Nach Kursbeben bei Software-Aktien: Deutsche Bank warnt vor Klumpenrisiko im Junk-Bond-Markt

Nach dem Kursrutsch bei Software-Aktien rückt nun der Kreditmarkt in den Fokus. Die Deutsche Bank warnt vor einem historischen Klumpenrisiko - und Folgen über einzelne Titel hinaus.
Werte in diesem Artikel
• Software und Tech vereinen rund 30 Prozent des spekulativen Kreditmarktes
• KI-Sorgen treffen auf hohe Verschuldung und steigende Zinsen
• Private Credit gilt als besonders anfällig bei steigenden Ausfällen
2026 ist bisher nicht das Jahr der Software-Aktien. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste und erschüttert den Sektor. Erst Anfang Februar brachten wachsende Sorgen über disruptive KI-Anwendungen Anleger in Panik.
Die Deutsche Bank zieht den Fokus nun auf den Kreditmarkt - und lässt vermuten, dass sich die jüngsten Turbulenzen nicht nur auf Kursschwankungen bei Einzelwerten beschränken, sondern größere Ausmaße annehmen könnte.
Deutsche Bank schlägt Alarm: Historisches Klumpenrisiko
Software- und Technologieunternehmen stehen laut Bloomberg für 597 Milliarden bzw. 681 Milliarden US-Dollar im spekulativen Kreditmarkt. Das sind etwa 14 und 16 Prozent - zusammen fast ein Drittel des Marktes für High-Yield-Anleihen, Leveraged Loans und US-Private-Credit-Finanzierungen.
Bloomberg zufolge warnen Deutsche-Bank-Analysten um Steve Caprio, ein hoher Anteil ausstehender Schulden könnte die Marktstimmung weiter drücken, wenn die Ausfälle im Softwaresektor zunehmen.
Die Deutsche Bank warnt, die Folgen könnten "mit denen des Energiesektors im Jahr 2016 konkurrieren". Anders als vor zehn Jahren würden sich die Spannungen zuerst im Bereich Private Credit zeigen, bevor der klassische High-Yield-Markt stärker reagiert. Schon die Größenordnung verdeutlicht, warum die Bank von einem historischen Klumpenrisiko spricht.
KI trifft auf hohe Verschuldung - zunehmender Druck im Kreditmarkt
"Ein Sturm hat den Kreditmarkt erschüttert", sagte Scott Macklin, der bei Obra Capital Inc. den Bereich Leveraged Finance verantwortet, in einem weiteren Bloomberg-Artikel. Ausgelöst wurde dieser "Sturm" durch eine Mischung aus hohem Emissionsvolumen und zunehmenden Zweifeln an der Zukunft von Software-Geschäftsmodellen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Folglich sanken die Werte einzelner Unternehmenskredite deutlich, da Investoren fürchten, leistungsfähige KI-Tools könnten klassische Softwareangebote teilweise verdrängen.
Zusätzlich verweist die Deutsche Bank, so Bloomberg, auf strukturelle Belastungsfaktoren: Seit der Zinswende 2022 stehen viele Unternehmen unter höherem Cashflow-Druck, während der Anteil sogenannter "Payment-in-Kind"-Kredite (PIK) im Softwarebereich mit 11,3 Prozent über dem Marktdurchschnitt liegt. "Die Realität hat sich im Vergleich zur Finanzierungsphase vieler dieser Firmen deutlich verändert", heißt es in der Analyse. Das SaaS-Wertschöpfungsmodell sei noch nicht reif genug, um einer schnellen KI-Einführung ohne Weiteres standzuhalten.
Refinanzierungsrisiken und anfällige Rating-Strukturen
Auch andere Institute warnen vor Risiken. Laut Reuters hebt die US-Investmentbank Morgan Stanley vor allem die Qualität der offenen Kredite im Software-Sektor hervor. Rund die Hälfte dieser Darlehen ist mit einem Rating von B- oder schlechter bewertet, 26 Prozent fallen sogar in den spekulativen CCC-Bereich.
Die meisten Emittenten sind privat und von Sponsoren gestützt. Das verringert die Transparenz für Investoren und erschwert es, mögliche KI-bedingte Umbrüche einzuschätzen. Zudem weist der Markt eine steile Fälligkeitsstruktur auf: Etwa 30 Prozent der ausstehenden Software-Kredite laufen bis 2028 aus - deutlich mehr als im Gesamtmarkt.
In einem pessimistischen Szenario könnten die Ausfallraten im US-Private-Credit-Markt laut Bloomberg-Bericht unter Berufung auf die UBS auf bis zu 13 Prozent klettern. Leveraged Loans und High-Yield-Anleihen müssten im schlimmsten Fall mit Raten von 8 beziehungsweise 4 Prozent rechnen. Die UBS betont jedoch, es sei noch zu früh, um den Zeitpunkt einer möglichen flächendeckenden Störung vorherzusagen.
Überreaktion oder strukturelle Neubewertung?
Trotz reißerischer Schlagzeilen zeigt sich die Lage differenziert. Laut Bloomberg betonen Marktteilnehmer, dass viele Softwarelösungen fest in Unternehmensprozesse eingebunden sind und sich nicht schnell austauschen lassen. "Die Unternehmen sind nicht kaputt", wird ein Restrukturierungsexperte zitiert, "es sind die Bilanzen, die zu stark belastet sind."
Auch Morgan Stanley rechnet kurzfristig nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Ausfälle, erwartet jedoch weiterhin schwankende Kreditpreise. Der jüngste Abverkauf könnte sowohl auf eine vorsichtige Neubewertung als auch auf eine teilweise Überreaktion hindeuten.
Klar ist jedoch: Sollte sich das Ausfallrisiko im Softwaresektor materialisieren, wäre die Wirkung aufgrund der hohen Konzentration im spekulativen Kreditmarkt spürbar. Die Aufmerksamkeit der Investoren dürfte sich damit zunehmend nicht nur auf Kurscharts, sondern auf die Stabilität der Kapitalstrukturen richten.
Redaktion finanzen.net
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