26.11.2015 03:00

Halver, Müller & Otte: Was die TV-Gurus jetzt raten

Euro am Sonntag-Titel: Halver, Müller & Otte: Was die TV-Gurus jetzt raten | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Titel
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Im Interview mit €uro am Sonntag geben die Finanzexperten Robert Halver, Dirk Müller und Max Otte exklusiv Einschätzungen zu den Märkten und verraten ihre Top-Empfehlungen.
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€uro am Sonntag
von W. Ehrensberger, A. Sturm, F. Westermann, und S. Bauer, Euro am Sonntag

Im Privatfernsehen, aber auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist guter Rat teuer, wenn es an den Aktienmärkten hoch hergeht. Die Börsenprofis Robert Halver, Dirk Müller und Max Otte gehören zu den begehrtesten TV-Gästen bei Fragen rund ums Thema Finanzen. "Wohin steuert der DAX?", "Muss ich jetzt Gold kaufen?" - so lauten drängende Fragen in diesen Tagen. Die Kurse schwanken mit der Stimmung der Börsianer: zwischen Hoffnung, etwa auf weitere Stützungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank, und Verunsicherung nach dem Schrecken der jüngsten Terroranschläge.


Guter Rat ist in bewegten Börsenzeiten besonders wertvoll. Die Medienstars bringen ihre Meinung dabei prägnant auf den Punkt - und lehnen sich gern weit aus dem Fenster. Etwa mit der Aussage, dass auf den globalen Märkten vielfach die Mechanismen von Angebot und Nachfrage ausgehebelt wurden.

Manipulationen? Aber ja!

Manipulationen beim Goldpreis etwa hält Dirk Müller für wahrscheinlich. Der Bankkaufmann und Börsenmakler, der seine Popularität als "Mr. DAX" auch der Tatsache verdankt, dass er an der Frankfurter Börse immer wieder vor der DAX-Anzeigetafel fotografiert wurde, führt zwar keine Beweise auf, dass der Goldpreis künstlich niedrig gehalten wird, beim Publikum aber erzeugen solche Thesen Neugier. Müllers Buch "Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld" war wochenlang in den Bestsellerlisten. Auch der Rat von Max Otte ist bei Anlegern gefragt. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre macht als Buchautor und Kolumnist mit kantigen Thesen auf sich aufmerksam. "Wir haben eine Tendenz zu hochgradig manipulierten Märkten, zur Kontrolle, zur Überwachung", sagt Otte und meint etwa die jahrelange, expansive Geldpolitik der Zentralbanken. Otte geht im Interview mit €uro am Sonntag noch weiter - und spricht davon, dass der Westen angesichts des Terrors in Europa womöglich auf dem Weg in Richtung des "totalen Staates" sei.


Dass der Goldpreis höher stehen müsste, diesen Standpunkt vertritt auch Robert Halver. Der Kapitalmarktexperte der Baader Bank ist einem breiten Publikum durch seine regelmäßigen Marktanalysen etwa in der Börsenberichterstattung der ARD bekannt. "Die Notenbanken wollen keine Parallelwährung zum Geld", sagt Halver. Auch der Banker ist überzeugt, dass an den Börsen zurzeit nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Kein Wunder, dass die TV-Gurus Anleger vor den Folgen der Notenbankpolitik warnen. Die Geldschwemme ist demnach ungesund und bläht auf lange Sicht einzelne Märkte unnatürlich auf. "China ist die größte Blase der Weltgeschichte", sagt etwa Müller. Komplett neu errichtete, aber leerstehende Städte in der größten Volkswirtschaft führt der ehemalige Börsenhändler als Beleg für gigantische Fehlinvestitionen an.

