11.02.2019 06:05

20 oder 85 Dollar? So sehen Experten den Ölpreis 2019

Analysten-Ausblick: 20 oder 85 Dollar? So sehen Experten den Ölpreis 2019 | Nachricht | finanzen.net
Analysten-Ausblick
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Der Ölpreis hat in diesem Jahr kräftige Verluste hinnehmen müssen. Besonders im letzten Jahresviertel hat sich der Abwärtstrend beschleunigt. Grund genug unter die Lupe zu nehmen, wie es mit der Preisentwicklung für das schwarze Gold 2019 weitergeht.
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Der Ölpreis hat turbulente Handelswochen hinter sich. Nachdem eine Rally den Preis für die Sorte Brent Crude Anfang Oktober bis auf 86,29 US-Dollar je Barrel getrieben hatte, zeigten sich Anleger und Experten bereits zuversichtlich, dass 2019 die 100-Dollar-Marke geknackt werden könne. Doch zwischenzeitlich hat nicht nur die Ölpreisrally ein jähes Ende gefunden, es ging in den vergangenen Handelswochen sogar so massiv abwärts, dass eine Reihe von Analystenhäusern ihre Prognosen für die Ölpreisentwicklung deutlich korrigieren mussten.
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UBS - die Superbullen

An der Spitze der Ölpreisbullen sortiert sich die Schweizer UBS-Bank ein. Den jüngsten Ausverkauf am Ölmarkt halten die Experten - insbesondere im aufstebenden Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) - für deutlich übertrieben und prognostizieren in ihrem "Outlook" für 2019 einen massiven Erholungskurs am Ölmarkt. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten sei mit einem Anstieg bis auf 85 US-Dollar je Barrel zu rechnen, erklären die Analysten. Dennoch sollten Anleger sich weiterhin global diversifizieren, um idiosynkratischen, politischen Risiken in der aufstrebenden Region EMEA sowie in der Eurozone und im Vereinigten Königreich, die nächstes Jahr die Europäische Union verlassen werden, vorzubeugen.

Positiv gestimmt - mit eingetrübter Prognose

Auch das Finanzhaus JPMorgan gehört zu den bullish eingestellten Ölpreis-Analysten. Noch vor wenigen Wochen haben die Experten für 2019 einen Brent-Preis von 83,50 US-Dollar prognostiziert. Inzwischen hat das Analystenteam um Scott Darling, der für das Öl- und Gasgeschäft im asiatisch-pazifischen Raum zuständig ist, aber deutlich geringere Erwartungen an die Preisentwicklung für das schwarze Gold. Bis auf 73 US-Dollar werde es wohl aufwärts gehen, hieß es in der jüngst gesenkten Prognose. Darling verweist insbesondere auf das gekippte Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Zwar gebe es aktuell und im kommenden Jahr noch einen Angebotsüberhang, für 2020 sieht der Experte aber wenig Luft nach oben: Bis dahin werde der Ölpreis zum aktuellen Niveau eher seitwärts tendieren, heißt es.

Vorsichtige Optimisten: Leichter Anstieg in 2019

Weiterhin positiv beurteilt die Bank of America Merril Lynch die Ölpreisentwicklung im neuen Jahr. Die Experten gehen von einer Erholung bis auf 70 US-Dollar je Barrel aus, Analyst Hootan Yazhari hält für das zweite Quartal sogar noch einen deutlicheren Anstieg für möglich. Dabei verweist der Experte insbesondere auf die jüngst beschlossene Förderkürzung durch die OPEC. "Wir glauben, dass die (OPEC)-Kürzungen ausreichend waren". Die noch im Laufe des aktuellen Jahres prognostizierten möglichen Höchstände hält Yazhari angesichts der jüngsten Schwäche aber nicht mehr für realistisch: "Sicherlich sehen wir nicht, dass die Ölpreise auf das Niveau von 90 US-Dollar steigen".

Einen Ölpreis von rund 70 Dollar für ein Barrel Brent Crude halten auch die Analystenkollegen von Goldman Sachs für machbar. Der Leiter der Rohstoff-Sparte der US-Großbank, Jeff Currie, glaubt an eine kräftige Erholung im kommenden Jahr. Dabei setzt der Analyst nicht nur auf die Wirkung der von der OPEC beschlossenen Förderkürzungen sondern auch auf eine mögliche Lösung im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China. Diese könne "aktive Händler zurück in den Markt holen". Die Hoffnung auf steigende Ölpreise im Jahr 2019 stützt auch Michele Della Vigna, Leiter der EMEA-Abteilung für Naturressourcen vom gleichen Finanzhaus. Er rechnet mit einem eklatanten Nachfrageüberhang, der sich deutlich auf die Ölpreise durchschlagen werde. "In den 2020er Jahren wird es eine deutliche Ölknappheit geben, weil niemand vollständig in die Ölförderung investieren darf", so Della Vigna. Darüber hinaus werde der Übergang zu niedrigeren CO2-Emissionen durch höhere und nicht durch niedrigere Ölpreise erfolgen, betonte er.

Auch Norbert Rücker von Julius Bär schließt sich der Einschätzung von Goldman Sachs mehrheitlich an. Der Rohstoffanalyst hat jüngst für die nächsten drei Monate ein Brent Crude-Preisziel von 72,50 US-Dollar ausgegeben. Einen langfristigen Aufwärtstrend erwartet der Experte aber nicht, sondern rechnet damit, dass der Durchschnittspreis auf längere Sicht gesehen bei rund 65 US-Dollar liegen wird.

Kommt der graue Schwan?

Während die Mehrheit der Analysten angesichts der jüngsten Einigung auf eine Förderkürzung um 1,2 Millionen Barrel pro Tag in den kommenden sechs Monaten mit einem Nachfrageüberhang und daher mit steigenden Kursen rechnen, hat die japanische Nomura-Bank ein gegensätzliches Szenario skizziert. Es sei "plausibel", dass der Ölpreis 2019 bis auf 20 US-Dollar je Barrel sinken könne, so das Analysehaus, denn die Ölpreise hätten in der jüngsten Vergangenheit ohnehin den erwarteten Entwicklungen getrotzt.

Allerdings handelt es sich bei dieser Vorhersage nicht um eine fundierte Prognose, sondern um einen so genannten "grauen Schwan" - um ein Ereignis, das die Märkte in ihren Grundfesten erschüttern könnte, aber wenig wahrscheinlich ist. Fest steht: Kommt der graue Schwan, dürften die Finanzmärkte äußerst empfindlich reagieren.

Auch wenn sich US-Präsident Donald Trump immer wieder für billigere Ölpreise ausgesprochen hat - ein Einbruch bis auf 20 Dollar je Barrel wird auch die US-Wirtschaft empfindlich treffen: Immerhin sind die Vereinigten Staaten - auch dank des höheren Ölpreises - zum weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegen. Geht es nach Trump, soll sich der Ölpreis am besten bei 50 US-Dollar je Barrel einpendeln: Denn höhere Preise dämpfen die Kauflaune der Konsumenten, bis zur 50-Dollar-Grenze würden US-Produzenten gerade noch Geld verdienen.

Dass die Mehrheit der Analysten von einem Erholungskurs der Ölpreise in 2019 ausgehen, dürfte Donald Trump daher nicht gefallen.

Redaktion finanzen.net

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