Interview mit Mr. DAX

Dirk Müller: "Die Notenbanken könnten die Schleusen öffnen"

16.10.11 19:19 Uhr

Dirk Müller hat das Vertrauen in die Papierwährungen verloren. Er rät Anlegern nun zu Aktien und Edelmetallen - mit Absicherung. Für die weltweiten Demonstrationen gegen die Finanzwelt hat er, der Börsenmakler, großes Verständnis.

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Aktien

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Rohstoffe

2.398,84 USD 0,00 USD 0,00%

Devisen

1,0881 USD -0,0018 USD -0,17%

Indizes

7.243,5 PKT -43,9 PKT -0,60%

1.576,9 PKT -17,1 PKT -1,07%

18.171,9 PKT -182,8 PKT -1,00%

471,3 PKT -7,3 PKT -1,52%

185,6 PKT -2,9 PKT -1,53%

40.287,5 PKT -377,5 PKT -0,93%

500,1 PKT -4,2 PKT -0,84%

4.827,2 PKT -42,9 PKT -0,88%

143,9 PKT -0,9 PKT -0,64%

1.084,1 PKT -12,6 PKT -1,15%

6.193,8 PKT -6,9 PKT -0,11%

9.635,6 PKT -99,7 PKT -1,02%

25.343,4 PKT -244,0 PKT -0,95%

19.522,6 PKT -182,5 PKT -0,93%

17.726,9 PKT -144,3 PKT -0,81%

7.458,3 PKT -63,3 PKT -0,84%

15.716,7 PKT -210,8 PKT -1,32%

7.127,8 PKT -72,0 PKT -1,00%

2.661,5 PKT -20,7 PKT -0,77%

5.505,0 PKT -39,6 PKT -0,71%

14.357,6 PKT -147,4 PKT -1,02%

4.415,4 PKT -26,8 PKT -0,60%

3.284,6 PKT -61,1 PKT -1,83%

3.639,0 PKT -21,5 PKT -0,59%

Das Interview führte Benjamin Summa

Vor einem Jahr haben Sie im finanzen.net-Interview die Sorge beschrieben, dass einige Staaten in die Rezession zurückfallen könnten und dass Gefahren für die Aktienmärkte erwachsen aus neuen Problemen für die Banken und aus möglichen Staatspleiten in Europa. Genau so ist es gekommen. Wie sollten sich Anleger nun in solchen Phasen verhalten?

Dem Geld kann man nicht mehr vertrauen. Festgelder und Staatsanleihen sind so unsicher wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Rat an Anleger war in solchen Zeiten immer, in reale Werte wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe zu investieren. Die Gefahr dabei ist jedoch, dass eben diese Realwerte massiv unter Druck kommen könnten, wenn die Banken zunehmend in Schwierigkeiten geraten und wiederum ihre Staatsanleihen abschreiben müssen. Denn dann brauchen sie dringend Eigenkapital, um ihre Kredite zurückzufahren und ihren Hebel zu reduzieren. Die Folge ist, dass Banken dann alles verkaufen, was sie im Depot haben. Es spielt dann keine Rolle, ob es sich um Aktien, Rohstoffe oder Edelmetalle handelt.
Genauso gut könnten die Notenbanken aber auch die Schleusen öffnen, das Gelddrucken also ausweiten und das System inflationieren. Dann sehen wir keinen großen Clash, sondern eine riesige Geldentwertung. Kurzum: Wir wissen nicht, ob die Märkte massiv einbrechen oder durch die Decke gehen. Aber eins von beiden werden sie sicherlich tun. Deswegen ist für mich die sinnvollste Anlagestrategie, jetzt reale Werte wie Aktien und Edelmetalle zu kaufen und diese gleichzeitig gegen Kurseinbrüche zu versichern – mit klassischen Verkaufsoptionsscheinen. Dann habe ich meine Absicherung nach unten und wenn es nicht zum Einbruch kommt, sind die Anleger nach oben voll dabei. Im schlimmsten Fall ist dann die Versicherungsprämie umsonst bezahlt worden. Wir haben im DAX derzeit eine Dividendenrendite von durchschnittlich 4,5 Prozent. Wenn der Markt auch nur stabil bleibt oder gar ansteigt, dann zahlen die Unternehmen die Dividende auch. Die Hälfte der Versicherungsprämie bekommen die Anleger also schon in Form der Dividendenausschüttung zurück.

Und wenn die Märkte weiterhin stark nach unten tendieren?

