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27.10.2014 03:00

Das Orakel von Buffalo

Euro am Sonntag-Interview: Das Orakel von Buffalo | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Interview
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Stephanie Mucha, die 97-jährige ehemalige Krankenschwester lebt in der US-Stadt Buffalo und verdient Millionen an der Börse. Nun spricht sie über Erfolg beim Anlegen und die Bayer-Aktie.
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€uro am Sonntag
von Nele Husmann, Euro am Sonntag

So bekannt wie Warren Buffett, das Orakel von Omaha, ist Stephanie Mucha nicht. Für Furore sorgt die 97-jährige ehemalige Krankenschwester, die Millionen an der Börse verdient hat, in den USA aber dennoch.
Mucha war das dritte von sechs Kindern deutsch-polnischer Eltern in Amerika. Die Familie war so arm, dass sich vier Mädchen ein Bett teilen mussten. Sie sparte zeitlebens jeden Cent, um ihn an der Börse anzulegen - und schuf sich ein Vermögen von aktuell 5,5 Millionen Dollar.

Die kinderlose Millionärin lebt bescheiden in einem Zwei-Zimmer-Apartment in einem kleinen Häuschen gegenüber der Universität von Buffalo im US-Bundesstaat New York. Die Zimmer sind noch original im 60er-Jahre-Stil eingerichtet - inklusive gelb-rosa Kacheln im Badezimmer. Mucha hat bereits drei Millionen Dollar für College-Stipendien gespendet, die polnischen Immi­granten in den USA zugutekommen. Ihr Ziel: Insgesamt sechs Millionen Dollar zu stiften, ehe sie stirbt.

€uro am Sonntag: Was ist die wichtigste Lektion, die die Börse Sie gelehrt hat?
Stephanie Mucha:
Dass man da reich werden kann. Man muss nur sein Köpfchen einschalten.

Wie kamen Sie überhaupt darauf, in Aktien zu investieren?
Ich arbeitete in den Jahren der Großen Depression als Dienstmädchen bei einem Arzt. Während ich das Abend­essen servierte, hörte ich immer genau zu, worüber sich die Herrschaften unterhielten. Die Börse und Investments in Aktien und Diamanten standen stets im Mittelpunkt. Da wurde mir klar: Die Börse ist der Weg, ein Vermögen aufzubauen.

Waren Sie die treibende Kraft, als es darum ging, Ihre paar Spargroschen am Aktienmarkt anzulegen?
Mein Mann und ich haben zunächst zusammengearbeitet. Seit seinem Tod investiere ich allein. Als er 1985 starb, besaßen wir ein Vermögen von 300.000 Dollar in Aktien. Heute sind es 5,5 Millionen. Es ist unglaublich wichtig, dass wir Frauen in der Lage sind, uns selbstständig um die Finanzen zu kümmern.

Hat der Crash von 1929 Sie nicht abgeschreckt, weil er klarmachte, wie schnell man an der Börse auch alles verlieren kann?
Damals war ich zwölf Jahre alt, und mit Aktien hatte meine Familie nichts zu tun. Meine Eltern besaßen einen Kurzwarenladen - alle Waren waren auf Kredit gekauft. Als der Crash kam, hörten die Leute auf, einzukaufen. Deshalb sind ich und drei weitere Geschwister arbeiten gegangen, sodass wir unser Haus nicht verloren.

Hatten Sie nie Angst vor einem Crash - gerade weil Sie nur wenige Rücklagen bilden konnten?
Ich verdiente als Krankenschwester im Krankenhaus für Kriegsveteranen zunächst 2.500 Dollar im Jahr. 1994, als ich in Rente ging, bezog ich 23.000 Dollar im Jahr. Doch ich hatte und habe das Gefühl, dass Amerika wächst - das gibt mir Zuversicht in die Börse. Denn wenn es immer mehr Amerikaner gibt, die essen, ein Auto fahren und medizinische Versorgung brauchen, dann geht es auch den Unternehmen gut.

Wie verhalten Sie sich in Crashs?
Ich halte durch. Glauben Sie nicht, dass mir das leichtfällt. Im Laufe meiner Jahre an der Börse war ich oft unsicher und ängstlich. Doch jedes Mal habe ich mich aufgerafft und ausgeharrt. Mein Mann und ich hatten darüber auch oft Streit: Ich wollte unser Geld in Sicherheit bringen - wir haben doch schon genug, lautete mein Argument. Er war dafür, es im Markt zu halten. Ich erinnere mich an 1972, als wir 150.000 Dollar in unserem Depot hatten und der Markt abstürzte. Zum Glück setzte sich mein Mann durch: Kurz nach dem Crash stieg unser Depotwert auf 240.000 Dollar.

Haben Sie eisern gespart, um Geld in Aktien anlegen zu können?
Sehen Sie diese kleine Sammlung von Hummelfiguren - ich habe sie alle geschenkt bekommen. Mein Mann bezeichnete sie als Staubfänger und hätte niemals Geld für so was ausgegeben. Als er starb, habe ich meinen Ehering und den Verlobungsring für 2.700 Dollar verkauft und das Geld in Aktien investiert. Da kamen mir die Tränen, aber es war richtig. Außerdem vermietete ich eines meiner beiden Schlafzimmer an Krankenschwestern auf Besuch für 15 Dollar im Monat. Auch dieses Geld legte ich in Aktien an.

