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28.03.2019 17:55

Bayer-Aktie kämpft sich vom Siebenjahrestief zurück: Bayer muss 80,3 Mio Dollar Schadensersatz zahlen

Krebsursache: Bayer-Aktie kämpft sich vom Siebenjahrestief zurück: Bayer muss 80,3 Mio Dollar Schadensersatz zahlen | Nachricht | finanzen.net
Krebsursache
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Bayer ist erneut zu einer hohen Schadensersatzzahlung für seinen Unkrautvernichter Roundup verdonnert worden.
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Vor einem Bundesdistriktgericht in San Francisco entschied die Jury, dass Bayer für den Lymphdrüsenkrebs des Klägers Ed Hardeman verantwortlich ist, und verurteilte den Konzern deshalb zu einer Schadenszahlung von 80,3 Millionen Dollar.

Vor einer Woche hatte dieselbe sechsköpfige Jury aus Laienrichtern zunächst befunden, dass das Herbizid ein "wesentlicher Faktor" für das Entstehen des Krebses war. Jetzt befand die Jury, der Konzern habe fahrlässig gehandelt, indem er nicht ausreichend vor den Gefahren des Unkrautvernichters gewarnt habe.

Es ist bereits der zweite Glyphosat-Prozess, den das Unternehmen aus Leverkusen in den USA krachend verloren hat.

Bayer will Berufung einlegen

Bayer will gegen das Urteil allerdings in Berufung gehen. Das Urteil ändere nichts daran, dass wissenschaftliche Arbeiten und die Regulierungsbehörden das Produkt nicht für krebserregend halten. Das nun gefallene Urteil habe zudem auch keinen Einfluss auf zukünftige Fälle.

Auch im Fall des Hausmeisters Dewayne Johnson, dem Geschworene im vergangenen Sommer zunächst 289 Millionen Dollar zugesprochen hatten, wehrt sich Bayer in der nächsten Instanz. Die Richterin hatte die Summe zwar auf 78 Millionen Dollar gesenkt, die Einschätzung, dass Glyphosat für den Krebs des Klägers ursächlich sei, jedoch bestätigt.

Bayer setzt darauf, in höheren Instanzen günstigere Urteile erstreiten zu können, weil hier Berufsrichter und nicht juristische Laien entscheiden. Wissenschaftliche Erkenntnisse, glaubt Bayer, werden dann den Ausschlag geben. Rund 800 Studien und weltweite Genehmigungen für den Einsatz von Glyphosat bestätigen aus Sicht des Konzerns, dass der Wirkstoff bei sachgerechter Anwendung sicher und nicht krebserregend ist.

Hohe Klagenzahl wegen Roundup in USA

In den USA sind mittlerweile 11.200 Klagen von Landwirten und Gärtnern anhängig, die ihre Krebserkrankung auf den Umgang mit Roundup zurückführen. Sechs andere Verfahren werden in diesem Jahr vor Bundesgerichten und bundesstaatlichen Gerichten beginnen; in dieser Woche beginnt eines, das von demselben Anwalt geführt wird, der auch im Fall Johnson die Klage führte.

Für den Kurs der Bayer-Aktie sind die Glyphosat-Urteile toxisch. Sie überlagern auch die eigentlich positive Entwicklung der Monsanto-Geschäfte. Seit den ersten Spekulationen über die Übernahme hat der Konzern fast die Hälfte seines Börsenwertes verloren. Der liegt mittlerweile unter dem Preis von 63 Milliarden Dollar, der vergangenes Jahr für die Monsanto-Übernahme gezahlt wurde.

"Ein verantwortungsbewusstes Unternehmen hätte sein Produkt getestet", hatte Klägeranwältin Aimee Wagstaff in ihrem Schlussplädoyer am Dienstag erklärt. "Ein verantwortungsbewusstes Unternehmen würde seine Kunden darüber informieren, wenn es wüsste, dass ein Produkt Krebs auslösen kann." Sie bezeichnete das Vorgehen der Bayer-Tochter Monsanto als rücksichtslos und beleidigend.

Bayer-Anwalt Brian Stekloff hatte dagegen gehalten und erklärt, die Environmental Protection Agency (EPA) habe als zuständiger Regulierer für Pflanzenschutzmittel in den USA Roundup nie vom Markt genommen oder eine Krebswarnung auf der Packung verlangt.

Gerichtsurteil schlechtes Zeichen für Bayer

Rechtsanalyst Tom Claps bezeichnete das Urteil vom Mittwoch als ein schlechtes Zeichen für Bayer. Investoren müssten sich darauf einstellen, dass die Rechtsstreitigkeiten noch jahrelang andauern würden, er schätze die Gesamtkosten auf 2,5 bis 4,5 Milliarden Dollar. Andere Investoren und Analysten möchten noch einige Urteile abwarten, bevor sie sich eine Gesamtkostenschätzung zutrauen.

