Massenentlassung

Darum feuerte Elon Musk das Supercharger-Team - und so geht es jetzt weiter

08.06.24 22:43 Uhr

Schock bei NASDAQ-Titel Tesla: Die Hintergründe zur kompletten Entlassung des Supercharger-Teams | finanzen.net

Ende April schockierte Tesla-Chef Elon Musk Mitarbeiter und Anleger mit der Entlassung des nahezu vollständigen Supercharger-Teams inklusive Führungskräften und drohte wohl anderen Abteilungen mit dem gleichen Schicksal. Grund für die Kurzschlussreaktion von Musk war wohl eine eher triviale Meinungsverschiedenheit, über die der Tesla-Chef den zukünftigen Geschäfserfolg aufs Spiel setzte.

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• Supercharger-Entlassungen offenbar nach Widerworten durch Team-Lead
• Neues Team wohl überfordert
• Deutlich langsamerer Ausbau des Ladenetzwerkes



Im April setzte der E-Autokonzern Tesla den Rotstift an und strich mindestens jede zehnte Stelle. Besonders hart griff Tesla-Chef Elon Musk auch beim Supercharger-Team durch und setzte Ende April nahezu jeden Mitarbeiter der 500 Personen umfassenden Abteilung auf die Straße. Auch Rebecca Tinucci, Teslas Senior Director für das Laden von Elektrofahrzeugen, die das Supercharger-Team seit sechs Jahren geleitet hatte, wurde entlassen. In einer E-Mail an Führungskräfte soll Musk außerdem gedroht haben, dass künftig auch andere Teamverantwortliche, wenn sie die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen - Musk sprach dabei von "Exzellenz, Notwendigkeit und Vertrauenswürdigkeit" - ebenfalls mit ihrem kompletten Team würden gehen müssen. Dies deutet darauf hin, dass womöglich eine Auseinandersetzung mit Rebecca Tinucci der Grund dafür gewesen sein könnte, dass Tesla beim Supercharger-Team Tabula rasa machte. Und wie die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtet, ging der Massenentlassung tatsächlich eine Meinungsverschiedenheit zwischen Musk und Tinucci voraus.

Führungskraft hinterfragt Anweisung von Musk - Tesla-Chef reagiert impulsiv

Wie "Reuters" unter Berufung auf mehrere ehemalige Angestellte aus Teslas Supercharger-Team berichtet, habe der Tesla-Chef am Tag vor den Entlassungen ein Meeting mit Rebecca Tinucci gehabt. In diesem habe Musk sie aufgefordert, weitere Mitglieder ihres Teams zu entlassen, nachdem sie die Abteilung in den zurückliegenden zwei Wochen bereits um 15 bis 20 Prozent verkleinert hatte. Tinucci, die sich offenbar erhofft hatte, Musk würde nach den bereits vorgenommenen Stellenstreichungen die Pläne für einen massiven Ausbau des Ladenetzes bestätigen, sei davon jedoch nicht begeistert gewesen. So habe sie Befürchtungen geäußert, dass noch tiefere Einschnitte die Grundlagen des Ladegeschäfts untergraben würden. Ihr Zögern, seine Anweisungen zu befolgen, nahm Musk jedoch offenbar zum Anlass, um Tinucci zusammen mit ihrem gesamten Team am nächsten Tag vor die Tür zu setzen.

Wie die Nachrichtenagentur weiter berichtet, habe Rebecca Tinucci erst wenige Wochen vor ihrer Entlassung damit begonnen, direkt an Elon Musk zu berichten. Zuvor habe sie Drew Baglino unterstanden, der das Unternehmen jedoch Mitte April zum Zeitpunkt der ersten Entlassungen verließ. Baglino war zuletzt als Senior Vice President, Powertrain and Energy Engineering für Tesla tätig gewesen. "Ich habe gestern nach 18 Jahren die schwierige Entscheidung getroffen, Tesla zu verlassen. Ich bin so dankbar, dass ich im Laufe der Jahre mit den unzähligen unglaublich talentierten Menschen bei Tesla zusammengearbeitet und von ihnen gelernt habe", schrieb er bei dem Kurznachrichtendienst X. Ob die Entlassungen bei dem E-Autobauer einer der Gründe für seinen Rücktritt waren, ist jedoch nicht bekannt.

