finanzen.net
13.05.2020 17:52

TUI streicht Stellen und hofft auf Sommerurlauber - Aktie unentschlossen

Schwer getroffen: TUI streicht Stellen und hofft auf Sommerurlauber - Aktie unentschlossen | Nachricht | finanzen.net
Schwer getroffen
Folgen
Der Reisekonzern TUI will Urlauber nach einem verlustreichen Winter so bald wie möglich wieder ans Mittelmeer bringen.
Werbung
Die Corona-Krise hat das Unternehmen vor der wichtigen Sommersaison schwer getroffen: Derzeit verliert TUI jeden Monat eine dreistellige Millionensumme. Tausende Jobs sollen wegen des steigenden Spardrucks gestrichen werden.

Die Lage bleibe unsicher, sagte Vorstandschef Fritz Joussen am Mittwoch in Hannover: "Es gibt keine Zusagen, keine Planbarkeit, wann Flugreisen und Schiffsreisen aus Deutschland wieder möglich sind." Dennoch hofft TUI, möglichst große Teile der im März fast komplett eingestellten Aktivitäten bald wieder aufnehmen zu können. Bisher hat TUI Deutschland alle Reisen bis 14. Juni abgesagt.

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte am Mittwoch, dass eine schrittweise Aufhebung der weltweiten Reisewarnung für Touristen mit den europäischen Ländern beginnen könnte. Einen Zeitpunkt dafür nannte der SPD-Politiker allerdings nicht. Wo und ab wann die Kunden wieder Urlaub machen können, ist damit weiter unklar. Bei TUI ist das Sommerprogramm ist derzeit nur zu 35 Prozent ausgebucht. "Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern", sagte Joussen.

Optimistisch gab sich der TUI-Chef mit Blick auf Spanien und Griechenland: Sofern die Infektionszahlen regional relativ gering blieben, gebe es "keinen Grund, dass man dort nicht hinreisen könnte". Dabei müsse der Gesundheitsschutz Priorität haben. "Der Urlaub in Europa, wenn er denn sicher ist, sollte möglich sein." Ein gutes Signal sei, dass sich bei den Buchungen für 2021 eine Verdoppelung der Nachfrage abzeichne. Eine "volle Erholung" komme aber wohl erst 2022.

In Spanien hatte die Regierung jedoch erst am Dienstag überraschend eine zweiwöchige Quarantäne für alle Einreisenden aus dem Ausland verhängt. Der Präsident der Vereinigung der Reiseagenturen des Landes (CEAV), Carlos Garrido, sprach von einer "Katastrophe".

Der Tourismus gehört mit dem Luftverkehr und dem Gastgewerbe zu den Branchen, die die Pandemie am schwersten trifft. In Berlin, Frankfurt, Hannover, Leipzig, Dresden und anderen Städten demonstrierten Inhaber von Reisebüros und mittelständische Reiseunternehmer daher am Mittwoch mit Bussen für staatliche Hilfe.

Bei TUI Deutschland sind bereits viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Der Konzern will die Verwaltungskosten nun um 30 Prozent drücken. Joussen sagte bei der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen: "Weltweit wird das Auswirkungen auf rund 8000 Stellen haben, die wir nicht besetzen oder abbauen."

Die Pläne für einen schärferen Sparkurs werden damit konkreter. "Die TUI soll gestärkt aus der Krise hervorgehen", erklärte Joussen. "Aber sie wird eine andere TUI sein und ein anderes Marktumfeld vorfinden als vor der Pandemie."

Im ersten Geschäftshalbjahr (Oktober bis März) verbuchte der Konzern unterm Strich 892,2 Millionen Euro Verlust und war damit mehr als zweieinhalb Mal so tief in den roten Zahlen wie im Vorjahreszeitraum. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stürzte um knapp 175 Prozent auf minus 828,7 Millionen Euro ab. Der Umsatz sank leicht um 0,6 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Verluste im Winter sind in der Branche an sich typisch, die Unternehmen verdienen das meiste Geld im Sommer. Dieser bringt wegen der Viruskrise jetzt aber große Probleme. Flüge und Kreuzfahrten fallen aus, viele Länder haben das öffentliche Leben eingeschränkt.

Den Hotelbetrieb will TUI schrittweise wieder aufnehmen. Zum Schutz vor Infektionen ist etwa vorgesehen, dass Kunden online einchecken, Abstandsregeln greifen oder die Kapazitäten von Restaurants und Teilnehmerzahlen von Sport- und Unterhaltungs-Events geringer sind.

Die Urlaubsoptionen in Deutschland werden mittlerweile schrittweise wieder geöffnet. Auf Sylt und in Mecklenburg-Vorpommern sollen die ersten TUI-Hotels in den kommenden Tagen wieder öffnen. Allerdings gelten weiter Einschränkungen wie geringere Gästezahlen.

