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14.12.2019 06:46
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Henkel-Aktien brechen nach Prognosesenkung ein

Enttäuschender Ausblick: Henkel-Aktien brechen nach Prognosesenkung  ein | Nachricht | finanzen.net
Enttäuschender Ausblick
Der scheidende Konzernchef Hans Van Bylen hat die Aktionäre des Konsumgüterkonzerns Henkel auf ein weiteres schwaches Geschäftsjahr vorbereitet.
Die Ergebnisse dürften 2020 weiter sinken, der Umsatz im besten Fall nur geringfügig wachsen. Das schwächere Industrieumfeld belastet dabei vor allem die Klebstoffsparte. Höhere Investitionen drücken auf den Gewinn. Alles in allem erwartet Henkel vz eine so schwache operative Profitabilität wie seit Jahren nicht mehr.

Anleger zeigten sich von den schlechten Nachrichten vom Donnerstagabend schockiert und wandten sich von der Aktie ab. Der Kurs der Henkel-Vorzugsaktie fiel am Freitag im XETRA-Handel zwischenzeitlich um 4,56 Prozent auf 90,08 Euro - schlussendlich verlor das Papier 3,67 Prozent auf 90,92 Euro.

JPMorgan-Analystin Celine Pannuti senkte ihr Kursziel für das Papier und kürzte ihre Prognosen für 2020 um zehn Prozent. John Ennis von Goldman Sachs nahm seine Einstufung für die Aktie auf "Neutral" zurück. Die Entwicklung des Konzerns sei seit dem Sommer enttäuschend, erklärte er. Die Erholung des Geschäfts sei auch in der zweiten Jahreshälfte ausgeblieben. Die Prognose für das neue Jahr deutet seiner Ansicht nach darauf hin, dass die Schwierigkeiten für einen längeren Zeitraum anhalten dürften als erwartet. Die Lösung der Probleme könnte zudem teurer werden als gedacht.

Henkel erwarte auch 2020 ein schwieriges und schwer vorhersehbares Marktumfeld, erklärte Van Bylen. Der Manager nimmt Ende des Jahres seinen Hut und übergibt sein Amt an den bisherigen Finanzchef Carsten Knobel. Die trübe Lage gilt Van Bylen vor allem für die Nachfrage aus der Industrie. Daher rechnet Henkel besonders im hochprofitablen Klebstoffgeschäft mit negativen Auswirkungen, während er für die Konsumgüterbereiche eine "gute Umsatzentwickung" erwartet.

Insgesamt geht das Management auch für 2020 nur von einem mauen Wachstum aus. Die Prognose orientiert sich dabei an der des laufenden Jahres. Bestenfalls zwei Prozent organisches Umsatzplus dürften die Düsseldorfer erreichen - sprich bereinigt um Währungseffekte sowie den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen. Möglich sei aber auch eine Stagnation.

Das schwache Industrieumfeld sowie die weiter geplanten Investitionen in Marketing, Werbung sowie die Digitalisierung wird die Ergebnisse auch weiter belasten. So soll die bereinigte operative Marge (Ebit) auf rund 15 Prozent sinken - so tief wie seit Jahren nicht mehr. Expertin Molly Wylenzek vom Analysehaus Jefferies erklärte, die Profitabilität des Konsumgüterkonzerns falle damit wieder unter das Niveau von 2013. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie dürfte Henkel zufolge erneut um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz fallen.

Auch im kurz vor dem Ende stehende Geschäftsjahr 2019 wird Henkel wohl nur das untere Ende seiner bereits im Sommer gesenkten Prognose erreichen. So rechnet das Management mit einer stagnierenden organischen Umsatzentwicklung. Die Marge, für die Henkel bereits einen Rückgang auf 16 bis 17 Prozent avisiert hatte, wird den Angaben zufolge bei etwa 16,2 Prozent liegen.

Die konjunkturabhängige Klebstoffsparte leidet derzeit unter der Schwäche der Autoindustrie. Besserung erwartet das Management erst einmal nicht. Das Kosmetikgeschäft kämpft weiter mit dem hohen Wettbewerbsdruck vor allem in Westeuropa sowie Problemen in China. Zuletzt büßte das Haut- und Haarpflegegeschäft an Umsatz und Ergebnis ein. Gegenmaßnahmen wie die Einführung neuer Produkte, für die Henkel mehr Geld verlangen kann, greifen bislang nur bedingt.

Van Bylen hatte bei der Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal eingeräumt, dass die Erholung langsamer vorangeht als erwartet. Einzig die Wasch- und Reinigungsmittelsparte konnte zuletzt mit Zuwächsen aufwarten. In Nordamerika steht das Geschäft jedoch unter Druck.

Henkel will rund 300 Millionen Euro im Jahr in die Stärkung seines Konsumgeschäfts investieren und die digitale Transformation beschleunigen. JPMorgan-Analystin Pannuti zufolge verpuffen die Anstrengungen jedoch. Der Konzern verliere jüngsten Daten der Marktforscher von Nielsen nach weiter Marktanteile. Insgesamt leidet das Geschäft ihren Aussagen zufolge unter den zu geringen Investitionen sowie zu scharfen Sparzwängen der vergangenen Jahre.

Pannuti erhofft sich vom neuen Chef Knobel ein Strategie-Update im März. Die Ernennung des Finanzchefs zum neuen Mann an der Spitze könnte darauf hindeuten, dass Henkel mehr auf Veränderungen seines Portfolios ziele als auf einen Umbau des operativen Geschäfts.

Van Bylen hatte Ende Oktober angekündigt, seinen Vertrag nicht mehr zu verlängern und hatte dafür "persönliche Gründe" geltend gemacht. Sein Vertrag wird zum Jahresende vorzeitig aufgelöst.

Der Belgier hatte im Mai 2016 den Stab von Kasper Rorsted übernommen, der damals zum Sportartikelhersteller adidas wechselte. Der Däne Rorsted hatte Henkel acht Jahre geführt und den einst behäbigen Konzern entstaubt, auf Rendite getrimmt und das Markendickicht gelichtet. Dabei stand die Profitabilität über allem, das Wachstum geriet in den Hintergrund. Mit an seiner Seite: Knobel, der seit 2012 Finanzvorstand des Konzerns ist.

DÜSSELDORF (dpa-AFX)

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