08.12.2021 17:46

Nach Milliardenverlust: TUI erwartet im Sommer 2022 Rückkehr auf Vorkrisenniveau - TUI-Aktie erholt sich letztendlich

Einschätzung: Nach Milliardenverlust: TUI erwartet im Sommer 2022 Rückkehr auf Vorkrisenniveau - TUI-Aktie erholt sich letztendlich | Nachricht | finanzen.net
Einschätzung
Folgen
Das zweite Jahr der Corona-Pandemie hat dem weltgrößten Reisekonzern TUI den zweiten Milliardenverlust in Folge eingebrockt.
Werbung
Erst im Sommer zog das Geschäft deutlich an. Dank auch zuletzt starker Buchungszahlen wagte Vorstandschef Fritz Joussen bei der Vorlage der Jahresbilanz am Mittwoch aber eine optimistische Prognose: "Wir erwarten für den Sommer 2022 und die Hauptreisezeit die Rückkehr zu einem Buchungsniveau in etwa wie vor Corona 2019." Dabei schloss der Manager eine weitere Kapitalerhöhung nicht aus. TUI könnte das Geld zur Rückzahlung der milliardenschweren Staatshilfen benötigen.

Auch wegen dieser Finanzspritze zeigte sich Joussen sicher, dass dem Konzern im typischerweise reiseschwachen Winterhalbjahr nicht das Geld ausgeht. "Die Liquidität ist so stark, dass wir denken, Liquidität spielt für uns keine Rolle mehr", sagte er in einer Telefonkonferenz. Am 6. Dezember verfügte die TUI-Gruppe über flüssige Mittel und Kreditlinien in Höhe von 3,5 Milliarden Euro.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/2021 bis Ende September hinterließ die Pandemie noch einmal tiefe Spuren in der TUI-Bilanz. Der Umsatz sackte um rund 40 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro nach unten, nachdem das Winterhalbjahr 2019/2020 noch kaum von Corona betroffen gewesen war. Unterm Strich stand jetzt ein Fehlbetrag von fast 2,5 Milliarden Euro - immerhin gut ein Fünftel weniger als ein Jahr zuvor.

Joussen zufolge hat TUI für das laufende Winterhalbjahr noch fast ein Drittel weniger Buchungen als im letzten Winter vor der Krise. Die Entwicklung bleibe aber unsicher. "Auch Omikron wird diese Zahlen nicht groß beeinflussen können", meinte er mit Blick auf die neue Virusvariante. Zum folgenden Ostergeschäft zeigten die Buchungen dann schon wieder deutlich nach oben: "Man sieht, dass die Buchungsmuster nach der Krise sehr stark sind, auch das Preisniveau ist gut."

Auch im wichtigen Sommerquartal 2021 lief es wieder besser. So lag der Umsatz von Juli bis September dieses Jahres mit 3,4 Milliarden Euro 173 Prozent höher als im Sommer 2020. Konzerneigene Hotelketten wie TUI Blue, Riu und Robinson lieferten im laufenden Geschäft schwarze Zahlen ab, konzernweit reduzierte sich der bereinigte operative Verlust (bereinigtes Ebit) auf knapp 100 Millionen Euro.

Insgesamt zählte TUI im abgelaufenen Geschäftsjahr nur 5,4 Millionen Gäste, davon 3,8 Millionen im Sommerquartal. Damit erreichte das Geschäft in den Monaten Juli bis September lediglich rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus. Für den laufenden Winter und den Sommer 2022 hat TUI derzeit schon 4,1 Millionen Buchungen eingesammelt - trotz der Verunsicherung durch die neue Virus-Variante.

"Die Leute wollen verreisen und sind bereit, für ihren Urlaub relativ viel Geld auszugeben", sagte Joussen. So investierten TUI-Kunden in diesem Winter im Schnitt etwa 15 Prozent mehr in ihren Urlaub als vor der Pandemie. Für den kommenden Sommer seien die bereits gebuchten Reisen 23 Prozent teurer als 2019. Dies liege jedoch weniger an Preiserhöhungen als am Produktmix: Die Menschen buchten längere Urlaube und höherwertige Hotels - etwa fünf Sterne statt vier Sterne.

Von der neuen Virus-Variante ließ sich der Manager seine Erwartungen nicht madig machen. "Diesen Sommer hatten wir eine viel niedrigere Impfquote als jetzt", sagte Joussen. Mit den jetzigen Quoten, den Booster-Impfungen und den ersten Medikamenten gegen Covid-19 sieht er gute Voraussetzungen dafür, dass sich die Nachfrage weiter erholen kann. Zudem erwartet er mehr Buchungen aus Großbritannien. Die Reiselust der dortigen Kunden war im abgelaufenen Sommer noch von strengen Quarantäneregeln für Rückkehrer aus vielen Ländern gebremst worden.

