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Ölexploration im Meer: Warum sich nicht alle darüber freuen

22.09.15 16:00 Uhr

Ölexploration im Meer: Warum sich nicht alle darüber freuen | finanzen.net

Im Meeresboden des Mittelmeers schlummern riesige Öl- und Gasvorkommen. Während Länder wie Israel den Reichtum nutzen, wehren sich die Balearen vehement gegen jede Ausbeutung.

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von Oliver Ristau, Euro am Sonntag

Tuckernd nähert sich das kleine Boot dem Steg. Juan Torres greift nach den dicken Seilen und zieht seinen Kahn heran. So geht es jeden Tag zu im Hafen von Sant Antoni auf Ibiza. Die Fischer kehren von ihren Streifzügen vor der zweitgrößten Insel der Balearen zurück. Torres zeigt auf die halb gefüllte Kühltruhe mit frischem Fisch. "Als Kind hat mich mein Vater schon mit aufs Meer genommen", erzählt der drahtige 45-Jährige.

Seit 25 Jahren macht er das und ernährt damit seine Familie. Außer ihm gibt es noch 30 weitere alteingesessene Fischer, die täglich vom zweitgrößten Hafen Ibizas aufbrechen, um ihre Netze vor der Küste auszuwerfen. Manche fürchten, dass sie dort in Zukunft nichts mehr fangen werden. "Wir wollen nicht, dass vor der Küste nach Öl gebohrt wird. Das würde die Fische vertreiben", ist Torres überzeugt. 2011/2012 war es, und Spanien steckte in der größten Wirtschaftskrise seit dem Ende der Franco-Diktatur. Das Industrieministerium in Madrid vergab Lizenzen an ausländische Firmen, um nationalen Meeresgrund im Mittelmeer und Atlantik nach Öl und Gas abzusuchen. Erdöl kostete damals weit über 100 Dollar je Fass, und der Staat kämpfte mit hohen Schulden und Zinsen. Neue Einnahmequellen wären da mehr als willkommen gewesen. Madrid wies auch zwei Projekte in der Nähe der Balearen aus, für eines erwarb der schottische Ölexplorer Cairn Energy die Lizenz und ließ seismische Untersuchungen durchführen - 35 Kilometer von der Küste Sant Antonis entfernt.

Die Bewohner der Balearen laufen dagegen Sturm, vor allem auf Ibiza. Partymacher, Prominente und Star-DJs protestieren öffentlich und in sozialen Netzwerken. Die Ibizencos organisierten Protestmärsche - barbusig und mit Öl beschmiert."128.000 Eingaben wurden gegen die Pläne von Cairn Energy vorgebracht", sagt Pepa Costa, die als Umwelträtin Mitglied von Ibizas Inselregierung ist und in der Hauptstadt Ibiza-Stadt sitzt. "Auf den Balearen gibt es niemanden, der die Ölförderung will. Nur der Industrieminister in Madrid hat daran Interesse."

Die Gründe sind schnell genannt. "Wir haben saubere Strände und sauberes Wasser. Unser Öl ist der Tourismus", so die Politikerin. In der Tat ist das türkisgrüne Wasser mit der imposanten Küstenlinie von Fels und Sand sowie den schroffen Inseln nicht nur optisch ein Paradies. "Es gibt eine Möwenart, die nur hier vorkommt und die zusammen mit anderen Vögeln in einem Gebiet fischen geht, in dem künftig Öl gefördert werden soll", sagt der Umweltexperte der Regierung von Ibiza, Jaume Estarellas.

Auch die Delfine, die Ibiza bisweilen besuchen, könnten um die Insel künftig einen Bogen machen. "Eine intakte Natur ist für uns nicht nur ökologisch überlebenswichtig", sagt Estarellas, "sondern auch ökonomisch." Ohne die Einnahmen des Fremdenverkehrs kann Ibiza kaum überleben.

