Euro am Sonntag-Interview

Marc Faber: "Sehe viel Nebel für 2015"

aktualisiert 27.01.15 21:42 Uhr

Marc Faber: "Sehe viel Nebel für 2015" | finanzen.net

Marc Faber, der Investor und Crash-Prophet, warnt vor den Folgen der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank und erklärt, weshalb er keine Immobilien kauft, dafür lieber in Gold investiert.

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von Stefan Barmettler und Pascal Meisser, Euro am Sonntag

Der Schweizer Marc Faber ist einer der bekanntesten Börsengurus mit klarem Hang zum Pessimismus. Dem 67-jährigen Verfasser des Newsletters "The Gloom, Boom & Doom Report" hat das Schwarzsehen geschäftlich aber nicht geschadet.

€uro am Sonntag: Wir sitzen hier zum Interview im Hotel Regina an der Züricher Langstraße. Wäre das Dolder Grand, das Baur au Lac oder das Park Hyatt für Sie nicht standesgemäßer? Oder ist das der Contrarian Marc Faber, der hier durchschimmert?
Marc Faber:
Die Auszeichnung "Größte Dichte an Prostituierten" geht in Zürich ans Hotel Baur au Lac oder ans Hyatt, falls Sie aufs Quartier anspielen. Im Ernst: Hier im Hotel gibt es viele spannende Leute und im Quartier ganz tolle Restaurants. Zudem kostet das Zimmer nicht 800 Franken.

Oder ist die Hotelwahl eine Sparmaßnahme?
Nein, mir passt es. Weshalb soll ich für Langeweile viel bezahlen? Seit der Finanzkrise sind die Spesenkonten der Banker massiv gekürzt worden. Ich bin einer der Letzten, der noch First Class fliegt (lacht). Meine Herren, merken Sie sich dies: Wenn Sie nicht First Class buchen, werden es Ihre Kinder tun. Weshalb soll ich mich quälen? Ich wohne sozusagen im Flugzeug, bin seit drei Wochen unterwegs, fast jeden Tag an einem neuen Ort.

Jetzt sind Sie in Zürich.
Zuerst flog ich von Thailand zu einer Konferenz nach Hongkong, dann zum Board Meeting nach Toronto, für einen Tag nach Zürich, dann nach Schweden, Norwegen, Finnland, wieder zurück nach Zürich, morgen geht es für ein Board Meeting nach Mauritius, schließlich für ein paar Tage nach Oman und Saudi-Arabien, dann zurück nach Thailand.

Und was verdient Mr. Doom für einen Auftritt? 50 000 Dollar?
Ich publiziere nicht, was ich verdiene. Sicher nicht so viel wie Alan Greenspan. Kürzlich saß ich mit ihm auf einem Podium in New Orleans. Er kam mit Privatflieger und Assistentin und kassierte 100.000 Dollar plus Spesen. Bei mir war es weniger.

Wie lief das Jahr 2014 für den ­Investor Marc Faber?
Die Börsen in Indien, Thailand, auf den Philippinen, Indonesien, Pakistan, Sri Lanka haben alle zwischen 20 und 30 Prozent zugelegt. Vietnam schnitt mit 13 Prozent am schlechtesten ab. Wir hatten also ein Superjahr, ich kann mich nicht beklagen. Aber meine besten Investments waren diese Aktienpositionen nicht.

Sondern?
Mein Unternehmen war ein prima Investment über all die Jahre. Das hat mir Bekanntheit und viele Kontakte gebracht. Und dann habe ich in den letzten Jahren gemacht, was viele Investoren nicht getan hätten - und zwar mit Erfolg.

Nämlich?
Ich kaufte US-Staatsanleihen, als der Zins bei drei Prozent stand. Heute liegt er nur noch knapp über zwei Prozent. Die Gesamtrendite war - in Dollar gerechnet - fast zehn Prozent, bei den 30-jährigen Anleihen sogar fast 20 Prozent. Das sind hohe Renditen für wenig Risiko.

Dabei hieß es immer: Mit Staats­anleihen lässt sich kein Geld ­verdienen.
Ich habe Geld verdient, die Hedgefonds nicht. Man muss bedenken: 40 Prozent der US-Aktien sind weniger wert als vor einem Jahr. Grundsätzlich konnten Anleger mit großen Positionen in Staatsanleihen viel Geld verdienen. Das ist jetzt allerdings vorbei. Heute bietet etwa Frankreich für zehnjährige Staatsanleihen weniger als ein Prozent.

Wie wird aus Ihrer Sicht das Anlegerjahr 2015?
Ich sehe viel Nebel - und ganz viel Politik. Auf dem Podium in New Orleans fragte ich Greenspan, den ich seit den 70er-Jahren aus New York kenne: "Alan, wenn du zurückschaust, was würdest du anders machen, wenn du könntest?" Dann fing er an zu reden, ohne Punkt und Komma. Als das Publikum draußen war und die Mikrofone abgeschaltet, sagte er zu mir: "Marc, ernsthaft, ich habe nie behauptet, dass die US-Notenbank unabhängig sei. Irgendwer muss doch die Defizite der Regierung finanzieren." So ist das.