Mit Produkten präsent

Die TV-Prominenz macht indes nicht nur mit kernigen Aussagen auf sich aufmerksam. Anlegern offerieren die Auguren ihr Wissen auch in Form handfester Investmentprodukte. Sowohl Müller als auch Otte sind mit eigenen Fonds am Kapitalmarkt präsent. Dass es allerdings nicht immer einfach ist, mit dem Markt Schritt zu halten, diese Erfahrung haben auch die Profis bereits machen müssen.


So hinkt etwa der Max Otte Vermögensbildungsfonds AMI P, der im Juli 2013 aufgelegt wurde, dem DAX im Jahresvergleich ein gutes Stück hinterher. Das Produkt schwankt dafür allerdings auch nicht so stark wie der Leit­index. Dirk Müllers Premium-Aktien-Fonds, der im April startete, hatte wegen der volatilen Börsen seither ebenfalls kein leichtes Spiel.

Trotz aller Skepsis sind die drei Anlageprofis in einem Punkt der gleichen Meinung: Aktien werden weiter laufen. "Die Chancen sind da, dass der DAX im nächsten Jahr Richtung Allzeithoch läuft", sagt Baader-Experte Halver. "Die Luft wird dünner. Aber es gibt Potenzial für steigende Kurse", sagt Müller. Und selbst Otte, der sich einst mit seinem zwei Jahre vor der Finanzkrise erschienenen Buch "Der Crash kommt" einen Namen machte, gibt sich keineswegs als Baisse-Prophet, im Gegenteil: "Der DAX kann 2016 locker 13.000 bis 14.000 Punkte schaffen."

Den Lesern von €uro am Sonntag geben die bekanntesten deutschen Kapitalmarktprofis auf den folgenden Seiten exklusiv Einblicke in ihre Strategien und Prognosen. Und dazu gibt es noch eine ganze Menge wertvoller Investmentideen.

Robert Halver

Herr Halver, wie viel Luft haben die Aktienmärkte nach sieben Jahren Hausse?
Robert Halver: Die Börsen bekommen dann ein Problem, wenn die Geldpolitik restriktiv wird. Ich erwarte aber, dass die EZB noch mehr Geld verabreicht, was die Aktienmärkte liquiditätsseitig, aber auch mit Blick auf Konjunkturstützung treibt. Es wird auch keine Finanzkrise mehr in Griechenland geben. Immerhin kommt dem Land eine entscheidende Rolle in der Flüchtlingskrise zu. Selbst ohne Reformen wird neues Hilfsgeld nach Athen durchgewinkt. Im Moment ist Tsipras mächtiger als Frau Merkel.

Wir sehen also weiter steigende Kurse?
Die Herausforderungen sind hoch, es wird volatiler, doch sind die Chancen da, dass der DAX 2016 sogar Richtung Allzeithoch läuft.

Eine Crashgefahr sehen Sie nicht?
Es gibt zwar Risiken. Wir haben den Konflikt mit Russland, die Flüchtlingskrise und asiatische Volkswirtschaften, die den Übergang von Export und In­vestitionen hin zu Konsum schaffen müssen. Doch wird China ein ganzes Feuerwerk an Konjunkturmaßnahmen abbrennen, die auch den Exportnationen zugutekommen. Auch die Euroschuldenunion ist ein Risiko. Doch wird die EZB jede Staatsanleihen- und Bankenkrise verhindern, weil Europa ansonsten Zerfallserscheinungen zeigen könnte.

Sehen Sie langfristige Auswirkungen der Terroranschläge in Paris?
Die negativen Reaktionen an den Finanzmärkten waren sehr begrenzt. Dort hat man sich ein dickes Fell zugelegt. Natürlich, würde der Terrorismus uns regelmäßig heimsuchen, wäre dies ein großes Handicap. Doch ein gemeinsamer Feind eint mehr als 1.000 gemeinsame Freunde. Es ist ermutigend, dass sich endlich eine internationale Anti-Terror-Koalition abzeichnet. Und auch Europa zieht an einem Strang im "Krieg" gegen den radikalen Islamismus. Endlich ein klares Signal, dass ­Europa trotz des Hauens und Stechens zuletzt doch noch funktioniert. Damit könnten auch Lösungen in der Flüchtlingskrise verfolgt werden. So werden die Finanzmärkte wieder mehr geo­politisch gestützt und immer weniger geopolitisch geschwächt.

