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03.02.2021 19:56

Daimler will Lkw-Geschäft Daimler Trucks an die Börse bringen und plant Aufteilung des Konzerns - Daimler-Aktie schließt höher

Källenius krempelt um: Daimler will Lkw-Geschäft Daimler Trucks an die Börse bringen und plant Aufteilung des Konzerns - Daimler-Aktie schließt höher | Nachricht | finanzen.net
Källenius krempelt um
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Mit einem radikalen Umbau des gesamten Konzerns will sich der Auto- und Lastwagenbauer Daimler für die Zukunft rüsten und sich wieder stärker auf seine Kernkompetenzen konzentrieren.
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"Projekt Fokus" heißt das Vorhaben, mit dem Vorstandschef Ola Källenius den Konzern aufspalten und die Daimler AG auf lange Sicht verschwinden lassen wird. Nur zwei eigenständige, dafür jeweils börsennotierte Unternehmen soll es künftig noch geben - Mercedes-Benz für die Autos und Vans und Daimler Truck für Lastwagen und Busse.

"Dies ist ein historischer Moment für Daimler und der Anfang für eine tiefgreifende Umgestaltung des Unternehmens", sagte Källenius am Mittwoch. Noch keine zwei Jahre im Amt, ist es für den Schweden schon der zweite Konzernumbau. Nach Källenius' Amtsantritt im Mai 2019 hatte sich Daimler die jetzige Struktur gegeben: drei eigenständige Sparten unter dem Dach und in komplettem Besitz der Daimler AG.

Damit soll nun schon wieder Schluss sein. Die Daimler Mobility AG verschwindet, die Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen gehen in den beiden anderen Sparten auf. Und auch die Holding wird auf lange Sicht nicht mehr gebraucht. Dafür bringt Daimler die Truck-Sparte wohl noch in diesem Jahr an die Börse und zielt auch auf den Leitindex DAX. Die Mehrheit der Anteile soll in die Hände der heutigen Aktionäre gegeben werden - zu welchen Konditionen, steht noch nicht fest. Daimler selbst behält nur eine Minderheit.

Die zwei künftigen Unternehmen seien in völlig verschiedenen Branchen unterwegs, mit jeweils ganz speziellen Kunden, Technologien und Kapitalanforderungen, sagte Källenius. Und beide seien in Industrien tätig, die sich umfassend veränderten. "Diesen Wandel können sie deutlich effektiver gestalten, wenn sie dabei als unabhängige Einheiten agieren", betonte er.

Die größere Beweglichkeit war schon das Hauptargument für die 2019 neu eingeführte Drei-Säulen-Struktur gewesen. Schon damals hatten Investoren vehement gefordert, das Lastwagengeschäft an die Börse zu bringen. Das hatte das Management vor allem unter dem langjährigen Ex-Chef Dieter Zetsche aber lange Zeit abgelehnt. "Die Frage ist nicht, warum jetzt, sondern: Warum warten, wenn man sich für einen Weg entschieden hat?" sagte Källenius nun.

Daimler Truck ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Hersteller von Lkw und Bussen mit sieben Marken, mehr als 100.000 Beschäftigten und einem Umsatz von zuletzt knapp 45 Milliarden Euro. Für Daimler insgesamt arbeiten weltweit rund 300.000 Menschen.

Erst vergangene Woche hatte der Konzern erste Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Mit rund 6,6 Milliarden Euro Gewinn aus dem operativen Geschäft schnitt Daimler deutlich besser ab als wegen der Coronakrise erwartet. Die in der zweiten Jahreshälfte positive Entwicklung ging allerdings vor allem auf ein starkes Abschneiden im Autogeschäft zurück. Die Trucks blieben unter den Erwartungen - mit der Kaufzurückhaltung von Spediteuren in der Corona-Krise war die gesamte Lkw-Branche in ein tiefes Loch gefallen.

"Wir haben klare Strategien, um unsere finanzielle Performance zu steigern und unsere Marschroute schneller umzusetzen", versprach Truck-Chef Martin Daum. Man werde die Schlagkraft der Marken und sowie die Skaleneffekte und die Technologie-Kompetenz im Unternehmen nutzen, um künftig auch bei der Rendite führend zu sein.

Källenius kündigte an, dass die Sparbemühungen auch in den kommenden Jahren weitergehen sollen. "Wir glauben an die finanzielle und operative Stärke unserer beiden industriellen Geschäftsfelder", sagte er. "Und wir sind überzeugt: Mit einem unabhängigen Management und mit unabhängiger Governance-Struktur werden beide Einheiten künftig noch schneller agieren, ehrgeiziger investieren sowie Wachstum und Kooperationen gezielter vorantreiben können - das alles macht sie deutlich stärker und wettbewerbsfähiger."

