finanzen.net
02.09.2019 12:27
Bewerten
(0)

EZB sagt Facebook-Währung Libra den Kampf an

Scharfe Regulierung: EZB sagt Facebook-Währung Libra den Kampf an | Nachricht | finanzen.net
Scharfe Regulierung
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat der geplanten Facebook-Währung Libra den Kampf angesagt.
EZB-Direktor Yves Mersch räumte in einer Rede in Frankfurt zwar ein, dass mit Libra das eine oder andere berechtigte Anliegen verfolgt werde, griff aber die Idee eines Privatgeldes im allgemeinen und eines Facebook-Geldes im besonderen in einer für EZB-Verhältnisse sehr scharfen Form an. Mersch drückte seine Hoffnung aus, dass die Europäer den etablierten Zahlungssystemen nicht den Rücken kehren würden und kündigte eine scharfe Regulierung von Libra an.

Sie möchten in Kryptowährungen investieren? Unsere Ratgeber erklären, wie es innerhalb von 15 Minuten geht:
» Bitcoin kaufen, Ripple kaufen, IOTA kaufen, Litecoin kaufen, Ethereum kaufen, Monero kaufen.

"Sie (Libra) soll Mitte 2020 von den gleichen Leuten herausgebracht werden, die sich vor Gerichten in den USA und in der EU wegen der Bedrohungen verantworten mussten, die der Umgang mit persönlichen Daten in ihren Sozialmedienplattformen für die Demokratien mit sich bringt", sagte Mersch laut dem veröffentlichten Redetext in der nicht öffentlichen Konferenz. Der EZB-Direktor, der derzeit für Rechtsfragen zuständig ist, dürfte im Herbst stellvertretender Chef der EZB-Bankenaufsicht SSM werden. Als solcher wird er weiterhin dem EZB-Direktorium angehören.

Mersch zufolge kann nur eine unabhängige Zentralbank mit einem starken Mandat die institutionelle Unterstützung liefern, die zur Emission eines verlässlichen Geldes und zur "rigorosen Aufrechterhaltung" des öffentlichen Vertrauens in dieses Geld notwendig ist. "Private Währungen haben keine oder kaum Aussichten, sich als brauchbare Alternativen zu zentral emittiertem Geld zu etablieren, das als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt ist", sagte Mersch.

Mersch drückte seine "aufrichtige Hoffnung" aus, dass die Menschen in Europa nicht in Versuchung gerieten, den sicheren etablierten Zahlungssystemen den Rücken zu kehren und stattdessen den "verführerischen, aber trügerischen Sirenenrufen von Facebook" zu folgen.

Die EZB sieht laut Mersch mehrere Probleme in Bezug auf Libra:

1. Eigentümerstruktur

Libra ist wie andere Währungen zentralisiert. Nur ist diese Zentralisierung laut Mersch bei einer Währung, die von Konglomeraten privater Unternehmen kontrolliert werde, kein Vorteil. Diese Konglomerate seien nur ihren Anteilseignern und Mitgliedern rechenschaftspflichtig. "Sie haben privilegierten Zugang zu Daten, die sie missbräuchlich zum Geldverdienen benutzen können. Und sie haben komplette Kontrolle über das Geldverteilungssystem", merkte Mersch an.

2. Sicherheit für Nutzer

Hinter Libra steht laut Mersch kein letztinstanzlicher Kreditgeber, was die Frage aufwerfe, was im Falle einer Liquiditätskrise passiere. Auch gebe es keine Einlagensicherung, die die Anleger in einer Krise schütze. Überhaupt werfe die begrenzte Haftbarkeit der Mitglieder der Libra-Association ernste Fragen hinsichtlich ihrer Bereitschaft auf, die Forderungen der Libra-Nutzer voll zu befriedigen, wie Zentralbanken dies mit öffentlichem Geld täten.

3. Juristische und regulatorische Fragen

a) Da Libra kein E-Money sei, müsse es entweder als Finanzinstrument gesehen werden und fiele damit unter die Marktrichtlinie Mifid, oder es müsse als virtuelles Geld eingestuft werden. Damit unterfiele es der Richtlinie zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und den entsprechende Registrierungspflichten. Möglich wäre auch, ein auf Libra zugeschnittenes Aufsichtsregime zu schaffen.

b) Wie sollen die EU-Behörden Libra und das Netzwerk beaufsichtigen, wenn die sie tragenden Unternehmen ihren Sitz außerhalb der EU haben? Man könnte laut Mensch fordern, dass jener Teil der Libra-Reserven in den einzelnen EU-Ländern gehalten wird, welcher der dortigen Libra-Zirkulation entspricht. Möglicherweise gebe es auch andere Wege einer öffentlichen Kontrolle über Libra, die überprüft werden sollten.

