Ryanair-Aktie im Blick: Schlagabtausch mit Tesla-Chef Musk wird zur Werbekampagne

Der öffentliche Schlagabtausch zwischen Ryanair-Chef Michael O'Leary und Milliardär Elon Musk geht weiter - und wird von dem irischen Billigflieger nun prompt zu Werbezwecken genutzt.
Werte in diesem Artikel
• Michael O'Leary und Elon Musk streiten weiter öffentlicht
• Ryanair startet Werbeaktion
• Ryanair-Chef O'Leary gelassen
Ryanair ist für seinen lockeren und oft frechen Umgang mit Kritik oder Kommentaren von Passagieren bekannt, und sorgte in der Vergangenheit auch oft selbst mit bewusst grenzwertigen Ideen wie etwa Stehplätzen im Flugzeug für Aufmerksamkeit. Nun nutzt Europas größte Billigfluggesellschaft den öffentlich ausgetragenen Konflikt mit Tesla-Chef Elon Musk und versucht, ihn in handfeste Marketingeffekte umzuwandeln.
Ausgangspunkt: Starlink und die Kostenfrage
Der Konflikt entzündete sich an Ryanairs Entscheidung, auf den Einbau von Starlink-Internet in seinen Flugzeugen zu verzichten. Elon Musk bewarb den Satellitenservice öffentlich als leicht, effizient und zukunftsweisend. Ryanair hingegen argumentierte, zusätzliche Technik bedeute mehr Gewicht, höheren Treibstoffverbrauch und letztlich steigende Kosten - ein rotes Tuch für ein Geschäftsmodell, das kompromisslos auf niedrige Ticketpreise ausgerichtet ist. Michael O’Leary ließ wenig Zweifel daran, dass er Musks Argumente für realitätsfern hält, was dieser prompt mit persönlichen Spitzen konterte. Die Wortwahl auf beiden Seiten fiel dabei alles andere als diplomatisch aus. So bezeichneten sich etwa beide Firmenchefs gegenseitig als "Idiot".
Für Ryanair dürften die Provokationen gegen Elon Musk allerdings kein Unfall sein, sondern Strategie. Die Airline kultiviert seit Jahren ein Image, das bewusst aneckt und sich vom glattgebügelten Ton klassischer Airlines absetzt. Der Streit mit Musk fügt sich nahtlos in diese Tradition ein. Statt die Debatte zu entschärfen, ging O’Leary frontal in die Offensive - wohl auch in dem Wissen, dass jeder X-Post von Elon Musk millionenfach gelesen wird. So reagierte Ryanair am Mittwoch mit einer Pressekonferenz, die zuvor öffentlich und mit ironischen Kommentaren angekündigt worden war.
.@elonmusk pic.twitter.com/c0rHEiJrIz
- Ryanair (@Ryanair) January 20, 2026
In der Ankündigung sprach Ryanair unter anderem davon, dass man den "Twitter-Wutanfall" von Elon Musk ansprechen wolle und verband das auch gleich mit einer augenzwinkernden Verkaufsaktion. "Vielleicht braucht Musk eine Pause?? Ryanair startet einen Ticketverkauf für absolute Idioten - speziell für Elon und alle anderen Idioten auf 'X'. 100.000 Tickets für nur 16,99 Euro pro Strecke. Kauft jetzt, bevor Musk eins bekommt!", heißt es in dem Beitrag auf X.
Kurz darauf veröffentlichte Ryanair auf dem Kurznachrichtendienst, der übrigens Elon Musk gehört, auch noch ein Werbeplakat zu der Aktion:
Don’t thank us, thank that big "IDIOT" @elonmusk ??
- Ryanair (@Ryanair) January 20, 2026
Sale now on??https://t.co/0c6IvsKyyB pic.twitter.com/JAxRNzaYTa
EU-Regeln verbieten Musk den Kauf von Ryanair
Die Einschätzung von Ryanair-Chef O'Leary, dass Musk ein Idiot sei, dürfte wohl vor allem dadurch zustandekommen, dass nach EU-Regeln nur Europäer Mehrheitseigentümer von Fluggesellschaften in der Europäischen Union sein dürfen. Musk wurde in Südafrika geboren und lebt in den USA. Ein Kauf der irischen Billigfluglinie durch den Tech-Milliardär wäre daher rein rechtlich gar nicht möglich. "Aber wenn er in Ryanair investieren will, halten wir das für eine sehr gute Investition. Sicherlich eine deutlich bessere Investition als die finanziellen Erträge, die er mit X erzielt", sagte O'Leary laut "AP" im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz in Dublin - erneut mit einem Seitenhieb gegen Musk.
Der Ryanair-Chef dankte Musk allerdings für die "zusätzliche Publicity" - und machte laut der Nachrichtenagentur klar, dass ihn die Beleidigungen des Tesla-Chefs nicht treffen. So müsse Musk sich "hinten in eine sehr, sehr, sehr, sehr lange Schlange" von Menschen einreihen, die ihn schon beleidigt hätten, "einschließlich meiner vier Teenagerkinder", so O'Leary.
Unter dem Strich zeigt der Fall, wie Ryanair Aufmerksamkeit konsequent in Markenstärkung ummünzt. Der Streit mit Elon Musk transportiert eine klare Botschaft: Ryanair bleibt kompromisslos billig, skeptisch gegenüber teurer Technik und stolz auf seine Unabhängigkeit von Tech-Heilsversprechen.
Aktien von Tesla und Ryanair von Streit nicht belastet
Die Aktien der beiden Unternehmen haben bisher nicht unter dem Streit ihrer CEOs gelitten: An der EURONEXT in Dublin gewann die Ryanair-Aktie am Mittwoch zuletzt 1,90 Prozent auf 29,03 Euro und legt am Donnerstag zeitweise um weitere 1,24 Prozent zu auf 29,39 Euro. Die Tesla-Aktie konnte an der NASDAQ am Mittwoch ebenfalls um 2,91 Prozent auf 431,44 US-Dollar zulegen und zeigte sich nachbörslich weitere 0,63 Prozent stärker bei 434,15 US-Dollar.
Redaktion finanzen.net
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