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27.09.2014 08:00

Myanmar: Asiens letztes Abenteuer

Myanmar im Blick: Myanmar: Asiens letztes Abenteuer | Nachricht | finanzen.net
Mönche mit Smartphone in dem Shwedagon Tempel in Yangon, Myanmar
Myanmar im Blick
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Rasant hat sich das einstige Birma seit Ende der Isolation zur am schnellsten wachsenden Wirtschaft Asiens gewandelt. Ausländische Investoren strömen ins Land, wo es an allem fehlt.
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von Frederik Richter, Euro am Sonntag

Aanadi ist bereit. Als der katarische Mobilfunkbetreiber Ooredoo am 15. August das erste private Handynetz in Myanmar an den Start brachte, konnten ihre Kunden gleich telefonieren. Aanadi, Besitzerin eines kleinen Handygeschäfts im Zentrum von Yangon, hatte schon Monate ­vorher einen Stapel Registrierungs­formulare auf ihren Verkaufstresen gelegt. "Damit konnten sich die Kunden schon rechtzeitig anmelden", erklärt sie. Zuvor gab es in Myanmar nur ein staatliches Handynetz. SIM- Karten für Vertragskunden kosteten satte 90 Euro, die Produktion von billigen Karten für Prepaid-Kunden fiel immer wieder aus.

An die Aussetzer der herunter­gekommenen Staatswirtschaft des Landes gewöhnt, wurde Aanadi dann kreativ und verlieh SIM-Karten samt Handys für 15 Euro pro Woche an die Touristen, die seit der Öffnung des Landes in den umliegenden Hotels übernachten.

"Endlich tut sich was in unserem Land. Früher lag die ganze Wirtschaft am Boden," sagt Aanadi. Bisher besitzen laut Schätzungen nur etwa fünf bis höchstens zehn Prozent der Bevölkerung ein Handy. Nicht weniger als 89 Firmen interessierten sich daher für die im vergangenen Jahr ausgeschriebenen Mobilfunklizenzen.

Aanadis Familie eröffnete ihren Handyladen im Jahr 2011, nachdem die Militärjunta im Jahr zuvor neben weiteren politischen Gefangenen auch die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi freigelassen und nach Jahrzehnten der Unterdrückung poli­tische Reformen angestoßen hatte. Im Jahr 2012 verabschiedete die Regierung ein neues Investitions­gesetz, das in vielen Branchen ausländischen Firmenbesitz zulässt. Seitdem strömen internationale Investoren in das Land, dessen Wirtschaft es an allem fehlt.

Einer von ihnen ist Phang Chee Yong, der Anfang des Jahres in Yangon die lokale Niederlassung des singapurischen Laborbetreibers Pathlab eröffnet hat. Er hat zuvor mit eigenen Augen gesehen, wie Krankenhauslabors in Myanmar sogar billige Teststreifen für Urinproben noch in der Mitte durchschneiden, um sie für zwei Patienten zu verwenden. Phang brachte eine hochmoderne Laboranlage von Siemens ins Land, mit der er vor allem der schnell wachsenden Privatwirtschaft Vorsorgeuntersuchungen für ihre Angestellten anbieten will.

Fehlende Mitttelschicht
Inzwischen weiß Phang auch um die speziellen Probleme. "Der Markt ist noch klein und schwierig," sagt er. Die Militärjunta hat die staat­lichen Krankenhäuser jahrzehntelang verkommen lassen. Das Land hat keine funktionsfähigen Krankenkassen, und auf dem Land können sich die meisten einen Arzt­besuch, geschweige denn einen Bluttest, nicht leisten.

Wie in vielen Branchen fehlt auch den privaten Kliniken eine Mittelschicht - die wenigen Reichen des Landes lassen sich lieber in Bangkok, Singapur oder Hongkong behandeln. Auch die amerikanische Software, mit der Ärzte über das Internet die Laborergebnisse abrufen können, kann Phang noch nicht vollständig anbieten. Dafür ist das Internet in Myanmar noch nicht schnell und zuverlässig genug. "Myanmar hat sich Ausländern gegenüber gerade erst geöffnet. Wir wollen jetzt einen Fuß in die Tür bekommen - es ist ein potenzieller Markt, aber es wird einige Jahre in Anspruch nehmen", sagt Phang.

