DeepSeek-Affäre: Warum die NVIDIA-Aktie ins Visier des US-Kongresses gerät

US-Gesetzgeber werfen NVIDIA die Unterstützung von DeepSeek vor - mit möglichen Folgen für die nationale Sicherheit. Der Konzern weist dies zurück, während Washington neue Exporte erlaubt.
Werte in diesem Artikel
• US-Kongress erhebt Vorwürfe gegen NVIDIAs Zusammenarbeit mit DeepSeek
• NVIDIA verweist auf zivile Nutzung zum Zeitpunkt der technischen Hilfe
• Chipexporte nach China rücken erneut in den politischen Fokus
Vorwürfe aus dem Kongress: NVIDIAs Rolle bei DeepSeek
Am 29. Januar 2026 brachte ein Schreiben aus Washington neue Unruhe in die ohnehin angespannte Debatte um KI und Exportkontrollen. In einem Brief an US-Handelsminister Howard Lutnick erhob der republikanische Abgeordnete John Moolenaar schwere Vorwürfe gegen NVIDIA.
Der Vorsitzende des "House Select Committee on China" erklärte, der US-Chiphersteller habe dem chinesischen KI-Startup DeepSeek geholfen, seine Modelle technisch zu optimieren. Diese Modelle seien später vom chinesischen Militär genutzt worden. Dabei stützt sich der Vorwurf auf interne NVIDIA-Dokumente, die dem Ausschuss vorliegen.
Moolenaar schrieb, NVIDIA-Mitarbeiter hätten DeepSeek bei einem "optimierten Co-Design von Algorithmen, Frameworks und Hardware" unterstützt. Ziel der Hilfe sei es gewesen, die Effizienz beim Training großer Sprachmodelle deutlich zu steigern.
Besonders brisant ist der politische Kontext: DeepSeek hatte Anfang 2025 mit leistungsfähigen KI-Modellen auf sich aufmerksam gemacht, die mit deutlich weniger Rechenleistung auskamen als vergleichbare US-Modelle. Das weckte in Washington die Sorge, China könne trotz US-Exportbeschränkungen rasch aufschließen.
Warum NVIDIAs Hilfe damals als unproblematisch galt
Zugleich machte der Brief deutlich, dass die Zusammenarbeit in einer Phase stattfand, in der DeepSeek offiziell als ziviler Akteur galt. Laut Reuters behandelte NVIDIA das Unternehmen als "legitimen kommerziellen Partner, der Anspruch auf standardmäßige technische Unterstützung hat". Hinweise auf eine militärische Nutzung der Technologie habe es zum damaligen Zeitpunkt nicht gegeben. In dem Schreiben heißt es sinngemäß, DeepSeek sei weder auf einer US-Sanktionsliste geführt worden noch öffentlich als militärnah bekannt gewesen.
Die vom Ausschuss ausgewerteten Unterlagen beziehen sich auf Aktivitäten aus dem Jahr 2024. Demnach soll DeepSeek-V3 für das vollständige Training lediglich rund 2,8 Millionen GPU-Stunden mit dem speziell für China entwickelten H800-Chip benötigt haben. Moolenaar argumentierte, dies liege deutlich unter dem, was US-Entwickler für sogenannte Frontier-Modelle aufwenden müssten. Gerade diese Effizienzgewinne hätten die Wirksamkeit der US-Exportkontrollen untergraben, so der Vorwurf.
NVIDIA betonte dagegen, die chinesischen Streitkräfte seien nicht auf US-Technologie angewiesen. In einer Stellungnahme erklärte der Konzern, es ergebe "genauso wenig Sinn, dass das chinesische Militär auf amerikanische Technologie setzt, wie das US-Militär chinesische Technologie nutzen würde", berichtet Reuters.
H200-Exportgenehmigungen verschärfen die politische Debatte
Nur einen Tag nach Bekanntwerden des Briefes rückte ein weiterer Aspekt in den Fokus. Am 30. Januar meldete Reuters, dass China DeepSeek grundsätzlich die Genehmigung erteilt habe, NVIDIAs leistungsstärkere H200-Chips zu erwerben. Die Zustimmung sei allerdings an noch auszuarbeitende Auflagen geknüpft. Die H200 gelten als deutlich leistungsfähiger als die zuvor eingesetzten H800-Modelle und sind politisch besonders sensibel.
Die zeitliche Nähe ist kein Zufall. Erst Anfang des Monats hatte die US-Regierung den Weg für den Export der H200-Chips nach China freigemacht, allerdings unter der Bedingung, dass sie nicht an militärische Endnutzer gelangen. Kritiker im US-Kongress sehen genau hier ein strukturelles Problem. In seinem Schreiben warnte Moolenaar, Lieferungen an vermeintlich zivile Abnehmer in China würden "unweigerlich" gegen militärische Endverbleibsauflagen verstoßen. Der Fall DeepSeek diene als Beispiel dafür, wie schwer sich zivile und militärische Nutzung in Chinas Technologieökosystem trennen ließen.
NVIDIA-CEO Huang: "Wir unterstützen jeden Entwickler"
Am 31. Januar meldete sich schließlich NVIDIA-Chef Jensen Huang öffentlich zu Wort. Gegenüber Bloomberg wies er den Vorwurf einer Sonderbehandlung zurück. "Wann immer Entwickler unsere Software nutzen wollen, unterstützen wir sie offen", sagte Huang. Jeder KI-Entwickler weltweit arbeite in irgendeiner Form mit NVIDIA zusammen, fügte er hinzu, und genau darauf sei das Unternehmen stolz. Die Unterstützung von DeepSeek sei Teil dieses offenen Entwickleransatzes gewesen und kein politisches Statement.
Damit stehen zwei Sichtweisen unversöhnt nebeneinander. Auf der einen Seite sehen US-Gesetzgeber in der technischen Hilfe einen Faktor, der Chinas militärische KI-Fähigkeiten indirekt gestärkt haben könnte. Auf der anderen Seite verweist NVIDIA auf branchenübliche Praxis und darauf, dass zum Zeitpunkt der Zusammenarbeit keine militärische Nutzung absehbar gewesen sei. Klar ist: Die Debatte fällt in eine Phase, in der die USA einerseits ihre technologische Führungsrolle sichern wollen, andererseits aber weiterhin Geschäfte mit China erlauben. Der Fall DeepSeek dürfte deshalb nicht das letzte Kapitel in der Auseinandersetzung um KI, Chips und nationale Sicherheit bleiben.
Redaktion finanzen.net
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