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08.07.2016 22:08

Nach dem Brexit-Schock: Das raten die Profis jetzt!

Euro am Sonntag-Titel: Nach dem Brexit-Schock: Das raten die Profis jetzt! | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Titel
Folgen
Der Brexit hat die Aktienmärkte erschüttert. Die Kurse aber haben sich schnell wieder gefangen. Was die Börsen bis Ende des Jahres sonst noch bewegen wird.
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€uro am Sonntag
von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Erst mal kräftig durchatmen. Nach dem Brexit-Schock und turbulenten Handelstagen an den Börsen mit massiven Kursbewegungen justieren die Börsenprofis jetzt ihre Strategien.


Die wichtigste Erkenntnis: Die Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen, ist keine ­Katastrophe für die Aktienmärkte. Vergleiche mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman, der die Weltwirtschaft 2008 in eine tiefe Rezession stürzte, sind übertrieben.


Das wichtigste Argument für Aktien bleibt bestehen: Weil solide Anleihen angesichts niedriger Zinsen keine Rendite abwerfen, flüchten Investoren in den Aktienmarkt. Darum dürften Kursrückschläge auch künftig Kaufgelegenheiten bringen. Börsenprofis rechnen für die zweite Jahreshälfte mit steigenden Notierungen. Das zeigt eine Blitz­umfrage der Redaktion unter Banken und Investmenthäusern. Im Schnitt ­sehen die Strategen den Deutschen ­Aktienindex zum Jahresende bei 10.331 Punkten. Damit wäre der DAX ein attraktives Investment. Die einzelnen Kursziele für den DAX bewegen sich in einer Bandbreite von 9.200 und 11.500 Punkten.

Ein neues Schreckgespenst

Der Rückzug der Briten aus Europa wird dennoch Spuren hinterlassen. "Die generelle Unsicherheit angesichts der Brexit-Folgen wird auf absehbare Zeit bleiben", kalkuliert die Berenberg Bank. So dürfte Großbritannien im zweiten Halbjahr in eine Rezession stürzen. Dadurch wird auch die Wirtschaft im übrigen Europa an Fahrt verlieren. Schwerer zu fassen sind die politischen Folgeschäden. Völlig unklar ist bislang, wie Großbritannien die komplexen Verbindungen zur EU konkret auflösen will. Eine schmutzige Scheidung könnte die Finanzmärkte erneut aufschrecken.

Auch ein ganz anderes Szenario erscheint plötzlich realistischer: Donald Trump als neuer US-Präsident. Der Wahlkampf des rüpelhaften Milliardärs setzt auf ähnliche Emotionen wie die Brexit-Kampagne. Das Analysehaus Moody’s kalkuliert, dass Trump als Präsident die USA in eine Rezession treiben könnte, etwa durch einen Handelskrieg mit China und Mexiko. Derzeit liegt in den Umfragen Hillary Clinton vorn, das Rennen könnte aber bis zum Wahltag Anfang November eng bleiben.


Angesichts der vielen Unsicherheiten erwarten die meisten Börsenprofis weitere unruhige Tage an den Aktienmärkten. Das Bankhaus Lampe sieht den DAX in einem breiten Korridor zwischen 8.200 und 11.200 Punkten. Bei der Aktienauswahl haben die Profis klare Favoriten: Unternehmen aus defensiven Bereichen der Wirtschaft. Die Deutsche Bank beispielsweise hat die Branchen Basiskonsum und Gesundheitswesen auf dem Zettel. Auch Nahrungsmittelhersteller gehören in diese Kategorie. Diese Unternehmen verdienen unabhängig von der Wirtschaftslage Geld und sind daher auch in schlechten Zeiten in der Lage, Dividenden auszuschütten. Die Deka Bank sieht zudem international ausgerichtete Konzerne in einer besseren Position als lokal agierende. Amerikanische Unternehmen könnten in unruhigen Zeiten von ihrem Status als "sichere Häfen" profitieren.

Diesen Status hat auch Gold. Die inoffizielle Krisenwährung hat im ersten Halbjahr deutlich zugelegt - und damit nach Einschätzung der Strategen ihr ­Potenzial noch nicht ausgereizt. Beim Ölpreis und beim Euro sehen die Profis keine starken Ausschläge in der zweiten Jahreshälfte.

