21.06.2018 21:44
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Tesla-Shortseller schmieren ab - doch die Leerverkäufer wetten weiter gegen Musk

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Die rasante Kursentwicklung der Tesla-Aktie in der vergangenen Woche hat den Shortsellern des Papiers einen erheblichen Verlust eingebrockt. Doch die Leerverkäufer beharren auf ihrer Einschätzung und haben dafür auch gute Gründe.
Zwischen dem bisherigen Jahrestief bei 244,60 US-Dollar pro Aktie und dem gegenwärtigen Kurs von rund 370 US-Dollar liegen nun schon mehr als 51 Prozent Kursperformance für die Tesla-Papiere. Allein die zurückliegende Handelswoche bescherte den Aktionären des Musk-Konzerns eine rund 18-prozentige Kurssteigerung. Leerverkäufer mussten hingegen leer ausgehen und verzeichneten Rekordverluste in Milliardenhöhe.

Die Anteilseigner bleiben zuversichtlich

Der ungebrochene Eifer von Elon Musk und die Zuversicht der Aktionäre haben somit so manchem Hedgefonds-Manager die Bilanz verhagelt. Allein die Ankündigung von Musk, 9 Prozent der Belegschaft zu entlassen, verlieh der Aktie ein neues Momentum. Des Weiteren baute der Tesla-CEO seine persönliche Beteiligung am Unternehmen aus und kaufte in den vergangenen Tagen für insgesamt 24,9 Millionen US-Dollar 72.500 Aktien seines Konzerns. Optimisten und Fans des Elektrofahrzeugherstellers sehen diesen Schritt als positives Zeichen, welcher der Profitabilität des Konzerns neuen Schub verleihen soll. Die Leerverkäufer werten die Entlassungen der Mitarbeiter jedoch eher als neue Liquiditätskrise des Konzerns. Sie glauben, dass es Musk nicht gelingen wird, neues Kapital aufzubringen, um die Schulden zu begleichen und alle zukünftigen Vorhaben zu finanzieren.

Kostspielige Ambitionen von Musk

Im Gegensatz zu Goldman Sachs behauptet Elon Musk, in diesem Jahr kein weiteres Eigenkapital oder Fremdkapital aufnehmen zu müssen. Die US-Investmentbank schätzt hingegen, dass der Konzern bis 2020 mindestens zehn Milliarden US-Dollar an frischem Kapital benötigt, um alle Projekte am Laufen zu halten. Der Hedgefonds-Manger Darius Brawn, der für SAC & Citadel gearbeitet hat, sagte gegenüber CNBC, dass er zehn Milliarden US-Dollar sogar für eine sehr konservative Schätzung hält. Seiner Einschätzung nach würde dieser Betrag nicht ausreichen, um Projekte wie die Model 3-Produktion hochzufahren, neue Fabriken zu bauen, einen neuen Roadster, den Semi-Truck, den Model Y herzustellen oder die groß angelegte Produktion der Glassolardachziegel zu beginnen.

Brawn findet es unterdessen sehr merkwürdig, dass ein Wachstumsunternehmen wie Tesla seine zukünftigen Investitionsausgaben kürzt. Im vergangenen Quartal reduzierte Musk die Summe für neue Investitionen von 3,4 Milliarden US-Dollar auf unter drei Milliarden US-Dollar. Nach der Analyse von Brawn kann Tesla ohne frisches Kapital nur noch wenige Quartale durchhalten. Seine Einschätzung stützt er dabei auf den erwarteten Cashflow des Unternehmens, den ausgewiesenen Investitionsplan und die Kreditverträge.

Geringe Margen werden zum Problem

Shortseller und Gründer von Kynikos Associates Jim Chanos, der sogar den Fall von Enron vorhergesagt hat, warnt Investoren nun vor einer zu optimistischen Einschätzung der Lage für die Unternehmen aus dem Silicon Valley. Bezüglich Tesla sagte Chanos gegenüber CNBC: "Das Unternehmen ist aus dem operativen Geschäft nicht profitabel. [...] Das Problem ist, dass [Musk] die Autos mit einer zu geringen Bruttomarge ausstattet, um wirklich Geld zu verdienen - und das bevor der wirkliche Wettbewerb anläuft, der spätestens in diesem oder Anfang nächsten Jahres beginnt."

Skepsis von Hedgefonds bricht nicht ab

Neben Darius Brawn und Jim Chanos kann auch Gabe Hoffman von Accipiter Capital zu den Tesla-Bären gezählt werden. Hoffman ist auch auf Twitter einer der lautesten Leerverkäufer wenn es um die Musk-Aktie geht. Unlängst nannte er das Papier "die größte Kultaktie aller Zeiten." Nach der Meinung von Hoffman eignet sich die Aktie ausschließlich für Anleger, die mit dem Musk-Mythos verzaubert sind und an die Story glauben. Größere Investmentbanken blicken jedoch hinter den Mythos und entglorifizieren das Märchen von Musk. Diese Tatsache könnte nach der Beurteilung von Hoffman in der Zukunft zum Problem werden, wenn Tesla weitere Kapitalerhöhungen durchführen muss. "Das Underwriting von Wertpapieren stellt für jede Investmentbank ein Risiko dar. So verloren Investmentbanken zum Beispiel beim Facebook-IPO eine Menge Geld, weil sie Geldstrafen und Rechtstreitigkeiten begleichen mussten, nur weil es beim Börsengang für eine relativ kurze Zeit zu Problemen gekommen ist", so Hoffman gegenüber CNBC.

"Ich glaube nicht, dass Wall Street-Investmentbanken bereit sind, massive Reputations-, rechtliche- und finanzielle Risiken einzugehen, die mit der Zeichnung von Milliarden von US-Dollar an neuen Tesla-Aktien verbunden sind", so Hoffman weiter. Er und andere Leerverkäufer glauben unterdessen fest daran, dass Tesla möglicherweise nicht in der Lange sein wird neue Aktien am Kapitalmarkt zu platzieren.

Differenzen beim Leasing

Am 3. Juni kündigte Elon Musk seinen Fans auf Twitter an, dass "Leasing den Cash-Flow von Tesla negativ beeinflusst." Aus diesem Grund möchte Musk diese Leasing-Option für den Model 3 in naher Zukunft erst einmal nicht anbieten. Experten wie Brawn, Hoffman und andere Shortseller sehen jedoch gerade im Leasing eine enorme Chance für das Unternehmen.

Erneute Kapitalerhöhung bleibt ein Thema

Wenn selbst Tesla-Manager sagen, dass sie dieses Jahr noch frisches Kapital aufbringen müssen, ist es sinnvoll, das Tesla abwartet, bis die Aktie ein neues Hoch markiert. "Wenn Sie bei 250$ pro Aktie eine Kapitalerhöhung machen, ist die Verwässerung für die Aktionäre bedeutender, als wenn Sie dies bei 450$ pro Aktien tun", so Romit Shah von Nomura in Bezug auf die Gerüchte zu einer möglichen Kapitalerhöhung. Des Weiteren erkennt sogar Darius Brawn an: "Wenn es [Tesla] gelingt, erheblich neue Schulden oder Aktien aufzuwenden, wird sich meine Einschätzung als falsch erweisen."

Pierre Bonnet / finanzen.net

Bildquellen: Sergio Monti Photography / Shutterstock.com, Kevork Djansezian/Freier Fotograf/Getty Images

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