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14.06.2010 06:00
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Ubisoft-Chef Guillemot: "Noch nicht die letzte Konsolengeneration“

Ubisoft-Chef Yves Guillemot warnt im Vorfeld der weltgrößten Branchenmesse E3 davor, Spaßmaschinen wie die PS3 oder Xbox360 vorzeitig auszuzählen.
€uro am Sonntag
von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag

Die Videospielebranche gehörte lange Jahre zu den stabilsten Wirtschaftszweigen weltweit. Zur Begründung verwiesen die Unternehmen gern auf ihre Kreativität und die Unterhaltungskosten. Mal abgesehen vom Fernsehen sei eine Stunde Daddelspaß deutlich günstiger als die meisten anderen Arten Zeitvertreib wie Kino oder Theater, hieß es. Doch im Vorjahr machte die weltweite Rezession auch vor der Fun-Branche nicht halt: Allein der Umsatz mit Videospielen sank weltweit um elf Prozent auf 23,3 Milliarden Dollar. Auch im laufenden Jahr verlief das Geschäft bis jetzt eher schleppend. Nun hofft die ­Branche auf die E3 in Los Angeles. Mit rund 50 000 Besuchern gilt sie als wichtigste Fachmesse weltweit. €uro am Sonntag sprach im Vorfeld des am Montag beginnenden Gipfeltreffens mit dem Chef des größten ­europäischen Videospieleanbieters Ubisoft, Yves Guillemot, über die nächsten Wachstumstreiber, mögliche Bedrohungen für das Konsolengeschäft, das iPhone und den nächsten Fußballweltmeister.

Euro am Sonntag: Herr Guillemot, Ubisoft hat pünktlich zur WM mit „Pure Football“ gerade sein erstes Fußballspiel herausgebracht. Wagen Sie auf dieser Basis einen Tipp, wer in Südafrika Weltmeister wird?
Yves Guillemot: Ich weiß es nicht (lacht). Doch Frankreich wird es wohl eher nicht. Wir haben uns ja nur mit Mühe und Not qualifiziert. Aber Deutschland hat vermutlich wieder gute Chancen auf den Titel.

Nun steht ab Montag die weltweit wichtigste Branchenmesse E3 ins Haus. Zuletzt war das Geschäft schwierig. Bringt die E3 die Wende?
Wir glauben schon. Denn Microsoft und Sony bringen mit Natal und Move in diesem Jahr neue bewegungsempfindliche Controller für ihre Konsolen auf den Markt. Gleichzeitig bereitet Nintendo den Start seiner neuesten mobilen Spielekonsole 3DS vor, die 3-D-Spiele ermöglicht. Außerdem wird es viele neue, qualitativ starke Titel geben.

Die beiden neuen Controller Project Natal von Microsoft und Sony Move werden also die nächsten Wachstumstreiber für die Branche?
Absolut. Mit diesem Schritt wird es für alle Konsolen bewegungsempfindliche Steuerungsgeräte geben. Der absehbare Erfolg wird dazu führen, dass die Spieleanbieter ihre Entwicklungskapazitäten entsprechend ausrichten. Und die neuen Produkte werden neue Leute anziehen, die bisher noch gar nicht oder fast gar nicht gespielt haben. Das ist gut für die ganze Branche.

Das Geschäft mit Onlinespielen gehört zu den größten Wachstumstreibern. Wann werden die Online-Umsätze größer sein als das traditionelle Geschäft mit CDs oder DVDs?
Es stimmt: Viele Spieler sind inzwischen lange online unterwegs. Wir stellen uns darauf mit unseren Entwicklungen ein. Unsere großen Marken wie Ghost Recon oder Assassin’s Creed werden grundsätzlich eine Onlinekomponente haben.Wir erwarten, dass rund zwei Drittel aller Käufer eine solche Onlinekomponente auch nutzt. Viele lernen das Spiel an der Konsole und dem PC kennen und spielen dann mit Freunden gemeinsam oder online gegen andere.

Es gibt auch auf Social-Community-Plattformen bereits sehr erfolgreiche Onlinespiele wie „Farmville“ von Zynga auf Facebook. Was planen Sie hier?
Wir investieren auch hier. Wir entwickeln eigene Spiele speziell für Facebook oder integrieren ein Facebook-Feature in unsere Spiele. Wir sind da immer noch am Anfang, aber wir wachsen damit sehr stark.

Aber wird das je ein wichtiger Umsatzbringer?
Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Wir haben einige Millionen ­investiert. Jetzt müssen wir schauen.