In einigen Bereichen will TUI das Angebot auch erweitern. Eine Option: "Wir werden Mini-Kreuzfahrten machen. Wir verlegen Schiffe nach Norddeutschland." Es gehe um "Kurz-Kreuzfahrten in der Nordsee mit nur 1000 Gästen auf dem Schiff, um auch hier die Sicherheit zu gewährleisten".

Joussen geht insgesamt von einer Erholung aus: "Sommerurlaub in Europa kann jetzt schrittweise wieder möglich gemacht werden - verantwortungsvoll und mit klaren Regeln." Bei Geschäftsreisen erwartet er zwar, dass Homeoffice-Erfahrungen nach der Krise zu einer geringeren Nachfrage führen. Zu Urlaubsreisen gebe es indes kaum eine Alternative: "Was wollen Sie sonst machen? Einen Film schauen?"

Um seine Zahlungsfähigkeit zu sichern, bekommt der Konzern über die staatliche Förderbank KfW einen Kredit von 1,8 Milliarden Euro. Joussen betonte, dies sei wichtig - man müsse aber auch mit neuen Ideen eine rasche Rückkehr zu einem stabilen Geschäft gewährleisten.

Derzeit flössen monatlich 250 Millionen Euro an Barmitteln aus dem Unternehmen ab. Je länger der Reisestopp gelte, desto eher würden auch Kunden ihre Anzahlungen zurückfordern. Der Mittelabfluss könne dadurch noch um 100 bis 200 Millionen Euro steigen. "Insofern müssen wir möglichst schnell versuchen, unser Geschäft wieder aufzunehmen."

Die EU-Kommission kündigte am Mittwoch an, gegen Mitgliedsstaaten vorzugehen, die sich über das Recht der Verbraucher auf Erstattung für abgesagte Reisen hinwegsetzen. Auch Deutschland wollte Verbraucher ursprünglich verpflichten, Gutscheine statt Erstattung zu akzeptieren, nahm nach Widerstand aus Brüssel aber Abstand davon.

Via XETRA konnte die TUI-Aktie im frühen Handel zwar zulegen, dann rutschte sie jedoch deutlich ins Minus. Zum Handelsende stand ein Verlust von 2,33 Prozent auf 2,93 Euro an der Tafel.

HANNOVER (dpa-AFX)

Bildquellen: TUI

Nachrichten zu TUI

  • Relevant
    1
  • Alle
    2
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu TUI

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
16.06.2020TUI Equal weightBarclays Capital
15.06.2020TUI ReduceOddo BHF
12.06.2020TUI UnderperformJefferies & Company Inc.
09.06.2020TUI market-performBernstein Research
29.05.2020TUI verkaufenIndependent Research GmbH
19.02.2020TUI kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
09.10.2019TUI OutperformBernstein Research
26.09.2019TUI buyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
25.09.2019TUI OutperformBernstein Research
11.08.2017TUI overweightJP Morgan Chase & Co.
16.06.2020TUI Equal weightBarclays Capital
09.06.2020TUI market-performBernstein Research
20.03.2020TUI HoldHSBC
24.09.2019TUI NeutralUBS AG
23.09.2019TUI Equal weightBarclays Capital
15.06.2020TUI ReduceOddo BHF
12.06.2020TUI UnderperformJefferies & Company Inc.
29.05.2020TUI verkaufenIndependent Research GmbH
19.05.2020TUI SellGoldman Sachs Group Inc.
07.05.2020TUI UnderweightMorgan Stanley

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für TUI nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX schließt knapp unter 12.800er-Marke -- US-Börsen uneinheitlich -- Analog will Maxim übernehmen -- Pepsi schlägt Erwartungen -- Evonik besser als erwartet -- BASF, Deutsche Bank, Tesla im Fokus

VW-Tochter Sitech und Zulieferer Brose planen Gemeinschaftsfirma. KION-Aktie legt trotz Gewinneinbruch zu. Merck KGaA bestellt Garijo zu stellvertrendem CEO. Google will 10 Milliarden Dollar in Indien investieren. EZB wich laut Studie schon vor Corona-Krise von Anleihekauf-Regeln ab. OPEC könnte Ölförderung ausweiten. Corona-Impfung von Pfizer/BioNTech soll beschleunigt zugelassen werden. Daimler will mehr Jobs streichen.

Umfrage

Der Mieterbund hat einen bundesweiten Mietenstopp gefordert. Was halten Sie davon?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
TeslaA1CX3T
BioNTech SE (spons. ADRs)A2PSR2
Wirecard AG747206
NEL ASAA0B733
Deutsche Bank AG514000
Ballard Power Inc.A0RENB
Daimler AG710000
Amazon906866
NIOA2N4PB
BYD Co. Ltd.A0M4W9
BayerBAY001
Apple Inc.865985
Infineon AG623100
Lufthansa AG823212
CommerzbankCBK100