Ausblick 2016: Die Prognosen der Banken (PDF)

Konkrete Anlageempfehlungen für die wichtigsten Anlageklassen im zweiten Halbjahr stellt die Redaktion nachfolgend vor.

Auf der nächsten Seite finden Sie deutsche Aktien

Deutsche Aktien
Starke Gegensätze

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Ein einsamer Sieger: Adidas war im ersten Halbjahr die mit Abstand beste Aktie im DAX. Der Sportartikelkonzern hat zweimal seine Gewinnprognose angehoben. Das Geschäft in China wächst weiterhin deutlich. Auch in den USA konnten die Franken Boden gutmachen. Adidas ist damit eines der wenigen Unternehmen, dem die Krisenherde der Welt nichts anhaben können.

Der zweite Topwert des Halbjahres ist der Energiekonzern RWE, der sich nach Jahren des Niedergangs stabilisiert. Der Immobilienkonzern Vonovia wiederum profitiert vom niedrigen Zinsniveau, durch das der Konzern seine Bestände billig finanzieren kann.

Prominent besetzt ist die Liste der DAX-Verlierer aus dem ersten Halbjahr. Brutal unter die Räder gekommen sind Finanzwerte und Auto­aktien. Die Deutsche Bank notiert sogar tiefer als während der Lehman-Krise 2008/2009. Die Finanzbranche leidet unter niedrigen Zinsen und strengerer Regulierung.

Auch die Automobilindustrie steht vor hartnäckigen Problemen. In China, einem der wichtigsten Absatzmärkte, kühlt die Wirtschaft ab. Leute kaufen zwar weiterhin Turnschuhe, sind bei teuren Anschaffungen aber zurückhaltend. Hinzu kommt der Volkswagen-Abgasskandal, der zu schärferen Regulierungen führen dürfte, und die bislang noch abstrakte Bedrohung durch die Autoprojekte amerikanischer Techkonzerne wie Apple.

Wie groß das Misstrauen der Anleger gegenüber den Autokonzernen ist, lässt sich am Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien ablesen: Bei BMW und Daimler liegt das KGV auf Basis der Analystenschätzungen rund 30  Prozent unter dem Schnitt der letzten zehn Jahre. Auch die Dividendenrenditen - rund sechs Prozent bei Daimler, etwa fünf Prozent bei der BMW-Stammaktie - sind extrem. Offenbar gehen viele Investoren davon aus, dass die Analysten in Bezug auf Gewinn und Dividende der Autokonzerne zu optimistisch sind.

Die richtige Mischung

Die Kehrseite der Autowerte sind die defensiven Branchen. Das KGV von Adidas liegt mehr als 70  Pro­zent über dem langjährigen Durchschnitt. Die Aktie ist also teuer, selbst wenn man davon ausgeht, dass der Konzern seine Margen deutlich steigern wird.

Der Konsumgüterhersteller Henkel, ebenfalls einer der Topwerte aus dem ersten Halbjahr, wird mit einem Aufschlag von 30 Prozent zum historischen Mittelwert gehandelt. Das ist zum Teil gerechtfertigt, weil Henkel seine Marge über die vergangenen Jahre deutlich verbessert hat. Trotzdem ist Henkel auf aktuellem Niveau kein Schnäppchen.

Billig und riskant - oder teuer und zuverlässig. Das sind die Extreme, zwischen denen sich die Aktienmärkte derzeit bewegen. Für kurzfristig orientierte Trader ist der Weg klar. In Erholungsphasen setzen sie auf die besonders stark schwankenden Titel. Wer Rückschläge im Zuge der Brexit-Angst für langfristige Investments nutzen will, sollte auf eine Mischung von Bewertung und Substanz schauen.

Fresenius ist ein stetig wachsender Gesundheitskonzern, der von der zunehmenden Alterung der ­Gesellschaft profitiert. Vonovia ist quasi die Immobilie für Aktionäre. Wer eine hohe Dividendenrendite sucht, setzt auf die Allianz. Die Aktie notiert knapp über dem wichtigen Widerstand bei 120 Euro.

Unter den großen Nebenwerten bieten Gerresheimer, ein Hersteller von Verpackungen für die Pharma­industrie, und der Aromenher­steller Symrise defensives Wachstum. Adidas bleibt langfristig interessant, die Aktie aber braucht erst einmal eine Verschnaufpause.

