finanzen.net
27.06.2019 22:18
Bewerten
(8)

Bayer-Aktie schießt hoch: Hedgefonds-Investor Elliott legt Milliardenbeteiligung an Bayer offen

Trotz Klagewelle: Bayer-Aktie schießt hoch: Hedgefonds-Investor Elliott legt Milliardenbeteiligung an Bayer offen | Nachricht | finanzen.net
Trotz Klagewelle
DRUCKEN
Seit Monaten wurde darüber spekuliert, nun ist es offiziell: Der für sein aggressives Gebaren bekannte Hedgefonds-Investor Elliott mischt nach dem Kurseinbruch im Sog verlorener Glyphosat-Prozesse beim Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer mit.
Noch gibt sich Elliott - der zum Imperium des US-Milliardärs Paul Singer gehört - zahm und lobte die jüngsten Schritte, mit denen Bayer die Klagewelle gegen Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat in den USA bewältigen will. Wie lange Singer ruhig bleiben wird, ist allerdings offen.

Die Anleger freut es jedenfalls, so oder so. Der Aktienkurs schnellte am Donnerstag um mehr als acht Prozent auf 60,50 Euro nach oben und knüpfte damit an seine zuletzt eher zaghaften Erholungsversuche vom niedrigsten Niveau seit 2012 an.

Elliott ist mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro am Leverkusener Agrar- und Chemiekonzern beteiligt, wie der Hedgefonds am späten Mittwochabend mitgeteilt hatte. Angesichts eines Börsenwerts von rund 56 Milliarden Euro fällt dies zwar nicht sonderlich ins Gewicht, doch Elliotts Einfluss sollte nicht unterschätzt werden. Singer ist dafür bekannt, mit aggressiven Methoden seinen Willen durchzusetzen. Seine Fonds sind berüchtigt wegen ihrer Spekulationen rund um angeschlagene Firmen und Staaten.

Wenngleich Elliott längst nicht überall Aktionärsrevolten und Prozesse anzettelt, verbirgt sich im letzten Teil des Statements eine Formulierung, die durchaus Brisanz enthalten könnte. Dort fordert der Investor langfristig mehr Rendite und deutet auch an, wie diese zu bekommen sein könnte.

"Elliott ist der Ansicht, dass der aktuell niedrige Aktienkurs von Bayer den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegelt." Was verklausuliert klingt, lässt sich durchaus als Forderung nach einer Aufspaltung interpretieren.

Und in der Tat: Nach einem Kurseinbruch um in der Spitze mehr als 40 Prozent seit der Schlappe im ersten Glyphosat-Prozess vergangenen Herbst ist Bayer an der Börse in etwa gerade einmal so viel wert, wie die Leverkusener für den Glyphosat-Hersteller Monsanto nach aktuellem Wechselkurs gezahlt haben. Analysten schätzen, dass die Risiken durch drohende Schadenersatzzahlungen an klagende Krebspatienten schon lange über Gebühr in den Aktienkurs eingepreist sind. Im Grunde werde das Agrargeschäft vom Aktienkurs gar nicht mehr reflektiert, erklärte etwa Analyst Markus Mayer von der Baader Bank.

Hinter den Kulissen drängen Investoren offenbar auch schon länger darauf, den Konzerns in seine Einzelteile zu zerlegen. Bereits Ende 2018 hatte es Spekulationen gegeben, dass Singers Hedgefonds die treibende Kraft hinter der Initiative sein könnte. Bayer-Chef Werner Baumann hatte eine Aufspaltung im Dezember entschieden abgelehnt. "An diesen Einwürfen beteiligen wir uns nicht", sagte er damals der "Börsen-Zeitung".

Offiziell befürwortet Elliott die neuesten Schritte zur Bewältigung der US-Klagewelle gegen glyphosathaltige Unkrautvernichter. So scheint Bayer nach drei verlorenen Prozessen auszuloten, ob der Konzern sich mit den vielen tausend Klägern einigen könnte. Parallel zu den andauernden Gerichtsprozessen in weiteren Fällen sehe Bayer der Mediation positiv entgegen und werde sich konstruktiv einbringen, teilte der Dax-Konzern am Mittwochabend mit - kurz bevor Elliott seine Beteiligung öffentlich machte.

Den Versuch einer Schlichtung hatte der US-Richter Vince Chhabria, bei dem mehrere hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt sind, angestoßen. Im Mai ernannte er den US-Staranwalt und -Schlichter Ken Feinberg zum Mediator. Mit dieser Wahl zeigte sich nun auch Bayer zufrieden. "Ken Feinberg hat eine exzellente Reputation und nachgewiesene Erfolge", sagte Aufsichtsratschef Werner Wenning laut Mitteilung.

Feinberg ist äußert anerkannt und war schon im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sowie beim Abgasskandal von Volkswagen aktiv. In diesen Fällen betreute er Entschädigungsfonds.

Bayer gründet zudem einen Aufsichtsratsausschuss, der die Causa Glyphosat vorantreiben soll, etwa durch Beratung des Vorstands und Vorschläge zur Prozessstrategie. "Mehrere Mitglieder des Ausschusses haben umfassende Erfahrung mit komplexen Gerichtsverfahren", hieß es weiter. Zudem soll der US-Anwalt John Beisner, ein Experte für Produkthaftungsklagen, den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat kontinuierlich beraten. Mittlerweile sind 13 400 Klagen in den USA bekannt.

So reagiert die Aktie

Der nun öffentlich gemachte Einstieg des bekannten Hedgefonds Elliott hat den Bayer-Aktien am Donnerstag Rückenwind verliehen. Sie stiegen um 8,70 Prozent auf 60,86 Euro. Damit setzt sich der jüngste Erholungsversuch fort, nachdem die Papiere erst Anfang Juni bei 52,02 Euro den tiefsten Stand seit 2012 markiert hatten.

Seit der Niederlage im ersten Glyphosat-Prozess vergangenen August haben die Aktien rund 40 Prozent an Wert verloren. Ein Vergleich mit den Klägern könnte zwar teuer werden, würde aber für Transparenz hinsichtlich der Kosten sorgen. Angesichts dessen, was bereits in den Aktienkurs eingepreist sei, wäre sogar eine Einigung in der Größenordnung von 15 bis 20 Milliarden Euro ein positiver Kurstreiber, glaubt Analyst Markus Mayer von der Baader Bank.

So bringt es Bayer aktuell an der Börse nur noch auf einen Wert von mehr als 55 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Für Monsanto legten die Leverkusener 63 Milliarden US-Dollar oder zum aktuellen Wechselkurs rund 55 Milliarden Euro auf den Tisch.

/hbr/DP/stk

LONDON/FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: CC BY-NC-SA 2.0/World Economic Forum, Taina Sohlman / Shutterstock.com
Anzeige

Nachrichten zu Bayer

  • Relevant
    1
  • Alle
    3
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Bayer

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
16.07.2019Bayer buyUBS AG
16.07.2019Bayer buyGoldman Sachs Group Inc.
15.07.2019Bayer buyGoldman Sachs Group Inc.
15.07.2019Bayer NeutralJP Morgan Chase & Co.
04.07.2019Bayer OutperformCredit Suisse Group
16.07.2019Bayer buyUBS AG
16.07.2019Bayer buyGoldman Sachs Group Inc.
15.07.2019Bayer buyGoldman Sachs Group Inc.
04.07.2019Bayer OutperformCredit Suisse Group
03.07.2019Bayer buyGoldman Sachs Group Inc.
15.07.2019Bayer NeutralJP Morgan Chase & Co.
01.07.2019Bayer HoldHSBC
27.06.2019Bayer HoldKepler Cheuvreux
11.06.2019Bayer HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
04.06.2019Bayer HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
28.06.2019Bayer VerkaufenIndependent Research GmbH
25.04.2019Bayer VerkaufenIndependent Research GmbH
29.03.2019Bayer VerkaufenIndependent Research GmbH
30.04.2018Bayer UnderweightBarclays Capital
12.04.2018Bayer UnderweightBarclays Capital

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Bayer nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht tiefer aus dem Handel -- IWF: Dollar deutlich überbewertet -- MorphoSys-Aktie weiter im Aufwind -- Dialog Semiconductor erhöht Prognose -- Fresenius, FMC, Brenntag, Bank of America im Fokus

Tencent bringt mit DouYu-Aktie Tochter an die Nasdaq. Ericsson: Gewinnerwartungen trotz kräftigem Umsatzplus enttäuscht. EU-Kommission leitet Ermittlungen gegen Amazon ein. G7-Staaten haben 'schwere Bedenken' gegen Facebooks Libra. ASML bestätigt Prognose. BVB angeblich vor lukrativer Vertragsverlängerung mit Ausrüster PUMA.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Promis
Diese Sternchen haben ihren eigenen Aktien-Index
Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot
Die Änderungen unter den Top-Positionen
Die erfolgreichsten Kinofilme der letzten 25 Jahre
Welche Titel knackten die Milliardenmarke an den Kinokassen?
Das verdienen Aufsichtsratschefs in DAX-Konzernen
Deutlich unter Vorstandsgehältern
Apps & Social Media: Die wertvollsten Marken der Welt
Welche Marke macht das Rennen?
mehr Top Rankings

Umfrage

Wo sehen Sie den DAX Ende 2019?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Amazon906866
NEL ASAA0B733
Microsoft Corp.870747
TeslaA1CX3T
Infineon AG623100
BayerBAY001
Airbus SE (ex EADS)938914
Apple Inc.865985
BASFBASF11
CommerzbankCBK100
Deutsche Telekom AG555750
GAZPROM903276