18.02.2021 17:56

thyssenkrupp beendet Gespräche über Verkauf der Stahlsparte - thyssenkrupp-Aktie letztlich schwach

Alternativlösung gesucht: thyssenkrupp beendet Gespräche über Verkauf der Stahlsparte - thyssenkrupp-Aktie letztlich schwach | Nachricht | finanzen.net
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thyssenkrupp hat den Abschied vom Stahl abgeblasen - zumindest vorerst.
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Nach dem Ende der Gespräche über einen Verkauf der Stahlsparte an den Konkurrenten Liberty Steel will der Essener Industriekonzern seinen Traditionskern jetzt im Alleingang sanieren. thyssenkrupp und Liberty waren sich nicht über den Kaufpreis für das riesige Stahlwerk in Duisburg und die anderen Standorte einig geworden. Deshalb hatten die Essener die Gespräche am Mittwochabend abgebrochen.

Die IG Metall begrüßte die Verkaufsabsage. "Es ist gut, dass in Sachen Liberty Steel Klarheit herrscht", sagte der NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft, Knut Giesler, am Donnerstag. Für die noch rund 24.000 Mitarbeiter der Nummer zwei auf dem europäischen Stahlmarkt dürfte das nicht nur eine gute Nachricht sein. Denn thyssenkrupp-Finanzvorstand Klaus Keysberg forderte in einem Informationsschreiben an die Stahlarbeiter: "Die Kosten beim Stahl müssen runter - und zwar signifikant."

Bisher hat das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern den sozialverträglichen Abbau von 3.000 Stellen vereinbart. Dass es nicht dabei bleiben könne, machen die thyssenkrupp-Manager seit Tagen deutlich. "Wir stehen vor Riesenherausforderungen, die uns allen viel abverlangen werden", betonte Keysberg. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von thyssenkrupp Steel, Tekin Nasikkol, warnte davor, an der vereinbarten Beschäftigungssicherung zu rütteln. Wer das tue, "der überschreitet unsere rote Linie".

Überkapazitäten auf dem Weltmarkt, Umsatzeinbrüche durch Corona - und ein immens teurer Umbau der Produktion für den Klimaschutz: thyssenkrupp steht wie die gesamte europäische Stahlindustrie erheblich unter Druck. Deshalb verhandeln die Unternehmen seit langem und immer wieder über Fusionen und Kooperationen.

Vor zwei Jahren hatte die EU mit aus Sicht von thyssenkrupp zu hohen Auflagen die bereits vereinbarte Fusion der Essener mit dem Konkurrenten Tata Steel gestoppt. Vor wenigen Wochen platzen die Gespräche zwischen dem schwedischen Stahlkonzern SSAB und Tata über den Verkauf des Tata-Werks in den Niederlanden. Nachdem Liberty nicht im Ruhrgebiet zum Zuge kommen soll, könnte das Gesprächskarussell im europäischen Stahl neuen Schwung aufnehmen.

Liberty Steel will sich aber noch nicht mit der Absage aus Essen abfinden, der Vorstandschef des britischen Stahlherstellers Sanjeev Gupta signalisiert weiter Verhandlungsbereitschaft. "Wir haben unser Angebot mehrfach nachgebessert, und final war noch gar nichts", sagte Gupta dem "Handelsblatt". Das Angebot sei auch finanziell attraktiv gewesen, auch wenn es offenbar eine Bewertungslücke gegeben habe. Liberty sei bereit, diese Lücke zu schließen. "Dafür müssen wir aber miteinander reden", sagte der britisch-indische Unternehmer.

Noch immer sei aus Sicht von Liberty die Motivation von thyssenkrupp hinter dem Schritt nicht klar. Es sei unverständlich für ihn, "den Deal ohne ernsthafte Verhandlungen abzublasen", so Gupta. Mit dem Management, den Investoren, den Gewerkschaften und der Politik habe Liberty gute Gespräche geführt. Das vorgelegte Konzept sei "besser als alles andere, was für thyssenkrupp auf dem Tisch liegt".

