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aktualisiert: 17.01.2011 09:04

Fondsprofi Matthews: Kaufen an verregneten Tagen

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Vor 30 Jahren hat sich Fondsmanager Jeff Matthews an einer Ölaktienblase die Finger verbrannt. Seitdem schwimmt er konsequent gegen den Strom – und hat ein großes Vorbild: den Value-Investor Warren Buffett.
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€uro am Sonntag
von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Als junger Analyst setzte Jeff Matthews auf den Ölboom. Er verlor 40 Prozent in nur zwei Stunden. Dann sah er Investorlegende Warren Buffett, der mit grauen Mäusen Killerrenditen erzielte. Fortan war er bekehrt.

€uro am Sonntag: Wie schätzen Sie den Dow-Jones-Index ein, der seit seinem Tief schon 70 Prozent zugelegt hat? Besteht noch Potenzial?
Jeff Matthews:
Ich stimme Warren Buffett zu, wenn er sagt: Du sollst dich nicht auf den Markt als Ganzes konzentrieren, sondern nur auf die Unternehmen, die dir gehören. Ich weiß nicht, was das faire Niveau für den Markt ist. Allein die Tatsache, dass die Börse seit zehn Jahren unverändert ist, deutet darauf hin, dass die nächsten zehn Jahre besser aussehen könnten. Hätten sie die Leute vor zehn Jahren gefragt, wo der Markt in zehn Jahren steht, hätten sie geantwortet: 50 oder 100 Prozent höher. Nun kaufen die Leute Anleihen wie verrückt. Anleihen sind derzeit die dümmste Wette.

Warum?
Weil sie jeder kauft. Es herrscht gewaltiger Druck, in diesen Bereich zu investieren. Jedes Mal, wenn Druck entsteht, etwas Bestimmtes zu machen, dann wird es gefährlich. Ich fing 1979 als Ölanalyst bei Merrill Lynch an, während der Ölblase. Weil ich jung und unerfahren war, dachte ich, ich wüsste schon, was ich mache. Jeder glaubte es sei die Zeit, um Ölaktien zu kaufen, die ständig nach oben gingen. Als alles kollabierte, Silber, Gold, Öl und meine Aktien, verlor ich 40 Prozent in zwei Stunden. Das war meine große Lehre: Mach nie, was alle anderen machen.

An was orientierten Sie sich? Einer, der keine Verluste zu beklagen hatte, war ein Investor, der seinerzeit General Foods kaufte. Er riss sich neun Prozent des Nahrungsmittelherstellers unter den ­Nagel, als jeder Ölaktien kaufte. Die hätten ein großartiges Gut, es nenne sich Regalfläche, schwärmte dieser Typ damals. Diesen Vermögenswert Regalfläche werden sie immer haben, egal was passiert. Der Investor hieß Warren Buffett. Er erzielte eine Killerrendite, weil er das machte, wofür sich keiner interessierte.


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Glauben Sie, dass es jetzt wieder eine Goldblase gibt?
In einem Buch wird Gold schon bei 10 000 Dollar je Unze gesehen. Es gibt in der Tat etliche Warnsignale. Meine Intuition sagt mir: Ich investiere hier nicht. Ich frage mich andererseits, was könnte den Goldpreis nach unten treiben? Wenn Firmen zuversichtlicher werden, wenn die Arbeitslosigkeit sinkt, dann dürften die Leute erleichtert sein. Jeder hat doch diesen Gedanken im Kopf, dass die Arbeitslosigkeit hoch bleibt, alle sind pessimistisch. Es ist das Gleiche mit dem Gold. Jeder glaubt, es wird immer weiter steigen.

Die hohe Staatsverschuldung lässt sich nicht leugnen. Das schürt Inflationsängste. Was passiert, wenn die Inflation auf zehn oder zwölf Prozent schießt?
Das wäre sehr schlecht für den Markt. Aber wundern würde mich das nicht. Die Leute vergessen: 1972 hatten wir eine ähnliche Wirtschaftslage, noch ohne Inflation, aber jeder war besorgt. Die US-Notenbank Fed pumpte Geld in das ­System, versuchte, es zum Laufen zu bringen. Plötzlich kam die Inflation wie aus heiterem Himmel, der Markt stürzte ab. Das endete erst 1975. Ein kräftiger Anstieg in den Jobzahlen und eine steigende Inflation würden mich nicht wundern. Wenn dann aber die Leitzinsen steigen, sinken die Aktienkurse. Und wenn die Zinsen steigen, wird es auch teurer, Gold zu kaufen.

Welche Aktien halten Sie für attraktiv?
Es gibt ein paar interessante Technologiefirmen. Wir hatten mal ab einem gewissen Zeitpunkt Apple. Die Aktie ist nicht so teuer, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Ich glaube, dass sie vom iPad 100 Millionen Stück pro Jahr ver­kaufen können. Jetzt sind es vielleicht zehn oder 15 Millionen. Die Bilanz ist stark mit 30 Dollar Cash je Aktie. Wenn sie also 100 Millionen iPads pro Jahr verkaufen, hat das ein Gewinnpotenzial pro Aktie von rund 25 Dollar. Zurzeit verdient man 17 Dollar je Aktie. Ein Risiko ist jedoch, dass Googles Androidhandy gut läuft. Das ist der erste wirklich wichtige Konkurrent für das iPhone.

