23.10.2020 17:55

Daimler-Aktie gewinnt: Starkes drittes Quartal gibt Daimler Rückenwind: Gewinnprognose im Corona-Krisenjahr angehoben

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Daimler traut sich in der Corona-Krise nach dem deutlichen Gewinnanstieg im dritten Quartal im Gesamtjahr einen operativen Gewinn auf Vorjahresniveau zu.
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Mit einem starken dritten Quartal im Rücken traut sich der Autobauer Daimler für dieses Jahr nun wieder etwas mehr zu als bisher. Zwar werde es nicht mehr gelingen, die Absatzeinbußen in Folge der Corona-Pandemie noch aufzuholen, und auch mit dem Umsatz werde man folglich deutlich hinter 2019 zurückbleiben, teilte der Stuttgarter Konzern am Freitag mit. Dafür soll nun beim operativen Ergebnis zumindest das - wenn auch schwache, von den milliardenschweren Diesel-Altlasten geprägte - Vorjahresniveau von 4,3 Milliarden Euro erreicht werden. Bisher war Daimler davon ausgegangen, aufgrund der massiven Folgen der Corona-Krise überall unter den 2019er-Werten zu bleiben.

Der Konzern geht davon aus, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf den wichtigsten Märkten weiter normalisierten und es vor allem zu keinen neuerlichen Rückschlägen infolge der Pandemie komme. Knapp 773.000 Autos, Lastwagen und Busse konnte Daimler im dritten Quartal verkaufen, das waren acht Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mit 40,3 Milliarden Euro lag der Umsatz um sieben Prozent unter dem des Vorjahresquartals.

Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre ein Gewinn von 2,05 Milliarden Euro - das sind sogar 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ohne den Abzug von Minderheitsanteilen lag das Konzernergebnis bei 2,16 Milliarden Euro. Den Gewinn vor Zinsen und Steuern in Höhe von knapp 3,1 Milliarden Euro hatte Daimler schon vor einer Woche mitgeteilt.

Das Daimler-Management um Chef Ola Källenius verpasste sich auch wieder konkrete Margenziele für die Sparten, die wegen der Krise ausgesetzt waren. Bei Mercedes Benz Cars & Vans rechnen die Stuttgarter nun mit einer Rendite des bereinigten operativen Ergebnisses gemessen am Umsatz von 4,5 bis 5,5 Prozent. Das ist etwas mehr, als Daimler sich zu Anfang des Jahres vor dem Ausbruch der COVID-Krise mit 4 bis 5 Prozent vorgenommen hatte. In die Zahlen fließt bei Daimler auch das Geschäft des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens ein, das früh wieder in die Spur fand und insbesondere im dritten Quartal stark zulegte.

Bei den Lkws und Bussen geht Daimler nun von einer bereinigten operativen Rendite von einem bis 2 Prozent aus. Hier lag die Zielvorgabe zu Jahresbeginn jedoch bei 5 Prozent. Die Sparte ist von der Wirtschaftskrise schwer getroffen, verzeichnete im dritten Quartal aber wieder einen Bestellanstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In der Mobility-Sparte mit Finanz- und Mobildienstleistungen rechnet der Konzern mit einer bereinigten Eigenkapitalrendite von 9 bis 10 Prozent. Diese Maßgabe lag zu Jahresbeginn noch bei 12 Prozent.

Die gute Finanzlage im dritten Quartal, in dem dem Unternehmen 5,1 Milliarden Euro an freien Mitteln (Free Cashflow) im Industriegeschäft zuflossen, lässt Finanzchef Harald Wilhelm auch für das Gesamtjahr optimistischer werden. Er rechnet hier nun mit einem Bargeldzufluss von deutlich mehr als den im Vorjahr erzielten 1,4 Milliarden, nachdem er zuvor noch mit weniger kalkuliert hatte.

Nach neun Monaten hat Daimler im Industriegeschäft einen positiven Free Cashflow von 3,5 Milliarden Euro aufzuweisen. Im ersten Halbjahr war Geld aus der Kasse abgeflossen, weil Daimler über Wochen im Corona-Lockdown kaum Autos verkaufen konnte, die Kosten aber teilweise weiterliefen.

Fast 2.000 Daimler-Beschäftigte gehen freiwillig

Daimler kommt mit dem angekündigten Personalabbau allmählich voran.

Beim Abfindungsprogramm gehe die Zahl der Beschäftigten in Richtung 2.000, erklärte Finanzchef Harald Wilhelm am Freitag. "Ich will das nicht überbetonen, aber es geht in die richtige Richtung", sagte Wilhelm. Dies sei auch an den steigenden Ausgaben für Restrukturierung abzulesen, die im dritten Quartal auf knapp 300 Millionen Euro kletterten. Die Zahl der Beschäftigten weltweit war Ende September mit 291.770 rund 7.000 niedriger als vor Jahresfrist.

Optimistischerer Gewinnausblick von Daimler sorgt für gute Laune

Mit einer angehobenen Gewinnprognose und der Profitabilität im dritten Quartal hat Daimler vor dem Wochenende die Anleger von sich überzeugt. Die Aktien des Stuttgarter Autobauers schafften es am Morgen zeitweise über 49 Euro, zum Handelsende lagen sie noch mit 1,03 Prozent im Plus bei 48,40 Euro.

Im Kielwasser der guten Nachrichten aus Schwaben zogen am Freitag europaweit die Kurse im Autosektor an. Der europäische Branchenindex rückte zeitweise um rund eineinhalb Prozent vor. Er gehörte damit in der Branchentabelle zu den Favoriten. Im DAX kletterten auch Volkswagen (VW) und BMW.

Allerdings schlug sich Daimler zuletzt deutlich besser an der Börse als der Sektor, der seit Jahresbeginn noch mit mehr als zehn Prozent im Minus liegt. Ganz anders die Aktien der Stuttgarter, die derzeit nicht weit unter dem Vorjahresniveau notieren. Vor wenigen Tagen hatten die Anteilsscheine mit knapp 50 Euro das höchste Niveau seit Januar erreicht. Das Corona-Tief vom März bei etwa 21 Euro ist schon lange abgehakt. Wer auf dem niedrigsten Niveau eingestiegen ist, hat den Wert bis dato mehr als verdoppelt.

Analysten reagierten am Freitag aber mit gemischten Gefühlen. Positiv äußerte sich etwa Analyst Philippe Houchois von Jefferies. Laut dem Experten lässt der neue Ausblick bis zu 20 Prozent Luft nach oben bei den Konsenserwartungen. Das operative Ergebnis (Ebit) soll laut Daimler nun in diesem Jahr das - wenn auch schwache und von den milliardenschweren Diesel-Altlasten geprägte - Vorjahresniveau von 4,3 Milliarden Euro erreichen.

Weniger überrascht zeigte sich indes Patrick Hummel von der Schweizer UBS. Der Markt habe bereits seine Erwartungen etwas angezogen, schrieb der Analyst, insofern bewege sich die neue Prognose im Rahmen des neuen Konsens. Er lobte vor allem den Barmittelfluss, der im Berichtszeitraum stark ausgefallen sei, sowie die Margen in der Autosparte. Hier habe Daimler unter anderem davon profitiert, dass der Konzern seine Fixkosten deutlich heruntergeschraubt habe.

Der Branchenkenner Tom Narayan vom Analysehaus RBC warnte jedoch, dass Investoren nicht allzu viel auf die hohen Margen aus dem dritten Quartal geben sollten. Denn viele der nun gesenkten Ausgaben würden künftig bei Daimler wieder anfallen, glaubt der Experte. So deute auch die Jahresprognose darauf hin, dass die Profitabilität bei den Autos und Vans im Schlussquartal unter dem Niveau des dritten Jahresviertels liegen dürfte.

(dpa-AFX / Reuters)

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