18.12.2020 17:54

Schiedsgutachten treibt 1&1 Drillisch- und United Internet-Aktien an

Preisstreit: Schiedsgutachten treibt 1&1 Drillisch- und United Internet-Aktien an | Nachricht | finanzen.net
Preisstreit
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Im Preisstreit zwischen der United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch und Telefonica Deutschland ist das finale Schiedsgutachten offenbar zu Gunsten von 1&1 Drillisch ausgefallen.
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1&1 und Telefonica streiten sich schon seit langem über rückwirkende Preiserhöhungen, die Telefonica bei 1&1 durchsetzen will, um das Unternehmen an Kosten aus einer Frequenzauktion zu beteiligen. 1&1 nutzt das Mobilfunknetz von Telefonica.

Der Schiedsgutachter habe das Ergebnis und die Berechnungsmethode seines Entwurfs vom 8. Oktober bestätigt, wie die United-Internet-Tocher 1&1 am Donnerstagabend in Maintal mitteilte. Die von Telefonica Deutschland im Dezember 2018 geltend gemachte Preisanpassung sei daher im geprüften Zeitraum 2016 bis 2020 unberechtigt und führe zu keiner Zahlungsverpflichtung von 1&1 Drillisch. 1&1 Drillisch fordert weiterhin rückwirkend eine erhebliche Reduktionen der Vorleistungspreise.

Telefonica Deutschland hält laut einer eigenen Mitteilung die rückwirkenden Preisanpassungen weiterhin für inhaltlich unberechtigt. Zudem blickt das Unternehmen selbstbewusst auf die kommenden Jahre. Das Gutachten spreche Telefonica Deutschland ausdrücklich die Berechtigung zu, ab 2021 eine Beteiligung von 1&1 Drillisch an den Kosten für die Spektrumsauktion 2015 auf Basis des Gutachtens jährlich überprüfen zu lassen. Sollte das Gutachten dann positiv für Telefonica ausfallen, könnten die Kosten geltend gemacht werden.

Analysten äußerten sich zum Schiedsspruch hingegen zunächst nicht ausführlich. Commerzbank-Experte Stefan Weiss bewertete die Entscheidung in einem Überblick für Drillisch als positiv.

In dem schon lange laufenden Streit der beiden Unternehmen geht es um die Preisgestaltung des sogenannten MBA-MVNO-Vertrages (Mobile Bitstream Access - Mobile Virtual Network Operator).

Telefonica wollte Vorleistungspreise des Vertrages im Dezember 2018 rückwirkend erhöhen und 1&1 Drillisch auf diesem Wege an den Kosten aus der Frequenzauktion von 2015 beteiligen. Der Vertrag gewährt 1&1 Drillisch Zugang zum Mobilfunknetz von Telefonica. So hatte die EU-Kommission die Überlassung von Telefonica-Netzkapazitäten zur Bedingung für die damalige Übernahme von E-Plus durch den Konzern gemacht. Dabei kam 1&1 Drillisch zum Zuge und ist dadurch in der Lage, eigene Mobilfunkleistungen am Markt anzubieten.

Die endgültige Regelung im Streit um die Vorleistungspreise könnte jedoch weitreichendere Folgen haben: Wie der Mutterkonzern United Internet bereits zur Zahlenvorlage im September mitgeteilt hatte, habe der Ausgang der Verhandlungen auch Auswirkungen auf den von 1&1 Drillisch geplanten Aufbau eines leistungsfähigen 5G-Netzes. Beim Ausbau ist Kooperation zwischen den Wettbewerbern gefragt, doch daran hakt es. Anders als die Wettbewerber verfügt die United-Internet-Tochter bisher noch nicht über ein eigenes Mobilfunknetz. Da einige 1&1-Frequenzblöcke erst in einigen Jahren bereitstehen werden, mietet das Unternehmen bis dahin welche von Telefónica.

