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aktualisiert: 10.05.2011 16:44

Vermögensverwalter Boyar: Ich werde für das Warten bezahlt

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Der US-Vermögensverwalter Mark Boyar hat in seinem Investorenleben vieles richtig gemacht. Jetzt setzt er ausgerechnet auf die angeschlagenen US-Banken.
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€uro am Sonntag
von Tim Schäfer, €uro am Sonntag

Es war die Chance einer Generation, zumindest aus Sicht eines Aktieninvestors. So urteilt der New Yorker Vermögensverwalter Mark Boyar über die dramatischen Monate nach dem Fall der US-Investmentbank Lehman Bro­thers. Doch auch heute bieten sich laut Boyar gute Einstiegsmöglichkeiten bei unterbewerteten Titeln. Derzeit beflügelt zudem eine Fusions- und Übernahmewelle die Kurse. Der Ketchuphersteller Heinz, der ­Kabelkonzern Cablevision und die Restaurantkette Wendy’s könnten die nächsten potenziellen Ziele sein, sagt Boyar im Interview mit €uro am Sonntag.

€uro am Sonntag: Der Dow-Jones-Index hat sich binnen zweier Jahre verdoppelt. Es war eine der besten Rallys, die wir je hatten. Hat der Markt noch Potenzial?
Mark Boyar:
Wir sagten bereits 2008 und speziell Anfang 2009: Wir haben womöglich eine der größten Kaufgelegenheiten in einem Leben. Die einzige andere vergleichbare Periode, an die ich mich erinnern kann, war in den 1970er-Jahren, als ich ein junger Geschäftsmann war und wir schon unseren Researchservice anboten. Der Markt marschierte jetzt einen langen Weg nach oben. Sie können aber nicht einfach auf den März 2009 zurückblicken und sagen, der Markt hat sich verdoppelt. Es war einfach eine Extremsituation, alles konzentrierte sich auf diesen Zeitpunkt, auf all die Finanzprobleme. Die Leute mussten ihre Darlehen decken. Das Geld war knapp. Man konnte sich nichts leihen. Brokerfirmen und Hedgefonds bauten ihre Schulden ab. Es war die Chance einer Generation.


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Und jetzt? Welche Aktien haben noch gute Aussichten?
Ich glaube, das sind jene multi­nationalen Gesellschaften in den USA, die hohe Dividenden zahlen und die fähig sind, ihre Dividenden im nächsten Jahrzehnt mehrfach zu erhöhen. Diese Aktien haben sich in den vergangenen zehn Jahren kaum entwickelt, wie beispielsweise Microsoft. 1996 wurde Microsoft mit einem Gewinnvielfachen von 17 taxiert und zahlte keine Dividende. Heute wird die Aktie mit dem neunfachen Gewinn bewertet und rentiert mit 2,5 Prozent. Sie schütten nur 20 Prozent des Gewinns aus. Sie können schön die Dividende erhöhen auf Sicht der nächsten zehn Jahre. Microsoft, Pfizer, Kraft – diese Unternehmen sollten gut laufen. Mittelgroße und wirklich kleine Firmen dürften sich prächtig entwickeln.

Warum gerade kleine Firmen? Die großen Banken haben ihre Researchabteilungen massiv verkleinert. Sie decken die wirklich kleinen Firmen nicht mehr ab. Diese notieren vielfach zu einem Viertel oder Drittel ihres inneren Werts.

Wie gehen Sie bei Investments vor?
Wenn ich was kaufe, möchte ich eine Sicherheitsmarge. Beim Kauf muss der Börsenkurs deutlich unter dem eigentlichen Wert des Unternehmens liegen. Ich möchte sichergehen, dass mein Risiko nach unten begrenzt ist.

Was ist noch zu beachten?
Boyar: Man sollte ein guter Stock­Picker sein, also seine Investments nach klar festgelegten Kriterien zielgerichtet eingehen. Man muss sich zudem in Gebieten umschauen, für die sich wenige interessieren. Wenn Sie sich den IT-Konzern Apple oder die Onlinevideothek Netflix anschauen, dann sind das Momentum-Aktien, sie sind also bereits durchgestartet. Kann sich Apple noch einmal verdoppeln? Ich glaube nicht. Kann sich Netflix verdoppeln? Ich glaube nicht. Man muss sehr selektiv sein und in Bereiche gehen, die nicht gut gelaufen sind.

Sie investieren doch nicht etwa in Bankaktien?
Doch. Der Finanzkonzern ­Citigroup beispielsweise wird mit einem Abschlag zu seinem Eigenkapital gehandelt, sie haben die Bilanz aufgeräumt, es ist eine einmalige Firma in den USA, weil sie wirklich international aufgestellt ist. Oder JP Morgan. Die haben sich exzellent in einem schwachen Markt geschlagen. Nun können sie die Dividende erhöhen. Die Rendite beträgt 2,5 Prozent. Das kann signifikant steigen. Sie zahlen bislang nur 35 Prozent des Gewinns aus. Oder schauen Sie sich Bank of America an: Die Aktie wurde mit drei oder vier Dollar gehandelt. Nach dem Börsentief im Jahr 2009 zog der Kurs zügig an. Jetzt ist der Kurs auf elf Dollar zurückgefallen. Sie haben noch Probleme, sie werden aber da durchkommen. Ich habe diese Aktien lieber im Depot als solche, die sich außergewöhnlich gut entwickelt haben, wie etwa der Baumaschinenkonzern Caterpillar oder die Düngemittelhersteller.