Das nächste Gerichtsverfahren steht für Bayer schon vor der Tür: Im kalifornischen Oakland beginnt am Donnerstag der Prozess, der von Alva und Alberta Pilliod, die ihr Non-Hodgkin-Lymphom auf die jahrelange Verwendung von Roundup zurückführen, angestrengt wird. Beide sind über 70 Jahre alt, deshalb und wegen ihrer schlechten gesundheitlichen Verfassung wurde das Verfahren vorgezogen.

Bayer-Aktie dreht zwischenzeitlich ins Plus

Trotz einer erneuten Schlappe in einem richtungweisenden Prozess um mögliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup haben Bayer-Aktien am Donnerstagnachmittag ins Plus gedreht. Im frühen Handel war die Aktie noch um mehr als drei Prozent abgesackt. Die Papiere des Agrarchemie- und Pharmakonzerns fielen am Donnerstagvormittag mit 54,48 Euro auf ein weiteres Siebenjahrestief. Anschließend arbeitete sich der Kurs aber kontinuierlich aufwärts. Nach kurzen Dreh ins Plus traten die Papiere zuletzt wieder auf der Stelle. Sie verabschiedeten sich mit einem marginalen Minus von 0,07 Prozent bei 56,29 Euro aus dem Handel.

Vorausgegangen waren dem zuletzt jedoch bereits hohe Kursverluste: Vom Zwischenhoch von Anfang des Monats bei über 73 Euro hatten die Papiere bereits fast ein Viertel an Wert eingebüßt. Angesichts der mit Roundup verbundenen hohen Risiken für den Bayer-Konzern hatten sich Anleger immer stärker zurückgezogen.

Etliche Analysten sehen auf diesem niedrigen Kursniveau schon wieder eine Gelegenheit zum Einstieg. So bekräftigten am Donnerstag beispielsweise die Investmenthäuser UBS, Bernstein, Warburg, die Baader Bank und Goldman Sachs ihre Kaufempfehlungen für das Dax-Schwergewicht. Nach dem Kursrutsch der zurückliegenden Monate seien die Papiere nun attraktiv bewertet, sagte Analyst Keyur Parekh von Goldman Sachs. Einige Börsianer spekulieren zudem, dass Bayer nach den hohen Kurseinbußen zu einem Übernahmeziel werden könnte.

Am Mittwoch (Ortszeit) hatte eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco geurteilt, dass der von Bayer gekaufte Saatgutkonzern Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup haftbar ist und dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadenersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar (71,4 Mio Euro) zahlen muss.

Analysten zeigten sich wenig überrascht von dem Urteil, nachdem die Jury in der ersten Phase des Prozesses bereits befunden hatte, dass Roundup ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung von Hardeman gewesen ist. Allerdings könnte die Höhe der Schadenersatzsumme enttäuschen, hatte Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan am Morgen bereits vermutet.

Einen kleinen Lichtblick sieht Vosser derweil in der Zusammensetzung der Summe: 5,3 Millionen Dollar sind regulärer Schadenersatz und 75 Millionen sogenannter Strafschadenersatz, der im US-Recht zusätzlich verhängt werden kann. Gerade letzterer könnte sich im Zuge der von Bayer angekündigten Berufung leichter reduzieren lassen als der reguläre Schadenersatz, glaubt der Experte.

Analyst Alistair Campbell vom Investmenthaus Liberum geht indes davon aus, dass nach dem Kursrutsch der vergangenen Monate bereits finanzielle Risiken durch die Glyphosat-Prozesse in Höhe von 40 Milliarden Euro eingepreist sind. Er rechnet mit Belastungen von letztendlich etwa 10 Milliarden Euro. Mit Blick auf die derzeit in den Hintergrund gerückte operative Entwicklung ist Campbell positiv gestimmt: Bayer dürfte bis 2023 schneller wachsen als der Gesundheitssektor. Vor diesem Hintergrund rät er zum Kauf der Aktien mit einem Kursziel von 90 Euro.

Seit einem für Bayer negativen Urteil im ersten Glyphosat-Prozess im vergangenen August haben die Papiere bereits rund 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Der Börsenwert des Konzerns liegt mit knapp 52 Milliarden Euro mittlerweile deutlich unter den rund 63 Milliarden Dollar (56 Mrd Euro), die die Leverkusener sich den Monsanto-Kauf hatten kosten lassen.

Angesichts des Kursverfalls hält es Analyst Markus Mayer von der Baader Bank für zunehmend wahrscheinlich, dass Bayer ins Visier aktivistischer Investoren gerät oder sogar zu einem Übernahmeziel wird. Bereits seit Monaten gibt es Spekulationen darüber, dass der US-Hedgefonds Elliott Bayer zu einer Aufspaltung drängt. Dieser ist dafür bekannt, sich in schwierigen Situationen bei Unternehmen einzukaufen und sich dann einzumischen.

Dow Jones / dpa

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