Sollen sich Anleger mit Gold absichern?
Ich bin ein Anhänger von Gold. Denn die germanische Stabilität ist dahin. Allerdings werden die Notenbanken einen deutlichen Preisanstieg verhindern, da dieser die Rettung der Finanzwelt mit Geld konterkarieren würde. Doch die Schuldenmania mit geldpolitischer Bezahlung wird irgendwann ihren Preis haben. Dann wird man froh sein, auch Gold zu besitzen.

Sollte man physisches Gold besitzen oder in Papierform?
Wer mit Gold spekuliert, tut dies mit den Instrumenten der Finanzmärkte. Ich persönlich sage, wenn ich schon ­Sicherheit haben will, dann auch in seiner besten Form - physisch.

Was empfehlen Sie Anlegern, die jetzt einsteigen wollen?
Man sollte auf regelmäßige Ansparpläne setzen. Damit kann der Anleger Schwankungen nutzen und bekommt bei Kursschwäche mehr Aktienanteile fürs Geld. Den Schwerpunkt sollte man auf Deutschland und Europa legen. Europa profitiert von Nachholeffekten aufgrund der Eurokrise, der freizügigen EZB und der niedrigen Rohstoffpreise. Und natürlich hilft die bewusste Euroschwäche der EZB den Exportaktien.

Welche Länder, Branchen und Indizes empfehlen Sie Aktieninteressierten?
Ich halte im nächsten Jahr Europa für das Kerninvestment, noch vor den USA. Nach planwirtschaftlicher Konjunkturstabilisierung, die gegen eine Wiederholung der Asienkrise von 1997/98 spricht, sind auch die Emerging Markets wieder interessant. Dazu zählen nicht nur China, sondern auch die Anrainerstaaten. In Deutschland sind vor allem Industriewerte aussichtsreich, die von einer Beschleunigung der Weltkonjunktur profitieren und damit auch Titel aus dem MDAX. Zum Jahresanfang sind auch wieder Dividendentitel als Ersatzbefriedigung zu Zinsanlagen interessant.

Auf Sicht von zehn Jahren - mit welcher Aktie fährt man wohl am besten?
Die IT- und Social-Media-Revolution geht weiter. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass sich Daimler gut entwickelt. Die Autokonzerne tun sich immer stärker mit IT-Firmen zusammen. Das könnte den Zuspruch für Daimler noch erhöhen. Im Übrigen könnte Daimler Teile des Volkswagen-Konzerns übernehmen.

Sie vertreten seit Langem die Meinung, dass die Zinsen nie wieder wirklich steigen. Finden Sie das denn realistisch?
Die US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie kann nicht seit ihrem Amtsantritt von der US-Leitzinswende sprechen und dann nichts machen. Aus dieser Perspektive ist eine Zinserhöhung im Dezember zu erwarten. Allerdings wird die US-Notenbank keine massive Zinserhöhungsrunde riskieren, die die Mutter aller Blasen, die Anleiheblase, zum Platzen bringen würde. Denn dann wäre die gesamte Finanzwelt ruiniert. Die Fed ist ohnmächtig dazu gezwungen, allmächtig zu sein. Wirklich restri­ktive Geldpolitik kann nicht mehr betrieben werden. Daneben hat die Fed Angst vor einem zinserhöhungsbedingt zu starken US-Dollar, der die eigenen Exportchancen schmälert und zu einer Kapitalflucht aus den Schwellenländern führt.

