Finanzkrise

Commerzbank: Die Rückkehr der ABS-Zombies

07.05.11 09:00 Uhr

Banken verdienen mit toxischen Wertpapieren wieder Geld. Commerzbank schöpft Milliardengewinn aus interner Bad Bank.

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von W. Ehrensberger, €uro am Sonntag

Sie waren der Schrecken der ­Finanzkrise und sorgten für horrende Verluste bei den Banken: sogenannte ABS-Papiere, gebündelte, kaum durchschaubare Kreditverbriefungen, deren Wert als Folge der Krise völlig in den Keller ging. Viele Institute wie Commerzbank, Bayern LB oder West LB mussten Milliardenportfolios derartiger Papiere in Restrukturierungsein­heiten (Bad Banks) ausgliedern, um ihre eigene Existenz nicht aufs Spiel zu setzen.

Für die Banken erweisen sich die vermeintlichen Verbriefungsleichen jetzt als gewinnträchtige Wiedergänger. So erzielte die Commerzbank in ihrer Portfolio Restructuring Unit (PRU) im vergangenen Jahr bereits wieder einen Gewinn von 675 Mil­lionen Euro nach einem Verlust von 1,46 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Bereich zählt nicht mehr zum ­eigentlichen Geschäft der Bank, ist aber derzeit nach dem milliardenschweren Mittelstandsgeschäft zweitgrößter Ergebnisträger des Instituts. Die Privatkunden­sparte trug dagegen im vergangenen Jahr gerade mal 48 Millionen Euro zum Commerzbank-Ergebnis bei.

„Wir haben beim wertmaximierenden Abbau der PRU-Portfolios große Erfolge erzielt“, freut sich die Bank. Zum einen konnten ABS-Papiere gewinnbringend ver­kauft werden, zum anderen haben die verbliebenen Papiere an Wert zugelegt. Für 2011 wird erneut ein dreistelliger Millionengewinn erwartet, sodass die Bank kumuliert einen Milliardengewinn aus dem vermeintlichen Schrott­portfolio schöpfen kann.

„In der Tat profitieren die Abwicklungseinheiten der Banken jetzt generell von der überraschend starken Konjunkturerholung und den Wertzuwächsen in ihren kritischen ABS-Portfolios“, sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analyseinstitut Fairesearch. „Vielfach sind die Abschreibungen höher ausgefallen als der tatsächlich eingetretene Wertverlust. Allerdings muss man bei den einzelnen Häusern stark differenzieren, denn die Portfolios setzen sich von Bank zu Bank unterschiedlich zusammen, und auch die Abschreibungspraxis weicht stark ab.“


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Auch die Bayern LB erzielte im vergangenen Jahr in ihrer Restrukturierungseinheit ein positives Vorsteuerergebnis von 128 (Vorjahr: 110) Millionen Euro. Anders als bei der Commerzbank gehen diese Gewinne nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung ein. Dies verhindert der staatlich getragene Risikoschirm, der die Restbank ursprünglich vor den drohenden Verlusten aus dem Giftschrank schützen sollte. „Natürlich registrieren wir Nachfrage nach ABS-Papieren“, sagt Bayern LB-Sprecher Matthias Lücke. „Es gibt Investoren, die da bewusst reingehen, sodass wir einen Preis erzielen, bei dem wir unsere Verluste minimieren oder sogar mit einem Gewinn rausgehen können.“

Und es ist entgegen allgemeiner Auffassung auch nicht alles Schrott, was in den Restrukturierungseinheiten der Banken liegt. So hat ein Fünftel der Bayern LB-ABS-Papiere ein „Triple A“-Rating, ein weiteres Viertel immer noch „AA“ oder „A“.

Sowohl Commerzbank als auch Bayern LB haben im Übrigen darauf verzichtet, eine staatliche Bad-Bank-Lösung in Anspruch zu nehmen, wie sie von der Regierung eigens über ein Bad-Bank-Gesetz geschaffen wurde. Im Nachhinein ein richtiger Schritt, denn nun haben sie die Verwertung selbst in der Hand.

Auch private Vermögensverwalter setzen inzwischen wieder auf ­diese Anlagekategorie. „Kein anderes Instrument hat sich aus der Krise heraus so deutlich erholt wie die ABS-Anlage“, sagt Michael Stegmüller vom bankenunabhängigen Vermögensverwalter Performance IMC. Laut Stegmüller warten Kreditverbriefungen inzwischen „jenseits der Wahrnehmungsschwelle“ wieder mit zweistelligen Renditen auf. Fondsmanager nutzten niedrige Ein­standspreise, um Kreditportfolios zu günstigen Bewertungen zu kaufen. Dass die Ratingagentur Moody’s für Kreditverbriefungen jetzt wieder die ursprünglich vor der Krise angewandte Ratingmethode anwenden will, lasse eine baldige Heraufstufung der meisten Kreditverbriefun­gen erwarten.

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