Welche Sektoren halten Sie noch für interessant?
Immobilienfirmen sind ein gutes Investment, vermutlich das beste, was man derzeit in den Vereinigten Staaten machen kann. Wenn ich Ausländer wäre, würde ich amerikanische Immobilien kaufen. Weil sie sehr günstig sind! Es gibt viele Verkäufer und wenige Käufer, die Finanzierungen sind günstig. Es werden auch kaum neue Häuser gebaut. Zudem bleiben wegen der Zwangsversteigerungen die Preise im Keller. Wenn all die Zwangsversteigerungen einmal abgearbeitet sind, in ein oder zwei Jahren, ziehen die Preise wieder an.

Was halten Sie von den Großbanken, die momentan sehr niedrig bewertet werden?
Wir besaßen Bank of America und JP Morgan, die wir während der Krise gekauft hatten, von denen wir uns aber vor einigen Monaten wieder getrennt haben. Es war ein guter Deal. Es hört sich etwas lustig an, aber ich tendiere dazu, Banken in Krisenphasen zu kaufen: Die Banken nehmen Abschreibungen vor, sie räumen ihre Bilanzen auf, gleichzeitig flutet die Notenbank die Märkte mit Geld. Es ist immer der gleiche Zyklus. Alle zehn Jahre kaufe ich ein paar Bankaktien, solche, die wirklich tief gefallen sind. Als die Bank of America Merrill Lynch übernommen hatte, dachte ich, sie haben Merrill Lynch praktisch geklaut, ich vermutete einen Superdeal dahinter. Daher das Interesse an Bank of America. JP Morgan kaufte ich, weil Jamie Dimon der beste Bankvorstand der Welt ist.

Gibt es spezielle Hausbaufirmen, die Ihnen gefallen?
Toll Brothers ist ziemlich gut aufgestellt, hat aber kein großartiges Geschäftsmodell, wie es Buffett lieben würde. Das Unternehmen generiert einfach nicht sehr viel Cash, weil es sein Geld vornehmlich in Grundstücke investiert.

Wie lang ist Ihr Anlagehorizont?
Wir sind Langfristanleger, suchen Aktien für eine lange Zeitspanne. Wir sind seit 17 Jahren im Geschäft. Es kann vorkommen, dass wir eine Aktie 14 Jahre halten.

Während der Krise waren Technologiefirmen am stabilsten, weil sie starke Bilanzen haben. Konzerne wie Microsoft oder Google horten jede Menge Cash. Was halten Sie davon?
Es ist immer gut, viel Cash zu haben. Während der Krise war das hilfreich. Ich sehe das nicht so kritisch wie die meisten Investoren, die Google oder Apple immer wieder deswegen attackieren. Microsoft hat ein sicheres Geschäftsmodell, sie brauchen die Barmittel nicht. Das Geld sollten sie den Aktionären zurückgeben, wenn sie es nicht besser reinvestieren können.

Und was ist bei Apple und Google anders?
Stellen Sie sich Folgendes vor: Was passiert, wenn eines Tages der Markt wegen eines Terroranschlags auf das Weiße Haus 3000 Punkte niedriger notiert? Und die Apple-Aktie stürzt von 300 auf 100 Dollar ab? Was wäre, wenn Apple in diesem Moment sehr viele eigene Aktien zurückkaufen würde? Warum also nicht das Geld für einen verregneten Tag aufheben? Apple und Google haben sehr gute Arbeit ge­leistet. Sie erzielen eine hohe Rendite auf Ihre Investments. Ich glaube: Wenn Steve Jobs der Meinung ist, dass es gut ist, 30 Milliarden Dollar in cash vorzuhalten, dann ist das die richtige Entscheidung. Er macht einen exzellenten Job. Eventuell plant er einen Zukauf. Es gibt immer wieder Gerüchte um Adobe.

Was ist das Beeindruckendste an Warren Buffett?
Die Leute verstehen nicht, wie schlau er eigentlich ist. Die Entscheidung, Amerikas zweitgrößte Eisenbahngesellschaft Burlington Northern zu kaufen, war brillant. Es war günstig. Zugegeben, er kaufte die Gesellschaft viele Jahre nach einer guten Geschäftsentwicklung. Aber Burlington zu dem Zeitpunkt zu kaufen, als die Menschen Sorgen um die Wirtschaft hatten und alle glaubten, es wäre albern, das war wirklich clever.

Jeff Matthews
Value-Investor

Nach schlechten Erfahrungen als Analyst bei Merrill Lynch in den 80er-Jahren wandte sich Jeff Matthews vom herrschenden Anlagestil an der Wall Street ab. 1994 gründete er in Grennwich/Connecticut, einem traditionellen Sitz New Yorker Banker und Manager, zusammen mit Partnern den Fonds Ram Partners. Aus zunächst fünf Millionen entwickelten sich bis heute fast 100 Millionen Dollar verwaltetes Vermögen.

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