Neu: Nutzen Sie neue Funktionen auf finanzen.net als Erstes - hier informieren!
12.05.2022 06:15

Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Achleitner übt Selbstkritik: "Überhöhtes Selbstbild" - Renditeziel bestätigt

Abtritt: Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Achleitner übt Selbstkritik: "Überhöhtes Selbstbild" - Renditeziel bestätigt | Nachricht | finanzen.net
Abtritt
Folgen
Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner übt anlässlich seines Abtritts nach zehn Jahren auf dem Posten Selbstkritik.
Werbung
"Auch ich habe die Startvoraussetzungen 2012 anders eingeschätzt, als sie sich heute in der Rückschau darstellen", sagt der Chefkontrolleur laut dem am Mittwoch veröffentlichten Redetext auf der Hauptversammlung des größten deutschen Kreditinstituts, die am Donnerstag kommender Woche (19. Mai) online stattfindet. Das "überhöhte Selbstbild" der Bank habe dem erforderlichen Wandel im Weg gestanden. Inzwischen befinde sich die Bank jedoch wieder auf dem richtigen Gleis und habe die allerbesten Voraussetzungen, dass dies so bleibe.

"Wer hätte damals denn gedacht, dass wir über die Jahre Milliardenbeträge für Rechtskosten, Strafen und Vergleichszahlungen aufwenden müssten - für Fälle, deren Ursache zum allergrößten Teil in der Vergangenheit lagen?", sagte Achleitner.

Der scheidende Chefkontrolleur lobt in diesem Zusammenhang die Erfolge des Vorstandschefs Christian Sewing, der das Institut seit April 2018 führt. Sewing hatte der Bank nach schwierigen Jahren einen radikalen Umbau verordnet und sie 2021 wieder zu einem Milliardengewinn geführt.

Auch dem 2015 als Sanierer angetretenen John Cryan attestiert der Aufsichtsratschef "sehr gute Arbeit". Er werde aber weiterhin davon absehen, frühere Managergenerationen zu kritisieren, sagt Achleitner. Frühere Vorstandschefs wie Anshu Jain, Jürgen Fitschen oder Josef Ackermann erwähnt er mit keinem Wort.

Nach zweimal fünf Jahren an der Aufsichtsratsspitze tritt der 65-jährige Achleitner nicht mehr an. Nachfolger soll Alexander Wynaendts werden, der langjährige Vorstandschef des niederländischen Finanzkonzerns Aegon.

Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Achleitner wirbt für seinen Nachfolger

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank macht sich für seinen designierten Nachfolger Alexander Wynaendts stark. Wynaendts bringe "Expertise in der Finanzwirtschaft" ebenso wie einen "Fokus auf Technologie und Innovation, Erfahrung mit Aufsichtsbehörden und Kontrollsystemen sowie ein Verständnis für die internationalen Finanzmärkte" mit, sagte Paul Achleitner laut Redemanuskript für seine letzte Hauptversammlung der Deutschen Bank als Aufsichtsratschef, die in der kommenden Woche Donnerstag in virtueller Form stattfindet.

"Der langjährige Vorstandsvorsitzende des niederländischen Finanzkonzerns Aegon ist ein ganz und gar überzeugter Europäer mit globaler Perspektive", so Achleitner über Wynaendts. Das zeigten auch seine Mitgliedschaften bei internationalen Unternehmen wie Salesforce, Uber, Airfrance-KLM oder Citigroup.

Bei der US-Bank hat er sein Mandat nach der Nominierung durch die Deutsche Bank zwar niedergelegt. Einige Anleger kritisieren allerdings die "Ämterhäufung" Wynaendts'. So kündigte Union Investment an, gegen seine Wahl in das Kontrollgremium zu stimmen. "Der Grund dafür ist Ämterhäufung, er hat aus unserer Sicht zu viele Mandate", sagte Alexandra Annecke von Union Investment dem Handelsblatt. "Der Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank erfordert besonders hohen Einsatz", sagte sie. "Wir reden hier von der Deutschen Bank, die noch längst nicht auf Autopilot läuft."