Für Ibiza ist das Thema damit aber nicht erledigt. Der börsennotierte norwegische Explorer Spectrum Geo, der im Besitz einer staatlichen Erkundungslizenz ist, will mit seismischen Untersuchungen an anderer Stelle gut 20 Kilometer vor der Ostküste potenzielle Öl- und Gaslagerstätten aufspüren. "Ob dieses oder ein anderes Vorhaben - wir werden gegen alle Ölförderpläne mobilmachen", kündigt Umwelträtin Costa an.

Nicht überall am Mittelmeer sind die Widerstände gegen Öl und Gas so groß. Israel zum Beispiel ist in den vergangenen zwei Jahren dank neu entdeckter Erdgasfunde vom Importeur zum Selbstversorger aufgestiegen. Tel Aviv zapft seit zwei Jahren das Tamar-Becken (250 Milliarden Kubikmeter Erdgas) 100  Kilometer vor Haifa an, mit dem das Land zehn Jahre seinen Bedarf selbst decken könnte. Ein zweites, doppelt so großes Feld soll ab 2018 dazukommen. In diesem Frühjahr wurde erstmals in der Geschichte ein Exportvertrag mit Ägypten vereinbart.

Riesige Gasvorkommen

"Im östlichen Mittelmeer lagern beträchtliche Mengen an Erdgas", sagt Geologe Jürgen Messner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). "Seit 2009 wurden dort bisher mehr als 1.000 Milliarden Kubikmeter nachgewiesen." Das entspricht dem deutschen Gasverbrauch der nächsten 15 Jahre. "Die darüber hinaus vermuteten Ressourcen sind noch größer."

So sorgte vor knapp zwei Wochen der italienische Versorger Eni mit dem Fund eines riesigen Gasfelds vor Ägyptens Küste weltweit für Furore. Mit einer Ausdehnung von rund 100 Quadratkilometern soll dieses Vorkommen nach ersten Erkenntnissen fast 850 Milliarden Kubikmeter Erdgas enthalten.

Auch vor Zypern und der griechischen Küste gibt es Lagerstätten. Athen und Nikosia wollen die Exploration vorantreiben, erhoffen sich durch die Einnahmen Entlastungen für den angespannten Staatshaushalt. Gemeinsam mit Ägypten vereinbarten die Staatschefs in diesem Frühjahr eine Energiepartnerschaft zur gemeinsamen Erkundung der Vorräte.

Während Größe und Anzahl der Erdgasfelder vor Israel eine Erschließung rentabel machen, ist das vor Zypern komplizierter. "Die einzige bisher bekannte Lagerstätte Aphrodite befindet sich in 1900 Meter Wassertiefe und ist landfern. Schon allein das macht eine Erschließung kostspielig", sagt Messner - und auch teurer als zum Beispiel Fracking.

Die umstrittenen Sprengungen von Untergrundgestein an Land, mit denen tendenziell kleinere Lagerstätten ausgebeutet werden können, sind beim aktuellen Ölpreis von 60 bis 65 Dollar je Barrel nach Expertenschätzung gerade noch rentabel. In Zeiten billigen Öls lohnen sich neue Offshoreprojekte also kaum noch.

Doch sollte das schwarze Gold wieder teurer werden, könnte auch das Investoreninteresse am Öl vor Ibiza wieder zunehmen. "Möglich", sagt Fischer Juan Torres und wuchtet die Kühltruhe an den Steg, "doch wir werden immer dagegen kämpfen.

Investor-Info

Cairn Energy
Stark unter Druck

Die Aktie (ISIN: GB 00B 74C DH8 2) des britischen Unternehmens ist stark unter Druck. Cairn Energy leidet unter den stark gefallenen Energiepreisen und eingestellten Projekten wie auf Ibiza. Finger weg.

ENI
Wette auf die Zukunft

Der Fund des Gasfelds Zohr vor der Küste Ägyptens durch den italienischen Energiekonzern beflügelt die Fantasie vieler Anleger. Vergangene Woche erklärte ENI-Boss Claudio Descalzi zudem, dass das Vorkommen noch viel größer sein könnte als bisher angenommen. Die Förderung soll 2017 beginnen. Spekulativer Kauf.

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Bildquellen: iStockphoto, Kampee Patisena/Veer

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