Gerresheimer-Aktie verliert 31 Prozent: Vorlage von Jahres- und Konzernabschluss 2025 verschoben

Gerresheimer wird die ursprünglich für den 26. Februar 2026 geplante Veröffentlichung des Jahres- und des Konzernabschlusses 2025 verschieben.
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Der Hersteller von Verpackungen aus Glas, Spezialglas und Kunststoffen für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie hat aufgrund interner Hinweise in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer weitere Untersuchungen durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Erfassung von Umsatzerlösen und Bilanzierung in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 beauftragt, teilte das Unternehmen mit.
Da die Untersuchungen derzeit noch andauerten, bestehe ein höherer zeitlicher Bedarf für die Erstellung und Prüfung des Jahres- und des Konzernabschlusses 2025 einschließlich der Korrektur der Vorjahreszahlen. Ein neuer Veröffentlichungstermin werde in Absprache mit dem Abschlussprüfer festgelegt.
Nach den bisherigen Erkenntnissen hätten einzelne Mitarbeitende gegen interne Richtlinien und IFRS-Regelungen verstoßen. Die daraus resultierenden Korrekturen im Konzernabschluss betreffen im Wesentlichen die Erfassung von Umsatzerlösen und die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten, heißt es weiter. Gerresheimer prüft weiter Ursachen und Verantwortlichkeiten und hat bereits erste personelle und organisatorische Konsequenzen gezogen.
Für das Geschäftsjahr 2024 geht Gerresheimer auf Basis der derzeitigen Erkenntnisse der Untersuchungen aktuell von einem zusätzlichen Korrekturbedarf aus. Dieser beträgt voraussichtlich rund 17 Millionen Euro bei den Umsatzerlösen und voraussichtlich rund 19 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA, darunter rund 4 Millionen Euro Ergebniseffekt aus der Bewertung von Vorräten. Inklusive der bereits angekündigten Korrekturen von Umsätzen aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen ergebe sich damit für die Zahlen des Geschäftsjahr 2024 aktuell ein Korrekturbedarf von voraussichtlich rund 35 Millionen Euro bei den Umsatzerlösen und voraussichtlich rund 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.
Dies habe Auswirkungen auf die im Oktober 2025 aktualisierte Prognose für das Geschäftsjahr 2025. Nach dem derzeitigen Stand der Abschlussarbeiten und unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der laufenden Untersuchungen werde der Umsatzrückgang 2025 voraussichtlich am oberen Ende der Prognosespanne von -4 bis -2 Prozent oder leicht besser ausfallen. Die bereinigte EBITDA-Marge werde im Geschäftsjahr 2025 voraussichtlich zwischen 16,5 und 17,5 Prozent liegen (zuvor 18,5 bis 19,0 Prozent). Der bereinigte Gewinn je Aktie werde voraussichtlich im hohen zweistelligen Prozentbereich zurückgehen und könne auch negativ werden (zuvor: Rückgang im mittleren zweistelligen Prozentbereich).
Nach den bislang vorliegenden Ergebnissen erwartet Gerresheimer im Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2025 nicht-zahlungswirksame Wertminderungen in Höhe von rund 220 bis 240 Millionen Euro. Im Wesentlichen handele es sich hierbei um Wertminderungen von Technologie- und Entwicklungsprojekten der Sensile Medical AG sowie unter anderem um Wertminderungen der Vermögenswerte der Gerresheimer Moulded Glass Chicago Inc. in den USA. Das Moulded-Glass-Werk in Chicago Heights werde als eine der Maßnahmen der Transformationsinitiative zum Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen.
Zur Optimierung der Kapital- und Finanzierungsstruktur hat der Konzern den Verkauf der 100-prozentigen Tochter Centor Inc., USA, initiiert und plant diesen noch in diesem Jahr abzuschließen. Auch die Separierung des Moulded-Glass-Geschäfts werde weiter vorangetrieben, der beabsichtigte anschließende Verkaufsprozess werde jedoch nicht im Geschäftsjahr 2026, sondern zu einem späteren Zeitpunkt initiiert werden, hieß es.
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Gerresheimer, trotz eines voraussichtlich schwächeren ersten Halbjahres, vor M&A-Aktivitäten Umsatzerlöse von rund 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 18 bis 19 Prozent sowie einen moderat positiven Free Cashflow.
Gerresheimer-Aktien brechen ein
Die Aktien von Gerresheimer standen am Mittwoch deutlich unter Druck und verloren im XETRA-Handel letztlich 31,36 Prozent auf 18,67 Euro. Der Weg des Spezialverpackungspartners der Pharmaindustrie führe von "schlecht über schlimmer zu noch schlimmer", schrieb JPMorgan-Experte David Adlington in seiner ersten Reaktion.
Am Dienstagabend hatten die Düsseldorfer die ursprünglich für den 26. Februar geplante Veröffentlichung des Jahres- und des Konzernabschlusses 2025 verschoben. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten einzelne Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und Bilanzierungsvorschriften verstoßen.
Die daraus resultierenden Korrekturen im Konzernabschluss betreffen demnach im Wesentlichen die Erfassung von Umsatzerlösen und die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Der Konzern prüfe weiter Ursachen und Verantwortlichkeiten und habe bereits erste personelle und organisatorische Konsequenzen gezogen. Zudem wurde eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Klärung beauftragt.
Auch rechnet das Unternehmen 2025 mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen in Höhe von 220 bis 240 Millionen Euro. Ursache sind vor allem Entwicklungen bei Sensile Medical in der Schweiz und Gerresheimer Moulded Glass Chicago in den USA.
Adlington sieht immense Unsicherheiten und stellte die Anleger daher bereits auf zweistellige Kursverluste ein.
Damit dürfte der seit November laufende Bodenbildungsversuch der Papiere erst einmal Geschichte sein. Denn der Kurs war 2025 massiv eingebrochen: Im Februar hatten Anleger noch rund 80 Euro je Papiere gezahlt, auch wegen Übernahmefantasie, die aber rasch wieder entwich. Im Juli erklärte der Konzern die Gespräche mit Finanzinvestoren über ein mögliches Übernahmeangebot für beendet. Hinzu kam eine träge Geschäftsentwicklung, das Unternehmen musste bei den Geschäftszielen zurückrudern.
Und dann leitete auch noch die Finanzaufsicht Bafin eine Prüfung problematischer Buchungen im Konzernabschluss 2024 ein. Anleger hatten dann aber eigentlich gehofft, dass das Thema vorbei sei, nachdem Gerresheimer von einer wahrscheinlichen Fehlbuchung eines niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrages berichtet hatte, was im Vergleich zum Konzernumsatz kaum ins Gewicht fällt.
Dow Jones und dpa (AFX)
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Bildquellen: Daniel Gebauer / Gerresheimer AG