Aber es kann doch Jahre dauern, bis sich die Banken erholen, und die Rückschlaggefahr ist groß.
Ich habe Geduld. Ich bin Langfristanleger. Ich habe eine Sicherheitsmarge. Die Aktien können eine Zeit lang schlecht abschneiden. Wir haben Konsumaktien wie Heinz gekauft, als keiner sie haben wollte. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis Microsoft oder Intel sich besser entwickeln. Aber ich werde für das Warten bezahlt. Intel zahlt drei Prozent. Pfizer zahlt fast vier Prozent. Ich habe Anteile am Ernährungskonzern Weight Watchers gekauft, als ihn jeder hasste. Jetzt, nachdem die Aktie auf 60 Dollar ge­sprungen ist, fangen alle an, die Papiere zu empfehlen.

Zu welchem Preis sind Sie eingestiegen?
Wir haben unsere Anteile an Weight Watchers vor anderthalb Jahren gekauft, zu 28 Dollar je Aktie. Das Unternehmen hat damals eine Dividende von fünf Prozent ausgeschüttet. Der Kurs ging rauf auf 40 Dollar, eine Zeit lang stagnierte er auf diesem Niveau. An einem Tag schoss die Aktie dann um 15 Dollar nach oben, weil die Ergebnisse über den Erwartungen lagen. Wir haben sie bei 61 Dollar verkauft und das Geld eingestrichen.

Wir erleben derzeit eine Übernahmewelle. Wie lange hält der Kaufrausch an?
Fusionen und Akquisitionen kommen immer in wellen­artigen Bewegungen. Der gegenwärtige Deal-Fluss begann vor einem Jahr. Ich glaube, diese Phase wird noch eine Zeit lang so weitergehen, wir sind noch nicht am Ende dieses Prozesses – speziell was die multi­nationalen Konzerne angeht, die im Geld schwimmen.

Sie sehen im Ketchuphersteller Heinz einen ­möglichen Übernahmekandidaten. Warum?
Lebensmittelfirmen tendieren dazu, Konkurrenten dann zu übernehmen, wenn das Geschäft gut läuft. Die Maschine muss also auf allen acht Zylindern brummen. Als wir uns bei Heinz engagierten, ging es dem Unternehmen gar nicht gut. Aber in der Zwischenzeit sind viele Optimierungen umgesetzt worden. Jetzt wäre es für eine Firma sinnvoll, eine großartige Konsummarke wie Heinz zu kaufen. Eine weitere Gesellschaft, die man sich anschauen sollte, ist Clorox, ein großer Anbieter von Konsummarken mit vielen Marken unter einem Dach. Dem US-Groß­investor Carl Icahn gehören fünf Prozent. Clorox ist ein typischer Übernahme­kandidat.

Haben Sie weitere Beispiele?
Die Fast-Food-Kette Wendy’s. Wendy’s hat den Konkurrenten Arby’s übernommen, das hat sich nicht gerechnet, nun wollen sie wieder verkaufen. Ich glaube, sie werden den Erlös nutzen, um mit Wendy’s in den USA und im Ausland zu expandieren. Das könnte man mit dem Schlagwort finanzielles Engineering umschreiben. Sie optimieren ihre Bilanz. Wendy’s hat ein Geschäftsmodell wie McDonald’s, es ist ein Franchisebetrieb.

Warum haben sie dann erst mit Arby’s fusioniert?
Es war ein Fehler. Den wollen sie korrigieren und Shareholder-­Value schaffen.

Sie sehen auch den US-Kabelkonzern Cablevision als Übernahmeziel. Weshalb?
Cablevision wird von der vermögenden Familie Dolan kontrolliert, deren ältestes Mitglied 84 Jahre alt ist. Die Familie ist auch am Madison Square Garden beteiligt. Diese Sparte haben sie in eine separate Aktiennotierung ausgegliedert. Sie haben außerdem die Cablevision-Bilanz klarer strukturiert und das Unternehmen auf reines Kabelgeschäft fokussiert. Das geschah, weil Dolan 84 Jahre alt ist und die Firma ver­kauft werden soll. Ich glaube, eine Akquisition kann nur mit einer saftigen Prämie auf den Kurs erfolgen.

Nur weil der Patriarch alt ist, ist das doch kein Grund zum Verkauf?
Die Familie Dolan hält nach wie vor Aktienpakete am Madison Square Garden. Der jüngere Dolan, der diese Firma leitet, will meiner Ansicht nach mit den Erlösen aus dem Cablevision-Verkauf ein Übernahmeangebot für Madison Square Garden abgeben und dieses äußerst lukrative Unternehmen dann ganz von der Börse nehmen. Madison Square Garden notiert mit 27 Dollar. Wir glauben, dass die Aktie bei 46 oder 47 Dollar fair bewertet wäre.

zur Person:

Mark Boyar,
Vermögensverwalter

Mark Boyar (68) verwaltet seit 1975 Gelder für institutionelle Anleger und vermögende Privatkunden. Zuvor arbeitete der New Yorker als Berater für Price Waterhouse. Er hat sich auf unterbewertete Value-Aktien von bekannten Marken spezialisiert und beteiligt sich auch an potenziellen Übernahmeobjekten.

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