Neuen Supercharger-Verantwortlichen fehlen Wissen und Kontakte

Der Rauswurf des gesamten Supercharger-Teams dürfte laut den Insidern einen schweren Rückschlag für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in den USA bedeuten, berichtet "Reuters" weiter. Zwar sei das Energieteam von Tesla, das Solar- und Batteriespeicherprodukte für Privathaushalte und Unternehmen verkauft, anschließend mit der Übernahme der Supercharger-Abteilung beauftragt worden, aber den dortigen Mitarbeitern würden die Beziehungen zu Zulieferern und Energieversorgern fehlen, die sich die ehemaligen Mitarbeiter aufgebaut hätten. "Es ist wirklich traurig zu sehen, wie all diese Beziehungen zerbrechen und die Leute richtig wütend sind - und das zu Recht", so ein geschasster Tesla-Angestellter gegenüber "Reuters". Und tatsächlich kamen die Supercharger-Entlassungen bei vielen Firmen, mit denen Tesla zusammenarbeitet, wohl nicht gut an. So sagte ein Bauunternehmer der Nachrichtenagentur, die Tesla-Mitarbeiter, die seit den Entlassungen mit seinem Unternehmen Kontakt aufgenommen hätten, hätten "von nichts eine Ahnung".

Wichtige Phase für Tesla - dennoch dürfte sich Supercharger-Ausbau ausgerechnet jetzt verlangsamen

Dabei dürfte der Ausbau des Supercharger-Netzwerks gerade jetzt wichtiger denn je sein, um die Verfügbarkeit für Kunden aufrechtzuerhalten, nachdem im vergangenen Jahr mehrere große Autohersteller angekündigt haben, Teslas-Ladestandard zu übernehmen und somit bald mehr Andrang an den entsprechenden Ladestationen herrschen dürfte. Mögliche Sorgen versuchte Musk im Mai zu zerstreuen, indem er auf X die Schaffung tausender neuer Ladestationen ankündigte.

"Nur um das noch einmal zu wiederholen: Tesla wird weit mehr als 500 Millionen Dollar in den Ausbau unseres Supercharger-Netzwerks investieren, um in diesem Jahr tausende neue Ladestationen zu schaffen. Dabei geht es nur um neue Standorte und Erweiterungen, die Betriebskosten, die viel höher sind, werden nicht mitgezählt", so der Tesla-Chef.

Was zunächst nach einem deutlichen Ausbau des Supercharger-Netzwerkes klingt, ist allerdings eine deutliche Verlangsamung des bisherigen Tempos. So schätzt das Forschungsunternehmen EVAdoption laut "Reuters", dass eine Investition von 500 Millionen US-Dollar in diesem Jahr bedeuten würde, dass Tesla in den USA 77 Prozent weniger Ladestationen pro Monat baut als noch in dem Zeitraum vor Entlassung des Supercharger-Teams. Auch zwei ehemalige Mitarbeiter der Abteilung sagten der Nachrichtenagentur, dieses Budget liege deutlich unter dem, was das Team für 2024 geplant hatte, stelle aber dennoch eine Herausforderung dar, die hunderte von Mitarbeitern erfordere.

Tesla rudert zurück: Einige Mitarbeiter wohl wieder eingestellt

Inzwischen hat anscheinend auch Tesla-Chef Musk eingesehen, dass dies ohne erfahrene Mitarbeiter wohl nicht machbar sein wird. Denn wie "Bloomberg" berichtet, hat Tesla einige der entlassenen Supercharger-Mitarbeiter inzwischen klammheimlich wieder eingestellt. So sei etwa unter anderem Max de Zegher, der Leiter der Ladeabteilung für Nordamerika, wieder bei dem E-Autobauer beschäftigt. Wie viele andere Mitglieder des rund 500-köpfigen Teams Tesla insgesamt inzwischen wieder zurückgeholt hat, ist jedoch unklar.

Redaktion finanzen.net

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