aktualisiert: 27.02.2013 21:49

Auf der Suche nach der Gewinnformel: Alle Kursziele für den DAX

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Für die 30 Aktien des DAX gibt es mehr als 1.000 Empfehlungen. €uro am Sonntag hat sie alle ausgewertet. Und dabei wissenswerte Trends entdeckt.
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€uro am Sonntag
von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Der Winter lässt nicht locker. Eis und Schnee haben weite Teile Deutschlands auch Ende Februar fest im Griff. Das ist eine gute Nachricht für K + S. Auftausalze sind im ersten Quartal des Jahres einer der wichtigsten Umsatzbringer des vor allem als Hersteller von Düngemitteln bekannten Konzerns. Auf dem Börsenparkett hat die Aktie eine schmerzhafte Rutschpartie hingelegt — K + S gehört über die vergangenen zwölf Monate zu den schlechtesten Werten im DAX.

Nach Ansicht der DZ Bank sollte der Negativtrend bald vorbei sein. 58 Euro haben die Genossenschaftler als Kursziel errechnet. Das entspräche vom aktuellen Stand aus einem Kursgewinn von fast 70 Prozent. Keine Analystenstudie traut einem DAX-Wert mehr Potenzial zu. Das zeigt eine Untersuchung von €uro am Sonntag. Die Redaktion hat auf Basis von Daten des Finanzdienstes Bloomberg alle Einschätzungen von Analysten zu den 30 größten deutschen Aktien ausgewertet. Insgesamt waren das 1.148 Studien.

Was als Erstes auffällt: Analysten beurteilen die Mehrheit der DAX-Aktien optimistisch, aber nicht euphorisch. Im Schnitt liegen die Kursziele rund sieben Prozent über dem aktuellen Kursniveau der einzelnen Indexmitglieder. 46 Prozent der Analysen raten zum Kauf eines Wert­papiers, 18 kommen zum entgegen­gesetzten Urteil.

Verhalten optimistisch
Damit widerlegen die Fakten das verbreitete Vorurteil, dass Analysten chronisch optimistisch seien. Dass es mehr Kaufempfehlungen als Warnungen gibt, ist plausibel, weil Banken und Investmenthäuser vor allem jene Unternehmen verfolgen, von denen sie grundsätzlich eine positive Meinung haben, während andere Titel oft ignoriert werden.

Anleger sollten Analystenmeinungen dennoch mit Vorsicht genießen: Ein Blick ausschließlich auf die Kursziele kann in die Irre führen.
Analysten berechnen diese Marken anhand oft komplizierter Rechenmodelle, sie sind aber zugleich flexibel. Wird beispielsweise die dem Modell zugrunde liegende Schätzung für den Jahresgewinn des Unternehmens angehoben, steigt auch das Kursziel. Fällt hingegen eine Aktie, zögern Analysten oft, ihre Kursziele nach unten zu korrigieren. Deshalb sind Aktien mit einer schwachen Kursentwicklung meist am weitesten von den Kurszielen entfernt — wie etwa K + S oder der Versorger RWE.

Mehr Aussagekraft haben die ­konkreten Empfehlungen. Zwar sind auch die Finanzprofis der Banken und Investmenthäuser keine Hell­seher. Ihre Einschätzungen haben aber allein deshalb Gewicht, weil sich viele Investoren an diesen Studien orientieren.

Alle fahren auf VW ab
Anhand der aktuellen Daten ergeben sich klare Favoriten: Den mit Abstand höchsten Anteil an Kaufempfehlungen gibt es für die Papiere von Volkswagen und Allianz. Rund drei Viertel der Profis bewerten diese beiden Werte positiv. Fresenius, SAP, und Continental kommen auf einen Anteil positiver Bewertungen von mehr als 60 Prozent — was deutlich über dem Durchschnitt liegt.

Einen schweren Stand haben RWE, Eon, Commerzbank und Merck. Diese Unternehmen werden von weniger als 20 Prozent der Analysten zum Kauf empfohlen.

Generell fällt auf, dass die Börsenprofis im DAX derzeit bevorzugt auf zyklische, also relativ stark von den Schwankungen der Weltkonjunktur abhängige Werte setzen. Auch innerhalb der Branchen gibt es klare Favoriten: Bei den Autowerten rangieren Volkswagen und BMW in der Gunst der Profis deutlich vor Daimler. Bei den Finanzwerten liegt der Anteil der Kaufempfehlungen — mit Ausnahme der Allianz — weit unter 50 Prozent. Noch unbeliebter als die Geldbranche sind mit Eon und RWE nur noch die Versorger.

Wie verlässlich aber sind die Prog­nosen der Profis?
Vor zweieinhalb Jahren hat €uro am Sonntag die Einschätzungen zuletzt ausgewertet. Rückblickend hat sich gezeigt, dass die Tendenz der Empfehlungen stimmte: Den höchsten Anteil an Kaufempfehlungen gab es damals für Fresenius, HeidelbergCement, ThyssenKrupp, Deutsche Post und Volkswagen. Ein Portfolio aus diesen fünf Titeln hätte bis heute einen Kursgewinn von knapp über 50 Prozent erzielt — der DAX schaffte im selben Zeitraum rund 29 Prozent. Die Analystenlieblinge haben den Index also um mehr als 21 Prozentpunkte geschlagen.

Volkswagen war als bester DAX-Wert mit 131 Prozent Kursplus ein klarer Volltreffer unter den Favoriten der Experten. Auch Fresenius, HeidelbergCement und die Deutsche Post sind besser als der DAX gelaufen. Nur ThyssenKrupp liegt mit minus 22 Prozent im roten Bereich. Nicht gelohnt hätte es sich hingegen, stur auf die von den Analysten verschmähten Titel zu setzen. Zwar ist es an der Börse durchaus richtig, die Mehrheitsmeinung kritisch zu hinterfragen. Wenn die Kurse aber auf breiter Front steigen, ist es offenbar sinnvoll, mit dem Strom zu schwimmen.

Die fünf Aktien, die bei unserem letzten Analystencheck prozentual die wenigsten Kaufempfehlungen vorweisen konnten — darunter die chronischen Problemfälle Commerzbank und Deutsche Telekom —, haben lediglich unter Einberechnung der Dividende einen kleinen Wertzuwachs von weniger als einem Prozent erreicht.
Alle Kursziele fuer den DAX (pdf)

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