Fünf starke Aktien aus Deutschland (PDF)

Top-Flop* in Deutschland

DAX
Adidas +45,0 %
RWE +21,2 %
Vonovia +18,3 %
Henkel +7,7 %
Eon +6,9 %

Deutsche Bank -45,3 %
Commerzbank -37,7 %
BMW -29,7 %
Daimler -27,3 %
Lufthansa -25,0 %

MDAX
Hochtief +37,2 %
Kuka +28,8 %
Stada +24,4 %
Osram +22,7 %
Dt. Wohnen +21,4 %

Bilfinger -39,4 %
Zalando -34,9 %
Leoni -30,3 %
Hugo Boss -29,2 %
Ströer -27,6 %

SDAX
Koenig & Bauer +38,9 %
Grammer +35,7 %
ADO Properties +32,0 %
Kloeckner & Co +23,3 %
CEWE Stiftung +23,3 %

Ferratum -38,4 %
SGL Carbon -24,0 %
Capital Stage -23,0 %
ElringKlinger -22,9 %
Patrizia Immobilien -20,1 %

TECDAX
Aixtron +32,3 %
Carl Zeiss Meditec +29,3 %
SLM Solutions +23,2 %
Software AG +17,5 %
Compugroup Medical +11,9 %

GFT Technologies -42,5 %
Siltronic -35,8 %
Morphosys -35,3 %
Adva Optical -31,0 %
United Internet -25,8 %
* Performane erstes Halbjahr

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Internationale Aktien
Zuverlässige Lieferanten

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Bei Aktien denken die meisten Leute an Kursgewinne. Aktien können aber auch eine regelmäßige Einnahmequelle sein. Viele Unternehmen schütten jedes Jahr ­einen Teil ihres Bilanzgewinns an die Anleger aus - die Dividende. Im Idealfall steigt diese Bargeldzahlung kontinuierlich an. Dividendenklassiker wie der amerikanische Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson schaffen das seit mehr als 50 Jahren.

Gemessen am Aktienkurs wirft Johnson & Johnson eine Dividendenrendite von rund 2,7 Prozent ab. Das ist nicht spektakulär. Attraktiv wird der Wert, wenn man ihn mit den ­Minirenditen am Anleihemarkt vergleicht. Eine zehnjährige amerikanische Staatsanleihe bringt derzeit knapp die Hälfte der Dividendenrendite von Johnson & Johnson. Da US-Unternehmen ihre Ausschüttungen über vier Zahltage im Jahr verteilen, hat der Anleger also einen zuverlässigen Geldfluss auf sein Konto.

Genau darauf haben es viele vermögende Investoren abgesehen, die früher Geld in den Anleihemarkt ­ gesteckt haben. Auf der Flucht vor den Minizinsen investieren sie jetzt in Unternehmen mit zuverlässiger Dividende.

Einige Dividendenklassiker gibt es bei den Nachbarn in der Schweiz. Der Nahrungsmittelhersteller Nestlé und die Pharma­konzerne Roche und Novartis sind fester Bestandteil europäischer Dividendenfonds. Ihre Rendite liegt derzeit bei rund 3,5 Prozent.

Auch eine andere Kennziffer steht bei Investoren derzeit hoch im Kurs: die Volatilität, also Schwankungsbreite einer Aktie. Der Anbieter ­iShares hat für einen Indexfonds (MSCI World Minimum Volatility) wenig schwankende Aktien gebündelt. Diese Titel, das hat die Brexit-­Krise bestätigt, fallen in Schocksituationen nicht so stark wie der Gesamtmarkt. Das schont die Nerven und bringt trotzdem langfristig Rendite. Die meisten der Titel des Indexfonds kommen aus den USA, etwa die Telekomkonzerne AT & T und Verizon oder die Konsumgüterkonzerne Procter & Gamble und General Mills. Diese Aktien sind wie alle defensiven Titel bereits gut gelaufen und damit nicht mehr billig. Die Sehnsucht der Investoren nach relativ sicheren Aktien aber spricht für weitere Kursgewinne in den defensiven Branchen.

Das Beste aus zwei Welten

Eine gute Mischung aus Defensive und Wachstum bieten die großen amerikanischen Technologiekonzerne. Wie unsere Umfrage zeigt, trauen die Profis dem US-Tech-Index Nasdaq 100 im zweiten Halbjahr relativ viel zu. Alphabet, vor allem für seine Suchmaschine Google bekannt, hat eine dominierende Marktstellung im Online-Werbegeschäft. Auch bei Facebook sehen wir Kursrückschläge als Kaufgelegenheit.