Wenn die Aktienmärkte nach unten drehen, sieht meine Absicherungsstrategie vor, immer wieder Optionsscheine zu verkaufen und wieder auf niedrigerem Niveau Aktien oder Edelmetalle nachzukaufen. Der Korb an Aktien und Edelmetallen wird auf dem Weg nach unten also immer größer. Irgendwann ist die Krise vorbei, dann steigen diese Assets wieder – in welcher Währung auch immer – und die Anleger haben einen Korb voll sinnvoller Aktien wie Siemens oder BASF, die jede Krise überstehen sowie werthaltige Edelmetalle. Anleger hätten dann nichts verloren und ihre Kaufkraft erhalten.

Viele hoffen darauf, dass nun mit dem Beginn der US-Berichtssaison an den Börsen die Schuldenproblematik nicht mehr im Vordergrund steht, sondern die Realwirtschaft. Ist das Ihrer Meinung nach tatsächlich eine Chance oder ein zusätzliches Risiko, weil die Unternehmen möglicherweise ihren Ausblick für 2012 runterschrauben könnten?

Es besteht natürlich immer die Gefahr, dass die Gewinne der Unternehmen doch nicht so stark sind, wie man sich das erhofft hat. Vielleicht gibt es aber auch eine positive Überraschung, die ersten drei Quartale 2011 sind doch recht gut gelaufen. Aber momentan dreht sich alles um die Verschuldung und die Bankenkrise. Und das wird auch mittelfristig so bleiben. Es geht nicht mehr darum, ob Banken gerettet werden müssen, es geht nur noch darum, wie die Banken rekapitalisiert werden können. Es wird momentan offen darüber gesprochen, dass die größten europäischen Banken kurz vor dem Zusammenbruch stehen.
Die meisten blenden dabei aus, dass diese neuerliche Bankenkrise auch Nationalstaaten in die Katastrophe treiben wird. Und dieses Problem ist nicht auf Europa beschränkt. Wir sehen, dass auch China seine Banken seit einigen Tagen massiv stützen muss. Die chinesischen Banken haben seit 2009 Kredite mit einem Volumen von 2 Billionen Dollar vergeben, um ihre Binnenwirtschaft anzukurbeln. Die Rating-Agentur Fitch rechnet damit, dass 30 Prozent dieser Kredite als faul zu bewerten sind. Die Probleme werden sich noch einige Monate hinziehen, mit extremen Verwerfungen oder plötzlichen Kurssprüngen nach oben – je nach Stimmungs- oder Nachrichtenlage. Für den Anleger, der sich diesem Wahnsinn nicht ausliefern will, ist die vorhin von mir skizzierte Strategie die einzig sinnvolle.

Wie würden Sie mit der Causa Griechenland umgehen: Sollte man das Land pleitegehen lassen oder ist die Gefahr realistisch, dass die Märkte dann testen, ob auch Irland, Portugal und Italien in die Knie gezwungen werden könnten?

Griechenland wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in die geordnete Insolvenz gehen. Es wird ein großer Schuldenschnitt kommen. Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker sagte kürzlich, dass es vollkommen klar sei, dass Griechenland einen so genannten Haircut brauche und dieser sei mit 50 oder 60 Prozent nicht getan. Das sagt der Politiker, der am 21. Mai noch glaubte, eine Pleite Griechenlands läge außerhalb des Vorstellbaren. Es gilt nichts mehr, was gestern noch behauptet wurde. Für mich steht fest: Griechenland wird in die Insolvenz gehen, man wird dem Land einen Großteil seiner Schulden erlassen müssen und die Steuerzahler werden die Risiken schultern müssen. Wenn dieser Schritt schon vor anderthalb Jahren gemacht worden wäre, hätte es die private Wirtschaft – also die Banken – übernehmen müssen. Aber auch der Haircut wird keine Lösung bringen, weil Griechenland in der Europäischen Währungsunion kein Geschäftsmodell hat. Der Euro ist für Griechenland definitiv die falsche Währung. Wir haben es in der wirtschaftlich starken Schweiz gesehen, wie schnell die Wirtschaft durch Kapitalzuströme von außen, also eine Aufwertung der Währung, unter Druck kommen kann. Man kann sich vor diesem Hintergrund leicht ausmalen, dass ein wirtschaftlich schwaches Griechenland mit einer viel zu starken Euro-Währung immer neue Schulden machen oder Transferzahlungen in Anspruch nehmen muss.
Die Märkte haben die Abwicklung Griechenlands weitestgehend verarbeitet, man wartet nur noch auf die technische Umsetzung. Als nächstes nehmen sich die Märkte dann die nächsten Kandidaten vor: Portugal, Spanien oder Italien. Die Dynamik wird sich dramatisch zuspitzen: Die Banken müssen durch die Nationalstaaten gerettet werden, die Staaten kommen dadurch selbst in Schwierigkeiten. Kurz gesagt: Die Banken reißen die Staaten in den Abgrund.

Wie finden Sie persönlich aussichtsreiche Aktien, welche Papiere kaufen Sie derzeit?