Die Notenbanken treiben die Aktienkurse mit lockerer Geldpolitik?
Richtig. Wir werden 2015 sehr viel Manipulationen im Markt sehen, Eingriffe von Regierungen, finanzpolitische und geldpolitische Maßnahmen. Deshalb ist es sehr unklar, wie sich die Märkte 2015 entwickeln werden. Ergo ist es nicht falsch, wenn man klassisch diversifiziert - 25 Prozent in Immobilien, 25 Prozent Aktien, 25 Prozent in Gold, 25 Prozent Bargeld.

Und gemäß Greenspan: Hände weg von den USA?
Man muss absolut selektiv sein. Amerika ist überteuert, Europa ist im Vergleich zu den USA unterbewertet. Deshalb habe ich in den letzten beiden Jahren in Frankreich, Spanien und Italien große Positionen aufgebaut. Wir leben in einer bizarren Welt: Schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft sind gut für die Börse, weil dann die Notenbanken Geld drucken.

Und die Risiken steigen.
Richtig, wir stehen vor einem volatilen Jahr. Die Börsenrally basierte vor allem auf dem Drucken von Geld durch die Notenbanken und den Defiziten der Regierungen. Heute liegt die Gesamtverschuldung weltweit um 30 Prozent höher als 2007. Das verheißt nichts Gutes.

Die Regierungen versuchen die Wirtschaft in Gang zu bringen.
Wer an den Segen von Staatsinterventionen glaubt, soll nach Russland oder Nordkorea fahren. Dort ist die Regierung groß und stark.

Chinas Regierung ist groß und stark - und erfolgreich.
Ich bin seit den 70er-Jahren in China, habe unter Mao Tse-tung Hungersnöte gesehen. Die Leute hatten eine grüne oder eine blaue Uniform, ein Fahrrad war Luxus. Der Staatssektor war damals groß - und ist es heute noch. Aber in Relation hat sich die Privatwirtschaft enorm entwickelt, entsprechend nahm die Bedeutung des Staatssektors ab. Übrigens: Als der Staat groß und die Privatwirtschaft klein war, reiste keiner ins Ausland, Ende der 80er-Jahre fuhr eine Million Chinesen weg, 2000 waren es zehn Millionen, heute sind es 100 Millionen.

Was trauen Sie dem Immobilienmarkt in diesem Jahr zu?
Wer billige Immobilien kaufen will, der muss sich in Aleppo oder in Damaskus umschauen. Im Ernst: Zürichberg und Goldküste sind preislich gelaufen, die Märkte sind ausgereizt. Aber eine Stunde von Zürich oder von anderen Zentren entfernt sind die Preise noch nicht wahnsinnig hoch. Ich war eben in Finnland, auch da gab es einen riesigen Immobilienboom. Im Zentrum von Helsinki kostet eine Wohnung in guter Lage 10.000 Euro pro Quadratmeter. Das sind Hongkonger Preise. Außerhalb von Helsinki ist der Quadrat­meter fast gratis.

Also kein gesteigertes Interesse an Immobilien?
Ich kriege immer wieder Angebote für Schlösser in Frankreich. Da wird man für zwei bis drei Millionen Dollar Schlossbesitzer. Nur: Ich will ja nicht Schlossgeist in der Provinz sein. In Zentren aber, in Chelsea oder Mayfair, ist es mir viel zu teuer.

Sie haben oft auf Gold gesetzt. Ein gutes Geschäft war es in den letzten drei Jahren nicht.
2011 wurde der Peak erreicht, seither hat Gold ein Drittel an Wert verloren. In letzter Zeit ist Gold überverkauft worden, vor allem im Vergleich zur Geldmenge und zum Schuldenberg. Zudem waren die Medien negativ gegenüber Gold. Ich habe auf diesem tiefen Niveau immer wieder Gold ­gekauft.

Sie behaupten: Die besten Investoren der Weltgeschichte sind Jesus, Buddha und Mohammed. Im Ernst?
Ich bewundere sie. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Firma ist 30 Jahre, nur wenige schaffen es auf 100 Jahre, Nestlé, Procter & Gamble, Coca-Cola. Die drei Religionsgründer und ihre Philosophie haben Hunderte, ja Tausende Jahre überlebt. Und dabei hatten sie gar nicht die Gewinnmaximierung im Auge, sondern menschliche Bedürfnisse. Eine großartige Leistung, von einem solchen Return kann ein Anleger nur träumen.

Crash- und Geschäftsmann
Marc Faber studierte Wirtschaft in Zürich, London und Edinburgh, wo er mit 24 Jahren promovierte. Nach 20 Jahren Tätigkeit für die Investmentbanken White Weld & Company und Drexel Burnham Lambert in Zürich, New York und Hongkong gründete er 1990 seine ­eigene Vermögensverwaltung in Hongkong. Der pessimistische ­Börsenguru warnte frühzeitig vor dem Platzen der Japan-Blase, dem Börsencrash 1987, der Asienkrise und dem Tech-Boom zur Jahrtausendwende.

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Bildquellen: Martin Heimann

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