Die Sehnsucht vieler Investoren nach Sicherheit bietet Chancen für antizyklische Investoren. Die Aktie des irischen Billigfliegers Ryanair zum Beispiel ist in der Brexit-Panik unter Druck geraten. Die Airline erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr ein Viertel des Umsatzes in Großbritannien.

Konzernchef Michael O’Leary bestätigte in dieser Woche die Gewinnprognose, wollte eine spätere Kürzung aber nicht ausschließen. Wie die Brexit-Krise auf die Luftfahrtbranche wirkt, ist schwer vorherzusagen. Das niedrige Pfund könnte Urlauber nach England locken, aber auch Briten von Reisen abhalten. Sollten Firmen aus London abwandern, würden die Airlines Geschäftsreisende verlieren. Ryanair dürfte auf Veränderungen schneller und flexi­bler reagieren als die großen Airlines und darum wohl auch aus dieser Krise gestärkt hervorgehen.

Fünf starke internationale Investments (PDF)

Top-Flop* international
Stoxx 50
L’Oreal +12,9 %
Vinci +9,8 %
ENI +8,5 %
ASML Holding +8,5 %
Total +8,2 %

Unicredit -60,3 %
Deutsche Bank -45,3 %
Intesa Sanpaolo -41,3 %
Assicurazioni Generali -34,0 %
Societe Generale -30,1 %

SMI
SGS +20,4 %
Actelion +18,0 %
Geberit +10,7 %
Givaudan +10,4 %
ABB +6,5 %

Credit Suisse -50,0 %
UBS Group -32,9 %
Adecco Group -26,3 %
Cie Fin. Richemont -21,3 %
Julius Baer -18,1 %

Dow Jones
Verizon +22,5 %
Exxon Mobil +21,5 %
WalMart +20,6 %
United Health +20,6 %
Chevron +18,6 %

Goldman Sachs -17,7 %
American Express -13,2 %
Nike -11,7 %
Boeing -9,2 %
Apple -8,3 %

Nasdaq 100
Nvidia +43,0 %
Ulta Salon Cosmetics +31,2 %
Applied Materials +28,3 %
Symantec +23,1 %
Kraft Heinz +22,0 %

Endo International -74,3 %
Alexion Pharmaceut. -39,7 %
Regeneron Pharmac. -35,9 %
JD.com -35,3 %
American Airlines -33,9 %

* Performane erstes Halbjahr

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Anleihen
Minuszins

von Thomas Strohm, Euro am Sonntag

Höchstens einen weiteren Zinserhöhungsschritt der US-Notenbank, eventuell einen negativen Leitzins in der Eurozone - und Ende 2016 deutlich niedrigere Renditen für Bundesanleihen und US-Staatsanleihen als zum Jahreswechsel vorhergesagt. Die Unsicherheit nach dem Brexit-Entscheid hinterlässt tiefe Spuren in den Bankenprognosen.
Die meisten befragten Häuser erwarten, dass die EZB den Leitzins bei null belässt, nur das Bankhaus Lampe rechnet mit einem negativen Satz. In den USA hatte die Fed Ende 2015 die Leitzinsspanne auf 0,25 bis 0,50 Prozent erhöht; für 2016 hatten die meisten Analysten vor sechs Monaten mit mehreren weiteren Schritten gerechnet. Nach dem Briten-Votum und angesichts der US-Präsidentenwahl, in deren Umfeld sich die Fed stets zurückhält, erwartet nun eine Mehrheit bis Jahresende noch eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte.

Die Kurse der als sicher geltenden Staatsanleihen der USA und Deutschlands sind wegen der Unsicherheit in die Höhe geschnellt, im Gegenzug sind die Renditen ­gesunken. So sind Bundesanleihen vor dem Referendum erstmals kurz in negatives Terrain und nach dem Votum auf ein Allzeittief von minus 0,17 Prozent gesunken. Einige sehen die Rendite zehn Jahre laufender Bunds Ende 2016 negativ; im Schnitt erwarten die Banken, dass die Rendite auf 0,17 Prozent steigt. Ähnlich bei US-­Staats­anleihen, deren Rendite bei 1,40 Pro­zent steht; sie wird am Jahresende bei 1,68 Prozent gesehen.