Die politische und wirtschaftliche Öffnung Myanmars geschah so plötzlich, dass alles knapp ist in Yangon. Und was knapp ist, ist teuer. Geschäftsleute stöhnen, dass ein Zimmer im Traders Hotel, das vor drei Jahren noch für 30 Euro zu haben war, heute ein Vielfaches kostet. Nach dem Ende der westlichen Sanktionen kam im Jahr 2012 plötzlich eine Million Besucher ins Land, im Jahr 2013 zwei Millionen, in diesem Jahr werden drei Millionen erwartet. Der französische Hotel­betreiber Accor will jetzt mehrere Hotels in Myanmar eröffnen.

Die Straßen Yangons sind von neuen Bars und Cafés gesäumt. Thailändische Investoren wollen daher sogar in einer lokalen Eiswürfelproduktion satte Renditen erkannt haben. Wenn da nicht die instabile Stromversorgung wäre, deren Ausfall die Produktion einer Eisfabrik schnell schmelzen lassen kann.

Es interessieren sich derart viele ausländische Konzerne für das Land, dass es bisher nicht genügend lokale Partner für den Vertrieb von technisch komplexen Produktionen gibt. Myanmar weist wegen seines Wasserreichtums und der vielen verfügbaren Flächen vor allem in der Landwirtschaft viel Potenzial auf. Investoren wollen eine Lebensmittel verarbeitende Industrie schaffen und Konservendosen mit Champignons oder grünen Bohnen füllen sowie Kaffee anbauen und im Land verpacken.

Deutsche Firmen interessieren sich für den Einkauf von Materialien, unter anderem für die Textilindustrie. Der deutsche Generikahersteller Stada hat den Aufbau einer Lizenzproduktion mit lokalen Partnern in der Nähe von Yangon angekündigt.

Die größten Investitionen zieht in Myanmar bisher der Rohstoffsektor an, in dem deutsche Firmen wenig präsent sind. Myanmar verfügt über erhebliche Vorräte an Jade, Kupfer und Gold sowie Öl und Gas.

Die Gasvorräte zeigen exemplarisch das Potenzial und die Defizite der Wirtschaft Myanmars: Sie könnten dem Staat durch Exporte reiche Einnahmen bescheren. Doch gleichzeitig sind in weiten Teilen des Landes Stromausfälle noch an der Tagesordnung.

Angst vor China
Laut Alan Troner von der Energieberatungsfirma Asia Pacific Energy Consulting fehlt Myanmar die Infrastruktur in Form von Kraftwerken und Stromnetzen, um das Gas überhaupt selbst verbrauchen zu können. Internationale Geber wie die Weltbank, die seit dem vergangenen Jahr wieder mit dem südostasiatischen Land zusammenarbeitet, konzentrieren ihre ersten Mittel daher auf den Aufbau dieser Infrastruktur.

"Die Regierung muss die Balance finden zwischen dem Bedarf an Einnahmen in harter Währung und den grundlegenden Energiebedürfnissen einer Wirtschaft im Entwicklungsstadium," sagt Troner, der das Land seit Jahrzehnten immer wieder bereist. Beobachter glauben, dass vor allem die Angst vor einer Dominanz durch China das Militär dazu bewogen hat, das Land zu öffnen.

China muss einen Großteil der von seiner hungrigen Wirtschaft benötigten Rohstoffe über den von Piraten gefährdeten Seeweg einführen. Myanmar bietet nicht nur Rohstoffe, sondern im Konfliktfall auch eine alternative Versorgungsroute. "Angst vor chinesischer Dominanz, das Bewusstsein, dass sie selbst hinter ­Bangladesch zurückfielen, und der Wunsch, zu den Nachbarn in Südostasien zu gehören - das alles hat eine Rolle gespielt," sagt Toner.

Neben China dürfte auch das benachbarte Thailand das neue Selbstbewusstsein Myanmars als Erstes zu spüren bekommen. Das rohstoffarme Land scherte sich nicht um die internationalen Sanktionen. Thailands ehemaliger Staatskonzern PTT ist schon seit 20 Jahren im Land aktiv. Bei der Versteigerung von 20 Offshoreblocks für die Suche nach Gas im März gingen thailändische und chinesische Firmen prompt völlig leer aus. Stattdessen kamen vor allem indische und westliche Öl- und Gaskonzerne zum Zug.

In den kommenden Jahren muss sich zeigen, wie stabil das neue Myanmar ist und wie zuverlässig die Rechtsprechung. Bisher hat noch kein größerer Streitfall zwischen Investoren und lokalen Partnern oder der Regierung die neuen Gesetze dem harten Praxistest unterzogen.

Einige Investoren warten wohl auch noch die nächsten Wahlen im kommenden Jahr ab. Dann wird sich zeigen, ob die Generäle tatsächlich von der Macht lassen können. In der Wirtschaft stehen sie nach wie vor hinter vielen Firmen. Die im Jahr 2008 verabschiedete Verfassung garantiert der Armee 25 Prozent aller Parlamentssitze, womit sie Verfassungsänderungen blockieren kann. Die Oppositionsführerin Suu Kyi hatte zuletzt aber genau solche gefordert. Zwischen den vielen Minderheiten und der Zentralregierung kommt es immer wieder zu gewaltsamen Konflikten.

Steigende Nachfrage
In der Telekombranche geht es aber schon Schlag auf Schlag. Nach Ooredoo will der norwegische Konzern Telenor bis Herbst einen eigenen Mobilfunkdienst anbieten. In Aanadis Handyladen erkundigt sich gerade eine Kundin aus der Nachbarschaft nach einem der günstigeren Geräte von Samsung oder HTC. Ein iPhone von Apple ist bisher für kaum jemanden erschwinglich. Doch Aanadi hofft, dass mit dem Start von Ooredoo und Telenor die Nachfrage nach Geräten weiter steigt. "Die Wirtschaft hier läuft jetzt besser, immer mehr Leute können sich Handys leisten," sagt sie.

Investor-Info

Wirtschaft in Myanmar
Die wichtigsten Fakten

In dem Land leben etwa 64 Millionen Menschen auf einer Fläche so groß wie Frankreich und Großbritannien zusammen. Unter der seit 1962 bestehenden Militärherrschaft waren sie bis vor Kurzem vom internationalen Handel isoliert. Seit 2011 ist Präsident Thein Sein das gewählte Staatsoberhaupt. Jetzt boomt die Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2014 ein Wachstum von über sieben Prozent und für 2015 und 2016 eine stabile Wachstumsrate von knapp acht Prozent, basierend vor allem auf dem Wachstum im Bausektor und bei Dienstleistungen. Der IWF geht mittelfristig von rund sieben Prozent Inflation aus, bedingt durch steigende Strompreise und Nachfragedruck. Das Land verfügt über die größten Gasreserven in Südostasien, die auf Jahre hinaus die wichtigste Quelle des Wachstums bleiben werden - die geförderten Mengen steigen Jahr für Jahr. Myanmar ist nach ­Afghanistan der global zweitgrößte Opiumproduzent.

Myanmar-Zertifikat
Nur für Goldgräber geeignet

Eine Börse wird in Myanmar erst 2015 aufgebaut. Daher können Anleger nur über Umwege investieren. Die Schweizer Bank EFG offeriert ein Zertifikat, das fünf Firmen aus Singapur, vier aus Thailand und eine aus Malaysia enthält, die in Ex-Birma präsent sind und Teile ihres Umsatzes dort machen. Die Firmen stammen aus den Sektoren Bau/Projektentwicklung, Energie, Handel und Finanzen. Halbjährlich wird die Zusammensetzung geprüft, die Gebühr beträgt 1,2  Prozent p. a. Es besteht ein Währungs­risiko. Nur für risikobereite Anleger geeignet.

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