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26.03.2020 09:53

Aramco, Facebook & Co.: So haben sich die größten IPOs der vergangenen 10 Jahre entwickelt

Mega-Börsengänge: Aramco, Facebook & Co.: So haben sich die größten IPOs der vergangenen 10 Jahre entwickelt | Nachricht | finanzen.net
Mega-Börsengänge
Die Börsengänge von Aramco, Alibaba und Facebook bescherten frühzeitigen Investoren enorme Kursgewinne. Jedoch entwickelten sich in den vergangenen zehn Jahren längst nicht alle großen Erstplatzierungen zu derartigen Gewinnbringern.
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Ob ein IPO zu einem Erfolgsinvestment wird, lässt sich manchmal schwer vorhersagen. Dabei garantiert die Bewertungshöhe des an die Börse strebenden Unternehmens nicht immer auch hohe Gewinne für frühe Investoren. Um zu veranschaulichen, wie es für neue Börsenplatzierungen laufen kann, bietet sich die Betrachtung der größten IPOs der vergangenen zehn Jahre und deren aktuellen Performance an.

2019: Rückgang an IPOs - 2020 wieder mehr Börsengänge

Laut den Daten vom globalen IPO-Markt brach das weltweite Emissionsvolumen im ersten Quartal 2019 um fast drei Viertel auf 13 Milliarden US-Dollar ein. Mit einem Rückgang von rund 98 Prozent, auf ein Gesamtvolumen in Höhe von 350 Millionen Euro, sind im ersten Quartal 2019 jedoch auch die IPO-Ambitionen der Europäer massiv abgeflaut. Mit dem größten Börsengang aller Zeiten, hat sich zum Jahresende das Blatt in Sachen Volumen jedoch noch einmal gewendet.

In diesem Jahr verzeichnete bereits vor allem China einen Anstieg von IPOs - trotz der Turbulenzen durch die Corona-Pandemie: 23 Unternehmen mehr wagten dort im Vergleich zu einem Jahr früher den Sprung aufs Börsenparkett - derweil blieb die Zahl in den USA auf dem Vorjahresniveau. Weltweit stiegen die Börsengänge um elf Prozent an, ergeben die Daten der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft EY.

Niedrige Zinsen ließen Börsengänge unattraktiv erscheinen

Die Gründe für den außerordentlichen Rückgang der globalen und europäischen Börsengänge im vergangenen Jahr waren verschiedener Natur. Neben Sorgen über den Brexit, den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie eine mögliche Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran spielten auch Zinsen eine wichtige Rolle. Aufgrund des wieder deutlich niedrigeren Zinsniveaus lohnte es sich für viele Unternehmen eher erneut frisches Fremdkapital aufzunehmen, anstatt über einen Börsengang eigene Aktien zu veräußern.

Rekord-IPO Aramco

Gerade in Zeiten eines eher schwachen IPO-Marktes lohnt es sich jedoch die Entwicklung der größten Börsengänge der vergangenen zehn Jahre genauer zu betrachten. Hierbei fällt der Blick zuallererst auf den größten Börsengang aller Zeiten, der noch nicht allzu lang zurückliegt: Saudi-Aramco. Die Pläne für einen Börsengang präsentierte der Ölgigant bereits im Jahr 2016 - am 11. Dezember war es dann soweit. Mit einem Ausgabepreis von 32 Riyal stemmte Aramco den 1,7 Billionen US-Dollar schweren Börsengang. Der Erstkurs lag schließlich bei 35,20 Riyal. Zunächst ging es zwar nach oben mit dem Aktienkurs, doch dann trat der Kurs eine seichte Abwärtsbewegung an. Im Zuge der Coronakrise verlor der Börsenneuling noch einmal deutlicher: Vom Ausgabepreis hat sich die Aramco-Aktie bisher (Stand ist der Schlusskurs vom 24. März 2020) um 7,81 Prozent entfernt und wurde so zuletzt noch an der Saudischen Börse für 29,50 Riyal gehandelt.

Alibaba rutscht auf Platz Zwei

Zuvor hielt lange Alibaba den Pokal des größten IPO in den Händen - das ist nun Vergangenheit. Das Volumen des chinesischen E-Commerce-Riesen betrug zum Zeitpunkt des Börsengangs, am 19. September 2014, rund 21,7 Milliarden US-Dollar. Die Alibaba-Aktie hatte damals einen Ausgabepreis von 68 US-Dollar. Mit einem aktuellen Kurs von 185,75 US-Dollar pro Papier notiert die Aktie des Amazon-Konkurrenten an der NYSE nun 173 Prozent höher.

