsreform, wir haben noch keine Steuerreform. Seit einigen Jahren müssen aber amerikanische Verbraucher mehr für Gesundheit und Wohnkosten ausgeben als für den normalen Konsum. Amerika ist ein Land, dessen Mittelschicht extrem leidet und wegbricht. Deshalb glaube ich, dass die Wirtschaft in den nächsten Monaten nicht positiv überraschen wird, sondern dass die Erwartungen verfehlt werden. Und da liegt die eigentliche Gefahr, auch für den Aktienmarkt."

Wie sollten sich Anleger dann jetzt am besten positionieren?

Markus Koch: "Es gibt natürlich keine Blaupause, ein Stresstest für das eigene Portfolio ist aber immer gut. Anleger sollten sich die Frage stellen: Wenn morgen die Märkte einbrechen, welche Konsequenzen hat das für mein Portfolio? Risikomanagement ist momentan der wichtigste Punkt überhaupt. Man sollte aber auch beachten, dass ein überbewerteter Markt noch stärker überbewertet werden kann. Im aktuellen Bullenmarkt ist es daher sehr wichtig, sich die Frage zu stellen, was den Aufschwung an der Wall Street überhaupt trägt. Und das hat für mich sehr viel mit Liquiditätsflüssen zu tun, mit massiven Kapitalzuflüssen in ETFs und weniger mit der Wirtschaft."

Können Sie das präzisieren?

Markus Koch: "Die ganze Mechanik des Marktes ändert sich durch ETFs. Unmengen von Geld laufen in diese passiven Investmentinstrumente, die egal zu welchem Preis und egal zu welcher Bewertung alles querbeet kaufen. Das schiebt den Markt nach oben. Das gleiche Phänomen hatten wir Mitte der 90er-Jahre schon einmal und das hat für den gesamten Aktienboom bis zum Jahr 2000 eine sehr starke Rolle gespielt. Wenn der Trend kippt, haben wir dann die gleiche Spirale nach unten, die wir jetzt nach oben haben. Dazu kommt die Tatsache, dass sich die Anzahl der börsennotierten Unternehmen seit 1996 halbiert hat. Wir haben mehr Private Equity, wir haben mehr Privatisierungen, wir haben mehr Übernahmen, wir haben einen Boom der Aktienrückkäufe. Viel Geld rennt also weniger Aktien hinterher -das kann den Bullenmarkt noch weiter nach oben treiben. Es ändert aber nichts daran, dass Risikomanagement wichtig ist. Eher im Gegenteil."

Wo steht der Dow Jones Ihrer Meinung nach in sechs Monaten?

Markus Koch (lacht): "Immer noch an der Kurstafel. Ich weiß es nicht, und ich halte solche Prognosen für Blödsinn. Da kann ich genauso gut Dartpfeile werfen."

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Bildquellen: Dirk Eusterbrock

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