Talfahrt der Redcare Pharmacy-Aktie beschleunigt: Online-Apotheke enttäuscht auf ganzer Linie

Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy hat im vergangenen Jahr operativ etwas weniger verdient als gedacht.
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Auch die Erwartungen des Managements um Unternehmenschef Olaf Heinrich an 2026 sind nicht gerade überschwänglich: So dürfte das Wachstum sein Tempo in diesem Jahr deutlich verlangsamen. Zudem wurde das mittelfristige Margenziel gesenkt. An der Börse sorgten zur Wochenmitte die Zahlen und die Prognosen für lange Gesichter.
Redcare-Aktie bricht ein
Die im MDAX notierte Aktie fällt im XETRA-Handel zeitweise um 19,40 Prozent auf 47,96 Euro. Der bisherige Jahresverlust vergrößerte sich damit auf mehr als ein Fünftel. Tendenziell ist der Kurs schon seit einem Zwischenhoch im November 2024 bei gut 171 Euro im Abstiegsmodus. Seitdem hat die Aktie rund 70 Prozent an Wert eingebüßt.Auf noch größeren Verlusten sitzen Anleger, die in der Corona-Hochphase Anfang 2021 zum Rekord bei 249 Euro eingestiegen sind. Der Börsenwert der Online-Apotheke lag zuletzt nur noch bei rund einer Milliarde Euro und damit gut vier Milliarden weniger als vor gut fünf Jahren.
Die neuen Ziele für 2026 enttäuschten über alle Kennziffern hinweg und lägen um fast ein Fünftel unter dem Marktkonsens, bemängelte Jefferies-Analyst Martin Comtesse. Zudem sei im Schlussquartal 2025 offenbar das starke Wachstum bei den verschreibungsfreien Produkten zulasten der Margen gegangen - damit habe der DocMorris-Konkurrent für das Jahr lediglich das untere Ende seiner eigenen Profitabilitätsziele erreicht.
Laut Baader-Experte Volker Bosse sei vor allem der Umsatzausblick für das Deutschland-Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten schwach. Hier habe er sich 2026 einen doppelt so starkes Wachstum erhofft, als der Konzern nun prognostiziere.
Seine Ziele für 2026 hatte das Unternehmen bereits am Dienstagabend präsentiert. Sowohl beim Wachstum als auch der Profitabilität liegen sie unter der bisherigen Durchschnittsprognose der bei Bloomberg erfassten Experten. "Wir bauen Jahr für Jahr die Basis für ein wachstumsstarkes und profitableres Geschäft weiter aus", sagte Redcare Pharmacy-Lenker Heinrich laut Mitteilung vom Mittwoch in Sevenum. "Mit unseren Investitionen in Automatisierung und Kapazitätserweiterung werden wir unsere Wettbewerbsposition weiter stärken."
Laut Redcare dürfte der Erlös in diesem Jahr weitaus weniger wachsen als 2025. So rechnet die Online-Apotheke mit einem Umsatzplus von 13 bis 15 Prozent, das ergibt rechnerisch einen Umsatz von maximal knapp 3,4 Milliarden Euro. Getragen werde dieses Wachstum vor allem von einer weiteren Expansion im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Produkten, hieß es. Dagegen dürften sich die rezeptfreien Produkte auf einem im Vergleich geringeren Wachstumsniveau von "über 8 Prozent" stabilisieren.
Die Profitabilität soll aber ähnlich stark ansteigen wie 2025: Der Vorstand peilt für 2026 eine bereinigte operative Gewinnmarge (bereinigte Ebitda-Marge) von mindestens 2,5 Prozent, nachdem diese im vergangenen Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent angezogen war. Mittelfristig traut sich der Konzern allerdings nur noch eine bereinigte Marge von 5 Prozent zu, statt wie bisher 8 Prozent.
Im vergangenen Jahr hatte Redcare erneut insbesondere vom anziehenden Geschäft mit elektronischen Rezepten in Deutschland profitiert. Sein Ergebnis konnte der Konzern dabei deutlich verbessern, Skaleneffekte und ein genauer Blick auf die Kosten halfen - die Kostenquoten für Vertrieb und Verwaltung verbesserten sich.
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 72 Prozent auf etwas mehr als 57 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Von Bloomberg befragte Experten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet.
Laut Sarah Roberts von der britischen Bank Barclays implizieren die Ziele für 2026 deutlichen Druck für die Konsensschätzungen. Sie hob neben den Erlösen mit verschreibungspflichtigen auch enttäuschende Umsätze mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten hervor. Dies untermauere im frei verkäuflichen Bereich die Bedenken hinsichtlich des Wettbewerbs in Deutschland.
Der Umsatz kletterte - wie bereits seit Januar bekannt - um rund ein Viertel auf 2,94 Milliarden Euro, wobei das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten sich nach damaligen Angaben in einigen Märkten "verhalten" entwickelt hatte. Die Erlöse mit rezeptpflichtigen Medikamenten stiegen hingegen erstmals über 1 Milliarde Euro.
Ferner kündigte Redcare einen Wechsel im Aufsichtsrat an. Anja Hendel, Max Müller und Peter Schmid von Linstow wurden für das Gremium als Mitglieder nominiert. Die Wahl zum Aufsichtsrat soll im Rahmen der Hauptversammlung am 15. April erfolgen. Dabei wird Michael Köhler die Nachfolge von Björn Söder antreten, der seit 2021 Vorsitzender des Aufsichtsrats gewesen ist. Söder scheidet zusammen mit den bisherigen Aufsichtsratsmitgliedern Jérôme Cochet und Jaska de Bakker aus.
SEVENUM (dpa-AFX)
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