Apple-Chef Steve Jobs hat gerade offiziell die nächste Version des populären iPhone angekündigt. Neben einem besseren Display soll es vor allem eine bessere Spielesteuerung ermöglichen. Was bedeutet das für die beiden mobilen Konsolen PSP von Sony und die NDS-Serie von Nintendo?
Nintendo wird mit 3DS sicher weiter einen Schritt voraus sein. Wir werden sehen, was Sony mit der PSP vorhat.

Viele Beobachter sehen Apples Vorstoß auch als Angriff auf PSP und NDS. Wie lange wird’s diese mobilen Plattformen noch geben?
Das kommt darauf an, wie Sony und Nintendo reagieren. Wenn sie weiterhin starke Spieleplattformen zu einem attraktiven Preis anbieten, werden sie erfolgreich sein. Sie dürfen ja nicht vergessen: Das iPhone ist ziemlich teuer, sowohl die Hardware als auch die damit verbundenen monatlichen Gebühren. Für Kinder und Teenager ist das häufig wohl zu teuer.


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In den vergangenen Monaten hat die Branche verstärkt über 3-D-Spiele diskutiert. Ist das nur ein Hype oder ein echter Langfristtrend?
Wir glauben, dass das langfristig ein großes Thema wird. Wir haben mit „Avatar“, dem Spiel zum Film, als Erste ein 3-D-Spiel auf den Markt gebracht, wir bereiten für dieses Jahr weitere vor und für 2011 eine ganze Menge.

Wann wird 3D denn richtig abheben?
Die Technologie ist noch zu teuer. Aber in drei bis fünf Jahren dürfte sich das ändern. Dann wird das sehr schnell gehen.

In den USA steht mit OnLive ein neuer Dienst am Start. Dabei können Nutzer gegen eine monatliche Gebühr über das Web alle möglichen Spiele nutzen – ganz ohne PS3, Xbox360 und Co. Klingt, als würden Spielekonsolen bald überflüssig?
In den nächsten drei bis fünf Jahren werden solche Dienste die Konsolen nicht ersetzen. Doch die Datenleitungen werden besser. Fernseher werden neue Funktionen wie integrierte 3-D-Kameras haben. Dann wird es vielleicht nicht mehr so interessant sein, neue Hardware zu kaufen. Doch in den nächsten drei bis fünf Jahren wird es noch genügend Raum für eine neue Konsolengeneration geben.

Finanzanalysten spekulieren, dass die aktuelle Konsolengeneration die letzte ist?
Ich bin überzeugt, dass das nicht die letzte Konsolenwie OnLive wegen der Datenleitungen nicht überall funktionieren werden.

OnLive hat für die Softwareanbieter doch durchaus Charme. Es wäre ein Schlag gegen Raubkopierer. Dazu würden die Kosten für das Pressen von DVDs oder den Vertrieb deutlich sinken. Das hätte doch was?
Es hätte durchaus Vorteile. Wir hätten in einem solchen Modell noch mehr Mittel verfügbar, die wir in die Entwicklung neuer, noch schönerer Spiele investieren könnten. Das würde die Qualität erhöhen und uns helfen, mehr Leute für die Branche zu begeistern.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren vor allem mit Studios und Marken verstärkt und Entwicklungskapazitäten aufgebaut. Wird das so bleiben oder ist eine größere Akquisition in Sicht?
Wir werden uns weiter auf kleinere Akquisitionen konzentrieren, vor allem im Onlinebereich.

Sie haben zuletzt für das erste Quartal einen Umsatz von 145 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Sind Sie auf Kurs?
Wir haben unseren Ausblick nicht geändert. Aber so viel: Das wird ein gutes Quartal.

Und der Euro bringt Rückenwind?
Das hilft uns sehr. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir rund 45 Prozent unseres Umsatzes in den USA machen.

Für das gesamte Geschäftsjahr gibt’s bisher noch keine Prognose. Analysten erwarten einen Umsatz von einer Milliarde. Ist das realistisch?
Wir haben gesagt: Wir erwarten profitables Wachstum für 2010/11. Diese Aussage gilt nach wie vor.

Im Profil
Yves Guillemot – Charmanter Franzose
In der Videospielebranche ist der Umgangston traditionell locker. Yves Guillemot (49) ist da keine Ausnahme. Das Geschäft hat der Bretone von der Pike auf gelernt. Nach dem Studium stieg er im Großhandelsvertrieb von Spielen ein, bevor er 1986 mit seinen vier Brüdern Ubisoft gründete. Heute ist das für qualitativ hochwertige Produkte bekannte Unternehmen der größte europäische ­Anbieter von Videospielen.

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