17.02.2018 01:00

Nachhaltige Investments: Keine Lust auf grün

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Biobananen landen oft im Einkaufskorb, Ökofonds aber selten im Depot. Dabei ist das Angebot riesig und wächst weiter. Warum Privatanleger trotzdem kaum nachhaltig investieren.
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von Maren Lohrer, €uro am Sonntag

Lange Zeit galten Nachhaltigkeit und Umweltschutz als Renditekiller. Doch die Finanzbranche hat umgedacht. Das Angebot an grünen Anlagen hat sich vervielfacht, aus Nischen- werden Trendprodukte. Aber noch sind es vor allem institutionelle Investoren, die hier zugreifen, während Privatanleger sich bisher zurückhalten. Das hat verschiedene Gründe, doch der Reihe nach.


Das Gesamtvolumen der nachhaltigen Investments steigt weltweit konstant. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind laut Forum Nachhaltige Geldanlagen inzwischen rund 419,5 Milliarden Euro auf diese Weise angelegt, rund 29 Prozent mehr als Ende 2016.


Getrieben wird der Trend durch institutionelle Investoren, die sich aus nicht nachhaltigen Anlagen zurückziehen. So wollen große Versicherer wie Allianz und AXA oder der norwegische Staatsfonds nicht mehr in Unternehmen investieren, die Kohle fördern. "Nachhaltigkeit ist zukunftsfähig und ertragsorientiert", bringt es Axel Weber, ehemaliger Präsident der Bundesbank und heute Verwaltungsrat der schweizerischen Bank UBS, auf den Punkt.

Doch bei aller grünen Euphorie gibt es ein Problem: Es lässt sich nicht allgemeingültig beantworten, welchen Anforderungen und Kriterien eine nachhaltige Kapitalanlage konkret genügen muss. "Nicht überall, wo Nachhaltig­keit draufsteht, ist auch das Gleiche drin", so das Fazit einer aktuellen Studie des NKI Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen.


Das Anlagespektrum ist groß: Es gibt bei der KfW-Bankengruppe sogenannte Green Bonds oder aktuell die Wasser-Infrastruktur-Anleihe 3 des Vermögensverwalters Apano. Daneben sind unzählige Öko- oder Ethikfonds wie der empfehlenswerte Öko World Öko Vision (LU 006 192 858 5) auf dem Markt. Die Verbraucherzentralen bieten unter www.geld-bewegt.de einen guten Überblick über nachhaltige Geldanlagen und darüber, welche Banken und Versicherer hier die besten Anlaufstellen sind.

Darüber hinaus tummeln sich am unregulierten sogenannten grauen Kapitalmarkt zahlreiche Angebote, die nachhaltig erscheinen, es aber keineswegs sind. Besonders vorsichtig sollten Anleger bei Bauminvestments sein. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren versprach die Lignum-Gruppe Anlegern hohe Renditen mit Baumplantagen in Bulgarien.

Nach der Pleite waren Millionen dahin. Und auch so manches vordergründig lukrative Solarprojekt war nichts anderes als eine Wette auf möglicherweise steigende Förderungen für Ökostrom. Blieb das Geld vom Staat dann aus, war auch das Investment futsch, denn Privatanleger stehen beispielsweise bei Nachrangdarlehen oft ganz hinten in der Reihe derer, die im Fall einer Pleite Geld bekommen.

Bisweilen paart sich auch eine sinnvolle Idee mit unternehmerischem Missgeschick und allzu hohen Erwartungen - wie bei Prokon, einem Windkraftunternehmen, das 2014 eine der spektakulärsten "grünen Pleiten" hinlegte. Damals verloren nicht nur Zehntausende Anleger einen Großteil ihres Geldes, sondern Millionen andere das Vertrauen in Investments in erneuerbare Energien.

Anleger ohne Orientierung

Die Gründe, warum sich private Anleger nur schwer für nachhaltige Invest­ments begeistern lassen, sind vielschichtig. Zwar finden sie gemäß der NKI-Studie rund 40 Prozent der deutschen Privatanleger attraktiv. Nur rund fünf Prozent haben ihr Geld aber tatsächlich in Ökofonds oder Umwelt­projekte investiert. Als weiteren Grund, warum sie bislang nicht nachhaltig investiert haben, geben vier von zehn Befragten vor allem unzureichende Informationen an.

Die Anbieter "scheuen unter Hinweis auf die geringe Nachfrage Investitionen in Produkte und Informationen. Nur wenn dieses Henne-Ei-Problem gelöst wird, kann der Markt auch im Segment der Privatanleger wachsen", sagt NKI-Gründer Rolf Häßler. "Ein Gütesiegel kann hierzu ein wichtiger Schritt sein, um auch Privatanleger für nachhaltige Investments zu gewinnen", meint Dieter Niewierra von Oekom, einer unabhängigen Ratingagentur.

