aktualisiert: 06.12.2013 21:02

Iran: Der große Dreh der Öl-Konzerne

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Die Ölmacht Iran darf sich auf ein mögliches Comeback auf dem Energiemarkt freuen. Dies ergibt neue Chancen für Großkonzerne wie Shell, Total oder ExxonMobil.
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€uro am Sonntag
von Peter Gewalt, Euro am Sonntag

Auch die Hoffnung auf etwas mehr kann für ein ­gerüttelt Maß an weniger sorgen. So etwa vergangene Woche, als bekannt wurde, dass der Iran nach der vorläufigen Einigung im Atomstreit wieder mehr Öl exportieren darf. Der Preis für den Schmierstoff der Weltwirtschaft verbilligte sich daraufhin um einige US-Dollar.

Immerhin war das Land bis 2002 der zweitgrößte Energieexporteur der Welt, ehe ihm die internationale Staatengemeischaft infolge seines Atomprogramms Ausfuhrbeschränkungen auferlegte. Vor dem Embargo wurden im Iran 3,5 Millionen Barrel (à 159 Liter) am Tag aus dem Boden gepumpt, zwei Drittel davon wurden exportiert. Heute liegt die geförderte Menge bei einer Million Barrel am Tag. Sollte der Iran seine Ausfuhren wieder steigern, könnte allerdings die ohnehin fragile Balance zwischen Angebot und Nachfrage gestört werden.

Denn Öl ist keine Mangelware. Seit Saudi-Arabien den Förderhahn weit aufgedreht hat und die USA zu einer der wichtigsten Ölfördernationen der Welt aufgestiegen sind, füllen sich die Vorratslager. Derzeit liegen die Preise für die US-Sorte WTI trotz des anstehenden Winters auf der Nordhalbkugel mit rund 93 US-Dollar auf einem Sechsmonatstief.

Die Kriegsangst schwindet
Gleichzeitig sorgt die erst einmal auf ein halbes Jahr ausgelegte Übereinkunft zwischen dem Iran und den USA plus Verbündete dafür, dass die Risikoprämie für den Rohstoff geringer und dieser dadurch billiger wird. Denn eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA — noch vor Kurzem eine denkbare Option — und eine daraus resultierende Versorgungskrise scheinen erst einmal vom Tisch. Mit einem dramatischen Anstieg der Ausfuhren in kurzer Zeit rechnen Experten aber ebenfalls nicht, da zunächst nur ein Teil der Sanktionen aufgehoben wurde.

Die Rohstoffexperten der DZ Bank schätzen, dass der Genf-Deal in den kommenden Monaten höchstens 300.000 Barrel pro Tag an zusätzlichen Ölausfuhren bringen wird. Da weltweit knapp 90 Millionen Barrel am Tag gefördert werden, ist der Iran-Effekt also kurzfristig vernachlässigbar.

Sollten alle Sanktionen aufgehoben werden, wären die langfristigen Folgen dagegen immens. Derzeit verfügt der Iran über Erdölreserven von etwa 150 Milliarden Barrel — lediglich der Nachbar Saudi-Arabien besitzt in der Region größere Mengen. Zudem sind die Explorations- und Entwicklungsarbeiten weitestgehend zum Erliegen gekommen, seit sich westliche Unternehmen aus dem Land zurückgezogen hatten. Lediglich einige russische und chinesische Firmen sind noch im Land tätig.

Viele Vorkommen werden zudem von Firmen des iranischen Militärs verwaltet. Doch der Ölminister des Iran, Bijan Namdar Zanganeh, hat seine Fühler schon Richtung Westen ausgestreckt, um wichtiges technisches Know-how zu erlangen und die heimische Ölförderung wieder in Schwung zu bekommen.

Knapp 100 Milliarden US-Dollar an ausländischem Kapital will Zanganeh für die Entwicklung der Felder in den kommenden drei Jahren ins Land holen. Medienberichten ­zufolge sind aktuell mehrere Chefs europäischer Ölfirmen vor Ort. Erfahrung mit den Europäern hat Zanganeh schon. Als Ölminister holte er zwischen 1997 und 2005 den französischen Konzern Total, den britisch-niederländischen Multi Royal Dutch Shell und die norwegische Statoil ins Land. Dann sorgten allerdings Spannungen zwischen Teheran und dem Westen aufgrund des umstrittenen Atomprogramms wieder für eine Eiszeit und neue Sanktionen.

Interesse aus dem Ausland
Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Großen der Branche trotz schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit wieder anbeißen. Auf die Frage, ob er Interesse an iranischen Ölressourcen habe, antwortete vor Kurzem Total-Vorstandschef Christophe de Margerie kurz und eindeutig mit einem „natürlich“.