Um trotz des erst anlaufenden Ausbaus möglichst früh ein funktionsfähiges 5G-Netz in Deutschland zu gewährleisten, hatte die Bundesnetzagentur bei der Frequenzversteigerung ein sogenanntes "Verhandlungsgebot" zur Auflage gemacht. Es sieht vor, dass die Unternehmen ihren Wettbewerbern ein Angebot zur Miete ihrer Netze - also ein sogenanntes nationales Roaming - vorlegen müssen. Eine Verpflichtung zum Abschluss gibt es jedoch nicht. Die Verhandlungen zwischen 1&1 und den anderen Marktteilnehmern ziehen sich seitdem hin.

Aktien gefragt

Die Aktien von 1&1 Drillisch und der Mutter United Internet haben am Freitag von einem Schiedsgutachten profitiert. Zugleich stiegen die Anteilsscheine von Telefonica Deutschland.

Zum XETRA-Handelsschluss gewannen 1&1 Drillisch an der SDAX-Spitze 3,4 Prozent auf 20,99 Euro. Zeitweise gelang es ihnen sogar, die 200-Tage-Linie zu durchstoßen, die aktuell bei rund 21,23 Euro liegt. Sie signalisiert charttechnisch interessierten Anlegern den längerfristigen Trend der Aktie.

United Internet waren zugleich Favorit im MDAX: Die Anteile des mit etwas mehr als 75 Prozent an 1&1 Drillisch beteiligten Mutterunternehmens stiegen um 4,6 Prozent auf 35,72 Euro. Ihnen gelang damit mühelos der Sprung über die 200-Tage-Linie, die aktuell bei 34,44 Euro verläuft.

Die Papiere der Konkurrentin Telefonica Deutschland zogen um 1,76 Prozent auf 2,31 Euro an und stießen so von unten an die 21-Tage-Linie für den kurzfristigen Trend. Diese gleitende Durchschnittslinie stellt aktuell nach wie vor einen Widerstand da, den es Charttechnikern zufolge zu überwinden gilt, damit der Weg für die Aktie weiter nach oben frei wird.

Die freenet-Aktie, die im Schlepptau der drei um 2,18 Prozent auf 17,55 Euro zulegte, kämpft indes aktuell nun mit der 90-Tage-Linie. Diese Durchschnittslinie, die den mittelfristigen Trend signalisiert, verläuft für freenet momentan bei 17,34 Euro.

Ein Händler sprach mit Blick auf das aktuelle finale Schiedsgutachten von einem "laufenden Kampf" zwischen 1&1 Drillisch und Telefonica Deutschland, der mit diesem Schiedsspruch längst nicht zu Ende sei. Dass der Schiedsgutachter Ergebnis und Berechnungsmethode seines Entwurfs vom 8. Oktober bestätigt habe, sei positiv für Drillisch und United Internet und zunächst einmal negativ für Telefonica Deutschland.

Ein Analyst nannte die aktuellen Nachrichten dagegen recht unspannend. Es gebe in der Angelegenheit so viele Schiedsgutachten. Dabei sei das aktuell im Fokus stehende eines der unwichtigen. "Diejenigen, die die Gewinnwarnungen ausgelöst haben, sind die zentralen. Wenn es zu denen positive Neuigkeiten gäbe, würden die Aktien weitaus kräftiger anziehen."

In dem aktuell beschiedenen Streit ging es darum, dass Telefonica Deutschland 2018 nachträglich ihre Gebühren für den von ihr gewährten Netzzugang im Zeitraum 2016 bis 2020 erhöhen wollte. Die damals geltend gemachte Preisanpassung wurde nun in einem finalen Gutachten für unberechtigt erklärt.

1&1 Drillisch seinerseits fordert zugleich von Telefonica Deutschland noch rückwirkend erhebliche Nachlässe der Vorleistungspreise. Die wiederum hält Telefonica Deutschland laut einer eigenen Mitteilung für unberechtigt. Zudem blickt das Unternehmen selbstbewusst auf die kommenden Jahre. Das Gutachten, so informiert die Telefonica Deutschland, spreche ihr ausdrücklich die Berechtigung zu, ab 2021 eine Beteiligung von 1&1 Drillisch an den Kosten für die Spektrumsauktion 2015 auf Basis des Gutachtens jährlich überprüfen zu lassen.

FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: 1&1 Drillisch

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03.03.2021Telefonica Deutschland buyWarburg Research
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