Angenommen, die Fed erhöht die Zinsen im Dezember. Was passiert dann an den Märkten?
Ein Zinserhöhungsschritt ist eingepreist. Entscheidend ist aber, was die Fed nach der Zinserhöhung macht. Dann muss sie diesen "Schock" heilen, indem sie klarmacht, dass ihre Zinsres­triktionen zukünftig sehr homöopathisch verlaufen werden und/oder den Zinserhöhungsschmerz durch ein weiteres Programm für US-Staatsanleihekäufe zur Begrenzung ansteigender Renditen und US-Dollar lindern.

Herr Halver, wie investieren Sie eigentlich privat?
Von Altersvorsorge mit mickrigen Zinsanlagen bekomme ich Bauchschmerzen. Ich investiere regelmäßig in Aktien­ansparpläne. Trotz dreier Krisen - Neuer Markt, Immobilienkrise, Eurokrise - bin ich dick im Plus. Das liegt daran, dass man bei schwachen Kursen mehr Aktienanteile für sein Anlagegeld bekommt. Und geht es wieder nach oben, steigen Aktien wie bei einer Flut. Ich greife aber auch zu, wenn die Märkte übertrieben gefallen sind. Bei Überhitzungsphasen sichere ich Gewinne ab. Dazu muss man sich ein wenig mit den Finanzinstrumenten beschäftigen. Ein Hexenwerk ist das aber nicht.

HALVERS TIPPS (PDF)

Dirk Müller

Herr Müller, wie viel Luft haben die Börsen noch nach jahrelanger Hausse?
Dirk Müller: Die Luft wird dünner. Es ist gibt aber Potenzial für steigende Kurse, weil viel billiges Geld im Umlauf ist. Die Bewertung vieler konservativer Aktien ist fair, bei einigen technologischen Hoffnungsaktien ist sie zu hoch. Aktien wie Apple sind aber nicht zu teuer, wenn man neben dem Kurs-Gewinn-Verhältnis die Wachstumschancen berücksichtigt.

Der US-Aktienmarkt kommt 2015 kaum voran. Wie gefährlich ist die Schwäche des Leitmarkts für die Börsen?
Der S & P steht knapp unter dem Allzeit­hoch. Beim DAX und Euro Stoxx wären wir froh darüber. Risiken sehe ich aber neben einer sich abkühlenden US-Wirtschaft eher aus einer anderen Ecke.

Aus welcher denn?
In China sehen wir abseits der offiziellen Zahlen eine massive Abkühlung der Wirtschaft. China hat 25 Jahre Boom erlebt ohne Unterbrechung. Da wurden jede Menge Fehlinvestitionen getätigt: komplette Städte, die leer stehen, menschenleere Autobahnen. Solange die Preise stiegen, war das Investoren egal. China ist die größte Blase der Weltgeschichte. Sie kann die ganze Weltwirtschaft mitreißen. Die große Frage ist, ob es China gelingt, mit staatlichen Eingriffen die Konjunktur zu stützen. Die Währungsreserven sind - noch - da.

Wie zuversichtlich sind Sie für eine Jahresendrally?
In drei von vier Jahren gibt es eine. Die großen Vermögensverwalter haben alle das gleiche Ziel: Sie wollen zum Stichtag am 31. Dezember mit ihren Portfolios gut aussehen. Je besser die Wertentwicklung, desto mehr Erfolgsgebühren können sie verlangen und desto höher sind die Gehälter der Fondsmanager. Es muss schon viel passieren, bis die Jahresendrally ausfällt.

Was könnte der Spaßverderber sein? Die US-Zinswende, die immer mehr Investoren im Dezember erwarten?
Ach, die Zinswende. Wir reden seit Jahren darüber. Ich sage seit zwei Jahren, dass sie so schnell nicht kommen wird, und hatte recht damit. Aber selbst wenn es dazu kommt, werden die Zinsen nur homöopathisch steigen.