Doch auch Gespräche mit der US-Konkurrenz hat Zanganeh schon angestoßen. In den Vorstandsetagen der Amerikaner ist das Interesse am Iran ebenfalls groß. Zwar haben die US-Konzerne gegenüber den euro­päischen Konkurrenten den Vorteil, dass sie mit Fracking, bei dem mit Wasser und Chemikalien Öl aus Gestein gelöst wird, eine Alternative zu Abenteuern im Ausland haben, dennoch stehen die Ölgiganten alles andere als gut da. Die Kurse der Dickschiffe hinken weit hinter der Wertentwicklung anderer Unternehmen her. So hat die Aktie des US-Konzerns Chevron seit Jahresanfang nur halb so viel zugelegt wie der Dow-Jones-Index. Auch Conoco Philips und ExxonMobil können mit dem breiten Markt nicht mithalten.

Das Dilemma der Dickschiffe
Denn die Großen stehen vor einem Dilemma: Sie müssen ständig neue Ölquellen erschließen, doch diese liegen meist in politisch und geografisch schwierigen Gegenden. Tiefseebohrungen und nichtkonventionelle Förderungen sind möglich, aber extrem teuer. Beinahe die Hälfte der Investitionen der Ölriesen entfällt mittlerweile auf solche Vorkommen. Ergebnis dieser Strategie: Milliardenschwere Projekte floppen, die Förder- und Explorationskosten explodieren, das Wachstum lahmt, die Gewinne schrumpfen. Kein Wunder, dass die Profite der US-Ölindustrie im dritten Quartal im Schnitt um ein Viertel gefallen sind.

Umso attraktiver erscheint den US-Firmen in diesem Licht das iranische Öl-Dorado mit Reserven, die günstig zu heben wären. Viele Augen sind auf ExxonMobil gerichtet — und das nicht nur, weil Investmentlegende Warren Buffett jüngst über seine ­Investmentholding Berkshire Hathaway Anteile am Branchenprimus im Wert von 3,7 Milliarden US-Dollar erworben hat. Zudem ist es kein Geheimnis, dass der Multi als Nummer 1 unter den nichtstaatlichen Ölkonzernen weltweit ein Auge auf die ergiebigen Vorkommen am Golf geworfen hat. Der texanische Gigant ist derzeit im Nachbarland Irak engagiert und hat zudem tiefgehende historische Geschäftsbeziehungen zum Iran. Der Konzern zählt zur berühmt-berüchtigten Gruppe der Seven Sisters — der sieben westlichen Ölkonzerne, die bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts die Ölvorkommen des Iran ausbeuteten, ehe Teheran die Industrie verstaatlichte.

Geld für eine Expansion ist reichlich in der Kasse von ExxonMobil vorhanden. Knapp 38 Milliarden US-Dollar stehen bereit, um neue Lagerstätten zu finden, zu kaufen und zu entwickeln. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten schafft es ExxonMobil, kontinuierlich seine Produktion auszubauen. Förderten die Texaner 2003 umgerechnet 4,6 Millionen Barrel, holen sie dieses Jahr 5,2 Millionen Barrel aus dem Boden. Dieses nachhaltige Wachstum dürfte neben der relativ günstigen Bewertung des Konzerns ein Grund sein, weshalb Buffett auf ExxonMobil setzt.

OPEC bleibt zuversichtlich
Zudem hat der Investmentguru in der Vergangenheit mehrfach geäußert, dass er langfristig an eine steigende Ölnachfrage glaube. Damit ist er auf einer Wellenlänge mit OPEC-Generalsekretär Salem El-Badri, der noch lange kein Ende des Ölzeitalters erkennen will. „Im World Oil Outlook 2013 rechnen wir damit, dass im Jahr 2035 ein Erdölbedarf von 108,5 Millionen Barrel pro Tag herrscht — gegenüber 2012 ein Anstieg von 20 Millionen Barrel pro Tag“, erklärte El-Badri gegenüber €uro am Sonntag. Gleichzeitig erwartet er, dass der Fracking-Boom in den USA abflaut.

Sollte es so kommen, müssen weltweit alle möglichen Quellen angezapft werden, um den — vor allem in den Schwellenländern steigenden — Energiehunger zu stillen. Ein Land sei dabei besonders gefragt, so Peter Voser, Vorstandschef von Royal Dutch Shell. „Langfristig müssen hierfür die Öl- und Gasressourcen im Iran ausgebeutet werden.“ Mit freundlicher Unterstützung von Shell, versteht sich.

Investor-Info

ExxonMobil
Buffetts neuer Liebling

Auch wenn die Gewinne von ExxonMobil im dritten Quartal um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen sind, blieben dennoch über 7,8 Milliarden US-Dollar in der Kasse hängen. Die Texaner haben eine ganze Reihe von Projekten in der Pipeline, die sich erst 2015 auszahlen werden. Bis dahin dürften Anleger mit einer annehmbaren Dividendenrendite von knapp drei Prozent und milliardenschweren Aktienrückkäufen bei Laune gehalten werden.

Total
Energische Franzosen

Sollten die Sanktionen gegen den Iran letztlich ganz fallen, gehören die Franzosen sicher zu den großen Profiteuren. Der Konzern hat seit Langem beste Verbindungen in den Nahen und Mittleren Osten. Zudem sind französische Konzerne im Iran politisch nicht so umstritten wie die amerikanische Konkurrenz. Der Konzern überzeugt außerdem mit seiner aggressiven Expansionspolitik.

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