"Die Sicherheit und Zugänglichkeit von Zahlungssystemen und die Kontrolle der für die Wirtschaft wichtigen Finanzmarktinfrastrukturen sind öffentliche Güter", sagte Mersch. Die Bedingungen, unter denen Sicherheiten und die Finalität von Abschlüssen akzeptiert würden, sollten weiterhin von den Aufsichtsbehörden oder Gesetzgebern bestimmt werden.

c) Es ist eine internationale Kontrolle von Libra nötig, weil sie grenzüberschreitend eingesetzt werden wird. Es braucht laut Mersch einen globalen Regulierungsansatz, um regulatorische Arbitrage zu verhindern. "Es gibt erfreuliche Anzeichen dafür, dass die globale Community bereits daran arbeitet, die mit Libra heraufziehenden Risiken anzugehen. Dabei geht es auch um die Gefahr, dass Libra zu einem Instrument für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung wird", sagte Mersch.

4. Libra könnte EZB-Geldpolitik beeinträchtigen

In Abhängigkeit von ihrer Akzeptanz und vom Stellenwert des Euro in den Libra-Reserven könnte Libra laut Mersch die Kontrolle der EZB über den Euro reduzieren und die Übertragung des geldpolitischen Signals stören, indem sie die Liquiditätspositionen der Banken beeinflusst, und die internationale Bedeutung des Euro mindern, indem sie die Nachfrage nach ihm einschränkt.

Mersch zufolge erkennt die EZB an, dass Libra berechtigte Anliegen wie etwa eine leichtere Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen verfolge. Er verwies aber andererseits auf bereits bestehende Angebote wie das Echtzeitzahlungssystem Tips der EZB. Sein generelles Urteil über private Geld wie Libra lautet: "Die Idee eines staatenlosen Geldes ist eine Verirrung ohne solide Verankerung in der menschlichen Erfahrung."

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)

Das könnte Sie auch interessieren: finanzen.net Ratgeber Bitcoin kaufen - So geht's

Bildquellen: Ascannio / Shutterstock.com, Wit Olszewski / Shutterstock.com

Nachrichten zu Facebook Inc.

  • Relevant
    3
  • Alle
    3
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Facebook Inc.

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
18.10.2019Facebook buyGoldman Sachs Group Inc.
09.10.2019Facebook buyDeutsche Bank AG
26.07.2019Facebook buyUBS AG
25.07.2019Facebook BuyMonness, Crespi, Hardt & Co.
25.07.2019Facebook overweightJP Morgan Chase & Co.
18.10.2019Facebook buyGoldman Sachs Group Inc.
09.10.2019Facebook buyDeutsche Bank AG
26.07.2019Facebook buyUBS AG
25.07.2019Facebook BuyMonness, Crespi, Hardt & Co.
25.07.2019Facebook overweightJP Morgan Chase & Co.
18.03.2019Facebook HoldNeedham & Company, LLC
01.02.2019Facebook NeutralUBS AG
07.01.2019Facebook NeutralNomura
26.11.2018Facebook HaltenDZ BANK
26.07.2018Facebook NeutralUBS AG
31.01.2019Facebook SellPivotal Research Group
31.10.2018Facebook SellPivotal Research Group
12.10.2018Facebook SellPivotal Research Group
06.07.2018Facebook SellSociété Générale Group S.A. (SG)
02.04.2018Facebook SellPivotal Research Group

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Facebook Inc. nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen

Devisenkurse

NameKurs+/-%
Dollarkurs1,11720,0046
0,42
Japanischer Yen121,03000,1500
0,12
Pfundkurs0,8621-0,0012
-0,14
Schweizer Franken1,09960,0007
0,06
Russischer Rubel71,2425-0,1085
-0,15
Bitcoin7121,4902-16,7100
-0,23
Chinesischer Yuan7,91100,0374
0,48

Heute im Fokus

DAX geht leicht schwächer ins Wochenende -- Wall Street letztlich tiefer -- ams plant neue Offerte für OSRAM -- Führungswechsel bei Ceconomy -- Coca-Cola, Munich Re, Lufthansa, Renault im Fokus

Wirecard bestellt offenbar Sonderprüfer. METRO-Großaktionär steigt bei Prosieben ein. Co-Chef von Software-Konzern Oracle gestorben. Russland könnte Uniper/Fortum anscheinend noch 2019 prüfen. Ufo sagt Warnstreik bei Lufthansa kurzfristig ab - Lufthansa erhöht Gehälter freiwillig. EU-Rat ernennt Christine Lagarde zur EZB-Präsidentin. Anheuser-Busch beschuldigt Konkurrenten des Rezeptur-Diebstahls.
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Umfrage

Die Bundesregierung erlaubt anscheinend Huawei-Technik bei Aufbau des 5G-Netzes. Was halten Sie davon?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
Deutsche Bank AG514000
Microsoft Corp.870747
Daimler AG710000
Amazon906866
Apple Inc.865985
Ballard Power Inc.A0RENB
NEL ASAA0B733
Allianz840400
Scout24 AGA12DM8
Deutsche Telekom AG555750
TeslaA1CX3T
BASFBASF11
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
PowerCell Sweden ABA14TK6