Auf die Terroranschläge in Paris haben die Börsen bisher kaum reagiert. Welche Folgen sehen Sie langfristig?
Sollten die Menschen zur Einschätzung kommen, dass sich die Gefährdungslage nachhaltig ändert, würde das voraussichtlich negativ auf den Konsum wirken. In jedem Fall dürfte die Investitionsbereitschaft im In- und Ausland wegen erhöhter Unsicherheiten sinken. Wie stark diese Auswirkung sein wird, lässt sich heute absolut nicht sagen.

Was empfehlen Sie Anlegern für die nächsten Monate?
Ich mag Qualitätsaktien mit starken Bilanzen und guten Wachstumsperspektiven. Etwa den Bierkonzern Anheuser-Busch, der SAB Miller übernehmen will. Ich glaube, dass sich im Zahlungsverkehr viel tun wird, weil der Trend weg vom Bargeld geht. Hier sind Mastercard und Ingenico gut aufgestellt. Eine Qualitätsaktie ist auch der US-Krankenhausdienstleister Universal Health Services. Zudem mag ich das sehr profitable norwegische Lachsunternehmen Bakka­frost. All diese Unternehmen halten wir im Dirk Müller Premium Aktien Fonds.

Und von welchen Firmen sollten Investoren besser die Finger lassen?
Fossile Energien haben mittelfristig ausgedient. Der Trend geht weg von Öl und Gas. Die G7 will die Energieversorgung schnellstmöglich auf 100 Prozent erneuerbare Energien umstellen. Dazu kommt das Überangebot am Ölmarkt.

Sie haben schon öfter für Gold plädiert. Nun hat das Edelmetall in drei Jahren gut ein Drittel an Wert verloren. Bleiben Sie dabei?
Gold gehört in jedes Depot. Investoren sollten zehn bis 20 Prozent ihres liquiden Vermögens in Gold halten. Nicht unbedingt um reich zu werden, sondern als Gutschlaferle. Ein heute 90-Jähriger hat viele Währungen erlebt. Gold beruhigt, weil es immer einen Wert haben wird.

Wobei Gold durchaus stark schwankt ...

Es kommt darauf an, welche Notierung man betrachtet. Der Goldpreis in Euro liegt seit 2013 bei rund 1.000 Euro. Bei der Dollarnotierung haben wir zweifellos eine Übertreibung gesehen, als Gold bei über 1.800 Dollar je Unze stand. Der Fall auf fast 1.000 Dollar war aber auch eine. Aktuell würde ich den fairen Goldpreis um 1.200 Dollar je Unze sehen.

Gold hat weder auf die Krise in Griechenland noch den Krieg in der Ukraine reagiert. Taugt Gold als Krisenschutz?
Ich würde Gold nicht unbedingt als Krisenschutz sehen. Der Goldpreis wird von allem Möglichen getrieben, nicht nur von Geopolitik. Von allen Märkten wird wahrscheinlich am meisten auf den Edelmetallmärkten manipuliert. Fakt ist, dass die Nachfrage nach physischem Gold hoch ist. Es dient weiter als Wertsicherung.

Was raten Sie konservativen Anlegern? Anleihen werfen ja kaum Rendite ab.
Stimmt. Es gibt kaum Gründe, Bundesanleihen zu kaufen. Die Kurse sind so weit gelaufen, dass immense Verluste drohen, wenn die Zinsen steigen. Und spätestens nach Abzug auch zukünftiger Inflation sind die Renditen negativ. Generell sehen wir extreme Überbewertungen in allen Anleihesegmenten.

Die Anleiherenditen könnten noch fallen, wenn die EZB ihre Geldpolitik weiter lockert. Rechnen Sie damit?
Mario Draghi hat es erneut angedeutet und auf die schwache Weltwirtschaft verwiesen. Ich glaube, dass er die Staatsanleihenkäufe ausweiten wird auf Länderanleihen, Kommunalbonds oder sogar Kreditverbriefungen. Auch könnte das Kaufvolumen steigen oder der negative Einlagenzins für Banken sinken.