Neben Wynaendts stellt sich Yngve Slyngstad, früherer Chef des norwegischen Staatsfonds zur Wahl in den Aufsichtsrat. Er folgt auf Gerhard Eschelbeck, der sein Mandat aufgibt.

Achleitner stellt sich nach zehn Jahren im Amt nicht mehr zur Wiederwahl. Beim Rückblick auf seine Amtszeit wählte er auch selbstkritische Worte, schließlich hatte er es zu Beginn seiner Amtszeit versäumt, die nötige Sanierung anzustoßen, wie er selbst anmerkt. "Wir wussten, dass wir uns im Nachgang zur Finanzmarktkrise verändern mussten", heißt es in dem Manuskript. "Aber wir wussten nicht, dass es am Ende eine grundlegende Sanierung und nicht nur eine Modernisierung sein würde."

In Achleitners Amtszeit fielen zwei Vorstandswechsel und Milliardenverluste. 2015 wurde die Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen nach drei Jahren abberufen. Der Brite John Cryan wurde zum Vorstandschef ernannt, wobei Fitschen noch bis 2016 als Co-Vorstandsvorsitzender agierte. Cryan wurde 2018 durch Christian Sewing ersetzt. Dieser leitete ein Jahr später ein hartes Restrukturierungsprogramm ein, das bis Ende 2022 läuft und eine Eigenkapitalrendite von 8 Prozent vorsieht.

Achleitner sah sich während seiner Amtszeit immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt, mittlerweile ist die Deutsche Bank in den Augen vieler Anleger und Analysten dank des Umbauprogramms jedoch auf einem guten Weg.

Deutsche-Bank-Chef Sewing bekräftigt Renditeziel

Die Deutsche Bank hält trotz des höheren Kostendrucks an ihrer Renditeerwartung von 8 Prozent für 2022 fest. "Wir sind weiterhin zuversichtlich, dieses Ziel auch am Jahresende zu erreichen", sagte Sewing laut Redemanuskript für die Hauptversammlung am kommenden Donnerstag. "Darauf liegt unser voller Fokus. Das bedingt auch, dass wir bei unserer Kostendisziplin nicht nachlassen, zumal wir einen zunehmenden Kostendruck spüren."

Auch bestätigte er das Ziel, bis Jahresende eine Aufwand-Ertrags-Relation von 70 Prozent zu erreichen. Das bedeutet, dass die Bank für einen Euro Ertrag nur noch 70 Cent aufwenden müsste. Dieses Ziel sei aber "im aktuellen Umfeld herausfordernder geworden". Im ersten Quartal betrug die Quote 73,4 Prozent. Die Rendite lag bei 8,1 Prozent.

Mit diesem Jahr endet das mehrjährige, tiefgreifende Umbauprogramm der Deutschen Bank, das mit einer deutlichen Senkung der Kosten, dem Rückzug aus volatilen Geschäften und einem massiven Stellenabbau einherging. Über dieses Jahr hinaus will die Bank die Rendite bis 2025 auf über 10 Prozent steigern und die Kostenquote auf 62,5 Prozent drücken. Für die Jahre 2021 bis 2025 will die Bank insgesamt 8 Milliarden Euro an die Anleger ausschütten, angefangen mit einer Dividende von 20 Cent für 2021 und Aktienrückkäufen in dreistelliger Millionenhöhe.

Im höheren Kostendruck machten sich "die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine mit Lieferengpässen, Währungsschwankungen und deutlich höheren Inflationsraten bemerkbar", warnte Sewing. Er sieht die Bank aber gut aufgestellt, um in den kommenden Jahren schneller zu wachsen als der Bankenmarkt insgesamt.