Joussens Prognose für nächsten Sommer bedeutet jedoch nicht, dass die Menschen etwa aus Deutschland oder Großbritannien schon 2022 wieder so viel reisen wie vor der Krise. Gemeint sei "das Vorkrisenniveau für uns, nicht das Vorkrisenniveau für den Markt", sagte der Manager. Schließlich habe es 2019 mit Thomas Cook in Europa noch einen großen Wettbewerber gegeben. Sollte TUI im Sommer 2022 das Vorkrisenniveau erreichen, läge dies wohl auch an früheren Thomas-Cook-Kunden.

Um TUI vor dem Aus zu retten, hat der deutsche Staat rund vier Milliarden Euro an Kapital und Krediten zur Verfügung gestellt. Davon hatte TUI Anfang Dezember nur noch rund 1,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen, dafür aber eine große Kreditlinie privater Banken in ähnlicher Höhe fast voll genutzt. Insgesamt lag die Nettoverschuldung Ende September bei fast 5 Milliarden Euro. Wie schon die Lufthansa würde sich TUI gern wieder vom staatlichen Hilfstropf lösen.

"Die Staatshilfe wollen wir zurückführen, und zwar zügig", sagte Joussen. Dazu will er das laufende Geschäft mittelfristig deutlich profitabler machen. Als weitere mögliche Geldquellen nannte er eine weitere Kapitalerhöhung sowie Fusionen und Übernahmen. So hat TUI eine Reihe von Hotelimmobilien abgestoßen und die Kreuzfahrt-Reederei Hapag-Lloyd Cruises an das Gemeinschaftsunternehmen TUI Cruises verkauft, das dem Konzern nur zur Hälfte gehört.

An der Börse wurden die Nachrichten mit einem Kursrutsch quittiert. Die in der Krise ohnehin schwer gebeutelte TUI-Aktie verlor am Morgen zeitweise fast sechs Prozent an Wert und lag zur Mittagszeit noch mit 3,77 Prozent im Minus bei 4,45 Euro. Zuletzt kletterte sie aber um 1,41 Prozent auf 2,582 Euro. Die Hannoveraner hatten erst im Herbst 1,1 Milliarden Euro mit einer erneuten Kapitalerhöhung hereingeholt.

HANNOVER (dpa-AFX)

Ausgewählte Hebelprodukte auf TUI
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf TUI
Long
Short
Hebel wählen:
5x
10x
Name
Hebel
KO
Emittent
Bildquellen: Dafinchi / Shutterstock.com, TUI

Nachrichten zu TUI

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu TUI

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
18.05.2022TUI SellUBS AG
18.05.2022TUI UnderperformJefferies & Company Inc.
12.05.2022TUI HoldDeutsche Bank AG
12.05.2022TUI Market-PerformBernstein Research
11.05.2022TUI UnderweightBarclays Capital
19.02.2020TUI kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
09.10.2019TUI OutperformBernstein Research
26.09.2019TUI buyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
25.09.2019TUI OutperformBernstein Research
11.08.2017TUI overweightJP Morgan Chase & Co.
12.05.2022TUI HoldDeutsche Bank AG
12.05.2022TUI Market-PerformBernstein Research
11.05.2022TUI Market-PerformBernstein Research
30.03.2022TUI Market-PerformBernstein Research
10.03.2022TUI Market-PerformBernstein Research
18.05.2022TUI SellUBS AG
18.05.2022TUI UnderperformJefferies & Company Inc.
11.05.2022TUI UnderweightBarclays Capital
11.05.2022TUI SellUBS AG
12.04.2022TUI SellUBS AG

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für TUI nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Neue Funktionen als Erstes nutzen
Sie nutzen finanzen.net regelmäßig? Dann nutzen Sie jetzt neue Funktionen als Erstes!
Hier informieren!
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

Ukraine-Krieg im Ticker: DAX geht fester ins Wochenende -- US-Börsen letztlich uneins -- METRO will für indisches Geschäft wohl Milliardenbetrag einstreichen -- Valneva, VW, Bayer im Fokus

Schröder will Aufsichtsrat-Posten bei Rosneft räumen. Zurich Insurance Group steigt aus russischem Markt aus. Rheinmetall erhält mehrere Großaufträge von Nato-Kunden. Bavarian Nordic wird wegen Affenpocken zum Spekulationsobjekt. Richemont hat im Geschäftsjahr 2021/22 Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert.

Umfrage

Worüber machen Sie sich derzeit die größeren Sorgen?

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln