10.04.2021 23:21

Fondsmanager Wiegel: "In Tesla wollen wir nicht investieren"

Euro am Sonntag-Interview: Fondsmanager Wiegel: "In Tesla wollen wir nicht investieren" | Nachricht | finanzen.net
Fondsmanager Manfred Wiegel
Euro am Sonntag-Interview
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Ökologie: Der Green Benefit Global Impact setzt erfolgreich auf die Hype-Themen Solar und Wasserstoff. Fondsmanager Manfred Wiegel erklärt seine Strategie.
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von Andreas Höß, Euro am Sonntag

Das Portfolio einer kleinen Fondsboutique aus Fürth in Bayern, die ausschließlich auf das Thema Nachhaltigkeit setzt, erzielte in den vergangenen zwölf Monaten mehr Rendite als jeder andere Öko-Fonds. Der Fondsmanager des Green Benefit Global Impact, Manfred Wiegel, erklärt die risikofreudige Erfolgsstrategie und warum er Tesla und BYD aus seinem Fonds geworfen hat.

Euro am Sonntag: Herr Wiegel, Sie leiten einen Öko-Fonds, der in globale Aktien investiert. In den vergangenen zwölf Monaten haben Sie über 250 Prozent Gewinn gemacht. Welche Positionen hatten den größten Anteil daran?

Manfred Wiegel: Für den hohen Gewinn haben vor allem zwei Bereiche gesorgt, die auch am höchsten im Fonds gewichtet sind: Wasserstoff und erneuerbare Energien. Wasserstoffaktien machen im Moment etwa 40 Prozent des Portfolios aus, Solarfirmen rund 30 Prozent. Beide Bereiche sind für eine saubere Zukunft ohne fossile Energieträger wie Öl und Gas unerlässlich. Trotzdem wollte die Aktien der Unternehmen, die das ermöglichen, lange keiner haben. Die Aktie von SolarEdge haben wir etwa vor vier oder fünf Jahren für 30 Dollar gekauft. Heute steht sie bei 300.

Vor 2020 war mit diesen Papieren aber kein Blumentopf zu gewinnen.

Das ist richtig. Im Solarbereich drängten vor einigen Jahren viele subventionierte chinesische Firmen auf den Markt und sorgten vor allem bei den Modulherstellern für Überkapazitäten. Das hat die Gewinnmargen und damit auch die Aktienpreise bei Solarfirmen gedrückt, einige gingen sogar pleite. Aber auch die Aktien von Zulieferern wie Solaredge, die Weltmarktführer bei Wechselrichtern sind, wurden mit nach unten gezogen - obwohl die Firma finanziell immer gesund war. Nun sind die Überkapazitäten abgebaut, der Markt ist bereinigt. Die Firmen machen gute Gewinne, und die Kurse ziehen auf breiter Front wieder an.

War die Flaute bei erneuerbaren Energien auch der Grund, weshalb Ihr Fonds zwischen 2015 und 2019 gar keine Gewinne abwarf?

Wir sind eine kleine Boutique, die mit großer Überzeugung und Ausdauer auf bestimmte Themen setzt, die wir für zukunftsträchtig halten. Da kann es sein, dass man mal eine längere Durststrecke durchstehen muss. Die Schwäche der Solarbranche war ein wesentlicher Punkt, weshalb unser Fonds zwischen 2015 und 2019 keine Gewinne machte. Außerdem kam ein politisches Phänomen dazu: Als Donald Trump 2016 US-Präsident wurde und den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen ankündigte, verlor unser Fonds 15 Prozent an Wert. Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden, dem Umweltschutz wichtig ist und der wieder ins Klimaabkommen eingestiegen ist, erlebten Umweltaktien und auch unser Fonds den gegenteiligen Effekt.

Dürfen Anleger in diesem Jahr auch eine dreistellige Rendite erwarten?

Wir sind langfristige Investoren, Jahresprognosen geben wir aus Prinzip nicht ab. Aber aus meiner Sicht ist der Umbau zu mehr Umweltschutz und erneuerbaren Energien ein Marathon, bei dem wir gerade einmal die ersten Kilometer hinter uns gebracht haben. Ein Jahr mit so massiven Gewinnen wie 2020 wird aber die Ausnahme bleiben.

Um Wasserstoff gibt es einen regelrechten Hype. Viele Aktien haben sich vervielfacht. Mal ehrlich: Das kann doch nicht ewig so weitergehen?