Ähnlich hatte sich zuvor bereits ein Liberty-Sprecher geäußert. thyssenkrupp zeigte sich indes unbeeindruckt: "Wir stehen hinter unserer Entscheidung", ließ Personalvorstand Oliver Burghard über den Kurznachrichtendienst Twitter wissen.

thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hat mit der Absage an Liberty nach dem Verkauf des Aufzugsgeschäfts für mehr als 17 Milliarden Euro das zweite Ausrufezeichen beim Konzernumbau gesetzt. Zur Hilfe dürfte ihr dabei die wieder anziehende Stahlkonjunktur gekommen sein. thyssenkrupp hatte beim Start ins laufende Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen geschrieben. Stahlverarbeiter klagen bereits über ausbleibende Lieferungen und "Extrempreise".

Nach der Absage an den Verkauf verfolgt Merz jetzt zwei Optionen. Entweder der Stahl bleibt Teil des Konzerns, oder er wird ausgegliedert und kommt an die Börse. Dann könnten auch Konkurrenten als Partner wieder ins Spiel kommen.

Die IG Metall hätte bisher gerne den Staat als Teilhaber dabei gehabt. Am Donnerstag tauchte diese Forderung in ihren Stellungnahmen so nicht mehr auf. Stattdessen hieß es, bei thyssenkrupp werde es "ohne ein substanzielles Engagement des Staates im Sinne einer Brückenfinanzierung nicht gehen". Nötig sei "ein klares Bekenntnis von Seiten des Landes NRW oder des Bundes für die Zukunft des Stahls", sagte Jürgen Kerner, für die Gewerkschaft Aufsichtsratsvize bei thyssenkrupp .

Die Antwort von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart dürfte die Gewerkschaft nicht so recht zufrieden stellen. "Die Landesregierung wird sich nach Kräften weiter für beste Rahmenbedingungen einsetzen, damit die Transformation der Stahlindustrie am Standort Nordrhein-Westfalen gelingt", sagte der FDP-Politiker.

thyssenkrupp-Aktien beendet volatilen Tag tiefrot

In den ersten Handelsminuten sackte der Kurs der thyssenkrupp-Aktie um mehr als sechs Prozent auf 10,74 Euro ab. Anschließend griffen Investoren auf dem niedrigeren Niveau aber wieder zu. Die Schnäppchenjäger konnten den Kurs jedoch nicht nachhaltig stabilisieren. Bis zum Handelsende verlor das Papier via XETRA 4,89 Prozent auf 10,89 Euro.

"Das ist keine Überraschung", kommentierte Analyst Christian Obst von der Baader Bank zur Absage an einen Verkauf an Liberty Steel. Kurzfristig könne die Entscheidungen einige Investoren zwar enttäuschen, die sie als Indiz für ein Nachlassen des Konzernumbaus deuten könnten. In der sich bessernden Marktlage könne der Schritt aber durchaus sinnvoll sein, zumal sich die Fortschritte beim Konzernumbau vorteilhaft auch auf die Stahlaktivitäten auswirken dürften.

Er habe einen Verkauf an Liberty Steel ohnehin nicht als besonders sinnvoll erachtet, fügte Obst hinzu. Plausibler sei eine mittelfristige Abspaltung des Stahlgeschäfts. "Auf sich allein gestellt, könnte Steel Europe viel flexibler mit anderen kooperieren, vor allem mit Blick auf den Übergang zur Produktion von 'grünem Stahl'", schrieb der Experte.

Die Kursverluste der thyssenkrupp-Aktie am Donnerstag dürften zum Teil auch der starken Erholung in den vergangenen Monaten geschuldet sein. Allein seit Anfang November waren sie um zwei Drittel nach oben geschnellt und zuletzt an der Marke von 12 Euro gescheitert.

Das Papier hatte in den letzten Monaten einen starken Lauf. So stieg der Kurs im laufenden Jahr um rund 40 Prozent, in den vergangenen drei Monaten kletterte er sogar um mehr als 130 Prozent, nachdem er in den vergangenen Jahren stark gebeutelt wurde.

Ein Händler hatte vorbörslich bereits das Ausmaß der Kursverluste in Frage gestellt, da ein Verkauf nur eine mehrerer Optionen für die Sparte gewesen sei. Analyst Alan Spence vom Analysehaus Jefferies erklärte, dass der Konzern auf den Stahl-Deal nicht angewiesen sei, zeuge von Disziplin und der verbesserten bilanziellen Lage. Auch die Experten der Commerzbank halten es - gerade angesichts stark erholter Stahlpreise - für möglich, dass thyssen nun einen Börsengang von Steel Europe anstreben könnte.

/nas/zb/stk/eas/zb

ESSEN (dpa-AFX)

Bildquellen: thyssenkrupp AG

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