Chancen bei Unternehmen

Angesichts von Rekordkursen und Negativrenditen zu stark auf solche Staatsanleihen zu setzen ist riskant. Aussichtsreicher ist der Ansatz des Kapital Plus: Der Fonds hält zu 70 Prozent Anleihen guter Schuldner aus der Eurozone und nutzt zu 30 Prozent Chancen bei Aktien. Nicht zuletzt, dass die EZB auch Unternehmensanleihen aufkauft, macht dieses Segment attraktiv; Anleger können hier mit einem iShares-ETF, der die von vielen skeptisch beäugten Bankbonds ausklammert, breit gestreut investieren. Etwas riskanter und renditeträchtiger sind Hochzinsanleihen, der Threadneedle-Fonds ist dafür eine gute Wahl.

Ausgewählte Anleihe-Investments (PDF)

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Euro
Abwertung

von Andreas Höß, Euro am Sonntag

Zum Jahreswechsel schien es einigen Banken wegen der er­warteten US-Zinserhöhungen noch absolut plausibel, dass der Euro bald auf Parität zum US-Dollar fallen würde. Damals kostete ein Euro 1,08 US-Dollar. Heute, sechs Monate und vier verschobene Zins­erhöhungen später, ist Europas Einheitswährung 1,11 Dollar wert. Der Euro hat zum US-Dollar also auf- statt abgewertet.

Erweisen sich die Prognosen als richtig, ändert sich der Trend nun und der Euro verliert im zweiten Halbjahr tatsächlich an Wert. Allerdings rechnen nur noch die Helaba mit einem Einbruch bis zur Parität. Im Schnitt halten die Auguren 1,08 US-Dollar je Euro für realistisch - trotz drohender Krise der EU. Diese dürfte zwar zusätzlich belasten, das Hauptargument für die Euroabwertung bleibt aber unverändert die auseinanderdriftende Geldpolitik. Während spekuliert wird, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldschleusen weiter öffnet, wird die US-Notenbank Fed trotz derzeitiger Brexit-­Unsicherheit an den Börsen die zweite Zinserhöhung seit der Finanzkrise nicht ewig aufschieben. Die Mehrzahl der Befragten rechnet mit einem weiteren US-­Zins­schritt in diesem Jahr.

Währungen über Bande spielen

Kurzfristig kann man mit Zertifikaten, die die Entwicklung des Devisenpaars Euro-Dollar gehebelt abbilden, auf einen schwächeren Euro wetten. Das ist riskant, aber möglicherweise lukrativ. Verliert der Euro wie erwartet rund drei Prozent zum Dollar, liefert das fünffach gehebelte Papier von ETF Securities rund 15 Prozent Gewinn. Kommt es anders, fallen hohe Verluste an. Weniger riskant ist die Variante, die den Euro-Dollar-Kurs ein zu eins nachbildet.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, mit dem derzeit starken Euro in US-Dollar notierte Anlagen wie US-Aktien, Anleihen oder Gold zu kaufen. So spielt man die Währungswette über Bande. Möglich ist das etwa mit einem ETF auf den US-Aktienindex S & P 500. Wertet der Euro tatsächlich zum US-Dollar ab, winken hier Währungsgewinne. Jedoch ist man zusätzlich dem Risiko der jeweiligen Anlageklasse - in diesem Fall des US-Aktienmarkts - ausgesetzt.

Ausgewählte Devisen-Investments (PDF)

Auf der nächsten Seite informieren wir Sie über Gold.

Gold
Stabilität

von Andreas Höß, Euro am Sonntag

Fast schon abgeschrieben, hat Gold zuletzt ein mehr als ordentliches Comeback hingelegt. Der Grund dafür lässt sich mit einem Wort umschreiben: Angst.

Der Börsencrash zu Jahresbeginn und das Brexit-Votum vor einer Woche sorgten für Panik und Unsicherheit. In beiden Fällen profitierte die Krisenwährung Gold kräftig, ihr Preis stieg seit Januar um ein Viertel auf 1.320 US-Dollar je Feinunze. In Euro gerechnet lag das Plus bei mehr als 20 Prozent. Laut den von €uro am Sonntag befragten Banken wird sich das Edelmetall in der zweiten Jahreshälfte zwar nicht mehr rasant verteuern, allerdings erwartet auch niemand einen Absturz. Im Schnitt rechnen die Analysten mit einem kleinen Plus auf 1.364 Dollar. Die niedrigste Preisprognose liegt bei 1.230, die höchste bei 1.500 Dollar.