Eine neue Lockerung der EZB sollte doch die Aktienmärkte weiter treiben?
Ja, aber zugleich sollen angeblich in den USA die Zinsen steigen. Dann wäre es klar, was der Wechselkurs macht: Der Dollar würde noch steigen und der Euro fallen. Dabei haben US-Konzerne schon Probleme mit dem starken Dollar. Ich bin gespannt, ob das wirklich so kommt.

Wie reagieren Sie in Ihrem Fonds auf die unübersichtliche Lage?
Es kann viel passieren. Es gibt ebenso gute Argumente für steigende Kurse wie für Einbrüche. Deshalb sichere ich den Fonds über Put-Optionen auf Aktienindizes ab. Fallen die Märkte, gewinnen sie an Wert und bremsen so die Verluste des Fonds deutlich ab. Die Absicherung kostet etwas Rendite, ist es aber wert.

Halten Sie momentan mehr Barmittel?
Die Cashquote liegt derzeit bei etwa drei Prozent. Der Fonds ist fast vollständig in Qualitätsaktien wie die erwähnten investiert. Sie verkaufe ich auch in Korrekturen nicht, sondern kaufe dann mit dem Erlös aus der Absicherung nach. So sind wir bei Kursgewinnen fast vollständig dabei und sehen dank Absicherung bei fallenden Kursen nicht schlecht aus.

MÜLLERS TIPPS (PDF)

Max Otte

Herr Otte, nach den Anschlägen in Paris - wie geht es an den Märkten weiter?
Max Otte: Wir haben insgesamt eine Tendenz zu hochgradig manipulierten Märkten, zu Kontrolle, zu Überwachung. Unsere Märkte sind seit Jahren manipuliert durch billiges Geld, durch Strafzinsen. Im US-Markt sehen wir viele Unternehmen, die Aktien zurückkaufen, um die Kurse hochzuhalten. Insofern sind die Anschläge möglicherweise der nächste Schritt auf dem Weg zum totalen Staat. Im Namen der Freiheit wird man Unfreiheit verbreiten. An unseren manipulierten Märkten wird die positive Kursentwicklung jedoch weitergehen, solange uns die Lage in ­Europa nicht völlig entgleitet.

Was genau meinen Sie mit manipulierten Märkten?
Beispielsweise Industriepolitik wie die Bestrafung der Schweizer Banken durch die USA, die praktisch an das US-Finanzministerium angeschlossen sind. In einem Szenario der Hysterie lassen sich Zwangsmaßnahmen noch besser umsetzen und verfeinern. Und der Westen, die USA und ihre Verbündeten sind darauf angewiesen, dass das billige Geld weiter sprudelt und dass die Aktienmärkte auf einem hohen Bewertungsniveau bleiben.

Wie groß ist die Crashgefahr?
Die Bewertungen sind fundamental nicht so, dass jetzt eine Korrektur hermuss, insbesondere nicht im DAX. Der DAX ist bestenfalls fair bewertet. Eine Crashgefahr sehe ich nicht, auch weil wir mehr und mehr Zwangsmaßnahmen haben. Die USA und ihre Verbündeten werden die Märkte einschränken, das geht in Richtung einer Zombiewirtschaft wie in Japan nach 1990, man hält Scheintote am Leben.

Scheintote?
In Japan waren das damals die Banken. Jetzt versucht man, aus politischen Motiven heraus bestimmte Sektoren lahmzulegen. Das sind zum Beispiel die europäischen Banken, die mit einer Marktordnungspolitik zu kämpfen haben, die normale Banken niederdrückt und die Investmentbanken weitermachen lässt. Wir haben Probleme im Rohstoffbereich. In Deutschland haben wir die Versorger, die völlig am Boden sind.

