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12.02.2019 23:18
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Warum der März ein Schicksalsmonat für die Aktienmärkte werden könnte

Geopolitik im Fokus: Warum der März ein Schicksalsmonat für die Aktienmärkte werden könnte | Nachricht | finanzen.net
Geopolitik im Fokus
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Die US-Märkte haben einen starken Start in 2019 erwischt. Und auch an den deutschen Handelsplätzen hat nach dem schwarzen Dezember im aktuellen Börsenjahr eine leichte Gegenbewegung eingesetzt. Doch anstehende Termine im nächsten Börsenmonat könnten alle Erholungsbemühungen wieder zunichtemachen.
Mehr als sieben Prozent hat der US-Leitindex Dow Jones seit Jahresstart zugelegt - fast 14 Prozent Plus verzeichnete der Techwerteindex Nasdaq Composite im gleichen Zeitraum. Daneben wirken die Gewinne am deutschen Aktienmarkt mehr als mager: Rund drei Prozent hat der deutsche Bluechip-Index DAX seit Jahresbeginn gewonnen.

Doch im März könnten Themen, die Anleger bislang mehr oder weniger erfolgreich ausgeblendet haben, tiefe Löcher in die Erfolgsbilanz der internationalen Aktienmärkte reißen.

Handelsstreit steuert Deadline an

Seit Monaten schwelt der Streit um Zölle zwischen den beiden größten Volkswirtschaften China und den USA. US-Präsident Donald Trump wirft den Chinesen unfaire Handelspraktiken vor. Eine weitere große Anschuldigung in Richtung der Volksrepublik ist die des Diebstahls geistigen Eigentums. Auch wenn China die Anschuldigungen zurückweist: Trump blieb in der Vergangenheit hart und überzog die Chinesen mit hohen Strafzöllen, die ihrerseits Vergeltungszölle erhoben.

Aktuell herrscht ein Waffenstillstand zwischen den Beteiligten - eine angekündigte weitere Erhöhung der US-Sonderabgaben auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar wurde zunächst ausgesetzt. Doch Anfang März läuft das Ultimatum ab, das sich beide Länder gesetzt hatten, um eine Einigung im Handelsstreit zu erzielen. Derzeit laufen zwar Verhandlungen zwischen den USA und China, allerdings auf untergeordneter Ebene. Eine US-Delegation, angeführt vom stellvertretenden Handelsbeauftragten Jeffrey Gerrish und verstärkt durch dessen Chef Robert Lighthizer und US-Finanzminister Steven Mnuchin sollen in dieser Woche über mögliche zielführende Maßnahmen verhandeln. US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping nehmen an den Verhandlungen aber nicht teil.

Dabei hatte Trump zuvor erklärt, ein mögliches Abkommen müsse von ihm und Xi selbst unterzeichnet werden - ein Treffen mit Chinas Staatschef sei laut Trump aber nicht vor dem 1. März - dem Zeitpunkt, an dem der Waffenstillstand abläuft - geplant.

Kommt es nicht zu einem Deal, drohen neue Sonderzölle - mit möglicherweise dramatischen Folgen für die US-Wirtschaft. Besonders US-Unternehmensriesen wie Apple dürften unter einem anhaltenden Handelskrieg leiden. Der iPhone-Hersteller hatte sich aufgrund schwacher Nachfrage aus der Volksrepublik bereits im Januar zu einer überraschenden Umsatzwarnung genötigt gesehen - weitere Strafzölle dürften den Absatz von Apple-Hardware in China zusätzlich erschweren. Und auch die traditionsreiche US-Automobilindustrie dürfte als einer der Verlierer aus einem anhaltenden Handelsstreit hervorgehen.

Das dürfte auch auf die Aktienmärkte durchschlagen, denn Investoren und Anleger sind bereits jetzt mehr als verunsichert. Zahlreiche Konzerne haben angesichts der unsicheren Lage bereits jetzt Investitionen hinten angestellt. Sorgen um ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum dürften vor diesem Hintergrund zusätzliche Brisanz gewinnen und die Börsen empfindlich treffen.

Brexit steht an

Und noch ein zweiter Termin im März könne die internationale Börsenwelt erschüttern: Im Scheidungskrieg zwischen dem Vereinigten Königreich Großbritannien und der Europäischen Union kommt es Ende März zum Showdown, der 29. März wurde als Austrittsdatum für Großbritannien aus der EU fixiert. Doch noch konnte zwischen den beiden Beteiligten keine Einigung über die Situation nach der endgültigen Trennung erzielt werden. Zwar hat die britische Regierung unter Premierministerin Theresa May mit Vertretern der EU in monatelangen Verhandlungen einen Brexit-Deal ausbaldowert - dieser wurde Mitte Januar von der britischen Opposition aber abgeschmettert.

Insbesondere die so genannte Backstop-Regelung war vielen Abgeordneten, die gegen den Deal gestimmt hatten, sauer aufgestoßen. Sie hatten Nachverhandlungen gefordert und sich für Grenzkontrollen zwischen dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland und dem EU-zugehörigen Irland ausgesprochen, um nicht dauerhaft an die EU gebunden zu bleiben. Für die Europäische Union ist aber gerade dieser Punkt indiskutabel, da man ein Wiederaufflammen des Konfliktherdes zwischen Irland und Nordirland befürchtet.

Die Lage zwischen den Briten und der EU ist bislang ungeklärt. Denn auch wenn sich EU-Vertreter offen für eine Verschiebung des Brexit-Termins gezeigt hatte, fehlt Theresa May diesbezüglich die Unterstützung aus der Heimat. Nun soll am Donnerstag darüber abgestimmt werden, wie es in Sachen Brexit weitergehen soll und ob May das Mandat erhält, eine Verschiebung des Brexit-Zeitpunktes zu beantragen. Ende Februar soll es dann eine endgültige Abstimmung über das ausgehandelte Abkommen geben.

Kommt es nicht zu einer Einigung zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union, drohen für alle Seiten harte Konsequenzen. Einer Studie zufolge könnte ein ungeordneter Austritt der Briten aus der EU 100.000 deutsche Arbeitsplätze kosten. Nach einem "Hard Brexit" würden wieder Zölle auf Importe nach Großbritannien erhoben. Dies werde hierzulande insbesondere auf die Autoindustrie durchschlagen, so das Ergebnis der Studie.

Die Folgen für das Königreich sind unterdessen nur schwer abzusehen. Fest steht: Bereits jetzt haben zahlreiche Unternehmen London den Rücken gekehrt und die britische Hauptstadt hat als Finanzzentrum massiv an Wert verloren. Darüber hinaus kommen auf die britische Wirtschaft noch eine Reihe schmerzhafter Folgen zu, insbesondere in Handelsfragen.

Und auch die Börsen werden wohl auf den - wie auch immer gearteten - Austritt von Großbritannien aus der EU reagieren. Bereits in den vergangenen Wochen und Monaten zeigt sich deutlich, dass die europäischen Aktienmärkte empfindlicher auf die Entwicklungen im Königreich reagieren. Insbesondere die Unklarheit über den Fortgang hatten den Märkten zugesetzt und Anleger dazu veranlasst, eher von der Seitenlinie zuzuschauen, statt wie ihre US-Pendants wieder verstärkt zu investieren.

Der März bringt also zwei geopolitische Ereignisse mit sich, die an den internationalen Aktienmärkte für starke Erschütterungen sorgen könnten. Ob die Märkte ihre Erholungstendenzen vor diesem Hintergrund fortsetzen können, scheint zumindest wenig wahrscheinlich.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Brian A. Jackson / Shutterstock.com, WHYFRAME / Shutterstock.com

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