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09.12.2009 10:47

Insider sind die heimlichen Helfer der Aktienprofis

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Wenn Topmanager privat Aktien ihrer Unternehmen handeln, sehen Börsianer ganz genau hin. Was die Insider aktuell verraten.
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von Tim Schäfer und Sven Parplies, Euro am Sonntag

Seit 15 Jahren nimmt George Muzea an der Wall Street Insidergeschäfte unter die Lupe. In seinem Unternehmen Muzea Insider Consulting Services werden täglich etwa 200 Aktientransaktionen analysiert. In den USA gibt es 60 000 Insider, also Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen – sobald sie Aktien ihrer eigenen Unternehmen handeln, muss das innerhalb von zwei Tagen der Börsenaufsicht SEC gemeldet und öffentlich gemacht werden. Für Börsianer sind das wertvolle Informationen – vorausgesetzt, sie können die Daten richtig deuten. Muzea lässt den täglichen Zahlendschungel von vier Analysten und zwei IT-Spezialisten in Reno, Nevada, durchforsten. 25 000 Dollar jährlich zahlen Kunden, damit Muzeas Team für sie die zuverlässigsten Insider aufspürt. Bekannte Fondsadressen und Hedgefonds greifen darauf zurück, auch Fidelity und Stanley Druckenmiller, einst Geschäftspartner von George Soros.

Muzea achtet vor allem auf plötzliche Änderungen in Verhaltensmustern. So spielt es etwa für ihn keine Rolle, wenn ein Vorstand stetig Aktien auf einem bestimmten Kursniveau von zum Beispiel 20 Dollar -ordert. Kauft jedoch dieselbe Person plötzlich eine größere Stückzahl selbst bei einem Kurs von 28 Dollar, dann ist das für den Experten ein positives Signal. Im Gegensatz dazu ergibt sich ein Warnsignal, wenn Manager selbst in eine große Kursschwäche hinein ihre Aktienpakete abstoßen. „In diesem Fall gibt es bei dem Unternehmen ein Dauerproblem“, schlussfolgert „Mr Insider“. Alles in allem hat der 71-Jährige im März, als der Dow Jones auf einem Tief notierte, massive Käufe durch Insider festgestellt. „Insider kaufen in niedrigen Märkten. Sie lieben es, wenn es einen Crash gibt. Dann werden sie aktiv. Sie achten auf ein attraktives Kurs/Buchwert-Verhältnis und den inneren Wert des Unternehmens.“

Außergewöhnliche Aktivitäten gab es zuletzt beim Brausehersteller Coca-Cola. Dort deckte sich Direktor Barry Diller, der hauptberuflich den Internetkonzern IAC steuert, am 26. Oktober mit 510.000 Anteilsscheinen ein. Erstaunlich an dem Deal ist die Größenordnung: Das Paket kostete 27,5 Millionen Dollar. Weil der Kurs seit dem Frühjahr kräftig gestiegen ist, spricht die Transaktion Bände. Diller gehört inzwischen mehr als eine Million Coca-Cola-Aktien.

Bei der Supermarktkette Safeway investierten Ende Oktober die beiden Direktoren Kenneth Oder und Michael Shannon 223 000 beziehungsweise 143.000 Dollar in die Aktie ihres Arbeitgebers. Der Kurs befindet sich seit April 2007 auf Talfahrt. Offenbar rechnet die Führungsmannschaft mit einer Wende. Bei der Softwarefirma Digital River hat Gründer und Vorstandschef Joel Ronning für rund fünf Millionen Dollar Aktien geordert. Sein Durchschnittspreis: rund 25,80 Dollar. Ronning hatte sich in den vergangenen Jahren schon einmal bei vier Dollar eingedeckt und verkaufte später für 50 Dollar. Der hoch profitable E-Commerce-Spezialist scheint günstig bewertet zu sein – das Kurs/Buchwert-Verhältnis beträgt 1,5.

Wenn besonders viele Führungskräfte eines Konzerns zeitnah aktiv werden, gilt das als sehr starkes Signal. So sammeln seit Monaten Entscheidungsträger namhafter US-Banken Aktienpakte ein. Seit dem Frühjahr, als die Citigroup im Tief die 1,00-Dollar-Marke touchierte, befinden sich Citi-Mitarbeiter geradezu im Kaufrausch. Die Beschäftigten rechnen augenscheinlich mit der Genesung. Kaum war Sallie Krawcheck im August zur Chefin des Wealth Managements bei der Bank of America berufen worden, kaufte sie 63.000 Aktien. Sie zahlte 15,97 Dollar je Stück. Rund eine Million Dollar gab sie aus. Weitere Führungskräfte folgten ihrem Beispiel.

Unter den in Deutschland gelisteten Unternehmen fällt die Betriebsamkeit an der Führungsspitze des Halbleiterunternehmens Dialog Semiconductor auf. Dort häufen sich seit Anfang November die Verkäufe. Finanzvorstand Jean-Michel Richard etwa hatte seit März 2007 immer wieder kleine Pakete zu Kursen zwischen 1,00 und 2,12 Euro erworben. Mitte November dann verkaufte er erstmals 11.600 Aktien. Bei einem Kurs von 6,28 Euro hat Richard ein gutes Geschäft gemacht. Ähnlich rasant wie Dialog ist zuletzt die Aktie von Tipp24 gestiegen. Vorstand Hans Cornehl verkaufte im November bei Kursen um die 30 Euro Aktien des Hamburger Glücksspielvermittlers und erlöste mehr als eine Million Euro.

Im MDAX war Douglas-Aufsichtsrat Henning R. Kreke besonders aktiv: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die in Deutschland Insidertransaktionen erfasst und im Internet veröffentlicht, weist für November gleich sechs Verkäufe Krekes auf: 33 100 Aktien zu Kursen zwischen 31,40 und 32,94 Euro hat der Aufsichtsrat des Hagener Unternehmens demnach zu Geld gemacht. Unter den DAX-Konzernen sticht die Verkaufsorder von FMC-Chef Ben Lipps ins Auge. 15 100 Aktien zu 52,66 Dollar brachten ihm Mitte November umgerechnet über 500 000 Euro. Verkäufe von Insidern müssen aber nicht immer ein Alarmsignal sein. Wer große Pakete besitzt, ist sogar gut beraten, Teile zu verkaufen, um das Vermögen breiter zu streuen. Zudem steigt auch bei Insidern, genau wie beim normalen Privatanleger, nach einer Rally die Verlockung, Gewinne mitzunehmen.

Insgesamt fällt dennoch auf, dass in den vergangenen Wochen nur wenige Insider in Deutschland Aktien ihrer Unternehmen gekauft haben. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der Ende Oktober im Rahmen des Mitarbeiter-Aktienprogramms rund 50 000 Euro investierte, gehört zu den prominenten Ausnahmen. Genau wie Gert-Jan Huisman von Centrotec Sustainable und Werner Lanthaler von Evotec. Nach Berechnungen der Deutschen Bank ist das Volumen der Insiderkäufe im deutschen HDAX zuletzt fast auf ein Dreijahrestief gesunken. Das sei ein Argument zur Vorsicht, mahnen die Banker. Aus einem anderen Grund kritisch sehen Börsenexperten Aktivitäten beim Cornflakes-Giganten Kellogg. Dessen Aktie notiert nahe Jahreshoch. Die Führungsspitze nutzt das, um im großen Stil eigene Aktienpakete abzustoßen. Das hat ein Geschmäckle, denn gleichzeitig macht das Unternehmen vom Aktienrückkaufprogramm Gebrauch.

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