Wie sollten sich Anleger in diesem schwierigen Umfeld positionieren?
Wir sind seit Frühjahr 2009 mehr oder weniger mit Vollgas in Aktien investiert. Wir sind Langfristanleger, irgendwann wird die Zeit kommen, wo wir sagen, es müssen auch wieder Anleihen oder Geldvermögen her. Aber da sind wir noch lange nicht.

Wo kann der DAX nach der jahrelangen Aktienhausse Ende 2016 stehen?
Ich denke, dass der DAX bis Ende 2016 locker 13.000 bis 14.000 Punkte schaffen kann. Das ist durchaus realistisch.

Wie viel Gold soll ins Depot?
Vielleicht zehn Prozent. Und den Rest in Qualitätstitel.

Früher empfahlen Sie fünf Prozent.
Ja, die Situation ist kritischer geworden. Und Gold ist etwas billiger. Es ist die Versicherung. Gold ist nicht korreliert mit den anderen Anlageklassen. Und das kostet etwas.

Und welche Qualitätstitel?
Wir sind überwiegend nicht in DAX-Titeln, weil wir in dieser Phase die sichersten Unternehmen der Welt bevorzugen. Das sind Firmen mit stabilen Geschäftsmodellen, da gibt es im DAX nicht viele - Beiersdorf, Henkel, Fresenius, das sind Sachen, die sehr stabil laufen, aber die vielleicht schon etwas teuer sind. Wir haben vor allem Konsumgüter und Informationstechnik. Der IT-Bereich stellt wahrscheinlich die neuen Konsumgüter in der Datenwelt dar, eine Microsoft zum Beispiel. IBM wird vielleicht auch wiederkommen. Daneben der französische Luxuskonzern LVMH mit seinem stabilen Geschäftsmodell, dazu Roche. Das sind stabile Geschäftsmodelle in den Krisen, die wir noch haben werden.

Was ist mit Rohstoffwerten?
Die Ölwerte sind nicht mehr ganz so ­defensiv zu sehen. Mittlerweile ist die Energiewende ja erfolgt, Solarstrom ist inzwischen billiger als Strom aus Öl. Also sollten Öl- und Rohstoffwerte nicht übergewichtet werden.

Wie sieht das in Ihren Fonds aus?
Da will ich offen sein: Wir haben im zweiten Halbjahr 2014 deutlich underperformt, weil wir auch einen signifikanten Anteil an Energie- und Rohstofftiteln hatten. Das ist uns einmal in 15 Halbjahren passiert. Aus der zunehmenden Unsicherheit haben wir Konsequenzen gezogen. Wir bleiben voll investiert in Aktien, aber erhöhen sehr stark den Anteil der wirklich sicheren Unternehmen, die in einer so schwierigen Wirtschaftslage noch Aussicht auf Wachstum haben.

Können Sie abschließend Ihre Anlagestrategie als Value-Investor erläutern? Value ist nicht gleich Value.
Ich nenne zwei Namen: die Value-Investoren Benjamin Graham und Warren Buffett. Graham hat in zyklische Werte investiert, die gerade heruntergeprügelt worden sind. Buffett investiert in Unternehmen, die hohe Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Wachstumsperspektiven haben. Dafür zahlt er auch etwas mehr. Value kann also sein: saubillig, und ich warte auf die Erholung. Value kann aber auch sein: langfristiges, kontinuierliches Wachstum, und ich bin dabei. Letztendlich heißt Value: unter dem ökonomischen Wert einkaufen.

Sind Sie ein Graham oder ein Buffett?
Wir haben 2010 bis 2014 viel nach Graham investiert, da war zum Beispiel der gesamte griechische Aktienmarkt so viel wert wie der BMW-Konzern. Wir haben damit auch ordentlich Geld verdient. Aber durch die manipulierten Märkte funktioniert Graham nicht mehr so wie bisher. Deshalb sind wir seit ein bis zwei Jahren stärker in Richtung Buffett unterwegs.

OTTES TIPPS (PDF)

Bildquellen: Max Otte, Dirk Müller

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