Was war Ihr bestes Investment?
Das war, als ich im Veteranen-Krankenhaus 1958 Wilson Greatbatch kennenlernte, den Erfinder des Herzschrittmachers. Ich durfte zusehen, wie er einem todkranken Hund sein Gerät einpflanzte. Vor der Operation lag der Hund reglos da. Dann die Sensation: Ein paar Minuten später wackelte zunächst sein Schwanz. Dann fing er an zu laufen. Abends sagte ich zu meinem Mann: Eines Tages tragen Menschen Schrittmacher. Als Greatbatch sein Patent 1961 an Medtronics verkaufte, erwarben wir 50 Aktien zu 5,11 Dollar. Daraus wurde ein Paket im Wert von 459.000 Dollar. Das Gros habe ich gespendet, besitze aber noch immer 300 Aktien zu 66 Dollar.

Hat Ihr Beruf Sie oft zu Anlage­ideen inspiriert?
Oh ja. Die Menschen werden älter, und deshalb nehmen sie immer mehr Medikamente. Daher habe ich je 50 Aktien von Pfizer-Merck, Johnson & Johnson, Abbott und Glaxo­SmithKline gekauft. Ich besitze aber auch Zigarettenunternehmen wie Lorillard, die gerade von Reynolds übernommen worden sind, und Philip Morris.

Zigaretten müssten Ihnen doch als Krankenschwester zuwider sein?
Als wir die Aktien in den 70er- und 80er-Jahren kauften, habe ich gezögert. Aber ich kann junge Leute in China oder Ägypten nicht davon abhalten, zu rauchen - egal ob ich die Aktien besitze oder nicht. Wenn ich aber mit Tabakaktien Geld gewinne, kann ich es nutzen, um an anderer Stelle Gutes zu tun.

Kommen Sie allein auf Ihre Ideen?
Nein. Ich gehörte Anfang der 60er-Jahre im Krankenhaus dem Investmentklub an. Da trafen wir uns einmal im Monat und legten 100 Dollar in Aktien an. Ein indischer Arzt sprach über Intel-Aktien. Ich kaufte sie privat. Doch als die Position 3.000 Dollar erreichte, rief uns unser Broker an und empfahl auszusteigen. Wir hörten auf ihn - und verpassten einen Gewinn von 1.000.000 Dollar.

Sie folgen der Buy-and-Hold-Regel?
Ich bleibe auf lange Sicht in einer Aktie. Wenn aber ein Unternehmen nicht mehr wächst, steige ich aus. Zum Beispiel besaß ich die Biosupermarktkette Whole Foods Market - weil ich an gutes Essen glaube. Ich habe mein Geld mit der Aktie verdoppelt. Dann verkaufte ich. Es gab zu viel Konkurrenz.

Sie kaufen auch Aktien von jüngeren Unternehmen?
Natürlich. Aber von den Technologieaktien besitze ich nur Apple. Ich halte Pepsi-Cola, weil sie den neuen Süßstoff Stevia in die Getränke mixen. Ich mag auch Coca-Cola. Ich kann mir vorstellen, dass die beiden eines Tages fusionieren.

Erst in diesem Jahr haben Sie sich entschieden, doch wieder einem Broker zu vertrauen. Warum?
Ich bin jetzt so alt geworden, dass ich Angst habe, Fehler zu machen. Der Markt heutzutage mit seinen ex­tremen Auf-und-ab-Bewegungen ist grausam. Ich besitze keinen Computer und trade am Telefon. Als mein Buchhalter mir erzählte, dass sein Broker im vergangenen Jahr 36 Prozent Wertzuwachs erwirtschaftet habe, während ich selbst nur elf Prozent machte, sah ich mir den Broker an und entschied mich für ihn.

Hatten Sie ein paar Tipps für ihn?
Ich empfahl ihm, Bayer-Aktien zu kaufen. Sie wissen ja, dass jeder Arzt empfiehlt, morgens und abends je eine Aspirin-Tablette einzunehmen, um der Schlaganfallgefahr vorzubeugen. Das lohnt sich. Auch Bayers Aktivitäten in China und in der ­Agrarsparte gefallen mir. Da hat mein Broker gleich welche gekauft. Jetzt telefoniere ich mehrmals in der Woche mit ihm.

Macht Geld glücklich?
Ich bin zufrieden. Gemessen an den Verhältnissen, in denen ich aufgewachsen bin, ist diese Wohnung hier sehr viel. Mein Ziel ist, auf der Welt Gutes zu tun. Das Geld bringt mich diesem Ziel näher. Schon mein verstorbener Mann wollte mit allem, was wir nicht selbst brauchen, jungen polnischen Leuten zu einer Ausbildung verhelfen. Er wuchs als Waise im heutigen Polen auf. Seinen Traum, Ingenieur zu werden, konnte er nicht verwirklichen - er arbeitete als Maschinist. Jetzt helfe ich durch Stipendien anderen, ihren Traum wahr zu machen.

Was sagt Ihre Familie zu dem Reichtum?
Die wussten lange nichts davon. Als Kind galt ich als Dummerchen. Ich litt unter Lernbehinderungen. Ich war Linkshänderin und schrieb rückwärts. Wenn ich an die Tafel musste, habe ich mir in die Hose gemacht. Ich kann selbst kaum glauben, dass ich von uns sechs mit Abstand die finanziell Erfolgreichste geworden bin. 

zur Person:

Investorin und Spenderin
Stephanie Mucha wurde 1917 als drittes von sechs Kindern deutsch-polnischer Eltern in den USA geboren. Als ihr Mann im Jahr 1985 starb, besaß die Krankenschwester 300.000 Dollar - heute sind es mehr als fünf Millionen. Mucha spendete bereits drei Millionen Dollar für College-Stipendien für polnische Immigranten in den USA. Ehe sie stirbt, will sie insgesamt sechs Millionen Dollar stiften.

Bildquellen: Nele Hausmann für €uro am Sonntag

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