Facebook-Aktie: Zuckerbergs Kursrakete

Ebenfalls für größere Aufmerksamkeit sorgte in den vergangenen zehn Jahren der Börsengang des Social-Media-Unternehmens Facebook. Mit einem Emissionserlös von insgesamt 16 Milliarden US-Dollar war Zuckerbergs Lebenswerk zwar deutlich niedriger bewertet als der chinesische Versandhändler Alibaba, dennoch wurden die frühen Investoren des Unternehmens im Nachhinein reichlich belohnt. Trotz des starken Rückgangs der vergangenen Wochen bei einem aktuellen Kurs von um die 160 US-Dollar an der NASDAQ, kostet die Facebook-Aktie immer noch 323 Prozent mehr als zum Ausgabezeitpunkt vom 18. Mai 2012 bei 38 US-Dollar pro Anteilsschein.

GM-Börsengang: Nullsummenspiel für die Aktionäre

Mit einem beachtlichen Emissionsvolumen in Höhe von 15,8 Milliarden US-Dollar kam am 18. November 2010 auch der US-amerikanische Automobilkonzern General Motors auf das New Yorker Parkett. Am ersten Handelstag kletterte das Papier von 33 US-Dollar auf rund 34,19 US-Dollar. Doch der gegenwärtige Kurs von rund 21 US-Dollar zeigt, dass es bei GM in den fast zehn Jahren an der Börse, außer einer Dividende, kaum etwas zu holen gab.

Uber & Lyft: Milliardenschwere Flop-IPOs

Um größere Börsengänge zu finden, muss man jedoch nicht immer Jahre zurückblicken. Mit einem Emissionsvolumen in Höhe von 8,1 Milliarden US-Dollar landet auch der Uber-Börsengang auf der Liste der größten IPOs der vergangenen zehn Jahre. Trotz des großen Interesses der Medien war das Uber-IPO am 10. Mai 2019 nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Die Uber-Aktie, die mit einem Kurs von rund 45 US-Dollar auf dem New Yorker Parkett startete, notiert gegenwärtig nur noch bei 27 US-Dollar - ein Verlust von 42 Prozent, wobei es im Zuge der Corona-Sorgen in den vergangenen Wochen zu den deutlichen Kurseinbußen kam.

Ein ähnliches Desaster zeigt sich auch beim Börsengang des Uber-Rivalen Lyft. Die Aktien des Fahrdienstleisters starteten mit einem Preis von rund 72 US-Dollar an der Börse und sind jetzt nur noch 27 US-Dollar wert. Anleger, die sich an dem Lyft-IPO beteiligten, sitzen somit nun auf einen Kursverlust von über 60 Prozent.

RWE erlöste fünf Milliarden für innogy

Milliardenschwere Börsengänge ereigneten sich in den vergangenen zehn Jahren jedoch nicht nur an der New Yorker Börse, auch auf dem Frankfurter Parkett erfolgten einige größere IPOs. Neben dem Siemens Healthineers Börsendebüt, welches einen Erlös von 4,2 Milliarden Euro einbrachte, stach vor allem auch der Börsengang der RWE Ökostromtochter innogy heraus. Das IPO brachte RWE am 7. Oktober 2016 rund fünf Milliarden Euro ein. Der Platzierungspreis der Aktie lag am Emissionstag mit 36 Euro am oberen Ende der Preisspanne. Aktuell liegt der Kurs der Aktie bei rund 43 Euro und somit trotz jüngstem Kursrückgang noch 19 Prozent höher.

4,2 Milliarden Euro für Siemens

Der Börsengang von HCA Healthcare, vom 10. März 2011, wäre mit einem Emissionsvolumen von 3,8 Milliarden US-Dollar fast der größte Börsengang im Gesundheitswesen der letzten zehn Jahre geworden. Siemens überbot diesen Rekord jedoch im Jahr 2018. Denn der Erlös des Siemens Healthineers Börsengangs spülte insgesamt 4,2 Milliarden Euro in die Kassen des Münchner Konzerns. Der Börsengang von Siemens Healthineers war somit auch der viertgrößte in Deutschland seit dem Jahr 2000. Der Ausgabepreis der 150 Millionen Anteilsscheine belief sich auf 28 Euro. Und obwohl es zuletzt deutlich bergab ging, können sich Anleger der frühen Stunde - bei zuletzt 36 Euro je Aktie - über ein Kursplus von fast 30 Prozent freuen.

Snap-Chef: Über Nacht zum Milliardär

Nach dem riesigen Börsenerfolg von Facebook traute sich am 2. März 2017 auch der Snap-Gründer Evan Spiegel auf das Parkett. Mit einem Ausgabepreis von 17 US-Dollar pro Aktie sammelte der US-amerikanische Internet-Unternehmer insgesamt rund 3,4 Milliarden US-Dollar ein. Dieser Börsengang katapultierte Spiegel zwar über Nacht in die Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt, seine Investoren hingegen erlitten jedoch herbe Verluste. Mit einem gegenwärtigen Kurs von 11 US-Dollar pro Aktie notiert das Papier rund 35 Prozent unter dem damaligen Ausgabepreis.

