16.11.2010 06:00

Gewusst wie! Anlagerisiko von Aktien besser einschätzen

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Erfahrene Börsianer setzen bei der Aktienauswahl auf das Risikomaß Value at Risk. Und mutige Anleger nutzen die Kennziffer zur gezielten Spekulation.
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€uro am Sonntag
von Georg Pröbstl, Euro am Sonntag

Das Beben kam mit Ansage. Ende September brachte es die Balda-Aktie bei der Kennziffer Value at Risk (siehe Kasten) noch auf einen Wert von 12,60. Eine Woche später waren es 14,23, nach sieben weiteren Tagen schon 18,28. Erfahrene Börsianer waren gewarnt: Da ist etwas im Busch.

Tatsächlich brach der Balda-Kurs Ende Oktober um satte 25 Prozent ein. „Value at Risk ist eine Risikokennzahl. Je höher der Wert, desto größer das Risiko, dass es schmerzhafte Kursverluste bei einer Aktie gibt“, erklärt Sven Christiansen, ­Finanzexperte beim Institut für Quantitative Finanzanalyse in Kiel.

So weit, so gut. Aber reicht nicht eigentlich die Volatilität als Maß für Kursausschläge und damit für das Risiko? Nicht ganz, sagt Christiansen: „Bei der Volatilität geht man davon aus, dass die Ausschläge nach oben und unten gleich verteilt sind. Tatsächlich gibt es aber einige Dinge, die gegen die Normalverteilung von Kursbewegungen sprechen.“

Drei Beobachtungen stehen im Widerspruch zur Normalverteilung. Erstens lehrt die Historie, dass extreme Kursbewegungen wesentlich häufiger auftreten, als durch die statistische Normalverteilung zu erklären wäre. „Beispielsweise sind nach der Normalverteilungsannahme Verluste im zweistelligen Prozentbereich praktisch unmöglich, aber sie kamen im Dow Jones in den vergangenen 80 Jahren viermal vor“, berichtet Stefan Mittnik, Professor für Finanzökonometrie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Zweitens haben Statistiker die linksschiefe Verteilung als Schwachstelle ausgemacht. Damit wird die Beobachtung des ungleichen Verhaltens von positiven und negativen Kursschwankungen beschrieben. „Ausschläge nach unten sind tendenziell größer als nach oben“, erklärt Finanzexperte Christiansen. Viele Anleger können ein Lied davon singen: Ein Ein-Tages-Crash ist eben wesentlich wahrscheinlicher als ein Kursfeuerwerk. Das mag einer der Gründe sein, warum Crash-Propheten immer Konjunktur haben. ­Irgendwann bekommen sie immer recht – und wenn es Jahre dauert.


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Die dritte Erkenntnis der Statistiker: Die Breite der Schwankungen ist durch sogenanntes Clustering – also durch Klumpenbildung – gekennzeichnet. „Einem Handelstag mit hoher Volatilität folgt tendenziell wieder ein hochvolatiler Tag und einem Tag mit niedriger Volatilität eher ein ruhiger Tag“, beschreibt Ökonometrie-Professor Mittnik das Phänomen. Alle diese Erkenntnisse fließen in das Berechnungsmodell des Value at Risk mit ein. Der Grundgedanke der Kennzahl lautet dabei, böse Überraschungen zu vermeiden. „Bei der Risikoprognose über Value at Risk wird auch das aktuelle Marktgeschehen und damit das Clustering berücksichtigt“, erklärt der Experte.

Anleger können sich die Kennzahl zunutze machen, um das Depot in Hinblick auf Risikogesichtspunkte gekonnt zusammenzustellen. Wer nur geringe Risiken bei Einzelaktien eingehen will, favorisiert einfach niedrige Value-at-Risk-Werte. Hochgradig spekulative Aktien bleiben so außen vor.