Unsicherheit statt Panik

Denn obwohl die kurstreibende Panik vorbei sein dürfte: Unsicherheitsfaktoren, welche die Nervosität hoch und den Wert der Angstwährung stabil halten sollten, gibt es viele. Neben den Folgen des ­Brexit-Votums für Wirtschaft und ­Politik können das Zweifel an Konjunktur und Geldpolitik oder eine mögliche Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sein. Deutlich höhere Zinsen, die das Edelmetall gegenüber Anleihen oder Festgeld unattraktiv machen würden, sind zudem unwahrscheinlich.

Gold ist also als Sicherheitsbaustein des Portfolios nach wie vor sinnvoll. Experten raten zu einem Anteil von fünf bis zehn Prozent. Sehr sicherheitsbewusste Anleger erwerben diesen bei großen Händlern wie Degussa in Form von ­Barren oder Münzen, alle anderen können zu physisch besicherten Zertifikaten wie Xetra-Gold greifen, die den Goldpreis abbilden.

Wer weniger auf den Sicherheits­aspekt abhebt, sondern auf weiter steigende Notierungen wetten will, sollte zu einem Fonds wie dem Tocqueville Gold greifen, der in Aktien von Goldminen investiert. Deren Kurse profitierten zuletzt stark vom höheren Goldpreis, stürzten in der Vergangenheit aber regelmäßig ab. Einen Kompromiss bietet der M & W Privat Fonds: Dort steckt etwas über die Hälfte des Vermögens in Gold und Silber, der Rest in Minenaktien.

Ausgewählte Gold-Investments (PDF)

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Öl
Seitwärtstrend

von Andreas Höß, Euro am Sonntag

Was für ein Ritt: Von Sommer 2014 bis Februar 2016 stürzte der Preis für ein Fass Nordseeöl (Brent) von 115 auf 27 US-Dollar ab. Dann kam die Wende. Der Ölpreis verdoppelte sich von Februar bis heute auf rund 50 Dollar. Selbst seit Januar gerechnet gehört Öl mit rund 30 Prozent Plus zu den Rohstoffen mit der höchsten Wertsteigerung.

Und jetzt? Ist die hauptsächlich von Saudi-Arabien verursachte Ölschwemme, die den Absturz ausgelöst hat, vorüber. Das sagte zumindest der saudische Ölminister vor wenigen Tagen. Die von €uro am Sonntag befragten Banken überzeugt das jedoch nicht. Sie rechnen weiter mit hohen Fördermengen. Nach dem jüngsten Anstieg erwarten sie, dass der Ölpreis bis Dezember um 50 Dollar sta­gnieren wird. Denn während Ölkonzerne ihre Investitionen zusammenstreichen und vor allem in den USA die Zahl neuer Bohrlöcher drastisch sinkt, wollen die Saudis die Förderung entgegen ­aller Aussagen über das Ende des Überangebots eher ausweiten als kürzen. Und wegen des niedrigen, aber stabilen Wachstums der Weltwirtschaft wird es auch bei der Nachfrage kaum überraschende Sprünge geben.

Eher eine Langfristchance

Für Anleger verheißt das un­spektakuläre Monate. Selbst Zertifikate, die auf solche Seitwärtstrends setzen, sind nicht empfehlenswert. Sie beruhen auf Terminkontrakten, und wegen einer speziellen Situation am Terminmarkt drohen Rollverluste.

Längerfristig sind die Aussichten aber gar nicht so schlecht. Mit 50 Dollar ist der Ölpreis sehr niedrig und sollte über kurz oder lang tendenziell steigen. Geduldige Anleger können sich deshalb zum Beispiel ein Papier ins Depot legen, das auf einen anziehenden Ölpreis setzt. Von höheren Notierungen bei Öl würden auch die Aktien von Ölkonzernen profitieren, deren Kurse deutlich niedriger sind als noch 2014. Ein guter Fonds für diese Papiere ist der KBC Equity Fund Oil, der breit streut und etwa die Aktien von Exxon oder Royal Dutch Shell im Depot hat. Letztere empfiehlt die Redaktion wegen der sehr hohen Dividendenrendite auch als Einzelinvestment.

Ausgewählte Öl-Investments (PDF)
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11.02.2020Ryanair UnderperformCredit Suisse Group
13.01.2020Ryanair UnderperformCredit Suisse Group
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