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28.03.2018 21:51
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Yale-Professor schießt scharf gegen Mark Zuckerberg: "Imperator auf Lebenszeit"

Aktie weiter im Visier: Yale-Professor schießt scharf gegen Mark Zuckerberg: "Imperator auf Lebenszeit" | Nachricht | finanzen.net
Aktie weiter im Visier
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Das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook befindet sich in der größten Krise seiner Unternehmensgeschichte. Die Hauptschuld an dem Skandal, der möglicherweise existenzbedrohend ist, gibt Managementexperte Jeffrey Sommerfeld Mark Zuckerberg - und der Firmenkultur, die er bei Facebook etabliert hat.
14 Prozent hat die Facebook-Aktie an der US-Techbörse NASDAQ seit Bekanntwerden des Datenskandals um Cambridge Analytica eingebüßt - damit sind zwischenzeitlich rund 100 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung verpufft - mehr als doppelt so viel, wie der Elektroautohersteller Tesla an der Börse wert ist. Und der Tiefpunkt für die Aktie ist möglicherweise noch nicht erreicht, denn Facebook scheint mit der Aufarbeitung der Ereignisse überfordert. Die Schuld daran gibt Jeffrey Sonnenfeld, Management-Professor an der renommierten Yale-Universität, insbesondere einer Person: Facebook-CEO Mark Zuckerberg.

Zuckerberg ohne Rechenschaftspflicht

Der Gründer und CEO des weltgrößten Netzwerkes habe sich zum "Imperator auf Lebenszeit" gemacht, kritisierte der Experte die Position des 33-jährigen innerhalb des Facebook-Managements. Zuckerberg hat sich über eine von der Aktionärsversammlung abgesegnete Aktienstruktur die Kontrolle über Facebook gesichert - obwohl er zuvor angekündigt hatte, zu Lebzeiten 99 Prozent seiner handelbaren Anteile spenden zu wollen. Möglich wird dieser Schachzug durch ein Konstrukt aus verschiedenen Aktiengattungen. Börsennotierte A-Aktien, die Zuckerberg abstoßen will, werden an der Börse gehandelt. Nicht-notierte B-Aktien von Facebook aber, die ihm eine Mehrheit der Stimmrechte sichern, sind zu großen Teilen in seinem Besitz.

Diese Konstruktion mache es schwer, Zuckerberg aus dem Amt zu entfernen, so Jeffrey Sonnenfeld gegenüber CNBC. "Freiwillig wird er sicherlich nicht zurücktreten. Er ist niemandem Rechenschaft schuldig", so der Management-Experte weiter.

Direktangriff auf Zuckerberg

In einem weiteren Interview geht der Yale-Professor sogar noch deutlich weiter und greift Zuckerberg direkt an. Gegenüber dem "Spiegel" macht er den Facebook-Chef direkt verantwortlich für das schwere Fahrwasser, in dem sich der Facebook-Kahn derzeit befindet und erklärt: Der interne Kult um den Firmenchef habe die Ereignisse erst möglich gemacht. Dabei kritisiert Sonnenfeld nicht nur die Tatsache, dass sich das Unternehmen viel zu lange Zeit für eine Stellungnahme gelassen hat, er sieht grundlegende Probleme in der Führungsebene: "Wir sehen bei der Führung von Facebook eine gewisse Selbstgefälligkeit. Sie glaubt offenbar, über jeden Zweifel erhaben zu sein. Da ist diese kulthafte, fast religiöse Überzeugung, dass alles gut sei, was man tut. Aber keine Technologie ist nur gut. Eine angemessene Verwendung muss garantiert werden, und Facebook ist damit leichtsinnig gewesen", so der Professor im "Spiegel"-Interview.

Dabei sei Zuckerberg und seine Führungsmannschaft im Zusammenhang mit dem aktuellen Datenskandal nicht nur inkompetent aufgetreten, dem Konzern sei sogar eine Mittäterschaft zu unterstellen. Schließlich soll der Sicherheitschef des Unternehmens die Konzernführung schon vor Jahren auf eine mögliche Fake-News-Problematik und Sicherheitsprobleme aufmerksam gemacht haben, Zuckerberg und Facebooks Operativ-Chefin Sheryl Sandberg hatten dies aber offenbar aussitzen wollen.

Nachfolgersuche dürfte schwer werden

Angesichts der Führungsstruktur im Unternehmen dürfte es ohnehin schwer werden, einen geeigneten Nachfolger für Zuckerberg zu finden. Sonnenfeld hält auch seine Co-Chefin Sheryl Sandberg für wenig geeignet, den Platz an der Spitze einzunehmen. Sie sei eine "echte Enttäuschung" und habe keinerlei Führungsstärke gezeigt, kritisiert der Experte Sandbergs Handhabung der existenzbedrohenden Krise.

Dem widerspricht etwa Internet-Investor Jason Calacanis. Auch er attestierte Mark Zuckerberg jüngst "völliges Führungsversagen", anders als Jeffrey Sonnenfeld hält er aber große Stücke auf Sheryl Sandberg. Anders als ihr Vorgesetzter sei sie geeignet für die Position des CEO. Sie sei ein "besserer Kommunikator" und eine "großartige Führungspersönlichkeit", lobte er. Zudem sei sie "besser darin, zu verstehen, wie man mit diesen Problemen umgeht".

Für Zuckerberg wird es ernst

Doch noch ist Zuckerberg an der Konzernspitze - und dort wird die Luft langsam dünn. Der CEO soll vor dem Justizausschuss des US-Senats aussagen und Auskunft darüber erteilen, wie Facebook in der Vergangenheit und künftig mit dem Schutz und der Überwachung von Kundendaten umgehe, gab der Vorsitzende des Komitees, Charles Grassley, bekannt.

Und auch die Facebook-Nutzer ziehen zwischenzeitlich Konsequenzen: Große Konzerne wie Tesla und SpaceX haben ihre Facebook-Präsenzen gelöscht, darüber hinaus trudeln erste Nutzerklagen ein. Drei Nutzer des weltgrößten Internet-Netzwerkes verklagten den US-Konzern am Dienstag vor einem Bezirksgericht in Kalifornien wegen Verstößen gegen den Datenschutz bei seiner Messenger-App. Die Beschwerdeführer, die eine Sammelklage anstreben, werfen Facebook vor, Protokolle von Telefonaten und Textnachrichten aufzubewahren. Sie fordern Schadenersatz.

Und auch das operative Geschäft wird von den Ereignissen rund um den bekannt gewordenen Datenskandal beeinflusst: So ist aus Kreisen zu hören, dass Facebook die Vorstellung seines eigenen vernetzten Lautsprechers mit einem digitalen Assistenten wegen des aktuellen Datenskandals verschieben will. Das Online-Netzwerk habe die Geräte, mit denen auch Videokonferenzen möglich seien, ursprünglich auf seiner Entwicklerkonferenz F8 Anfang Mai zeigen wollen, schrieb der Finanzdienst Bloomberg am Wochenende.

Alles in allem keine guten Aussichten für eine anhaltende Erholung der Facebook-Aktie. An der NASDAQ legt das Papier am Mitwoch zeitweise 0,63 Prozent auf 153,18 US-Dollar zu.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: FLDphotos / istockphoto, Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com

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