Dass vermeintliche Langweiler im Portfolio nicht zwangsläufig Rendite kosten müssen, zeigen die Beispiele Fresenius Medical Care (VaR 4,86 bei einem Zehn-Tages-Horizont) oder Fielmann (5,71), die trotz vergleichsweise geringer Kursrisiken sehr gut liefen. Mit 3,92 hat übrigens Douglas den niedrigsten Wert in den deutschen Aktienindizes. Kursrückschläge à la Balda sollten da eigentlich nicht bevorstehen.

Für risikobereitere Naturen erleichtern hohe VaR-Werte die Auswahl der Titel, mit denen sich über Leerverkäufe oder Put-Optionsscheine auf einen Kursrückschlag spekulieren lässt. So besagt beispielsweise ein aktueller VaR bei Q-Cells von 17,56 bei einem Horizont von zehn Tagen, dass die Aktie des Solarunternehmens in den nächsten zehn Tagen mit hoher Wahrscheinlichkeit um bis zu 17,56 Prozent fallen wird.

Hohe VaR-Werte weisen derzeit auch die TecDAX-Mitglieder Conergy mit 16,06, Centrotherm mit 14,65 oder Solarworld mit 14,05 auf. Der Value at Risk im TecDAX-Durchschnitt liegt bei 6,54 ähnlich hoch wie im Nasdaq-100-Index (6,25). Unter den US-Techwerten sind nach VaR-Gesichtspunkten derzeit vor allem Wynn Resorts mit 16,37 und Foster Wheeler mit 15,59 absturzgefährdet.

Investor-Info

Risiko einer
Aktie
Der englische Begriff Value at Risk (VaR) bedeutet wörtlich übersetzt „Wert im Risiko“. Die Kennzahl besagt, wie hoch der maximal zu erwartende Verlust einer Risikoposition (zum Beispiel einer Aktie) mit welcher Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Zeithorizont ist. Der VaR-Wert im Kursteil von €uro am Sonntag bezieht sich auf einen Horizont von sechs Tagen und gibt an, wie hoch der maximale Kursverlust einer Aktie mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit ist. Allgemein gilt, dass eine hohe Volatilität ein größeres Risiko birgt, aber auch auf ein höheres Renditepotenzial hinweist. Ist der VaR vergleichsweise hoch, sind zwar höhere Wochenverluste zu erwarten. Dafür können aber auch die Kursgewinne größer ausfallen.

Fresenius Medical Care
Toptitel für Risikoscheue
Die Aktie von Fresenius Medical Care weist mit 4,86 den niedrigsten VaR-Wert aller DAX-Mitglieder auf. Der Titel brachte trotz seiner Eigenschaft als wenig zyklischer Stabilisator im Depot seit Anfang 2010 Kursgewinne von rund 25 Prozent. Die jüngste Prognoseanhebung des Dialysespezialisten lässt auch für 2011 einiges erwarten und macht die Aktie attraktiv für risikoaverse Anleger.

Fielmann
Acht Jahre Aufwärtstrend
Geringe Risiken signalisiert der VaR auch bei Fielmann. Die Optikerkette verwöhnte Anleger sogar in den Crashjahren 2008 und 2009 per saldo mit Kursgewinnen. Die Aktie ist seit 2002 im Aufwärtstrend. Wegen des krisensicheren Geschäftsmodells gilt der im MDAX notierte Titel als Investment für Anleger, die es ruhig mögen.

Conergy
Nur für Spekulanten
Hoher VaR von 16,06 – hohes Risiko. Conergy ist allenfalls eine Aktie für spekulative Anleger, die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse setzen wollen – ein Zockerwert. Gutachten attestieren dem Unternehmen eine zu hohe Verschuldung. Der Solarmarkt gerät zunehmend in schweres Fahrwasser. Zusätzlich ist bei einem Börsenwert von inzwischen weniger als 200 Millionen Euro der Rausschmiss aus dem TecDAX nur eine Frage der Zeit.

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08.08.2022Fresenius Medical Care BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
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