finanzen.net
02.06.2020 17:56

Lufthansa-Aktie hebt ab: Lufthansa-Aufsichtsrat nimmt Auflagen für Staatshilfen an

Rettungspaket: Lufthansa-Aktie hebt ab: Lufthansa-Aufsichtsrat nimmt Auflagen für Staatshilfen an | Nachricht | finanzen.net
Rettungspaket
Folgen
Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat die Auflagen der EU-Kommission für ein milliardenschweres Hilfspaket des Staates akzeptiert.
Werbung
Die Lufthansa hat auf dem Weg zu ihrer Rettung durch den Staat über Pfingsten wichtige Hürden genommen. Nach Vorstand und Aufsichtsrat müssen am 25. Juni aber noch die Aktionäre dem neun Milliarden Euro schweren Hilfspaket und den Auflagen der EU-Kommission zustimmen. Auch die förmliche Genehmigung durch die Brüsseler Wettbewerbshüter steht noch aus. Wenn die Lufthansa an diesem Mittwoch ihre Zahlen für das erste Quartal vorlegt, dürfte es vor allem darum gehen, wie lange das Geld in der Kasse noch ausreicht - und wie viele Jobs im Konzern der Krise zum Opfer fallen werden.

"Es war eine sehr schwierige Entscheidung", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Ludwig Kley nach der Sitzung des Gremiums am Montag. "Wir empfehlen unseren Aktionären, diesen Weg mitzugehen, auch wenn er ihnen substanzielle Beiträge zur Stabilisierung ihres Unternehmens abverlangt", sagte Kley.

Am vorigen Mittwoch hatte der Aufsichtsrat die Entscheidung mit Blick auf die drohenden Auflagen der EU noch vertagt. Zwischenzeitlich wurde weiter verhandelt. Kurz vor Pfingsten wurde bekannt, dass der Vorstand einen zuvor zwischen Berlin und Brüssel ausgehandelten Kompromiss über die Auflagen akzeptiert. Dieser sieht vor, dass Lufthansa 24 Start- und Landerechte - sogenannte Slots - an ihren wichtigsten Flughäfen München und Frankfurt an Wettbewerber abgeben muss.

Je mehr Slots, desto größer die Marktmacht: Aus Sicht der EU-Kommission könnte die Staatshilfe für Lufthansa im schlimmsten Fall den Wettbewerb im Markt schwächen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager argumentiert, dass letztlich die Preise für Flugtickets steigen und Verbraucher leiden könnten.

Die Anteilseigner der Lufthansa sind für den 25. Juni zur Hauptversammlung eingeladen - wegen der Corona-Pandemie via Livestream. Auch die Notifizierung durch die Bundesregierung in Brüssel und die förmliche Genehmigung der EU-Kommission stehen noch aus.

Der Rettungsplan sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant.

Vorstandschef Carsten Spohr sagte, die Stabilisierung der Lufthansa sei kein Selbstzweck. "Gemeinsam mit der Bundesregierung muss es unser Ziel sein, unsere Spitzenposition im globalen Luftverkehr zu verteidigen."

Nicht nur bei der Lufthansa, sondern in der ganzen Branche sieht die Lage derzeit düster aus. Lockdown, Reisewarnungen, Geldsorgen der Bürger: Die Corona-Krise hat kaum eine Branche so schwer getroffen wie die Luftfahrt. Die Lufthansa-Geschäfte sind mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gekommen. In dem Konzern mit rund 138 000 Beschäftigten stehen Zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe.

Spohr hatte bereits gesagt, dass der Konzern wegen der geplanten Verkleinerung der Flugzeugflotte um 100 Maschinen nach der Krise rechnerisch etwa 10 000 Vollzeitstellen zu viel habe. Dabei ging es vor allem um Piloten und Flugbegleiter.

Nach dem Beschluss des Aufsichtsrats am Montag kündigte er ein Gipfeltreffen mit den Gewerkschaften an. "Die zu erwartende, langsame Markterholung im globalen Luftverkehr macht eine Anpassung unserer Kapazitäten unausweichlich." Nun gelte es, mit den Tarif- und Sozialpartnern "darüber zu sprechen, wie die Auswirkungen dieser Entwicklung möglichst sozialverträglich abgefedert werden können."

Das "Handelsblatt" schrieb am Montag sogar von insgesamt 20 000 überschüssigen Stellen. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. Allerdings soll der Vorstand bei der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch Journalisten Rede und Antwort stehen.

Den schon Ende April veröffentlichten Eckdaten zufolge verzeichnete die Lufthansa im ersten Quartal einen Umsatzeinbruch von 18 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der um Sonderposten bereinigte operative Verlust (bereinigtes Ebit) vervielfachte sich wegen des im März eingebrochenen Flugverkehrs im Jahresvergleich von 336 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro. Für das zweite Quartal sagte der Vorstand bereits einen noch erheblich höheren operativen Ver­lust voraus.

Da die Einnahmen wegen der weltweiten Reiseverbote seit April größtenteils weggebrochen sind, droht dem Konzern in Kürze das Geld auszugehen. Anfang Mai bezifferte die Lufthansa ihre Liquidität noch auf gut vier Milliarden Euro, von denen rund 1,8 Milliarden Euro eigentlich den Kunden gehören, die auf die Erstattung ihrer Ticketkosten warten. Jeden Monat fließen bei dem Konzern zudem rund 800 Millionen Euro ab - etwa für Leasingverträge.

Wie andere in der Branche erwartet auch die Lufthansa-Führung, dass "der internationale Flugverkehr auch in den kommenden Jahren nicht das Vorkrisenniveau erreichen wird."

Lufthansa-Aktie im Aufwind

Die Aktien der Lufthansa heben am Dienstag wieder ab. Da der Aufsichtsrat die Auflagen der EU-Kommission für ein milliardenschweres Hilfspaket des Staates akzeptiert hat, reagierten die Anleger erleichtert, dass eine weitere Hürde auf dem Weg zur Rettung aus der Corona-Krise genommen wurde. Im XETRA-Handel schossen die Papiere zum Börsenschluss um 3,41 Prozent auf 9,45 Euro nach oben.

Analysten bleiben aber skeptisch, was die Aussichten für die Lufthansa betrifft. Die Citigroup etwa bleibt bei ihrer sehr düsteren Ansicht mit einem Kursziel von lediglich 50 Cent. In dem Modell von Analyst Neil Glynn von der Credit Suisse sinkt das Kursziel durch die erwartete Verwässerung auf nur noch 6,25 Euro. Er stufte die Papiere am Dienstag nach einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung von "Neutral" auf "Underperform" ab. Seit dem Mai-Tief bei gut 7 Euro haben die Lufthansa-Aktien fast 30 Prozent wieder aufgeholt. Commerzbank-Analyst Malte Schulz ist mit einem Kursziel von 7 Euro weniger pessimistisch. Allerdings dürfte die hohe Schuldenlast den notwendigen Umbau des Konzerns aus seiner Sicht behindern. Analyst Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein sieht den Aktienkurs bei 10 Euro - und damit leicht über seinem jüngsten Niveau.

/juc/DP/he

FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: Christopher Parypa / Shutterstock.com

Nachrichten zu Lufthansa AG

  • Relevant
    3
  • Alle
    3
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Lufthansa AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
01.07.2020Lufthansa UnderperformCredit Suisse Group
30.06.2020Lufthansa SellDeutsche Bank AG
30.06.2020Lufthansa UnderperformCredit Suisse Group
26.06.2020Lufthansa UnderperformCredit Suisse Group
26.06.2020Lufthansa VerkaufenDZ BANK
04.06.2020Lufthansa buyUBS AG
03.06.2020Lufthansa OutperformBernstein Research
01.06.2020Lufthansa OutperformBernstein Research
26.05.2020Lufthansa OutperformBernstein Research
21.05.2020Lufthansa OutperformBernstein Research
26.06.2020Lufthansa HaltenIndependent Research GmbH
25.06.2020Lufthansa market-performBernstein Research
25.06.2020Lufthansa HaltenIndependent Research GmbH
17.06.2020Lufthansa market-performBernstein Research
09.06.2020Lufthansa market-performBernstein Research
01.07.2020Lufthansa UnderperformCredit Suisse Group
30.06.2020Lufthansa SellDeutsche Bank AG
30.06.2020Lufthansa UnderperformCredit Suisse Group
26.06.2020Lufthansa UnderperformCredit Suisse Group
26.06.2020Lufthansa VerkaufenDZ BANK

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Lufthansa AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht schwächer ins Wochenende -- US-Börsen im Feiertag -- Chefwechsel bei Commerzbank voraus -- Deutsche Bank: Interesse an Wirecard-Teilen -- QIAGEN, Rolls-Royce, Lufthansa, Vonovia im Fokus

UBI will sich nicht von Intesa kaufen lassen. Delivery Hero verdoppelt Bestellzahlen inmitten der Pandemie. Sanofi bricht Medikamentenstudie zur Behandlung von COVID-19 ab. Mercedes-Benz muss dreistellige Millionensumme abschreiben. Airbus-Chef: Könnten mit Hilfe des Bundes 2.000 Stellen retten. Gilead Sciences: Arznei Remdesivir erhält europäische Zulassung für COVID-19.

Umfrage

Wie gehen Sie angesichts der ausgesprochen volatilen Börsen in diesem Sommer mit Ihrem Depot um?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
BayerBAY001
Amazon906866
BioNTech SE (spons. ADRs)A2PSR2
TeslaA1CX3T
Deutsche Telekom AG555750
Lufthansa AG823212
NEL ASAA0B733
Microsoft Corp.870747
Infineon AG623100
BASFBASF11
Allianz840400
E.ON SEENAG99