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06.11.2019 20:00
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Dirk Müller: DAX, Dow und Co sind manipuliert

Interview exklusiv: Dirk Müller: DAX, Dow und Co sind manipuliert | Nachricht | finanzen.net
Interview exklusiv
Mr. DAX spricht im Interview über Wachstumssorgen, die Politik der Notenbanken und Gold als Anlageklasse.
von Benjamin Summa

Herr Müller, ein unter den Erwartungen ausgefallenes chinesisches Wirtschaftswachstum hat kürzlich die Sorgen um die Folgen des Handelsstreits und um den Zustand der Weltwirtschaft insgesamt angeheizt. Wie ist Ihre Lesart hierzu?
Das schwache chinesische Wachstum hat nicht wirklich überrascht - der Handelskrieg zwischen China und den USA schlägt voll durch. Die offiziellen Zahlen der chinesischen Wirtschaft haben noch nie die Realität abgebildet und ich glaube, dass man auch jetzt die Zahlen noch weiter im eigenen Geiste nach unten korrigieren muss. Die derzeitige chinesische Regierung setzt auf volle Konfrontation, sie ist überhaupt nicht mehr bereit, sich den USA unterzuordnen. Amerikanische Unternehmen wie Apple, Google, Amazon und Facebook bekommen in China keinen Fuß auf den Boden. Das ist den Amerikanern natürlich ein Dorn im Auge.

Auch hierzulande gehen die Wachstumserwartungen deutlich nach unten: Glauben Sie, dass Deutschland mit einer leichten Eintrübung davonkommt oder könnte auch eine dramatischere Entwicklung eintreten - die Rezession von 2008 ließe grüßen?
Durch den immensen Druck, der vonseiten der USA auf China ausgeübt wird, nimmt die gesamte europäische Wirtschaft Schaden; insbesondere Deutschland ist stark betroffen. Denn nur wenige Länder weltweit sind so stark exportorientiert wie wir. Besonders unsere Kernindustrie, die Automobilwirtschaft, ist sehr stark von der Entwicklung in China abhängig. Und an dem Automobilbau hängen andere wichtige Industriezweige wie der Maschinenbau und die Chemieindustrie. Ich habe leider den Eindruck, dass die deutsche Politik diese Gefahr noch völlig unterschätzt.

Fast täglich ist in den Medien von globalen Rezessionsängsten und geopolitischen Spannungen zu hören. Haben Sie eine Erklärung, warum die US-Börsen trotzdem nahe ihrer Allzeithochs notieren?
Wir haben eine massive Beeinflussung der Aktienmärkte, einerseits durch Notenbanken, die durch ihre Geldpolitik alle Marktmechanismen der Vergangenheit außer Kraft gesetzt haben. Aufgrund der Negativzinsen lohnen sich schon geringe Aktienrenditen - die Risiken werden dabei völlig ausgeblendet. Das Gros der Anleger vertraut darauf, dass auch künftig alle Risiken von den Notenbanken abgefedert werden.
Zum Zweiten sahen wir in den vergangenen Monaten massiv manipulierte Märkte durch die direkte Einflussnahme des amerikanischen Präsidenten, der mit seinen Tweets die Aktienmärkte immer dann stabilisiert, wenn sie wieder unter Druck geraten. Trump hat ein maximales Interesse an hohen Aktienmärkten, weil sie seine wirtschaftliche Kompetenz untermauern und seine Wiederwahl absichern sollen.

Im September hat die Europäische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik noch einmal verschärft, die Zinsen bleiben voraussichtlich noch viele Jahre niedrig. Können Sie bitte unseren Zuschauern verdeutlichen, welche Auswirkungen dies konkret für sie hat und welche Schlüsse sie für ihre eigene Geldanlage daraus ziehen sollten?
Die Politik der Notenbanken, insbesondere der EZB, ist auf eine weitere Flutung der Märkte mit Geld ausgelegt. Man muss künftig mit noch verrückteren Maßnahmen rechnen: Die EZB wird weiterhin Anleihen, auch Unternehmensanleihen, aufkaufen. Dies würde eine Verzerrung der Realität zugunsten großer Konzerne darstellen, die Unternehmensanleihen ausgeben und sich zu Nullzinsen oder sogar Negativzinsen refinanzieren könnten. Künftig könnten Notenbanken auch dazu übergehen, Aktien zu kaufen oder den Bürgern direkt Geld zur Verfügung zu stellen.
Fest steht eines: Die Anleger müssen sich bis auf Weiteres von steigenden Realzinsen verabschieden - wer auf Geldwerten sitzt, der wird einen deutlichen Vermögensverlust erleiden. Selbst wenn die Zinsen ansteigen sollten, dann höchstens im Rahmen einer stärkeren Inflation - und dann haben wir immer noch negative Realzinsen. Die Kaufkraft wird also weiter sinken. Anleger müssen sich nach Alternativen umschauen und diese sehe ich in erster Linie bei Sachwerten.

Bargeld ist die Fluchtmöglichkeit Nummer eins, um dem Angriff aufs eigene Vermögen über Negativzinsen zu entgehen. Der 500-Euro-Schein wurde bereits abgeschafft. Können Sie sich weitere Maßnahmen vorstellen - beispielsweise die Entrichtung eines Sonderaufschlages, wenn Einkäufe in bar bezahlt werden?
Von einem Bargeldverbot sind wir weit entfernt, aber ich bin mir sehr sicher, dass das Bargeld in den kommenden Jahren seine Bedeutung verlieren und Stück für Stück aus dem öffentlichen Raum verschwinden wird. Mittelfristig werden wir dann vollkommen staatlich kontrollierte digitale Währungen haben, die alle Zahlungsströme der Bürger vollumfänglich registrieren und lebenszeitlich speichern. In der Folge wären dann viel höhere Negativzinsen möglich als heute.

Christine Lagarde ist kürzlich von den EU-Staaten offiziell als Nachfolgerin von Mario Draghi bestätigt worden. Was erwarten Sie sich von der ehemaligen IWF-Chefin auf dem Chefsessel der EZB - geldpolitische Normalität kann es wohl nicht sein …
Nein, sicher nicht. Christine Lagarde wird die Politik Mario Draghis weiterführen, das zeigen ihre Aussagen der vergangenen Jahre sehr klar. Sie ist mehr "politische Person" als Ökonomin und sie wird alles tun, was aus ihrer Sicht notwendig ist, um die politischen Ziele zu erreichen.

Die Zinslosigkeit von Gold ist angesichts der Negativzinsen quasi vom Nachteil zum Vorteil geworden. Wie schätzen Sie die Entwicklungsmöglichkeiten des gelben Edelmetalls ein?
Früher wurde tatsächlich gern gesagt: "Gold bringt keine Zinsen." Heute kann man im Brustton der Überzeugung sagen: "Aber es kostet auch keine Zinsen." Der Negativzins hilft Gold natürlich. Und wir sehen, dass immer mehr Anleger sich auf Gold einstellen. Die weltweiten Notenbanken besitzen hohe Goldreserven, viele bauen diese sogar aus. Die US-Notenbank hält 75 Prozent ihrer Währungsreserven in Gold. Das alles zeigt, dass Gold kein Relikt aus der Vergangenheit ist, sondern im Gegenteil eine hohe Relevanz in der Gegenwart und Zukunft hat.

Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.









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Bildquellen: Dirk Müller

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