So werden Experten nicht müde, verlässliche Kontrollorgane, Standards und Gütesiegel zu fordern. Zwar gibt es zahlreiche Ansätze für nachhaltige Investments (siehe unten), doch selbst innerhalb einer Produktkategorie, ob Fonds oder Bonds, existieren keine verbindlichen Regeln.

Der für Finanzdienstleistungen und somit auch für nachhaltige Investments zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis fordert: "Grüne Finanzprodukte brauchen einheitliche Siegel. Die Regeln sollten entlang der gesamten Investmentkette angelegt werden - von der treuhänderischen Verantwortung des Asset-Managers bis hin zur Methode für Ratings."

Die EU macht der Branche Druck

Der entsprechende Aktionsplan wird schon für diesen März erwartet. Der Zeitplan ist so ambitioniert, weil die EU-Kommission unter enormem Druck steht. Die EU hat sich beim Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet, weniger Treibhausgase zu emittieren. Von den konkreten Zielen ist sie jedoch weit entfernt. So hat Deutschland als größter Emittent innerhalb der EU sein internes Ziel im Rahmen der Regierungsverhandlungen gekippt.

Nach Schätzungen der Kommission müssten europaweit jedes Jahr rund 180 Milliarden Euro in Klimaschutzstrategien wie Wärmedämmung, erneuerbare Energien und saubere Autos investiert werden, damit der Kohlendioxidausstoß bis 2030 um 40 Prozent sinkt. Dabei spiele der Finanzsektor eine Schlüsselrolle, denn es können große Summen an privatem Kapital für solche nachhaltigen Investitionen mobilisiert werden, so die EU-Kommission.

Ohne den Finanzsektor geht es also nicht - und hier nicht ohne private Anleger. Es gibt also genügend Gründe, Geld anzulegen und dabei die Umwelt zu schonen.

Wer für Transparenz sorgt

Ratingagenturen nutzen die Informationen, die Unternehmen veröffentlichen, ergänzen sie um branchenspezifische Daten aus anderen Quellen und führen Gespräche mit dem Management. Auf dieser Basis erstellen sie eine Bewertung. "Sie stellen ein Bindeglied zwischen Investoren und Unternehmen dar", sagt Expertin Katja Mayer.

Verschiedene Ratingagenturen haben sich darauf spezialisiert, Unternehmen in Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsleistung zu bewerten. Zu diesen gehören Imug, Oekom Research, RobecoSAM, Sustainalytics und Vigeo Eiris. Diese Agenturen nutzen neben wirtschaftlichen Daten auch Informationen über ESG, sprich Umwelt- und Sozialstandards sowie die Unternehmensführung (siehe auch Fußnote unten). Sie werden von risikoorientierten Anlegern für eine bessere Chancen- und Risikoeinschätzung des Emittenten genutzt.

Gleichzeitig gelten diese Ratings bei Investoren, Analysten und Fondsmanagern als ein Parameter für eine zukunftsorientierte Unternehmensführung", sagt Mayer. Eine Pilotstudie der Goethe-Universität Frankfurt vom Mai 2012 hat bei einigen Agenturen fehlende Transparenz und Unabhängigkeit bemängelt.

Welche Anlagegrundsätze es gibt

Ausschlusskriterien: Bestimmte Investments, wie Unternehmen, oder Investmentklassen, wie Branchen oder Länder, werden vom Anlageuniversum ausgeschlossen, wenn sie gegen bestimmte Kriterien verstoßen.

Best-in-Class: Anlagestrategie, nach der - basierend auf ESG 1)-Kriterien - die besten Unter­nehmen in einer Branche, Kategorie oder Klasse ausgewählt werden.

Engagement: Langfristiger Dialog mit Unternehmen, um deren Verhalten bezüglich ESG- Kriterien zu verbessern.

Impact Investment: Investitionen in Unternehmen, Organisationen oder Fonds mit dem Ziel, auch Einfluss auf ESG-Belange auszuüben.

Integration: Einbeziehung von ESG-Kriterien in die traditionelle Finanzanalyse.

Nachhaltige Themenfonds: Investitionen in Themen oder Assets, die mit der Förderung von Nachhaltigkeit zusammenhängen und einen ESG-Bezug haben.

Normbasiertes Screening: Überprüfung von Investments auf ihre Konformität mit bestimmten internationalen Standards und Normen, etwa dem Global Compact für nachhaltiges Wirtschaften oder den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen.

Stimmrechtsausübung Ausübung von Aktionärsrechten auf Hauptversammlungen, um die Unternehmen bezüglich ESG-Kriterien zu beeinflussen.

1) ESG: Environment Social Governance (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung); eigene Recherchen






Bildquellen: luchschen / Shutterstock.com, hans.slegers / Shutterstock.com

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