Dunkle Wurzeln: Wie Lufthansa ihre Nazi-Vergangenheit transparenter aufarbeiten will

04.02.26 09:37 Uhr

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LBS SR01-00261-Print ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / LBS_SR01-00261 Die deutsche Fluggesellschaft tat sich lange schwer mit der Aufarbeitung ihrer Rolle in der Nazizeit. Das möchte sie in ihrem 100. Jubiläumsjahr ändern. Wie Historiker und Konzernchef Carsten Spohr heute auf die damalige Lufthansa als Teil des nationalsozialistischen Systems blicken.Zum runden Jubiläum gönnen sich Unternehmen gern ein Buch: als Hochglanz-Gedächtnisstütze fürs Erreichte. Zum hundertsten Geburtstag der ersten Lufthansa – 1926 noch Luft Hansa geschrieben – hat Deutschlands größte Airline genau das bestellt: «Lufthansa: Die ersten 100 Jahre» heißt das Werk. Auf knapp 400 Seiten, reich bebildert, erzählen drei Historiker der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte die Entwicklung von Lufthansa nach.Für die Jahre 1926 bis 1946 ist Manfred Grieger verantwortlich, Honorarprofessor an der Universität Göttingen. Luft Hansa sei nicht einfach ein Unternehmen im Nationalsozialismus gewesen, sondern «ein Unternehmen des Nationalsozialismus», betonte er bei einem Mediengespräch am Dienstag (3. Februar). Der Historiker erklärte die engen Verflechtungen.Lufthansa-Vorstände suchten Nähe zu den NazisSo habe der Reichstag ab 1930 die Subventionen für Lufthansa einschränken wollen. «Das war der Zeitpunkt, an dem wichtige Teile des Vorstands und der Aufsichtsratstrukturen die Nähe zu den Nationalsozialisten suchten», so Grieger. Mit der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 sei die schon zuvor begonnene Kooperation mit der Reichswehr intensiviert worden. «Die Revision des Versailler und des Weimarer Systems war der gemeinsame Nenner, das hat der Lufthansa sofort gut getan, das Geld floss, man war unterstützt.»Im Zweiten Weltkrieg seien dann die meisten Flugzeuge und der Großteil der Piloten von Luft Hansa an die Luftwaffe gegangen. Während der zivile Luftverkehr im Krieg stark zurückging, habe sich auch die Fluggesellschaft verändert. Man müsse daher in dieser Zeit «eher von einem Luftrüstungsunternehmen sprechen als von einer Airline», so der Historiker. Luft Hansa war nun zum Beispiel stark in die Reparatur militärischer Flugzeuge eingebunden.Zwangsarbeitende auch in Lufthansa-FrontwerkstättenDabei kamen auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zum Einsatz, in Deutschland, aber auch in Frontwerkstätten im Ausland. Grieger verwies dazu auch auf das Buch «Adler und Kranich» von Lutz Budrass aus dem Jahr 2016, in dem das Thema aufgearbeitet wurde. Lufthansa hatte des Bochumer Historikers einst zuerst mit der Forschung beauftragt, die Studie dann aber zuerst nicht veröffentlicht, woraufhin dieser sein eigenes Buch schrieb.Dann gab Lufthansa die Studie auf Anfrage doch heraus. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bezeichnete den Umgang von damals am Dienstag in Frankfurt als Fehler und nicht ausreichend transparent. Grieger, die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte und Lufthansa stellten außerdem weitere Forschung zum Thema in Aussicht - unter anderem zur Zwangsarbeit in Frontwerkstätten von Lufthansa bei Marseille und in der Ukraine.Kein Einsatz für Jüdinnen und Juden bei Lufthansa in BerlinGrieger sprach auch über deutsche Jüdinnen und Juden, die unter Zwang für Lufthansa in Berlin arbeiteten. Als diese auf Geheiß von Adolf Hitlers Regime «abtransportiert wurden in die Vernichtung 1942», sei das nicht hinterfragt worden, niemand habe sich für diese Menschen eingesetzt, so der Historiker.Grieger räumte ein, dass es nicht nur starke personelle, wirtschaftliche und strukturelle Verflechtungen zwischen Luft Hansa und dem Naziregime gab, sondern auch personelle Kontinuitäten zwischen der ersten und der zweiten Lufthansa, die ab 1953 entstand. Er sehe darin aber eher «funktionale und persönliche Bekanntschaftsketten» im Nachkriegsdeutschland und nicht etwa eine Art «Masterplan», der die Luft Hansa der 1920er-Jahre mit der Lufthansa der 1960er verbunden hätte. Grund dafür sei «die Neugründung unter bundesrepublikanischen Bedingungen» in einem «demokratischen Rechtsstaat».Warum Lufthansa jetzt eine Junkers Ju-52 ausstelltaeroTELEGRAPH wollte wissen, wieso Lufthansa sich zur Ausstellung der Junkers Ju-52 im neuen Besucherzentrum entschieden hat angesichts der Geschichte des Modells, das sich leicht vom Zivilflugzeug zum Bomber umbauen ließ und unter anderem 1937 Guernica bombardierte. Grieger sprach von einem «ambivalenten Objekt», das nicht einfach ein schönes Flugzeug sei, sondern für den komplizierten Teil der Lufthansa-Geschichte stehe.Lufthansa-Chef Spohr sagte: «Die Ju wurde über Jahrzehnte als Symbol des Lufthansa-Erbes benutzt.» So habe das Unternehmen etwa zum 50. Jubiläum der neuen Lufthansa im Jahr 2005 Ehrengäste mit der Ju-52 über den Hamburger Hafen geflogen - «im Nachhinein eine Absurdität», so Spohr. «Selbst in den Zeiten, in denen wir so taten, als gab es die erste Lufthansa als losgelöstes Unternehmen, wollte man sich nicht von der Ju nicht lossprechen.»Spohr verspricht: «Gehen mit diesem Thema jetzt anders um»Die Ju-52 habe immer die alte Lufthansa sichtbar symbolisiert, sagte Spohr. Und er hätte es als «sehr unehrlich» empfunden, das Flugzeug genau jetzt beim Blick auf 100 Jahre Lufthansa nicht zu zeigen, nachdem man sie in der Vergangenheit stets gefeiert habe, sagte der Manager, der seit 2014 Lufthansa-Chef ist. Die Ausstellung im Besucherzentrum werde die Ju 52 außerdem geschichtlich einordnen, inklusive der dunklen Kapitel. «Wir gehen mit diesem Thema jetzt anders und offen um», versprach Spohr.Hinter aeroTELEGRAPH steckt mehr als eine Website: ein Team erfahrener Journalistinnen und Journalisten, das fliegt, recherchiert und einordnet – Tag für Tag. Mit Ihrer Unterstützung bleiben wir unabhängig und Sie lesen werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnierenWeiter zum vollständigen Artikel bei aeroTELEGRAPH

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