Für mich sind derzeit Schwergewichte wie Coca-Cola, Apple, Trägerwerk, Eon, RWE, Fresenius Medical Care oder SGL Carbon sehr interessant. Hier sind hohe Dividendenrenditen zu erzielen. Bei Eon haben wir innerhalb von wenigen Wochen 30 Prozent Kursgewinn gesehen. Es macht also durchaus Sinn, derzeit auf starke, solide Unternehmen zu setzen, die langfristig jede Krise überleben.

Mit welchem Investment haben Sie die bisher höchste Rendite eingefahren?

Sicherlich mit meinen Gold- und Silberbeständen. Ich bin seit 10 Jahren in Edelmetallen engagiert und trommele seitdem überall dafür, dass ein Anteil von 10 bis 20 Prozent in physische Edelmetalle investiert werden sollte. Ich erwarte künftig noch deutliche Preissteigerungen bei Gold und Silber. Aber die Anleger müssen auch wissen, dass sie künftig auch mit extremen Abschlägen rechnen müssen. Silber kann durch erhöhte Hinterlegungspflichten dann schnell mal um 30 Prozent nachgeben, Gold um 20 Prozent.
Ansonsten war ich relativ frühzeitig über das Thema seltene Erden informiert, da ich mit einem Zukunftsforschungsinstitut, das Trendthemen analysiert, eng zusammenarbeite. Wir haben damals, als noch keine Finanzzeitung über seltene Erden berichtet hat, Lynas-Aktien gekauft, als sie bei 0,4 Cent standen, verkauft haben wir bei 1,34 Euro.

Und wie bewerten Sie die Minenaktien derzeit?

Wir haben vor wenigen Tagen einen neuen Börsendienst gestartet, Cash-Kurs Gold, der sich schwerpunktmäßig mit Edelmetallaktien auseinandersetzt. Wir sind der Ansicht, dass die Minenaktien eine sehr gute Beimischung fürs Depot sind. Wir empfehlen aber keine Small Caps, also keine kleinen Explorer, sondern nur MidCaps ab 500 Millionen Marktkapitalisierung, hier sind keine Kursmanipulationen möglich. Zudem haben diese Unternehmen nachhaltig bewiesen, dass sie Gewinn erwirtschaften können.

Sie sind selbst Börsenmakler, man könnte auch Berufsspekulant sagen. Können Sie die Protestanten in den USA verstehen, die zurzeit sehr hart mit dem kapitalistischen Finanzsystem ins Gericht gehen?

Ist sage ganz ehrlich: Die Demonstranten haben vollkommen Recht. Am liebsten würde ich mich in die erste Reihe stellen und mitmarschieren. Ich bin zwar Teil des Finanzsystems. Aber die Finanzwelt besteht meiner Meinung nach aus zwei Teilen. Den einen Teil braucht die Realwirtschaft, dieser ist gut und sinnvoll. Denn die Finanzwelt hat als Dienstleister eine Aufgabe und eine Berechtigung. Aber es muss ehrlich und anständig ablaufen. Ein Geschäft ist dann ein gutes Geschäft, wenn es für beide Seiten ein gutes Geschäft ist. Das hat sich leider komplett pervertiert. Die Finanzwelt hat sich zum Herren über die Realwirtschaft erhoben und reißt diese in den Abgrund. Künftig muss die Finanzwelt wieder zum Diener der Wirtschaft werden. Die Banken werden sich niemals eine Selbstregulierung auferlegen, hier wäre die Politik gefordert. Die Politiker verstehen die komplexen Zusammenhänge oftmals aber gar nicht, deswegen lassen sie sich von den Banken diktieren, was zu tun ist.

In Ihrem neuen Buch „Cashkurs“ beschreiben Sie Anlagestrategien. Was ist Ihre Botschaft?

Nach meinem Buch Crashkurs wollte ich einen Ratgeber schreiben, um den Verbrauchern einen Grundkurs rund ums Geld an die Hand zu geben. Ich wollte die Leser also sensibilisieren, einmal zu überlegen, welche Einnahmen sie haben und welche Ausgaben. Zudem erkläre ich einfache Bankprodukte, Altersvorsorgemodelle, aber auch die hohe Schule der Geldanlage. Welche Aktienstrategien sind erfolgreich? Wie sollte ich mein Depot strukturieren? Alles ist so einfach wie möglich geschrieben, dazu humorvoll mit einem Augenzwinkern. Ich persönlich führe immer noch ein Haushaltsbuch. Ich schreibe zwar nicht mehr – wie als Jugendlicher – jeden Kaugummi auf. Aber ich habe bis heute zu jeder Zeit eine Übersicht über meine Positionen. Was ging raus für Versicherungen, Einkäufe und Lebensmittel? Es ist erschreckend, was da zusammenkommt.

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