Frisches Kapital für Banken und Finanzdienstleister

Eine auch nicht bessere Performance als mit Snap-Aktien erzielten die Investoren der Citizens Financial Group. Die US-Bank ging am 24. September 2014 mit einem Volumen von drei Milliarden US-Dollar an die Börse. Der Ausgabepreis der Aktie belief sich auf 21,50 US-Dollar. Mit einem aktuellen Kurs von 17,80 US-Dollar notieren die Papiere nun, fast sechs Jahre nach dem Börsengang, 17 Prozent tiefer. Das sah vor wenigen Wochen noch ganz anders aus: Bevor es im Corona-Taumel nach unten ging, notierten die Anteilsscheine, wie die Kurse vieler anderer Unternehmen, noch fast auf Allzeithochniveau bei rund 40 US-Dollar.

Mit einem Emissionserlös in Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar sorgten auch die Banco Santander Mexico und das US-Finanzdienstleistungsunternehmen Synchrony Financial für Aufsehen. Während die Aktien des mexikanischen Ablegers der spanischen Bank Banco Santander an ihrem ersten Handelstag um über sechs Prozent stiegen, schlossen die Anteilsscheine der Synchrony Financial an ihren Börsendebüt-Tag unverändert. Mit einem aktuellen Kurs von 14,74 US-Dollar stehen die Anteilsscheine von Synchrony durch den Corona-Ausverkauf nun inzwischen rund 35 Prozent unter ihrem Ausgabepreis von 23 US-Dollar - dabei hielten sich die Papiere kürzlich noch unweit ihres im März 2018 verzeichneten Allzeithochs auf. Auch die Aktien der Banco Santander Mexico pendeln, mit einem aktuellen Preis von 3,02 US-Dollar, deutlich unter ihrem Ausgabekurs.

Viel Pipeline, wenig Performance

Mit einem Volumen von 2,9 Milliarden US-Dollar startete am 11. Februar 2011 auch der US-amerikanische Öl- und Gas-Pipeline-Riese Kinder Morgan an der New Yorker Börse. Kinder Morgan betreibt insgesamt rund 135.000 km an Erdgas- und Erdöl-Pipelines in den Vereinigten Staaten. Mit einem aktuellen Kurs von rund 13 US-Dollar notiert das Papier nun jedoch 56 Prozent unterhalb des damaligen Ausgabepreises von 30 US-Dollar.

Evonik-Aktie: Spezialchemie mit Kursschwäche

Einen Milliardenerlös konnte am 25. April 2013 auch das Essener Chemieunternehmen Evonik erzielen. Denn der Börsengang von Evonik Industries beschaffte frisches Kapital in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro. Der erste festgestellte Kurs der Aktie lag bei 33 Euro - davon ist Evonik bereits ein Weilchen entfernt. Doch da es in den vergangenen krisenbehafteten Handelstagen noch einmal deutlich bergab ging, pendelt das Papier bei einem gegenwärtigen Kurs von rund 19 Euro je Aktie rund 40 Prozent unter dem damaligen Debütpreis.

Knorr-Bremse-Aktie: Milliarden für die Eigentümerfamilie

Ein weiteres milliardenschweres Börsendebüt konnte im vergangenen Jahr das Münchner Traditionsunternehmen Knorr-Bremse feiern. Der Börsengang spülte rund 3,9 Milliarden Euro in die Taschen der Eigentümerfamilie. Da auch die Kursrally bei Knorr-Bremse ein abruptes Ende fand: Mit dem Schlusskurs vom 24. März 2020 bei 80,98 Euro liegt das Papier des Bremssystemherstellers fast unverändert beim damaligen Ausgabepreis von 80 Euro.

"Leute gewinnen jeden Tag im Lotto"

Ein Blick auf die größten Börsengänge der vergangen zehn Jahre zeigt deutlich, dass sich für Investoren längst nicht jedes IPO bezahlt gemacht hat. Gerade in Krisenzeiten bleibt es ein Glücksspiel. Selbst die vielbeachtete Facebook-Aktie stürzte nach ihrem NASDAQ-Börsengang erst um rund 40 Prozent ein, bevor sie ihre bilderbuchartige Kursrally startete. Aufgrund dieser hohen Unsicherheit rät Starinvestor Warren Buffett Privatinvestoren grundsätzlich davon ab in IPOs zu investieren. "Du brauchst dich nicht wirklich darum zu kümmern was bei IPOs eigentlich los ist. Leute gewinnen jeden Tag im Lotto", so die Investmentlegende aus Omaha.

Redaktion finanzen.net

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