Nach den massiven Kursanstiegen 2020 hatten wir schon im Januar vor einer Korrektur bei Wasserstoff- und Solaraktien gewarnt, die dann auch tatsächlich kam. Wir haben den Kursrückgang aber genutzt, um unsere Positionen auszubauen. Denn wir sind überzeugt, dass es hier noch viel zu holen gibt. Schon jetzt fließen Milliarden in Wasserstoffprojekte, laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey werden dort bis 2030 etwa 300 Milliarden Dollar investiert, allein die Bundesregierung will in den nächsten Jahren neun Milliarden Euro in den Ausbau der Wasserstoffproduktion pumpen.

Aber noch ist unklar, wer davon profitiert.

Keiner weiß, wer einmal der Branchenriese im Wasserstoffbereich wird. Deshalb muss man breit aufgestellt sein. Wir setzen nicht auf einen Glückstreffer, sondern investieren in verschiedene Technologien und Ansätze. Wir haben elf reine Wasserstoffaktien im Fonds, darunter den Brennstoffzellenproduzenten Plug Power oder Nel Asa, die Weltmarktführer bei Elektrolyse und Wasserstofftankstellen sind. Wichtig ist uns aber, dass wir nur in sogenannte Pure Player investieren, also jene Firmen, die ihr Geld ausschließlich mit Solar, Wasserstoff oder Elektromobilität verdienen. Die Pure Player leisten den größten Beitrag bei der Umgestaltung hin zu einer grünen Wirtschaft, außerdem sind bei ihnen die größten Gewinne drin.

Dafür sind sie auch am riskantesten. In Ihrem Fonds gehört Plug Power zu den größten Positionen. Die Firma ist an der Börse 18 Milliarden Dollar wert, obwohl der Umsatz vor einem Jahr noch bei mickrigen 230 Millionen Dollar lag. Ist die Aktie nicht völlig überteuert?

Plug Power ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Hype um Wasserstoff nicht übertrieben ist. Im Jahr 2000 hat die Aktie 1.200 Dollar gekostet - das war eine völlige Luftnummer und der Kurs ist danach komplett kollabiert. Mittlerweile kostet sie wieder rund 50 Dollar. Trotz der kräftigen Kursanstiege im letzten Jahr ist sie meilenweit von ihrem Höchstkurs entfernt.

Andere Ökofonds sind oft deutlich breiter aufgestellt. Ist Ihr starker Fokus auf Wasserstoff und Solar nicht gefährlich?

Unser Fonds hat eine relativ hohe Volatilität, also Schwankungsanfälligkeit - das lässt sich nicht wegdiskutieren. Wir haben momentan einen klaren Fokus auf Wasserstoff und Solar, weil es dort eben am meisten Bewegung gibt. Unsere Kunden wissen das und wollen das auch. Aber: Wir sind nicht auf diese Themen festgelegt. Man sollte neuen Trends immer aufgeschlossen gegenüberstehen.

Einen Trend haben Sie aber an sich vorbeiziehen lassen: Im vergangenen Jahr hat die Aktie von Tesla rund 500 Prozent Gewinn gemacht. Sie waren nicht in sie investiert. Bereuen Sie das?

Nein. Denn wir haben bestimmte Ausschlusskriterien, um Unternehmen auszusortieren, die wir nicht als nachhaltig genug erachten. Dazu gehört die sogenannte Governance, also die gute Unternehmensführung. Tesla-Chef Elon Musk hat wegen seiner Twitterei dauernd Probleme mit der US-Börsenaufsicht SEC, und das ist nur eines der Governance-Probleme, das Tesla unserer Meinung nach hat. In ein Unternehmen mit so einer Führung wollen wir nicht investieren.

Das heißt, Sie haben Tesla aus Nachhaltigkeitsgründen nicht im Fonds?

Genau, auch wenn das mit Blick auf die Gewinne der Tesla-Aktie etwas wehgetan hat. Aber wir wollen nicht Rendite um jeden Preis. Wir haben im Dezember vergangenen Jahres auch den E-Autobauer und Batterieproduzenten BYD aus dem Fonds geworfen, in den wir seit dem Jahr 2015 investiert waren. Nicht, weil wir nicht mehr an die Aktie geglaubt haben. Der Grund war schlicht, dass das neue Elektroauto von BYD fast genauso aussieht wie der VW ID3. Wegen dieser möglichen Plagiatsaffäre passt BYD nicht mehr zu unserem Fonds. Ich denke aber, dass wir auch ohne Tesla und BYD eine ganz ordentliche Wertentwicklung hinbekommen haben.

Fokussiert auf Trends: Rund 70 Prozent des Portfolios verteilen sich auf Wasserstoff und Solaraktien. Das sorgt für kräftige Schwankungen, birgt aber auch - wie zuletzt - Potenzial für eine hohe Rendite.










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Bildquellen: Green Benefit

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