Sewing beklagt Wettbewerbsverzerrung gegenüber Asien und USA

An die Politik gerichtet forderte Sewing abermals eine stärkere Banken- und Kapitalmarktintegration in Europa und sieht in der geschlossenen Reaktion des Westens auf den Ukraine-Krieg Chancen. "Die Ukraine-Krise hat Europa politisch näher zusammengebracht", sagte er. "Das wird dabei helfen, nun auch die wirtschaftliche Integration und Zusammenarbeit voranzutreiben, inklusive einer gemeinsamen europäischen Rohstoff- und Energiestrategie, einer Kapitalmarkt- und einer Bankenunion."

Es brauche aber einen "klaren Willen" der Politik, die europäische Einheit voranzubringen. Er beklagte einmal mehr die regulatorischen Zusatzbelastungen der europäischen Banken im Vergleich zu den Konkurrenten aus den USA und Asien. "Das gilt für die steigenden Beiträge zum europäischen Abwicklungsfonds ebenso wie für höhere Kapitalpuffer für deutsche Banken, die einem wirtschaftlichen Aufschwung Rechnung tragen sollen - obwohl sich das Umfeld durch den Krieg in der Ukraine erheblich verschlechtert hat." Das sei ökonomisch kontraproduktiv und beschränke den Spielraum der Banken, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. "Dadurch drohen wir Chancen zu verspielen."

Die Hauptversammlung der Deutschen Bank findet am 19. Mai in virtueller Form statt.

FRANKFURT (dpa-AFX) / FRANKFURT (Dow Jones)

Ausgewählte Hebelprodukte auf Deutsche Bank AG
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Deutsche Bank AG
Long
Short
Hebel wählen:
5x
10x
Name
Hebel
KO
Emittent
Bildquellen: Slava2009 / Shutterstock.com, Martynova Anna / Shutterstock.com

Nachrichten zu Deutsche Bank AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Deutsche Bank AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
01.07.2022Deutsche Bank Sector PerformRBC Capital Markets
01.07.2022Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
15.06.2022Deutsche Bank BuyGoldman Sachs Group Inc.
13.06.2022Deutsche Bank OverweightJP Morgan Chase & Co.
09.06.2022Deutsche Bank BuyGoldman Sachs Group Inc.
15.06.2022Deutsche Bank BuyGoldman Sachs Group Inc.
13.06.2022Deutsche Bank OverweightJP Morgan Chase & Co.
09.06.2022Deutsche Bank BuyGoldman Sachs Group Inc.
09.06.2022Deutsche Bank BuyUBS AG
19.05.2022Deutsche Bank OverweightJP Morgan Chase & Co.
01.07.2022Deutsche Bank Sector PerformRBC Capital Markets
28.04.2022Deutsche Bank Sector PerformRBC Capital Markets
28.04.2022Deutsche Bank Equal WeightBarclays Capital
27.04.2022Deutsche Bank Equal WeightBarclays Capital
27.04.2022Deutsche Bank Sector PerformRBC Capital Markets
01.07.2022Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
28.04.2022Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
25.04.2022Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
01.04.2022Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
11.03.2022Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Deutsche Bank AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Neue Funktionen als Erstes nutzen
Sie nutzen finanzen.net regelmäßig? Dann nutzen Sie jetzt neue Funktionen als Erstes!
Hier informieren!
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

Ukraine-Krieg im Ticker: DAX geht etwas fester ins Wochenende -- US-Börsen schließen stark-- Siemens nimmt Milliarden-Abschreibung auf Siemens Energy vor -- Commerzbank, TUI, JENOPTIK, BMW im Fokus

BMW: Empfindlicher Dämpfer bei US-Verkäufen. USA bestellt erneut Affenpocken-Impfstoff bei Bavarian Nordic. Porsche setzt in den USA im zweiten Quartal mehr Autos ab. Salmonellen-Schokolade von Barry Callebaut ist nicht in Läden gelangt. BASF und MAN wollen gemeinsam riesige Wärmepumpe in Ludwigshafen bauen.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

mehr Top Rankings

Umfrage

Goldpreis im Fokus der Anleger: Sind Sie in Gold investiert?

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln