Fehlbetrag

WACKER CHEMIE mit weniger Verlust als prognostiziert - WACKER CHEMIE-Aktie legt zu

28.01.20 19:24 Uhr

WACKER CHEMIE mit weniger Verlust als prognostiziert - WACKER CHEMIE-Aktie legt zu | finanzen.net

WACKER CHEMIE hat 2019 wegen schwacher Polysiliziumpreise und einer hohen außerplanmäßigen Abschreibung unter dem Strich rote Zahlen geschrieben. Und für das laufende Jahr gibt es wenig Hoffnung auf Besserung.

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Die im SDAX notierte Gesellschaft arbeitet an einem umfassenden Kostensenkungsprogramm.

2019 stand wie Anfang Dezember angekündigt statt eines kleinen Gewinns ein Verlust zu Buche. Mit 630 Millionen Euro fiel das Minus kleiner aus als vom Konzern Anfang Dezember in Aussicht gestellt (etwa 750 Millionen Euro). Analysten hatten einen Verlust von 624 Millionen Euro prognostiziert. 2018 hatte der Konzern 260 Millionen Euro verdient.

Ursächlich für den Fehlbetrag 2019 ist eine außerplanmäßige Abschreibung von 760 Millionen Euro auf Anlagen zur Herstellung von Polysilizium. Belastet haben auch die stark gestiegenen Stromkosten in Deutschland.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug nach vorläufigen Berechnungen 780 Millionen nach 930 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen aus München mitteilte. Das EBITDA enthält einen Sonderertrag aus Versicherungsleistungen von 112,5 Millionen Euro im Zusammenhang mit einem Schadensfall 2017 am Standort Charleston.

Der Umsatz lag 2019 wie zuletzt geplant mit 4,93 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau (4,98 Milliarden). Ursprünglich war mit einer Zunahme um einen mittleren einstelligen Prozentsatz geplant worden. Analysten sahen die Einnahmen bei knapp 4,99 Milliarden Euro.

"Unsere Ertragsentwicklung im vergangenen Jahr ist stark von Sondereinflüssen aus den erhaltenen Versicherungsleistungen und der außerplanmäßigen Abschreibung auf das Anlagevermögen geprägt", stellte Konzernchef Rudolf Staudigl fest. Die Rahmenbedingungen im Geschäft mit Solarsilizium seien weiter unbefriedigend gewesen. Die Preise für Solarsilizium seien wegen der hoher Überkapazitäten, die staatlich subventionierte Wettbewerber in China aufgebaut haben, erheblich zurückgegangen. WACKER CHEMIE" target="_blank" rel="noopener">WACKER CHEMIE will nun die Kosten "signifikant" reduzieren. Konkrete Ziele dazu will der Konzern voraussichtlich noch im ersten Quartal bekanntgeben.

WACKER CHEMIE mit Erholungsversuch nach Eckdaten

Bei den Aktionären von WACKER CHEMIE keimt die Hoffnung auf bessere Geschäfte. Der Aktienkurs des Spezialchemiekonzerns startete am Dienstag nach der Veröffentlichung von Eckdaten für 2019 nahe einem Tief seit 2013 eine schwungvolle Erholung: Am Dienstag rückten die Anteilsscheine an der SDAX-Spitze zeitweise über 5 Prozent auf 63,70 Euro vor. Zum Xetra-Schluss stand ein Aufschlag von 4,93 Prozent auf 62,98 Euro an der Kurstafel. Am Vortag waren die Aktien auf das tiefste Niveau seit dreieinhalb Monaten gerutscht.

Eine hohe Abschreibung im Solargeschäft drückte den Spezialchemiekonzern im vergangenen Jahr erwartungsgemäß tief in die roten Zahlen und operativ blieb 2019 weniger hängen als im Vorjahr. Laut Analystin Laura López Pineda von der Baader Bank haben die Eckdaten beim operativen Ergebnis die Erwartungen aber geschlagen.

López Pineda verwies auf eine deutlich besser als erwartete Entwicklung im vierten Quartal vor allem im Silikon- und Polymergeschäft, aber auch bei dem für die Solarindustrie wichtigen Grundstoff Polysilizium. Hier sei das Marktumfeld weiter eine Herausforderung, das Gesamtergebnis von WACKER CHEMIE unterstreiche aber die Belastbarkeit der Geschäfte in den Chemiesparten.

Auch Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan sprach von einem soliden vierten Quartal angesichts des wirtschaftlichen Gegenwinds und Preisdrucks, dem WACKER CHEMIE im Geschäft mit Silikonen ausgesetzt sei. Zu verdanken sei dies wohl auch niedrigen Rohmaterialpreisen. Sein Kollege Patrick Rafaisz betonte, dass neben dem Ebitda im vierten Quartal auch der freie Mittelzufluss stark ausgefallen sei.

Die WACKER CHEMIE-Aktie war im Zuge des marktbreiten Kursrutsches am Vortag erstmals seit Oktober wieder unter die 60-Euro-Marke gefallen. Unter 57,86 Euro droht ein Tief seit 2013, was mit der Kurserholung am Dienstag nun erst einmal vermieden wurde. Von Kursen nahe 180 Euro wie noch vor zwei Jahren können die Aktionäre nach wie vor aber nur träumen.

Von Barbara Millner

FRANKFURT (Dow Jones / dpa-AFX)

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