Für den Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer ist der Schritt nur folgerichtig. "Es passt in die Zeit", sagte er und verwies auf ähnliche Tendenzen in anderen großen Autokonzernen. Die Geschäfte der verschiedenen Sparten hätten wenig miteinander zu tun, zudem habe man erkannt, dass es besser sei, sich auf das Kerngeschäft zu besinnen und nicht nach dem allumfassenden Mobilitätskonzern zu streben.

Tatsächlich hatte auch Daimler zuletzt einige kostspielige Projekte etwa beim autonomen Fahren auf Eis gelegt oder sich mit Partnern zusammengetan - nicht zuletzt auch wegen des enormen Kostendrucks und der Sparvorgaben, mit denen Källenius den Wandel stemmen will. Im Zuge des "Projekts Fokus" werden die Dienstleistungen nun ihre Eigenständigkeit verlieren und direkt entweder an das Auto- oder das Lastwagengeschäft angebunden.

"Mercedes-Benz und Daimler Truck gehen mit enormer Stärke in diese Transformation", sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff, der seinen Posten im Frühjahr an Bernd Pischetsrieder abgeben wird. "Wir sind überzeugt, dass sie als unabhängige Unternehmen noch stärker sein werden und ihre jeweiligen Kunden noch besser bedienen können."

Das letzte Wort haben wie üblich die Aktionäre. Sie sollen ihr Placet bei einer außerordentlichen Hauptversammlung im dritten Quartal dieses Jahres geben. Ziel der Pläne der Stuttgarter ist auch, für den Aktienmarkt mehr Transparenz zu schaffen und für Investoren attraktiver zu werden. In beiden künftigen Teilen rechne das Management mit einer Erholung der Marktbewertung, sagte Finanzchef Harald Wilhelm.

Daimler-Anleger bejubeln Pläne zum Börsengang der Truck-Sparte

Es ist ein Feiertag für die Anleger von Daimler: Weil der Autobauer wie erhofft tatsächlich seine Truck-Sparte an die Börse bringen will, machten die Aktien am Mittwochnachmittag einen besonders großen Freudensprung nach oben. So gewannen die Anteilscheine zum Handelsschluss knapp 9 Prozent auf 64,56 Euro und waren mit Abstand der beste Wert im 0,7 Prozent festeren deutschen Leitindex DAX. Die Daimler-Papiere notieren aktuell wieder auf dem Niveau von Mai 2018.

Die Nachrichten aus Stuttgart schoben europaweit auch die gesamte Branche an. So verzeichnete der Sektorindex für die Automobilindustrie mit einem Plus von 2,7 Prozent die größten Gewinne im Branchentableau.

Der Auto- und Lastwagenbauer Daimler will sich erneut komplett umbauen und im Zuge dessen seine Truck-Sparte abspalten. Es ist dabei geplant, das Geschäft von Daimler in zwei unabhängige Unternehmen aufzuteilen - Mercedes-Benz für Autos und Vans, Daimler Truck für Lastwagen und Busse.

Ziel für Daimler Truck ist, die Börsennotierung in Frankfurt noch in diesem Jahr abzuschließen. Beabsichtigt ist dabei, dass der Mehrheitsanteil von Daimler Truck an die heutigen Daimler-Aktionäre übertragen wird.

Zudem wird angestrebt, die Kriterien für eine Notierung im Dax zu erfüllen. Die endgültige Entscheidung über die geplante Abspaltung müsse bei einer außerordentlichen Hauptversammlung im dritten Quartal 2021 getroffen werden.

Analysten waren voll des Lobes. Er begrüße diesen Schritt sehr, der in die richtige Richtung gehe, schrieb etwa der Experte Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan. Dies zeige auch, dass der Fahrzeugbauer seine Reorganisation vorantreibe.

Der Fachmann Arndt Ellinghorst vom US-Analysehaus Bernstein Research sprach von einem "großen Tag für Daimler". Die Nachricht sei für alle Aktionäre äußerst positiv und Ellinghorst ist überzeugt, dass der Börsengang der Truck-Sparte im besten Interesse aller Mitarbeiter von Daimler liegt. Dies sei auch eine starke positive Aussage für die deutsche Unternehmenslandschaft und den deutschen Finanzmarkt.

Analyst Philippe Houchois von Jefferies wertete insbesondere die Übertragung des Mehrheitsanteils von Daimler Truck an die jetzigen Daimler-Aktionäre positiv. Dadurch würde eine hohe Marktliquidität erreicht.

STUTTGART (dpa-AFX)

Bildquellen: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com

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